Mal ehrlich: So ein Buch hat mir gefehlt. Ellen de Sousa Marques packt nicht die üblichen Trainingsrezepte aus, sondern zeigt, dass ohne Beziehung vieles nur halb so wirkt. In der Hundeschule in Köln passieren Szenen, die man erstmal schlucken muss — der Hund, der sich ungefragt Plätze nimmt, das Drehen um Ressourcen wie Futter oder Sofa, der Rückruf, der öfter ein Wunschdenken bleibt. Genau hier setzt die Autorin an: Nicht nur Tricks, sondern die Basis — wie wir miteinander verbunden sind. Das trifft bei mir direkt einen Nerv, weil Erziehung allein oft wie Nagelschneiden ohne Handtuch ist: möglich, aber unbequem.
Mit vielen Alltagsbeispielen, kleinen Anekdoten und ehrlichen Fehlversuchen mit Carmo und Carlino erklärt Marques, warum sich Hunde verhalten, wie sie es tun, und wie Menschen das oft falsch interpretieren. Besonders stark fand ich die Kapitel über Privilegien und das Sich-Zurücknehmen: Wer konstant alles erlaubt, wundert sich nicht, wenn Grenzen verschwimmen. Gleichzeitig bleibt die Autorin nahbar — sie verurteilt nicht, sie erklärt und lädt ein, die Perspektive zu wechseln. Das Buch ist voller praktischer Impulse, aber wer absolute Schritt-für-Schritt-Anleitungen erwartet, wird an manchen Stellen nachdenklich zurückbleiben. Das ist kein großer Kritikpunkt, sondern eher ein Hinweis: Beziehung gelingt nicht mit einer Checkliste allein.
Humorvoll, manchmal sarkastisch, aber immer respektvoll — so liest sich das Ganze. Für Leute, die bereit sind, sich selbst zu hinterfragen und nicht nur „Befehle“ zu verteilen, ist das Buch Gold wert. Kleine Schwäche: Bei komplexen Problemen wie hartnäckigem Rückruf hätte ich mir noch konkretere Trainingspläne gewünscht. Insgesamt bleibt aber ein sehr stimmiges Werk, das Beziehung in den Mittelpunkt stellt und damit langfristig mehr Erfolg verspricht als reine Technik. Fazit: Kaufen, lesen, und vor allem anfangen, anders mit dem eigenen Hund zu denken.





