Lilli Liliput.

von Else Ury 
4,0 Sterne bei1 Bewertungen
Lilli Liliput.
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Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:B0050YM996
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Stuttgart, Berlin, Leipzig, Union Deutsche Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.01.1925

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    sabistebs avatar
    sabistebvor 6 Jahren
    Rezension zu "Lilli Liliput." von Else Ury

    Berlin 1913/14. Lilli Steffen (aufgrund ihrer Größe Lilliputchen oder Lilli Lilliput genannt), lebt mit ihren Eltern (Vater Gymnasiallehrer und Mutter Mieze (Hausfrau)), ihrem Zwilligsbuder Ludwig (3 Stunden jünger) und ihrer kleinen Schwester Margot, in einem kleinen Haus in Berlin Schlachtensee. Ihre größte Sorge ist es, dass sie so klein ist (ein Lehrer nennt sie sogar einmal einen abgebrochenen Riesen). Lilli ist ein Träumer und liebt es Märchen zu erfinden, die sie ihrem Bruder abends auf dem Märchensofa erzählt. ihre Mutter ist von dieser Eigenschaft weniger begeistert und versucht sie auf dem Boden der Tatsachen zu halten, im Gegensatz zu ihrem Vater, der sich in ihr wieder erkennt.

    Ein Mädchenbuch aus dem Jahr 1920. Familie Steffen ist eine normale Mittelstandsfamilie, die versucht zu helfen wo sie kann. So nimmt die Familie auch zwei russische Pensionskinder (Iwan und Sonja Petrowitcz) für einige Zeit bei sich auf. Es handelt sich dabei um die Kinder der Schwester eines Studienfreundes von Lillis Vater. Ihre Mutter ist Ärztin in St. Petersburg und hat die Kinder aufgrund ihrer Arbeit sträflich vernachlässigt (ein typisches, immer wieder vorkommendes Klischee in Büchern dieser Zeit, auch bei Else Ury).
    Das Buch wimmelt von Klischees und Archetypen.
    Lilli ist Else Urys Archetyp der blonden, fleißigen, ordentlichen, schlanken, sportlichen Klassenersten. Sonja ist ihr Gegenpol (unordentlich, verstockt, faul und schwarzhaarig). Auch Ludwig entspricht dem blonden, fleißigen, ordentlichen, schlanken, Primus Archetyp und hier ist Iwan sein Gegenpol (ungehorsam, faul, spielt andauernd irgendwelche Streiche). Nachdem in Büchern wie „Flüchtlingskinder“ ein russisches Feindbild aufgebaut wurde ist es erstaunlich, dass Familie Steffen gerade zwei russische Pensionskinder zu sich nimmt. Jedoch, wie nicht anders zu erwarten, lernen die russischen Kinder, wie sich ein deutsches Kind zu verhalten, und benehmen hat, durch die Güte und liebe ihrer Pensionseltern und das gelebte Beispiel von Lilli und Ludwig.
    Als wäre er der Klischees nicht genug, gibt es noch mehr davon. Auch bei Lills beiden Kränzchenschwestern Ilse Gerhard und Lena Ritter handelt es sich um Gegenpole, diesmal gesellschaftlicher Art. Ilse Gerhard kommt aus reichem Hause, ihr Vater ist Bankdirektor. Wie nicht anders zu erwarten kann in Else Urys Welt ein reiches Kind nicht einfach glücklich sein, das ist dem darbenden Mittelstand vorbehalten, der diese Bücher vorzugsweise las, nein Ilse (dieser Name muss damals wirklich häufig gewesen sein) ist einsam, weil sich ihr Vater nicht richtig um sie kümmert und hat stattdessen eine englische Miss und ein Kindermädchen. Ihre Mutter ist chronisch krank und verträgt das deutsche Klima nicht, daher hält sie sich in Ägypten auf (das legt den Verdacht auf Tuberkulose, die damals weit verbreitet war, nahe). Reiche, kranke Mütter, ein weiterer Archetyp dieser Zeit nicht nur bei Else Ury. Ilse Gerhard wird Lillis beste Freundin; nachdem Lillis Mutter endlich ihre Bedenken, ob das der richtige Umgang sei, durch eine prüfende Einladung entkräftet sieht.
    Lena Richter, Ilses Gegenpol, lebt mit ihrer verwitweten Mutter und vielen Geschwistern in einer Dachwohnung. Sie ist fleißig, hilft viel im Haushalt, kümmert sich um die Geschwister (noch so ein Archetyp).

    Lilli ist in diesem Buch wohl die junge Else Ury, die sich und ihren Weg zur Schriftstellerin in dieser Geschichte teilweise einarbeitet. Lilli Gewinnt eines Tages in einem Märchenpreisausschreiben mit dem Märchen "Prinzessin Schneeflocke" ( 1000 Mark. Dieses Märchen entspricht haargenau der Geschichte "Prinzession Schneeflocke" von Else Ury aus dem Kinderkalender des Globusverlags (1906), da stellt sich die Frage, ob das Absicht war, oder ob Else Ury auf die Schnelle nichts anderes eingefallen ist und sie dachte, an die Geschichte erinnert sich ohnehin keiner mehr. Einen Teil des Gewinns spendet Lilli für die Kinder verunglückter Mienenarbeiter (wieder einmal so eine selbstlose Tat) und der Rest wird gespart (die Deutschen lernen wohl nie, dass Geld dazu neigt im Krieg zu verfallen und daher sparen sinnlos ist obwohl lieber in krisensichere Werte investiert werden sollte).

    Im Sommer nach dem Gewinn des Preisausschreibens bricht der erste Weltkrieg aus (Dieses Kapitel fehlt in der Ausgabe von 1951). Iwan und Sonja werden sofort nach Hause geschickt und Lilli befindet sich in einem großen Dilemma "Ihre Vaterlandsliebe trieb sie von der Freundin fort, machte ihr das Mädchen (Sonja), das sie so sehr lieb hatte, zur Feindin.", jedoch gewinnt der gesunde Menschenverstand.

    Ganz subjektiv beurteilt hätte ich das Buch in dem Alter, für das es vorgesehen ist, gehasst. Immer wieder diese Klassenbesten, warum nicht mal Versager als Hauptfiguren? Wieder mal Blond, zierlich und. Gab es damals keine "normalen" Mädchen, oder lasen nur diese blonden Klassenersten Urys Bücher?

    Es ist ein nettes Zeitdokument der damaligen Jugendliteratur, das den heutigen Zeitgeschmack sicherlich nicht mehr trifft, weshalb es nach 1950 wahrscheinlich auch nicht mehr aufgelegt wurde. Ganz übel stößt mir persönlich der letzte Satz des Buches auf: "Jung-Deutschland würde fest und treu daheim auf seinem Platze stehen, was auch von ihm gefordert würde". Kein Wunder, dass dieses Kapitel in den Ausgabe von 1951 nicht mehr enthalten ist. Andererseits auch verständlich. Das Buch erschien das erste Mal in "Das Kränzchen 30" von 1917 bis 1918, also noch während des ersten Weltkrieges, der Krieg konnte nicht komplett ausgespart werden, er war das beherrschende Thema das Alltags. Hier wird ihm letztendlich nur im letzten Kapitel Tribut gezollt, und genau deswegen ist dieses Buch so erstaunlich. Die Russen waren die Feinde, und hier versucht die Autorin dieses Feindbild zu relativieren, und die Russen als Menschen darzustellen. Natürlich haben sie zunächst schlechte Eigenschaften, aber auch Russen können gute Deutsche werden.

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