Ellert R. S. Nijenhuis Somatoforme Dissoziation

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Inhaltsangabe zu „Somatoforme Dissoziation“ von Ellert R. S. Nijenhuis

Viele Patienten mit dissoziativen Störungen suchen anfänglich Hilfe wegen somatischer Erkrankungen, und oft berichten sie, daß sie selbst oder ihre Ärzte die vielfältigen und „merkwürdigen” Symptome, die aus scheinbar unerfindlichen Gründen kommen und gehen, nicht zu erklären vermögen. Die für psychische Dissoziation entwickelten Diagnose-Instrumentarien erweisen sich auch nicht immer als hilfreich. In solchen Fällen macht es Sinn, von somatoformen dissoziativen Symptomen zu sprechen. "Auf Janets Forschung aufbauend, erweitert Ellert Nijenhuis` Buch über die somatoforme Dissoziation unser Verständnis dissoziativer Phänomene und beleuchtet deren historische Beziehung zur Hysterie. Auf einer empirischen Basis verbindet Nijenhuis Aspekte der klinischen Dissoziation mit der Erstarrungsreaktion beim Anblick eines Raubtiers und veranschaulicht so die fundamentale Rolle der dissoziativen Abwehr angesichts überwältigender Angst und Gefahr. Dieses Buch verbindet wichtige neue Informationen mit einer konzeptuellen Synthese früherer Arbeiten, stimuliert so unserer Denken und ermöglicht uns, die Erkenntnisse zur Thematik weiterzuentwickeln." - Frank W. Putnam

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    Somatoforme Dissoziation

    Liebes_Buch

    23. January 2017 um 21:33

    (Die Besprechung bezieht sich auf  "Die Trauma Trinität" von Ellert Nijenhuis.)Es handelt sich hier um ein Fachbuch, über das ich nur aus der Sicht eines Laien sprechen kann. Nach dreissigjähriger Erfahrung mit Traumapatienten legt der Autor ein umfangreiches Werk vor, das sich mit verschiedenen Aspekten der Traumaforschung befasst.Der Leser erfährt etwas über die Spuren des Traumas in alten Schriften der Antike und in der Literatur, dann in Gerichtsstreitigkeiten- obwohl man den Symptomen früher andere Namen gab, kann man davon ausgehen, dass es sich um Traumaerkrankungen handelte. Nijenhuis beschreibt die Begriffsbildung und erklärt genau, in welchem Sinn er ihn verwendet. Zur traurigen Geschichte des Traumas gehört auch, dass Ärzte früher den Krieg als gesundheitsförderlich einstuften, weil sie ein Trauma als  Schwäche des Opfers verstanden. Mit dieser gesellschaftlichen Sichtweise kämpfen die Patienten anscheinend bis heute. Fachleute unterscheiden zwischen verschiedenen Störungen. Der Schwerpunkt dieses Buches beschäftigt sich mit der traumabedingten Dissoziation. Dabei teilt sich die Persönlichkeit in 3 Systeme (Trinität): den scheinbar normal funktionierenden Teil, der das Leben bewältigt und scheinbar weiterfunktioniert (Ignoranz), den emotional belasteten Teil (Fragilität) und den kontrollierenden Teil (Kontrolle). Bei der Erforschung dieser Störung gibt es Probleme z B mit der Definition des "Ich", weil man im Grunde noch keine wissenschaftliche Definition für das Selbst einer Person entwickelt hat. Auch ist nicht geklärt, wie der Wille funktioniert. Neben der Erklärung des Ichs spielt auch das Erleben der Welt und der Ereignisse eine Rolle. Es hat mich erstaunt zu lesen, welche Hürden Wissenschaftler nehmen müssen, um überhaupt zu beweisen, dass es sowas wie ein Trauma gibt, da man den Patienten auch unterstellt zu simulieren. Die Forschung kann inzwischen Reaktionen in verschiedenen Bereichen des Gehirns nachweisen. Die Beweisbarkeit sollte Patienten vielleicht helfen. Dann thematisiert Nijenhuis die abwehrende Haltung von Ärzten gegenüber Patienten, aber auch von Ärzten gegenüber forschenden Kollegen, sowie abwehrende Haltung der Gesellschaft gegen Studienergebnisse usw.Die Verdrängung von Traumatisierung scheint  nicht allein im Betroffenen vor sich zu gehen, der ja nicht im luftleeren Raum lebt, sondern von der Gesellschaft insgesamt vorgenommen zu werden. Ein Mangel an Hilfe des sozialen Umfelds erhöht jedoch das Risiko eines Schadens. Dieses Buch befasst sich also differenziert mit den Problemen der Definition, der Forschung, der Beweisbarkeit und der Rezeption durch die Öffentlichkeit/Wissenschaft.Das Buch ist nicht nur aus medizinischer, sondern auch aus philosophischer Sicht interessant.Ich war überrascht über die Ehrlichkeit und die Selbstkritik an der Ärzteschaft. Verletzungen durch traumatische Erlebnisse scheinen ein massives Problem in unserer Welt zu sein, das anscheinend kollektiv verdrängt wird. Aus diesem Grund wünsche ich diesem Buch zahlreiche Leser.

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