Elvira Dones

 4,1 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor*in von Hana, Verbrannte Sonne und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Elvira Dones, geboren in Durrës, ist eine schweizerisch-albanische Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Dokumentarfilmerin. Nach Jahren zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten lebt sie heute wieder im Tessin. Ihr Werk, das acht Romane umfasst, ist vielfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Drei Romane sind bis jetzt bei Ink Press erschienen: "Hana", "Kleiner sauberer Krieg", beide aus dem Italienischen übersetzt von Adrian Giacomelli, und "Verbrannte Sonne", aus dem Albanischen übersetzt von Florian Kienzle. Laura Bispuris Debütfilm "Vergine giurata/Sworn Virgin", basierend auf "Hana", wurde an der Berlinale 2015 uraufgeführt und u.a. in New York, San Francisco und Hongkong ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Elvira Dones

Cover des Buches Hana (ISBN: 9783906811048)

Hana

(3)
Erschienen am 05.12.2016
Cover des Buches Kleiner sauberer Krieg (ISBN: 9783906811093)

Kleiner sauberer Krieg

(2)
Erschienen am 19.06.2018
Cover des Buches Verbrannte Sonne (ISBN: 9783906811130)

Verbrannte Sonne

(2)
Erschienen am 01.12.2020
Cover des Buches Lukas Santana muss sterben (ISBN: 9783906811239)

Lukas Santana muss sterben

(0)
Erschienen am 26.01.2026

Neue Rezensionen zu Elvira Dones

Cover des Buches Hana (ISBN: 9783906811048)
Linker_Mopss avatar

Rezension zu "Hana" von Elvira Dones

Linker_Mops
Einblick in eine fremde Kultur

Albanien - ein Land über das ich wenig weiß und seine kulturellen Eigenheiten noch weniger. Umso mehr war ich auf dieses Buch gespannt, welches über das Leben einer Schwurjungfrau erzählt. Hana wird mit Anfang 20 zum "Mann". Sie lässt aus familiären Gründen ihre Weiblichkeit hinter sich und lebt fortan als Mann. Doch nach einem Jahrzehnt will sie wieder Hana sein. Leichter gesagt als getan...

Der Einblick in einen Teil der albanischen Kultur war wirklich sehr interessant. Man erfährt hier im "Westen" viel zu wenig darüber, obwohl Albanien ja nicht so weit weg ist. Sicher hätte man das noch ein wenig intensivieren können, aber der Fokus liegt ja doch eher auf dem Thema "Schwurjungfrau". Ich kannte das vorher nicht und ich finde die Autorin hat das wirklich gut rübergebracht. Hanas Zerrissenheit wird wirklich sehr authentisch rübergebracht. Sowohl ihre Zerrissenheit als Frau/Mann, genauso wie als Albanerin/Neuamerikanerin und als Mensch der seine Freiheit will und sich doch für die Familie aufopfert. 

Sicher sind einige Passagen manchmal etwas aufgebläht und die "Liebesgeschichte" mit Patrick ganz zum Schluß wirkt etwas komisch, aber ingesamt ist das Buch doch sehr lesenswert. Einfach weil es ein interessantes und unbekanntes Thema aufgreift und man gut mit der Protagonistin mitfühlen kann. 

Mein Fazit: Wer gerne mal zu etwas anspruchsvollerer Literatur greift, ist hier genau richtig. 

Cover des Buches Hana (ISBN: 9783906811048)
Dan_Eders avatar

Rezension zu "Hana" von Elvira Dones

Dan_Eder
Sehr mitreißend

Bereits  als junges, albanisches Mädchen erfährt, Hana mit dem Tod ihrer Eltern, der schlimmsten Schicksalsschläge in ihrem Leben. Sie wird von ihrer Tante Katrin und ihrem Onkel Gjergje großgezogen. Also nur noch diese beiden erkranken und zu sterben drohen, geht sie ein drastischen Weg: sie wird so genannten Schwurjungfrau und lebt ab, dann als Mann, Marc, um das Erbe ihres Onkels anzutreten. Ein Brauch, der im Norden Albaniens in den Bergen durchaus noch üblich ist. Als Hana nun 14 Jahre später zu ihrer Cousine in die USA auswandert, soll aus Mark wieder Hana werden, dass das gestaltet sich nicht zu einfach.

Ich finde, die Erzählung ist sehr flüssig geschrieben, sie ist sehr fesselnd und gewährt auch sehr viele Einblicke in das Albanien des 20. Jahrhunderts. Die politischen und kulturellen Veränderungen des Landes, sowie die Rolle und die Schwierigkeiten, die Frauen in diesem Land zu erleiden hatten und vielleicht auch in Teilen immer noch haben. Ich fand es sehr spannend und auch mitreißend, über Hanas Schicksal zu lesen.

Cover des Buches Verbrannte Sonne (ISBN: 9783906811130)
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Rezension zu "Verbrannte Sonne" von Elvira Dones

Gwhynwhyfar
Sie wurden mit Arbeit gelockt - endeten als Sexsklavinnen

«‹Sie werden sagen, das ist Männerarbeit›, sagte Xhafer, ‹aber in unserer Gegend machen die Frauen die Männerarbeit.›

‹Und die Arbeit der Frauen?›

‹Die erledigen auch die Frauen.›

Er lächelte und zog dabei eine hasenartige Grimasse.»


Das Tagebuch von Leila ist der Grundstock von diesem Buch. Sie ist tot, ihre Mutter nimmt ihren Körper zur Beerdigung entgegen und Leila erzählt uns ihre Geschichte. Kurze Auszüge aus Leilas Berichten, dazwischen ein auktorialer Erzähler, der uns vom Leid der jungen Albanerinnen berichtet, die in Italien als Prostituierte arbeiten müssen. Leila wird neben ihrer Schwester liegen, die ihr Leben lassen musste, um Leila auf Spur zu bringen, ihr zu zeigen, was man mit denen macht, die sie liebt, wenn sie nicht gehorcht. Mädchen, die auf dem Nachhauseweg von der Schule entführt werden oder mit falschen Versprechungen der Arbeitssuche ins Land kommen. Viele Einzelschicksale ergeben ein Ganzes: Leila, Soraja, Elena, Laura, Sanija und all den anderen Mädchen, die ein und dasselbe Los vereint – und die Geschichte ihrer abartigen Zuhälter. 


«So waren die Männer nun mal, dachte Sanija zuweilen, sie verloren wegen irgendeiner Kleinigkeit die Orientierung und weil sie aus dem Schlamassel nicht mehr herausfanden, stieg ihnen die Galle hoch, und ihre Gedanken trübten sich. Frauen passierte das nicht so schnell. Frauen stand gar nicht das Recht zu, die Orientierung zu verlieren.»


Elvira Dones hat einen rohen und aufschlussreichen Roman über die albanische Mafia und den Frauenhandel geschrieben, bei dem deutlich wird, dass es nichts zu romantisieren gibt. Es sind die 1990er Jahre unter dem schrecklichen Hodscha-Kommunismus – Noir, die Ausbeutung der Frauen durch grenzenlose Gewalt. Aber auch die Kunden sind ein Teil dieser Schicksale – denn ohne sie gäbe es kein Geschäft. Sie wollen weder hören, dass diese gekaufte Mädchen ihren Job nicht freiwillig machen, noch interessiert es sie, sie sind völlig überfordert, wenn ein Mädchen um Hilfe bittet. Was haben sie denn damit zu tun, sie haben doch bezahlt.


«Ich werde niemals mehr in meinem Leben einem Mann vertrauen, hat Suela geschworen.

Bist du sicher, frage ich sie.

Wieso, würdest du einem Mann noch jemals Glauben schenken?

Nein, niemals. Ich auch nicht, sagte Soraja erleichtert.

An jenem Tag haben wir uns durch diesen Schwur besser gefühlt.»


Dortunten nach Dortoben – Albanien und Italien. Warum nennt die Autorin es nicht beim Namen? Mich hat es gestört. Erschreckend ist, dass die Täter nicht unbedingt Fremde sind! Der Onkel, der Cousin, der Mann, der sich mit dem Mädchen verlobt, bis hin zum Vater, sie alle sind beteiligt, ebenso die Ehefrauen der Bosse, die sich am Leben in Saus und Braus erfreuen. Leila verlässt aus eigenem Willen diese Welt, sagt, für sie ist es besser so. «Ich habe keine Kraft mehr und ich kann nicht mehr kämpfen. Besser so.» Manch ein Zuhälter verliebt sich in eine der Frauen und erwartet auch noch Gegenliebe in seiner Selbstüberschätzung. Die einzige Chance der Frauen, wenigstens ein bisschen Macht über diese Typen zu erlangen. 


Der Roman beschreibt im Detail, wie diese Mädchen gewalttätig vorbereitet werden für ihren Job, was sie später aushalten müssen, bis hin zur Unerträglichkeit – denn hier wird Reales brutal auf Papier gebracht. Ich finde es immer gut, die Wahrheit aufzuschreiben, aber das hier ist wirklich nur ein Text für starke Nerven. Ich hatte das Buch vor längerem angefangen, weggelegt. Nun habe ich es bis zum Ende geschafft – nicht leicht. Das Buch ist ein Argument dafür, Prostitution zu verbieten, denn selten arbeiten die Frauen freiwillig. Kein Roman zum Entspannen, doch mit Licht am Ende. Mich hat an diesem Taschenbuch auch die stramme Bindung genervt. Es braucht Kraft, die Seiten offen zu halten. Am Ende die Frage, kann ich den Roman empfehlen? Für die, die sich für sexualisierte Gewalt interessieren ja. Wer eine schöne Geschichte sucht, nein.


«So war das, Schwesterherz. Und da bin ich nun. Ich arbeite. Wenn das Wort Arbeit auf solch eine Weise entwertet werden kann.»



Elvira Dones wurde 1960 in Durrës/Durazzo (Albanien) geboren. 1988 kam sie in die italienische Schweiz. Von 2004 bis 2015 lebte sie in Amerika (zuerst Washington D.C., dann Kalifornien, Bucht von San Francisco). Seit 2015 lebt sie wieder im Tessin. 


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