Emily Fridlund

 3.5 Sterne bei 17 Bewertungen

Lebenslauf von Emily Fridlund

Fesselnde Bildungsromane aus den USA: Die in Minnesota geborene US-amerikanische Autorin hat Englisch, Kreatives Schreiben und Literatur in Illinois, Missouri und Los Angeles studiert und einige Jahre an ihrer Hochschule unterrichtet. Erste Gehversuche als Schriftstellerin machte die naturverbundene Camping-Liebhaberin mit dem Verfassen von Kurzgeschichten für unterschiedliche Zeitschriften. 2017 gelingt ihr mit ihrem Debütroman „History of Wolves“ ein gelungener Start in die Buchbranche. 2018 erschien „Eine Geschichte der Wölfe“ endlich in Deutschland. Derzeit lebt die Dozentin der zur Ivy League zählenden Cornell Universität mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Ithaca und arbeitet an weiteren Romanen.

Alle Bücher von Emily Fridlund

Emily FridlundEine Geschichte der Wölfe
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Eine Geschichte der Wölfe
Eine Geschichte der Wölfe
 (15)
Erschienen am 19.03.2018
Emily FridlundHistory of Wolves
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History of Wolves
History of Wolves
 (2)
Erschienen am 23.02.2017

Neue Rezensionen zu Emily Fridlund

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BettinaR87s avatar

Rezension zu "Eine Geschichte der Wölfe" von Emily Fridlund

Seltsame Familienbande
BettinaR87vor 2 Monaten

Madeline, Mattie, Linda - von ihrer Umgebung bekommt die Jugendliche viele Namen verpasst. Das macht ihr nichts aus und mit Indifferenz kennt sie sich bestens aus: Sie wächst tief in den Wäldern auf, wo einst eine Kommune lebte. Sie betrachtet das Paar, bei dem sie lebt, als ihre Eltern, aber ob sie es biologisch auch sind, ist gar nicht so klar. Emotionen zeigen diese kaum, daher wundert es nicht, dass auch Linda kaum soziale Bande knüpfen kann. In der Schule nimmt sie sehr früh eine Beobachterrolle ein, was sich bald auf ihr gesamtes Leben ausweitet. Damit nimmt sie Vorgänge, Geschehnisse und Eigenschaften bei Personen wahr, die vielen "Normalos" verborgen bleiben. Ihrer Aufmerksamkeit entgeht wenig - aber das hilft ihr sozial leider wenig weiter.

Dann bekommt die Vierzehnjährige plötzlich neue Nachbarn: Eine Familie mit einem jungen Sohn namens Paul ziehen gegenüber am See ein und Linda fühlt sich wie magisch von ihnen angezogen. Zunächst wirken sie wie eine Familie, die ganz normal ist und damit vollkommen anders als die von Linda. Als Babysitterin für das Kleinkind Paul integriert sie sich Stück für Stück in dieses Konstrukt und kommt erst sehr spät darauf, dass hier etwas ganz und gar schief läuft: Paul geht es nicht nur nicht gut, er wird im Laufe der Geschichte sterben (kein Spoiler, steht von Anfang an fest). Hätte sie irgendetwas am Laufe der Geschichte verändern können?

Inhaltlich gibt es noch weitere Erzählstränge wie der um Lily, eine Klassenkameradin von Linda, die angeblich von einem Lehrer geschwängert wurde und sinnbildlich vermutlich für Lindas erwachende Sexualität steht. Insofern könnte man "Eine Geschichte von Wölfen" das Attribut "coming of Age"-Erzählung geben. 

Dadurch, dass die Charaktere eher gering ausgeprägte soziale Verhaltensweisen an den Tag legen, erhält das Buch ein besonderes Flair. Gerade Lindas Gedankenwelt deckt sich nicht mit der des Lesers, sodass man während der ganzen Erzählung selbst eine Beobachterrolle einnimmt. Aus dieser treibt man zwischen den verschiedenen Ereignissen, die teils mit zeitlichen Sprüngen erzählt werden, hin und her und versucht, sich einen Reim daraus zu machen. Teilweise weiß man gar nicht so recht, wohin die Geschichte geht. Das ist ein Punkt, an dem man etwas Punktabzug anmerken kann. Man weiß, Paul wird sterben, von Gerichtsverhandlungen ist die Rede. Aber wohin, zu welchem Höhepunkt steuert die Geschichte? Kritisiert die Autorin das Leben in Kommunen? Will sie sich seltsame Religionen vorknüpfen? Wettert sie gegen ländliches Leben in einer modernen Welt? Sagt sie "Passe dich sozial an, dann hast du die geringsten Probleme"? Man findet es nie ganz heraus. Das Buch bleibt insgesamt seltsam flach in der "Spannungskurve" und eine Kernaussage hat sich mir beim Lesen nicht erschlossen. Das allerletzte Kapitel hat zusätzlich noch für Verwirrung gesorgt. 

Technisch ist das Buch sehr gut geschrieben - die Sprache ist gewählt, aber nicht prätentiös. Man merkt der Autorin den Spaß im Umgang mit Worten an, sodass man die Geschichte ganz automatisch immer weiterlesen möchte - natürlich auch, um zu erfahren, wie es mit Paul ausgeht (auch wenn das in den Hintergrund rückt). 

Fazit? Grauzone. Es ist kein fesselndes Buch, es ist in etwa so seltsam wie seine Hauptperson. Aber irgendwas reizt den Leser doch, bis zum Ende zu lesen.

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TochterAlices avatar

Rezension zu "Eine Geschichte der Wölfe" von Emily Fridlund

Richtig oder falsch?
TochterAlicevor 6 Monaten

Dies ist eine Fragestellung, die Linda - für andere ist sie auch Maddy oder Madeleine - seit ihrer frühesten Kindheit begleitet. Mit ihren Eltern lebt sie, die zum Zeitpunkt der zentralen Handlung - es gibt sowohl Rück- als auch Vorgriffe - ein 14/15jähriger Teenager ist, in der Einsamkeit der Wälder von Minnesota an einem idyllischen See. Mit einer Gruppe von Aussteigern vor vielen Jahren - Linda kann sich nicht mehr an eine andere Zeit erinnern - hergekommen, sind sie nach dem Zerbrechen der Gemeinschaft mit ihrer Tochter übriggeblieben und halten sich mehr schlecht als recht über Wasser.

Linda jedenfalls bleibt oft genug hungrig und eine richtige Ansprache hat sie auch nicht. Zur Schule hat sie einen ewig weiten Weg zu gehen - wozu eigentlich, wenn sie dort immer nur als Außenseiterin verhöhnt und verspottet wird. Sie fühlt sich ihrer Mitschülerin Lily, die ein ähnliches Schicksal hat, verbunden, aber diese hat ganz andere Probleme - ihr wird eine Liasion mit einem Lehrer unterstellt und tatsächlich verlässt sie hochschwanger nicht nur die Schule, sondern die Gegend insgesamt.

So ist Lily begeistert, als sich die Bewohner eines anderen Hauses an "ihrem" See im Wald für länger dort einrichten und sie sie kennenlernt. Patra Gardner, eine junge Mutter, verbringt dort die meiste Zeit allein mit ihrem Sohn Paul, einem Kleinkind, den Linda bald babysitten darf. Nicht nur deswegen verbringt sie bald viel Zeit mit der Familie. Bis Leo, der Vater aufkreuzt und sie ausgeschlossen wird. Doch dann wird sie zu einem Ausflug eingeladen und alles wird anders...

Ein Roman, der einerseits eine Coming-of-Age Thematik beinhaltet, andererseits jedoch auch soziale Mißstände anprangert und zwar solche, die unter gewissen Deckmänteln stattfinden. Linda jedenfalls muss bald erkennen, dass nicht nur ihr Verhalten im Umgang mit den Gardners von manchen als falsch betrachtet wird, nein, auch ihre eigene Familie muss sich immer wieder mit kritischen Bewertungen auseinandersetzen. Richtig oder falsch, schuldig oder nicht - diese "großen" Fragestellungen tauchen im Handlungsverlauf nicht nur einmal auf und Linda erfährt, dass vieles nicht ist, wie es war - auch wenn das eigene Urteil, eine klare Meinung zu gewissen Vorgängen bereits lange feststand. Seinen Platz im Leben und die eigene Meinung zu den Werten des menschlichen Daseins zu finden - sich also auf sich selbst verlassen zu können: das ist aus meiner Sicht die maßgebende Botschaft des Romans, gepaart mit der Erkenntnis, dass es dafür gegebenfalls kaum Unterstützung von außen gibt.

Ein Buch, dessen Lektüre Kraft und Durchhaltevermögen erfordert, wie das Leben selbst es manchmal tut. Ich fühlte mich beim Lesen manchmal an Woodrells "Winters Knochen" erinnert, in der Hinsicht, dass es um Jugendliche in den USA geht, die schon in ihren jungen Jahren vor ganz schöne Herausforderungen gestellt werden - nur, um zu überleben.

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sursulapitschis avatar

Rezension zu "Eine Geschichte der Wölfe" von Emily Fridlund

Fesselnd und finster
sursulapitschivor 6 Monaten

Dieses Buch ist fesselnd und finster. Man ist fasziniert, hat aber das Gefühl man blickt in Abgründe. Lange weiß man nicht genau, womit man es zu tun hat. Wird das ein Psychothriller, ist es die Lebensgeschichte einer Außenseiterin oder geht es generell um Randexistenzen?


An einem See bei Loose River in Minnesota scheinen sich Aussteiger, Exoten und Sonderlinge jeder Art zu versammeln. Früher war dort eine Kommune ansässig, die ein alternatives Familienmodell ausprobieren wollte. Davon blieben allerdings nur Madelaine und ihre Eltern übrig, die jetzt höchst alternativ in einer Hütte im Wald leben. Natürlich ist Madelaine eine Außenseiterin in der Schule. Dort nennt sie sich lieber Linda, mehr Möglichkeiten, sich anzupassen hat sie nicht. Zwischen ihr und den „Karens“, den Cheerleadern, liegen Welten.
Als am gegenüberliegenden Seeufer eine Familie ein Sommerhaus bezieht, hat Linda zum ersten Mal die Möglichkeit, normales Familienleben auszuprobieren. Sie wird gerne als Babysitterin für den kleinen Paul engagiert. So ganz normal scheint das Familienleben dort dann doch nicht zu sein. Linda wundert sich über einiges, will aber nicht ihr neues Paradies gefährden, indem sie Fragen stellt. Sollte sie Fragen stellen? Kann man sich als 14jährige einmischen, wenn Dinge aus dem Ruder zu geraten scheinen? Kann man einfach wegsehen?

Das hätte mir als Thema eigentlich gereicht. Es geht um alternative Lebensmodelle bis hin zu christlichen Sekten mit ungewöhnlichen Ansichten. Was macht eine Jugend in der Kommune aus einem Menschen? Und was bewirkt ein Fehler, den man in der Jugend begangen hat und den man nicht vergessen kann. In Vor- und Rückblenden erfährt man nach und nach, wie Lindas Leben verlaufen ist. Sie gibt ihr Bestes, aber Fuß fasst sie nirgendwo.


Als Sidequest liest man allerdings noch über Lindas Klassenkameradin Lilly, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, aber wunderhübsch ist. Auch sie wird nicht von den Karens beachtet, dafür aber von ihrem Geschichtslehrer, der auch Linda fasziniert, der dann aber mit Kinderpornographie in Verbindung gebracht wird.
Diesen zusätzlichen Aspekt hätte das Buch gar nicht gebraucht. Das Geschehen ist auch so schon tragisch genug. Es wirkt ein wenig wie der Versuch, maximales Drama in ein Buch zu packen.

„Die Geschichte der Wölfe“ ist bedrückend, mitreißend und kunstvoll erzählt. Die Sprache ist originell und poetisch. Vielleicht sind hier und da die Formulierungen etwas bemüht. Vielleicht hat das Buch auch das Pech, dass ich gerade parallel „Der Distelfink“ höre, der vor wunderbaren Formulierungen nur so sprudelt. Dagegen kann alles andere nur abfallen.

„Die Geschichte der Wölfe“ ist ein eindrucksvolles und fesselndes Buch, das eine ungewöhnliche und beklemmende Geschichte erzählt. Es ist lesenswert und interessant, nur für meinen Geschmack in mancher Hinsicht die Spur zu elaboriert. 

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