Ich fall hier mal gerade durchs Fenster mit meiner Meinung und fange ausnahmsweise und nicht systemgerecht ohne Umschweife mit den negativen Punkten an, die mir an dem zweiten Teil der Java und Glass Reihe nicht so gut gefallen haben. Dies waren im Grunde die Masse an artikulierten Gefühlsausbrüchen, Emotionen, Wahrnehmungen, Empfindungen, Deutung, Träume und innerlichen Auseinandersetzungen der Protagonistin Java. Es fühlte sich dahingehend unwirklich, quasi nicht immersiv an und das hat vermutlich den folgenden Grund. Ich weiß, dass Gedanken sehr schnell sind und meine Geschwindigkeit vom geschriebenen Wort reicht nicht aus, um auch nur ansatzweise den Gedankenfluss im Buch flott zu verarbeiten, wie es sich für Gedanken gehört. Damit meine ich nicht die Inhalte, sondern das Medium Buch passt für mich nicht, wenn man diesen Stil verfolgt. Ermüdend empfand ich die Dialoge, die wie ein Ping Pong Spiel mit Gedanken dazwischen über mehrere Seiten hinweg zogen. So ist ungefähr fühlt es sich an: "Nein! Doch! Nein! Ja, warum nicht? Ich will es so" . Vielleicht gibt es ja tatsächlich solche Dialoge, aber zu meiner Unterhaltung trägt es auf Dauer nicht bei. Weniger wäre in meinen Augen mehr. Man merkt, dass die Autorin weniger wert legt auf die Einhaltung einer Timeline, sondern eher Selbstbestimmung, eigene Entscheidung, Selbstbewusstsein bevorzugt.
Zu den Stärken des Buches zählt, dass ich als Leser eigentlich ständig am Rätseln bin. Was hat es mit der Welt auf sich, wie kommt die Liste zusammen, was ist die Software, was, wenn ich auch eine Software besitze, wo steuert der Plot hin?
Es wird für mich nach und nach deutlich, dass Freiheit hier offensichtlich heißt, sich in die Gegebenheiten eines Systems einzufügen und darin frei zu handeln. Eine Illusion ist diese Freiheit womöglich, da sie stets überwacht wird, und ob die ausgelebte Freiheit konform mit dem System ist.
Schön zu wissen, dass es eine Welt gibt, die dem System noch entgeht. Doch möchte man ohne System leben?
Arg, jetzt fange ich auch schon an zu denken und schreibe es auch noch auf. Also, kommen wir zum Fazit. Dieser Teil des Buches ist vollgepackt mit Gedanken. Wer mit den Gedanken nicht umgehen kann, kann diese überspringen und dennoch dem Plot folgen. Es ist keine "Management summary" , sondern eine ausschweifende Fiktion, die sich durchaus in das, wo unsere Gesellschaft gerade hinsteuert übertragen lässt. Die Buchidee ist gut.







