Else Ury Lillis Weg

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Inhaltsangabe zu „Lillis Weg“ von Else Ury

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    Lillis Weg

    sabisteb

    16. November 2012 um 13:13

    Lillis Weg ist der Fortsetzungsroman zu Lilli Liliput. Einige Jahre sind seit dem ersten Band vergangen, der erste Weltkrieg ist vorbei und Lilli Steffen und Ilse Gerhard haben ihre Ausbildung im Lettehaus beendet. Lilli (jetzt wahrscheinlich um die 18 Jahre alt) hat eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten und Ilse Gerhard zur Röntgenassistentin gemacht. Diese Ausbildung ist für beide Mädchen eine Vernunftentscheidung, denn sie werden dringend als Zuverdienerinnen gebraucht. Eigentlich wollte Lilli aufs Gymnasium und studieren, da jedoch der Vater verwundet aus dem Krieg zurückgekehrt ist und sich in einem Sanatorium im Schwarzwald wieder erholt, verzichtet sie für ihren Bruder darauf. Mit den in „Lilli Liliput“ gewonnen Geld finanziert sie stattdessen ihrem Bruder das Studium der Ingenieurwissenschaften und macht selber nur eine Ausbildung im Lettehaus, auch wenn ihr diese Entscheidung schwer fällt. Ilse Gerhards Situation ist fast dieselbe. Ihr Vater geriet während einer Geschäftsreise in Minenangelegenheiten in russische Gefangenschaft und sie erfährt nur manchmal Neuigkeiten über ihn von Sonja Petrowicz, der ehemaligen Pensionsgästin bei Steffens. Ihre und ihrer Mutter Lage ist desolat. Die Mutter, welche nie unter Geldmangel gelitten hatte, sich nie mit so etwas auseinandersetzen musste, ist mit der Lage vollkommen überfordert. Sie überlässt aller ihrer Tochter und vegetiert vor sich hin. Ursprünglich bot die Bank, bei welcher Bankdirektor Gerhard arbeitete ihnen an, das Gehalt ihres Mannes weiter zu zahlen, aber zu stolz oder zu dumm um ihre Lage wirklich einzuschätzen, lehnt sie dieses Angebot ab. So sind beide Frauen in echten finanzielle Nöte geraten, und Ilse ist nicht nur gezwungen zu arbeiten, sondern sie müssen sogar die Villa inklusive des meisten Mobiliars verkaufen an ungebildete „Kriegsgewinnler“. Lillis Weg erschien zuerst von 1922-1923 in „Das Kränzchen 35“ und 1925 im Rahmen der Kränzchenbibliothek als Band 30 dieser Reihe. Else Ury erzählt Lillis Weg ins Land der Schriftstellerei, vieles davon wird wohl autobiographisch sein, auch Ury veröffentlichte teils anonym, möglicherweise sogar unter Pseudonym. Daneben jedoch ist das Buch ein Spiegel seiner Zeit, es verschweigt nicht, dass es dem Mittelstand nach dem ersten Weltkrieg teilweise schlecht ging, dass es nicht immer genug zu essen gab (auch Lilli muss in die Suppenküche für Arme und die Familie baut im Garten Spargel an, um ihn zu verkaufen). Es geht darauf ein, dass viele durch den ersten Weltkrieg alles verloren haben, dass die Männer noch Jahre später in Kriegsgefangenschaft waren und dass es einige gab, die mit diesem Krieg reich wurden, sogenannte „Kriegsgewinnler“. Erneut bemüht sich Else Ury, das russische Feindbild abzubauen. Sonja Petrowitcz kehrt als Geigenschülerin an die Berliner Musikschule nach Berlin zurück und wohnt wieder bei Steffens. Sie ist diejenige, die Herrn Gerhard mit einem falschen Ausweis auf den Namen ihres Bruders nach Deutschland zurückgebracht hat, da in Russland schwere Unruhen ausgebrochen sind (möglicherweise ein Hinweis auf Gründung der Dritten (kommunistischen) Internationalen durch Lenin 1919. Die Bolschewisten setzten sich in der Ukraine durch, wo eine Sowjetrepublik entsteht). Leider trieft das Buch diesmal auch ein wenig von Kitsch, was wohl an der Zielgruppe des Buches liegt, den älteren Teenagern. Heute würde man das Buch wohl als Young Adult einstufen und da interessieren sich die jungen Mädchen von heute so wie damals vor allem für die große Liebe. Was heute der reiche Vampir, war in den krisengeschüttelten Zeiten der 20er Jahre der gutaussehende Mann mit festen Einkommen. Nach einen heftigen Streit mit ihrem Chef, der in einer Kündigung und einem Heulkrampf endet, versucht dieser sie zu trösten, was in einem Heiratsantrag endet (absolut vorhersehbar). Die Frau im Beruf, ein damals immer noch ungewöhnliches Thema. In diesem Buch wird die Frau zwar als Zuverdienerin geduldet, aber sobald sich die Situation gebessert hat, heißt es wieder „ab an den Herd“. Lilli muss ihre Stellung aufgeben, um bei Ihrer Mutter in die Lehre zu gehen, damit sie eine gute Hausfrau wird, und Lena kündigt auch, da ihr Vater der Meinung ist, dass die Tätigkeit zu anstrengend ist und sie so blass währe. Hier wird ganz klischeegemäß angedeutet, dass der Arzt bei welchem Ilse beschäftig war, deutliche Heiratsabsichten geäußert hat. Ich bin nicht der Meinung, dass in diesem Buch Arbeit der Frau wirklich positiv gewürdigt wird. Es wird ziemlich klar gemacht, dass die Arbeit notwendig ist und den Neigungen der Hauptpersonen zuwider läuft. Diese wählen sobald sich die Situation gebessert hat wieder den rechten Weg als Hausfrau. Es wird immer wieder darauf hingewiesen wie wichtig das Gehalt Lilis oder Ilses für die Familienkasse ist, der Beruf wird nicht als Erfüllung oder Berufung gesehen sondern als eine notwendiges Übel. Daher wählt Lilli auch diese Karriere und geht nicht zur Uni und studiert das, was sie erfüllen würde, sie trifft eine Vernunftentscheidung. Es bleibt jedoch die kleine Hoffnung dass Lilli bei ihren Mann weiterarbeiten und sie die Kinderbeilage als Onkel Hans und Tante Lilli zusammen herausgeben werden, inwieweit sich diese in Kombination mit Kindern erfüllt hätten, steht jedoch in den Sternen. Interessante Details dieses Buches sind dass heutzutage dicke Menschen eher als gemütliche, freundliche Menschen gelten. Hier in diesem Buch jedoch stellt man Herr und Frau Vorbrodts (die Käufer der Gerhardschen Villa) Fettleibigkeit als negatives, abstoßendes, teilweise sogar ins Lächerliche gezogene Merkmal, der (zierlichen) Schlankheit aller anderen Personen gegenüber. Spricht da der Neid der Autorin, die zu dieser Zeit vielleicht auch nicht viel zu essen hatte, auf die "Kriegsgewinnler", denen es gut ging? Noch ein interessantes Detail ist, dass das Gedicht, dass Lilli in diesem Buch veröffentlicht, als der Chefredakteur an Grippe erkrankt „Knecht Ruprechts Rundfunkt“ erst 1926 vollständig erscheint und zwar im Meidinger Kinderkalender. Fazit: Einerseits ziemlich viel Young Adult Kitsch, wie man ihn auch heute in diesem Genre findet, andererseits durch die Darstellung der damaligen Verhältnisse für ein Publikum eben dieser Zeit, sehr interessant zu lesen.

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