Ein Satz an Herrn Müller

von Elmar Tannert 
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Ein Satz an Herrn Müller
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Interessant und ungewöhnlich – ein Buch zum Nachdenken.

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Inhaltsangabe zu "Ein Satz an Herrn Müller"

Herr Müller ist Gestalter von Wohnräumen und Erfüller von Wohnträumen. Er nimmt sich Zeit, um das genau auf seine Kunden zugeschnittene Interieur zu entwerfen, das ihre Persönlichkeit widerspiegelt. An dem Schriftsteller jedoch, der ihm in einem gigantischen Monolog, einem einzigen langen Satz, die Ansprüche schildert, die sein ideales Domizil erfüllen müsste, kann Herr Müller nur scheitern. Denn als Wohnungsflüchter erfährt dieser Schriftsteller gerade an anderen Orten Inspiration und Hingabe an den Schaffensprozess.
Unter welchen Bedingungen ist eine Künstlerexistenz heute überhaupt noch möglich, ohne in bittere Not und die gnadenlose Maschinerie von Literaturbetrieb und Markt zu geraten?
Und könnten noch so einfühlsam gestaltete Räume wirklich Erlösung bringen für die schmerzvolle Sehnsucht, Rettung für den, der dazu verdammt ist, sich immer wieder unglücklich
zu verlieben und das Herz brechen zu lassen?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783869137636
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:ars vivendi
Erscheinungsdatum:21.03.2017

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    twentytwovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Interessant und ungewöhnlich – ein Buch zum Nachdenken.
    Ein Satz an Herrn Müller

    Ein Schriftsteller, der im Ringen um die richtigen Worte, ständig auf der Suche nach neuen Inspirationen ist, richtet sich mit einer einzigen Aneinanderreihung, seiner in sich verschachtelten Gedanken, an den Wohn(t)raumausstatter Herrn Müller. Er wünscht sich von diesem, die Gestaltung eines zur Inspiration anregenden Heims, wohlwissend dass es sich dabei um eine unerfüllbare Anforderung handelt. Er, der ständig am zirkulieren und experimentieren ist, verliert sich zunehmend in Betrachtungen über die unterschiedlichsten Themen. Dabei driftet er immer weiter in philosophische Gedankengänge und Schlussfolgerungen ab, so dass die vordergründig an Herrn Müller gerichteten Worte sich verselbständigen, um ihren eigenen Weg zu finden.

    Fazit
    Ein langer Satz in dem viele Fragen gestellt werden, der provoziert und analysiert und so beim Leser viele neue Impulse setzt.

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    YukBookvor einem Jahr
    Schaffensräume und Lebensträume

    Der Ich-Erzähler in diesem Roman hat ein besonderes Anliegen: Er wünscht sich von dem Raumausstatter Horst Müller, den er in einer Tankstelle kennenlernte, einen Entwurf für seine künftige Wohnung. Ungewöhnlich ist die Form seines Auftrags: Er schreibt Herrn Müller einen Brief über 250 Seiten, der aus einem einzigen Satz besteht. 

    Schnell wird klar, dass er sich keineswegs mit einer 08/15-Lösung zufrieden gibt. Seine Ansprüche sind hoch, seine Wünsche speziell: Er ist ein Wohnungsflüchter, der sich eine Hausbar mit begrenzten Öffnungszeiten und ein Badezimmer ohne Badewanne vorstellt. Das Bild seiner Idealwohnung bleibt allerdings vage, da der Erzähler immer wieder vom eigentlichen Thema abschweift und sich in leidvollen Erinnerungen an seine Geliebte und in Reflexionen über das Schriftstellerdasein verliert. War soeben noch vom Arbeitszimmer die Rede, das als Kulisse für Fotografen dienen muss, lässt er sich darüber aus, wie wenig er von den Konterfeis hält, die die Buchumschläge zieren. Er sinniert darüber, warum es ein Maler besser hat als ein Schriftsteller, prangert politische Missstände an und stellt eine Menge provokativer Fragen, zum Beispiel ob der Mensch eine Religion brauche. 

    Jeder Absatz im Buch bietet Gelegenheit, kurz Luft zu holen, um sich in den nächsten Gedankenstrom  zu stürzen. So liest sich der längste Satz, der mir bisher untergekommen ist, recht flüssig. Allmählich wurde mir klar, warum der Erzähler seinen Satz partout nicht beenden will und seine Überlegungen immer weiterspinnt: Eine zentrale Metapher schien mir der Kreislauf zu sein, der sich durch verschiedenen Themen zieht. Er philosophiert über Lebensstadien, von der Geburt bis zum „Gefühl, tot zu sein“, spricht vom Leben aus der Sehnsucht statt aus der Erfüllung. Sogar das jämmerliche Schicksal von Kartoffelchips geht ihm nahe. Sein Sprachstil ist anspruchsvoll und pointiert. Wer gerne Bücher über den Sinn des Lebens, künstlerisches Schaffen und Lebensträume liest, wird auf seine Kosten kommen. Der Wohnausstatter gestaltet reale Räume, der Schriftsteller Innenwelten – beides ineinander fließen zu lassen, ist eine geniale Idee. Für meinen Geschmack kam der Part der Raumgestaltung etwas zu kurz, hier hätte ich mir noch mehr Details gewünscht. Zwischendurch stellte ich mir vor, wie Herr Müller wohl auf den Brief reagieren würde. Das wäre doch ein interessanter Stoff für einen Fortsetzungsroman!

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