Idaho

von Emily Ruskovich 
3,3 Sterne bei67 Bewertungen
Idaho
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Positiv (30):
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Ein Verbrechen, das unerklärlich ist und alles verändert - in einem einzigen Moment. Bedrückend, eindringlich - absolute Leseempfehlung!

Kritisch (13):
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Zuviele Sprünge von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und wieder zurück, zuviel Unwichtiges, zuwenig über die Tat an sich.

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Inhaltsangabe zu "Idaho"

Ein flirrender Sommertag in Idaho, USA: eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Ist es Gnade, dass der Vater, Wade, langsam sein Gedächtnis verliert? Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Tag abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau, Jenny, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch Ann, die Frau, deren Liebe groß genug ist, um zu Wade in das leere Haus zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag an Wades Seite erkundet sie genauer, was damals geschehen ist, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf. Ein atemberaubender Roman über das Unbegreifliche in uns.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446258532
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum:19.02.2018

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Rezensionen und Bewertungen

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    calimero8169s avatar
    calimero8169vor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Zuviele Sprünge von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und wieder zurück, zuviel Unwichtiges, zuwenig über die Tat an sich.
    Zuviel Unwichtiges, zuwenig Wichtiges

    Inhalt

    Ein flirrender Sommertag, eine Familie im Wald. Zwei Mädchen, die spielen, während die Eltern den Pick-up mit Brennholz für den Winter beladen. Die Luft steht, die Muter hat ein Beil in der Hand - und von einer Sekunde auf die andere ist die Idylle für immer zerstört.

    Eindruck

    Nie habe ich mich so durch ein Buch quälen müssen wie durch "Idaho". Der Titel, die Aufmachung und die Beschreibung haben mich so neugierig auf  die Geschichte gemacht, doch es hat mich enttäuscht und verwirrt zurück gelassen.

    Der Schreibstil steif und distanziert, ständige Zeitsprünge, die mir normalerweise gut gefallen, doch hier haben sie mich immer wieder aus dem Lesefluss gebracht, Nebenstränge die meiner Meinung nach mit der Geschichte nichts zu tun haben und sie auch keinen Millimeter voranbringen und nicht einmal der Ansatz einer Auflösung. Eine Protagonistin, die mir von Beginn an auf die
    Nerven ging, weil das Motiv ihres Handels für mich im Dunkeln blieb. 

    Die Beschreibungen der Landschaften und die Schwierigkeiten des einsamen Lebens auf dem Berg mit all seinen Widrigkeiten - vor allem im Winter sowie Wades schleichender Verfall konnten mich für sich gewinnen. Das Vergessen, dass durch die schreckliche Krankheit hervorgerufen wird, hat ein beklemmendes Gefühl hinterlassen. 

    Fazit

    "Idaho" eine Geschichte die mich frustriert zurückgelassen mit der Frage: "Was will mir die Autorin mit dieser Geschichte sagen?"

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    Dajobamas avatar
    Dajobamavor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Ein Verbrechen, das unerklärlich ist und alles verändert - in einem einzigen Moment. Bedrückend, eindringlich - absolute Leseempfehlung!
    Ein einziger Moment

    Emily Ruskovich – Idaho

    Die Autorin Emily Ruskovich hat mit diesem Buch ein vielversprechendes Debut vorgelegt, für mich ist es eine Mischung aus Roman und Thriller, über ein bedrückendes Thema.

    Eine ganz normale Familie arbeitet an einem heißen Sommertag im Wald – eine perfekte Idylle. Bis ein einziger Moment alles zerstört. Wades jüngere Tochter ist tot, die ältere spurlos verschwunden. Seine Frau Jenny wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Jahre später beginnt Wades zweite Frau Ann nachzuforschen, doch seine beginnende Demenz, erschwert dies. Ihr Zusammenleben mit ihm ist überhaupt nur aus der Tragödie heraus möglich, diese bildet quasi die Grundlage. So fühlt auch sie sich indirekt schuldig und versucht etwas wiedergutzumachen, das längst zerstört ist.

    „Sie hat Wades Vergangenheit genommen und vor sich ausgebreitet. Ihre Zukunft ist ein Weg in die Vergangenheit, auch wenn er langsam verschwindet. Jenes langsame Ausradieren, jene weiße Linie, die sich durch das Dunkel in seinem Gedächtnis zieht, dieser Linie wird sie durch ihr eigenes Leben folgen. Und sie wird sie mit Gewissheit in ihr eigenes geheimes Gefängnis führen, direkt bis vors Tor.“ Seite 202

    Emily Ruskovich hat eine ganz eigene, eindringliche Art zu erzählen. Ihr Werk ist sehr angenehm lesbar, wenn auch nicht immer leicht auszuhalten. Eine bedrohliche Stimmung schwingt zwischen den Zeilen stets mit. Sie erzählt aus verschiedenen Perspektiven und aus den unterschiedlichen Zeitebenen, stellt immer wieder die Frage, was ist damals wirklich passiert, wie konnte so etwas geschehen. Ganz wichtig: sie schafft es, Verständnis und Mitleid für alle Figuren entstehen zu lassen, selbst und besonders für die Mutter, die des Mordes an ihrer Tochter verurteilt wurde. Einen beträchtlichen Teil des Romans nimmt so die Beschreibung des Alltags und der Probleme Jennys im Frauengefängnis ein.

    Ein weiteres großes Thema dieses Buches ist Wades Demenz, deren Vergessen für ihn Fluch und Gnade zugleich sind. So kämpft jeder gegen seine eigene Verzweiflung, sucht seinen eigenen Weg, mit der Tragödie zu leben.

    Keine einfache Lektüre, aber hervorragend umgesetzt, ohne ständig auf die Tränendrüse zu drücken – für mich ganz große Literatur! Dringende Leseempfehlung.

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    mondblumes avatar
    mondblumevor 23 Tagen
    Kurzmeinung: Ein wunderschönes Buch, poetisch und dennoch schnörkellos.
    Keine einfache Kost, aber es lohnt sich!

    Ein wunderschönes Buch, poetisch und dennoch schnörkellos. Genial, wie sich das, was zunächst nach einer Nebensächlichkeit aussieht, in einem späteren Kapitel in ein wichtiges Verbindungsglied verwandelt, und sich die Geschichte so auf eine vielschichte Art und Weise entfaltet.

    Vieles bleibt offen in dieser Geschichte; einiges kann man sich versuchen, selber zu erklären, anderes soll einfach nicht aufgelöst werden. Einige werden sich daran stören, ich fand hingegen, dass es einfach passte, weil es in seiner Unvollendheit wie das Leben selber ist. Man kann nicht immer alles erklären und auflösen.

    Es gab Momente, in denen ich aufgrund der Zeitsprünge etwas verwirrt war, da die Kapitel ziemlich unauffällig angeschrieben sind. Das soll aber den Inhalt nicht abwerten.

    Keine schnelle Lektüre für Zwischendurch, aber (oder genau deswegen) es hat mir grosses Vergnügen bereitet, in diese Geschichte einzutauchen.

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    Bluelys avatar
    Bluelyvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Intensiv, beklemmend und deprimierend. Schade nur, dass für mich nicht alle Fragen zufriedenstellend geklärt wurden.
    Gefährliche Einsamkeit

    Wade und Jenny leben mit ihren beiden Töchtern May und June abgelegen auf einem Berg in Idaho. Eines Tages kommt es zur Tragödie: Jenny tötet bei einem Ausflug in den Wald aus heiterem Himmel ihre Tochter May mit einem Beil. June, die ihre jüngere Schwester tot im Auto sieht, flüchtet daraufhin und kann nicht gefunden werden. Wie konnte es dazu kommen und wo ist June?

    Dies sind die beiden zentralen Fragen, um die es in dem Roman von Emily Ruskovich geht. Dabei nähert sie sich der dramatischen Familiengeschichte in ganz kleinen Schritten, verrät nur wenig und schafft eine insgesamt sehr bedrückende und deprimierende Atmosphäre. Dies ist definitiv kein Roman, den man so mal eben "nebenbei" lesen kann. Ich habe mich dabei als Leser sehr gefordert gefühlt und konnte teilweise nur wenige Seiten am Stück lesen, um mich nicht ganz in der düsteren Grundstimmung zu verlieren. Hinzu kommt, dass es nicht nur um das Verbrechen an sich geht, sondern auch noch um Demenz, die Wade, den Vater der beiden Mädchen, betrifft. Schon sein Vater und Großvater litten daran, so dass es sich um eine ererbte, frühe Form handelt. Mit Zeitsprüngen und verschiedenen Erzählperspektiven setzt sich nach und nach ein Puzzleteil nach dem anderen zusammen, teilweise leider recht langatmig und mit vielen, für mich unnötigen, Abschweifungen.

    Insgesamt ein interessanter Roman, etwas schwer verdaulich und für mich am Ende nicht komplett überzeugend, da nicht alle meine Fragen beantwortet wurden. Alles konnte ich mir dann doch nicht zusammen reimen. :-/

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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Beeindruckend und zugleich enttäuschend. Literarisch ein schöner poetischer Text, inhaltlich ließ es mich etwas ratlos zurück.
    Versuche der Rekonstruktion einer Tragödie inmitten des Vergessens

    Ein flirrender Sommertag in Idaho, USA: eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Ist es Gnade, dass der Vater, Wade, langsam sein Gedächtnis verliert? Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Tag abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau, Jenny, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch Ann, die Frau, deren Liebe groß genug ist, um zu Wade in das leere Haus zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag an Wades Seite erkundet sie genauer, was damals geschehen ist, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf. Ein atemberaubender Roman über das Unbegreifliche in uns.


    Anhand des Klappentextes erwartete ich zunächst keinen Krimi, aber zumindest einen Spannungsroman über eine unbegreifliche Familientragödie. Das ist „Idaho“ nicht und die Inhaltszusammenfassung durch den Verlag dadurch irreführend. Vielmehr soll es um die Verlässlichkeit unserer Erinnerungen gehen, wobei ich hier den Ansatz der Autorin dazu nicht gelungen fand. Wenn es wirklich um das Gedächtnis und die Erinnerungen gehen soll, dann müsste der Roman aus Wades Sicht, der mit 50 an einer frühen Form von Alzheimer erkrankt, geschrieben sein. Die hauptsächlichen Gedanken zu den Geschehnissen und der Versuch einer Rekonstruktion geschieht aber vorrangig durch Ann, seine zweite Ehefrau, nachdem Jenny verurteilt wurde.
    Nichtsdestotrotz beginnt der Roman spannend, ich wurde sofort in die Handlung hinein gesogen. Schriftstellerisch wird durch die poetische und detailreiche Sprache eine intensive, zum Teil bedrückende Atmosphäre geschaffen. Man fühlt sich in die Rauheit der Berge Idahos versetzt, was gut zur Gesamtstimmung der Geschichte passt.
    Die Autorin nutzt Zeitsprünge in einem Kontext von über 40 Jahren und beleuchtet damit nicht nur die unfassbaren Ereignisse, die der Klappentext beschreibt, sondern im Laufe der Erzählung auch viele Nebenschauplätze. Irgendwann wurde es für mich ziemlich verwirrend. Die verschiedenen Erzählperspektiven fand ich dagegen nicht verwirrend, auch wenn sich häufig erst nach einigen Sätzen aus dem Kontext erschloss, in wessen Gedankenwelt man sich gerade befindet. Auch die beiden Mädchen kommen in kurzen Abschnitten selbst zu Wort. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich nicht immer gut verstanden haben. Aber ging das wirklich über „normale“ Geschwisterstreitigkeiten hinaus? Wäre es möglich, dass May ihre ältere Schwester an dem besagten Tag in einer Weise provozierte, dass sie sie im Affekt erschlug und Jenny nur die Schuld auf sich nahm, um ihre Tochter zu schützen? Oder könnte es nicht auch Wade gewesen sein, der die genauen Erinnerungen an diesen Tag aufgrund seiner eigenen Schuld verdrängt und deshalb Ann auch am Anfang ihrer Ehe, als die Demenz noch keine große Rolle spielt, nichts weiter über die Geschehnisse sagen kann oder will? Ich zog diese Dinge beim Lesen in Betracht, da mir Jennys Täterschaft irgendwann immer unwahrscheinlicher schien. Zumindest präsentiert die Autorin kein schlüssiges Motiv geschweige denn etwas, in das ich ein Motiv hätte hineininterpretieren können. Die Eindrücke, die man von Jenny erhält, stammen zum einen aus Sprüngen in die Vergangenheit zu ihrem gemeinsamen Leben mit Wade und zum anderen aus den Gedanken ihrer Zellennachbarin Elizabeth. Und diese Eindrücke passten für mich überhaupt nicht in das Bild einer Mutter, die ihre eigene Tochter erschlagen könnte. Auch nicht im Affekt.
    Anns Versuche zur Rekonstruktion der Ereignisse sind eine Mischung aus Fakten, die sie aus verschiedenen Quellen bezogen hat und ihren eigenen Vorstellungen zum Ablauf. Sie phantasiert sich das Geschehene zum Teil zusammen, ohne dass die Autorin aufklärt, was genau nur Anns Phantasie entspringt. Irgendwann fragte ich mich nur noch „Warum eigentlich?“. Warum muss diese Frau unbedingt alles über die Tragödie erkunden? Warum schafft sie es nicht, sich darauf zu konzentrieren, ihrem Ehemann in seinem unermesslichen Schmerz und Verlust beizustehen, wo sie doch offensichtlich keine Fakten beschaffen kann, die sie der Wahrheit näherbringen? Ist es, weil auch sie Zweifel an Jennys Täterschaft hat? Den Eindruck hatte ich anhand ihrer Gedankenmonologe eigentlich nicht. Und warum hat sie Wade überhaupt geheiratet, so wenige Monate nach der Tragödie? Warum will sie irgendwann so unbedingt Kontakt zu Jenny aufnehmen, ohne dass Jenny es aber wirklich merken soll? Ich konnte Anns Charakter bis zum Ende einfach nicht verstehen. Man spürte ihre Hilflosigkeit, die sicherlich auch verständlich ist. Ihre Motivation und Handlungsweisen haben sich mir trotzdem nicht erschlossen, sie blieb mir fremd.
    Letztlich sind all diese Fragen eigentlich egal, weil die Autorin keine davon beantwortet und alles offen bleibt. Gleichzeitig konnte ich durch die verworrene Geschichte mit zum Teil nicht zueinander passenden Schlüssen für mich selbst keine plausible Erklärung für die Tragödie oder Junes spurloses Verschwinden finden, was in letzter Konsequenz unbefriedigend ist. Bis zum Schluss hatte ich die Hoffnung, dass wenigstens irgendetwas noch aufgeklärt wird - zum Beispiel eben Junes Verschwinden, das immer wieder thematisiert wird. Ann stößt auch eine erneute landesweite Suche nach ihr an. Wohin kann denn bitte ein junges Mädchen jahrzehntelang verschwinden, ohne dass jemals eine Spur von ihr oder eine Leiche gefunden wird? Diese ungeklärte Frage war im Endeffekt vielleicht sogar das Frustrierendste für mich.

    Fazit:
    Am Ende des Romans hatte ich das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen. Nachdem ich den letzten Satz gelesen hatte, schoss mir unwillkürlich „Und jetzt?“ durch den Kopf. Welche Schlüsse kann ich aus der Lektüre ziehen? Ich weiß es nicht. Deswegen fällt es mir auch so schwer, das Buch zu bewerten, da ich es literarisch wirklich ansprechend fand und den Erzählstil selbst genossen habe. Ich interpretiere eigentlich gern selbst etwas in die Handlung eines Buches hinein und muss auch nicht unbedingt ein vollständig abgeschlossenes Ende haben. Hier war es aber eindeutig zu viel Offenes, zu viel Angedeutetes für mich. Der wunderbare Schreibstil konnte mich in letzter Konsequenz nicht über die offenen Fragen und meine damit verbundene inhaltliche Frustration hinweg trösten. Für mich war die Sprache 5 Sterne wert, der Inhalt nur 3 – sodass ich 4 Sterne vergebe.

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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Melancholisch und traurig ... ♥
    Die Tragödie von Idaho

    Klappentext
    An einem einzigen Tag hat Wade alles verloren, was er liebte. May, die kleine Tochter ist tot, ihre ältere Schwester June verschollen, seine Frau Jenny zu lebenslanger Haft verurteilt im Gefängnis. Und nun raubt eine früh einsetzende Demenz ihm auch die Erinnerung. Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Augusttag im Wald abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau. Auch Ann, deren Liebe groß und wahrhaftig genug ist, um zu Wade in das schrecklich leere Haus im Bergland von Idaho zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag, den sie mit Wade teilt, begibt sie sich tiefer in die Erkundung dessen, was damals geschehen ist, fügt Bruchstücke und Splitter zusammen, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf.



    "Sie lernte, mit seinen Aussetzern umzugehen. Manchmal spürte sie auch ohne ein Wort von ihm, dass es wieder so weit war. An einem sonnigen Herbsttag lag sie neben ihm auf der Wiese, und während er döste, spürte sie förmlich, wie sein altes Leben und seine Erinnerungen von seiner Haut abstrahlten und ihn verließen. Alles außer ihr. Auch sie streifte ihr altes Leben ab, um sein Gegenstück zu werden." (Seite 28/ 29)

    An einem sonnigen Tag arbeiten Wade, seine Frau Jenny und die beiden Töchter May und June im Wald. Sie machen Holz im Wald und stapeln dieses auf dem PickUp. Doch plötzlich ist nichts mehr wie es war, denn Jenny hat May mit der Axt erschlagen und June ist verschwunden. Was ist passiert?

    Ein Jahr später ist Wade mit Ann verheiratet. Sie haben sich im Klavierunterricht kennen und lieben gelernt. Ann stellt bei Wade eine beginnende Demenz fest. Doch bevor er alles vergisst, versucht sie Licht in das Drama zu bringen. Warum brachte Jenny ihre Tochter um? Wo ist June?

    "Eine liebende Mutter, praktisch verschmolzen mit ihrem Kind (...). Hass und Liebe, vollkommen vermischt in jenen Augenblicken eines Flüsterns, wenn es auf die Worte nicht mehr ankommt, das Baby schon halb schläft und man es auf dem Klang der eigenen Stimme die letzten Meter ins Traumland tragen kann. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt. Man kann es singen, so sanft man will, die Worte fletschen trotzdem die Zähne. Gott will nicht immer." (Seite 101)

    Als ich anfing zu lesen, wusste ich nicht so recht, was mich erwartet. Ich war verwirrt, weil die Autorin ziemlich in der Zeit und der Geschichte springt, da sie nicht chronologisch erzählt. Eine echte Herausforderung. Ich habe mir sogar teilweise am Anfang Zeitabfolgen aufgeschrieben. Doch je weiter ich in die Geschichte eingetaucht bin, desto besser/ interessanter fand ich diese Art der Erzählung. Warum? Weil sie mir immer wieder andere Aspekte/ Blickwinkel zeigte.

    Die Tragödie wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Jede*r Protagonist*in erinnert sich an andere Dinge und somit setzt sich nach und nach das Puzzel zusammen.

    Ruskovich hat hier einen ganz besonderen Roman geschrieben. Wade verliert nach und nach durch seine Demenz die Erinnerung an die Tragödie, obwohl er sich immer an sie bzw. an seine Kinder erinnern möchte. Und Jenny, seine erste Frau, die die Tochter umbrachte, möchte vergessen und wird tagein tagaus im Gefängnis daran erinnert, welche Tat sie begangen hat.

    "Sie denkt an Wade. Er hat seine Töchter verloren, aber auch die Erinnerung daran, sie zu verlieren. Nur seinen Verlust, den hat er nicht verloren. Der Schmerz lebt in seinem Körper weiter wie seine Unterschrift in seiner Hand." (Seite 240)

    Die Demenz und das Vergessen an sich stehen in diesem Buch im Vordergrund. Ein für mich sehr gelungenes Debüt der Autorin Emily Ruskovich.

    Auch wenn man sehr konzentriert lesen muss, lohnt sich dieses Buch auf jeden Fall!!!

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    katzenminzes avatar
    katzenminzevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ruhig, melancholisch, einfühlsam. Und Unglaublich schön geschrieben. Hat mich sehr begeistert!
    Melancholisch, leise, toll!

    Dieses Buch ist mein bisheriges Lesehighlight 2018. Schon nach den ersten fünfzig Seiten war ich verliebt in den ruhigen, melancholischen Schreibstil, in das angedeutete Drama, in den einfühlsamen Ton.

    Ann lebt mit ihrem Mann Wade in einem abgeschiedenen Holzhaus nahe des Städtchens Ponderosa. Die Winter in Idaho sind hart, die Sommer wunderschön. Ann liebt Wade sehr, doch sie weiß auch, dass sie nur mit ihm zusammen sein kann, weil in seiner Vergangenheit etwas Schreckliches passiert ist. Seine erste Frau sitzt im Gefängnis. Sie soll seine kleine Tocher May erschlagen haben, seine andere Tochter June ist seitdem verschwunden. Wade redet nicht gerne über den Verlust und durch seine Frühdemenz vergisst er auch immer mehr von der Familie, die er einmal hatte. Aber Ann lässt die Geschichte nicht los. Sie malt sich aus was passiert sein könnte. Stellt sich das Leben vor, das sich im Haus abgespielt hat, bevor sie kam. Verliert sich in jedem Detail. Emily Ruskovich erzählt aber auch aus Wades und Jennys früherem, gemeinsamem Leben. Sie erzählt aus der Sicht von Wades Tochter oder einer Mitgefangenen Jennys. Man erfährt viele Details aus verschiedenen Leben, nur den Tag des Dramas spart sie aus. Für mich hat das perfekt gepasst. Es ist schließlich kein Kriminalfall der gelöst werden will. Es ist passiert. Wie alle Jahre später damit umgehen ist das Interessante.

    Ich habe sehr mit Ann mitgefühlt. Mit ihrem verzweifelten Wunsch die Wahrheit zu kennen und sich doch immer weiter davon zu entfernen. Weil ihr Mann sie vergisst. Sie versucht die Leere zu füllen, von der er irgendwann nicht mehr weiß, warum sie in ihm ist. Und sie macht all das auf eine unglaublich liebenswerte Art. Erinnerungen, ihr Verschwinden und ihre Wandelbarkeit sind ein zentrales Thema, das meist wie nebenbei umgesetzt wurde.

    Ich fand das Buch einfach unglaublich schön geschrieben. Es ist traurig aber nie zu sehr. Die atmosphärischen Beschreibungen strahlen immer auch eine Ruhe aus, die das Drama abdämpft. Die es zu etwas macht, das man genießen kann. Ich glaube, wer Szusza Banks „Die hellen Tage“ geliebt hat, den wird auch „Idaho“ begeistern können. Für mich ist es ein Buch, das mir noch lange im Kopf bleiben wird und das man wunderbar noch ein zweites oder drittes mal lesen kann.

    Kommentare: 8
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    engineerwifes avatar
    engineerwifevor 4 Monaten
    Spannendes Thema verwirrend umgesetzt ...

    Ich bin ja eigentlich nicht der Typ Leser, der sich an etwas schwierigeren Themen stört. Im Gegenteil, wenn alles Friede, Freue, Eierkuchen ist, ist mir das meist zu langweilig. Aber mit diesem Buch kam ich so gar nicht zurecht und habe knapp vor der Hälfte abgebrochen. Dieses Buch war in meinen Augen schlichtweg deprimierend und manchmal auch verwirrend geschrieben. Schade, ich hatte mir mehr davon versprochen.  

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 4 Monaten
    Schön geschrieben, aber Figuren sperrig, Geschichte zerpflückt

    Der erste Satz: »Sie fuhren den Pick-up eigentlich nie, nur ein, zwei Mal im Jahr zum Holzholen. Er war oben am Hügel vor dem Schuppen geparkt, und in den Dellen auf der Motorhaube sammelte sich Regenwasser und im Regenwasser Mückenlarven. So war es, als Wade mit Jenny verheiratet war, und so ist es jetzt, wo er mit Ann verheiratet ist.«

    Die Geschichte spielt an einem abgelegenen Ort in Idaho, im Gebirge im Norden des Staates, beginnend in 1973 und endend in 2025. Wade ist verstorben, Ann denkt an ihren Mann zurück, an ihre Ehe mit Wade, an Jenny, die von ihm geschieden ist, die im Gefängnis sitzt, an alles, was geschehen ist. Ann versucht zu ergründen, warum die Sache eskalierte. Ann war die Lehrerin der beiden Töchter von Wade. Die eine wurde von der Mutter erschlagen, die andere lief weg, wurde nie wieder gesehen.

    »›Wir haben keinen Schneepflug‹, sagt Wade. ›Der Mann, der uns das Grundstück im Frühjahr verkauft hat, meinte, ganz oben auf dem Iris würde ein Schulbusfahrer wohnen. Angeblich würde das County die Straße den ganzen Winter über räumen, damit der Schulbus zu allen Kindern kommt.‹«

    Wade ist ein fleißiger junger Mann, arbeitet auf Farmen, spart sich Geld zusammen, möchte ein eigenes Grundstück besitzen, ein eigenes Haus. Er trifft auf Jenny, die für ihn alles aufgibt, ein Studium, eine Karriere. Sie kaufen ein Grundstück, ziemlich weit oben auf dem Berg. Jenny ist schwanger. Die schlagen Holz, bauen den ersten Raum, der als einziges Möbelstück neben dem Herd ein Bett hat. Der Winter bricht ein, ohne Schneepflug sitzen sie fest. Sie haben Glück, das Kind kommt erst nach der Schmelze. Wade stellt im Winter Messer her, mit kunstvoll geschnitzten Griffen, die er im Sommer verkauft. Das Haus wird größer, Möbel ziehen ein, eine Werkstatt wird gebaut, eine Scheune. Ein zweites Kind ist unterwegs.

    »Schnee sammeln. Das Heulen der Kojoten gräbt Tunnel in die eisige Stille, und die Raben in den Bäumen erahnen schon den Frühling, wenn sie ihr schwächstes Küken aus dem Nest stoßen werden; im Herzen haben sie es längst getan. Tief in der Erde halten Vipernattern ihren wachsamen Winterschlaf, die Leiber kalt und starr, zuckend und heiß die Gedanken. Millionen heimlicher Regungen, Millionen von Mittelpunkten, die wie gespannte Federn losschnellen und genau in diesem Moment in diesem Haus kollidieren, in einem stillen Knall, in dieser wunderbaren Vergessenheit, in der Wade und Jenny einander lieben«

    Die Geschichte wird in Multiperspektive geschildert, nicht chronologisch, die Autorin wechselt personal und auch die Zeitfolge. Immer wieder kommt die Katastrophe zur Sprache. Und irgendwann ahnt der Leser, was die Mutter dazu trieb, ihr Kind zu erschlagen. Die Autorin gibt uns verschiedene Einblicke in die Protagonisten, von außen, von innen, wir lernen sie immer tiefer kennen. Aber hier habe ich ein Problem. Warum heiratet Jenny, die Großes vorhat, Wade vom Fleck weg, als sie ihn kennenlernt? Gut, es soll die große Liebe sein. Aber eben darum passt die schreckliche Tat für mich nicht ins Konzept. Diese Mutter erschlägt ihr Kind mit dem Beil? Die möglichen angeführten Gründe passen nicht in das psychologische Profil der Frau.

    »An den Wochenenden bekam sie Heimweh nach ihrem Klassenzimmer. Selbst wenn sie sich darin aufhielt, war sie vage angewidert von all dem Schönen draußen vor dem Fenster – dem fedrigen Raureif auf den Pflanzen im Winter oder, viel später, den blühenden Lilien unten am Teich, deren Konturen seine Fingerabdrücke auf der Scheibe verschwimmen ließen.«

    Warum heiratet Ann Wade? Ich verspüre von ihr keine Leidenschaft zu Wade, lediglich von Wade zu Ann. Zu dem Zeitpunkt ist Wade bereits krank, erste Anzeichen von Demenz sind sichtbar. Wade ist an einer so genannten Frühdemenz erkrankt, ein genetisches Erbe seines Vaters, Wade erklärt das, will Ann deshalb nicht heiraten, ihr diesen Zustand zumuten. Warum gibt ihren Beruf auf, zieht in die Einsamkeit zu einem Dementen, den sie nicht liebt? Wovon leben sie? Die Einsamkeit liegt Ann nicht, wilde Natur ängstigt sie eher und sie bekommt immer mehr Schwierigkeiten mit dem dementen Wade. Auch diese Figur erschließt sich mir nicht, das alles gibt keinen Sinn.

    »Während sie mit einem Stock die Eisschicht auf dem Wassertrog der Ziegen zerschlägt, versucht sie diese simple Tatsache zu verstehen: Ich bin hier, weil du nicht hier bist.«

    Ann ist Musiklehrerin, die Wades Töchter June und May unterrichtet. June ist ein wenig störrisch. May ist sehr begabt und musikalisch. Deshalb engagiert Wade Anne, sie soll May Klavierunterricht geben. Eigentlich möchte er selbst Klavierunterricht erhalten, lässt er nebenbei heraus. So lernen sich Ann und Wade kennen. Eines Tages kommen die Mädchen nicht in den Unterricht, die Kleinstadt befindet sich in Schockstarre. Auch dieses Drama erschließt sich mir nicht. May stirbt, von der Mutter erschlagen, June läuft weg, sie mag 10-12 Jahre alt sein. In Entsetzen läuft sie in die Wälder, so weit verständlich. Ein Suchtrupp ist tagelang unterwegs. June bleibt für immer verschollen. Das erinnert mich an das Buch »Speicher 13«. In dem Roman hat es mich nicht gestört, dass ein Kind verschwand. Ich kann es nicht genau definieren, es ist hier, in diesem Roman, ein Gefühl des Verlassenseins als Leser. Vielleicht auch, weil hier gar nichts geklärt wird, die Charaktere der Figuren nicht stimmig herüberkommen. Ann kann Jenny nicht ersetzen, die Vertrautheit kommt nicht auf. Auch das widerspricht sich, ich will nicht zu viel verraten.

    Der Hund weiß immer noch, was Wade gewollt hätte. Der Hund buddelt immer noch nicht da, wo er nicht darf, und tötet immer noch nicht, was er nicht töten soll. Und ich, denkt Ann, ich weiß nach dreizehn Jahren an seiner Seite immer noch nicht, wohin ich gehen und was ich tun soll, wer ich bin.«

    So geht es mir mit Ann. Jenny, die erste Frau von Wade hat sich mir halbwegs erschlossen. Ann kommt mir emotionslos herüber, ich verstehe nicht, was sie will und warum sie irgendetwas macht. Emily Ruskovich kann wundervoll erzählen, bringt die Einsamkeit der Berge von Idaho herüber, das harte Leben, die Verbundenheit mit der Natur, aber die Figuren sind sperrig. Am Anfang hat mir der Roman gut gefallen. Mit den Figuren bin ich am Ende ratlos, insgesamt mit der Geschichte. Was soll mir die Geschichte sagen? Ich habe nichts dagegen, wenn eine Geschichte in Zeit und Perspektive wechselt, nicht chronologisch ist, ein dramaturgisches Mittel, das mir gefällt. Allerdings ist mir in diesem Roman ein wenig zu viel gestückelt, versetzt, das hat die Story nicht nötig.

    Emily Ruskovich wuchs im Idaho Panhandle auf dem Hoodoo Mountain auf. 2015 war sie unter den Preisträgerinnen des Henry Award und ist Absolventin des Iowa Writers’ Workshop. Idaho ist ihr erster Roman.

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    krimielses avatar
    krimielsevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ungewöhnliche und spannende Geschichte über Erinnerungen und ihr Bewahren
    Erinnerungen bewahren

    Der Roman „Idaho“ polarisiert, man schwankt zwischen der Beurteilung des Textes als absolut geniale Darlegung von Veränderungen und ihren Auslösern und einem sich verzettelnden, unausgereiften und enttäuschend unfertigen Buch. Es kommt auf den Blickwinkel an, und wer es schafft, sich vom irreleitenden Klappentext zu lösen, der entscheidet sich vielleicht wie ich für ersteres, nämlich ein geniales Debüt, das um Kreuzwege im Leben kreist, mit Erinnerungen spielt und dem Leser Ursachen und Auswirkungen auf ungewöhnliche und sehr persönliche Weise erschließt.
    Genau das war für mich der Knackpunkt beim Lesen, und glücklicherweise hatte ich es schnell geschafft, den Klappentext auszublenden und das Buch als das zu sehen, was es ist, ohne die Erwartung, einen Thriller zu lesen.

    Der Roman dreht sich um das Leben von Wade, seinen Frauen und seiner Familie, um das Verwischen seiner Erinnerungen infolge von Demenz und um die fremde Sichtweise auf Ereignisse, die sein Leben und das seines Umfeldes gravierend verändern. Man blickt durch die Augen von Ann, der zweiten Frau von Wade, auf Ereignisse, die Ann selbst nie erlebte, sondern die sie sich aus anderen Quellen zusammenreimt. Anfangs liest sich das alles sehr verwirrend, was für mich gewollt und großartig gemacht erscheint. Man bekommt beim Lesen einen glaubhaften Eindruck von der Hilflosigkeit, mit der Ann versucht, die schwindenden Erinnerungen ihres Liebsten festzuhalten. Allerdings nimmt die Autorin den Leser dabei nicht an der Hand, sondern lässt ihn selbst voran stolpern, schafft unglaubliche Spannung und große Verwirrung durch die Andeutung kleiner Lichtblitze auf Ereignisse. Dabei ist sehr schnell unterschwellig spürbar, dass es keine Aufklärung im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt geben wird, denn das ist eben nicht Thema des Romans.
    Ein zweiter Handlungsstrang begleitet Jenny, Wades erste Frau, und ihre Zellengenossin Elisabeth in der Haftanstalt. Jenny war schuldig gesprochen worden, ihre und Wades kleine Tochter May ermordet zu haben, wozu sie sich zuvor bekannt hatte. Jenny ist nach jahrelanger Haft körperlich und geistig völlig am Ende. Extrem beklemmend, mit psychologisch wohlplazierten Geschossen, ohne Rückzugsort für den Leser ist die Passage anfangs erzählt, wie sich die beiden Frauen nach Jennys fünfjährigen Einzelhaft und nach Elisabeths Terror an ihrer letzten Zellengenossin annähern und beginnen, aufeinander aufzupassen.

    Rückblickend wird das Leben von Jenny und Wade, das die beiden vor dem alles verändernden Tod der kleinen May führten, beleuchtet, und man ist durch den Klappentext leider ein bisschen darauf fokussiert zu hoffen, dass es Aufklärung zum Tathergang selbst gibt. Doch genau das ist nebensächlich, denn der Tod von May wird neben anderen Ereignissen als Auslöser für tiefgreifende Veränderungen betrachtet und von der Autorin auch so behandelt. Es ist nur einer von vielen Auslösern, die Wendepunkte sind, und wer bereit ist, das so zu akzeptieren, kann ein wirklich tiefgreifendes und beeindruckendes Buch über Gedächtnisverlust, der Wahrhaftigkeit von Erinnerungen und den Mühen im Umgang mit der eigenen und einer fremden Vergangenheit, verpackt in eine interessante Familiengeschichte erleben.
    Die Autorin transportiert auf diese Art ganz nebenbei für mich eindrucksvoll und sehr gekonnt das mir bisher fremde Krankheitsbild der Demenz und ihrer Folgen.

    Ich kann das Buch sehr und besonders nachdrücklich empfehlen als anspruchsvolle und manchmal sehr fordernde Lektüre, allerdings sollte man den Klappentext vorher besser nicht lesen, denn durch die absolut nicht treffende Sicht werden nicht erfüllbare Erwartungen geweckt und dem Leser ein völlig falsches Bild vom Buch suggeriert, leider.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    abas avatar

    "Ich bin hier, weil du nicht hier bist."

    Können wir unserem Gedächtnis jederzeit vertrauen? Haben sich alle Ereignisse in unserem Leben so abgespielt, wie wir sie in Erinnerung haben?
    In "Idaho" versucht Emily Ruskovich eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Das Ergebnis ist ein sprachgewaltiger Debütroman über die Grenzen des Erinnerungsvermögens und die Macht der Einbildungskraft, und eine faszinierende Studie über menschliche Charaktere.

    Der dritte Titel im LovelyBooks Literatursalon entführt den Leser nach Idaho!
    Wenn ihr zusammen mit uns eine besondere und exklusive Literaturreise antreten möchtet, dürft ihr diese Leserunde nicht verpassen.

    In unserem LovelyBooks Literatursalon erwarten euch weitere literarische Neuerscheinungen und spannende Spezialaufgaben!

    Zum Inhalt
    Ein flirrender Sommertag in Idaho, USA: eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Ist es Gnade, dass der Vater, Wade, langsam sein Gedächtnis verliert? Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Tag abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau, Jenny, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch Ann, die Frau, deren Liebe groß genug ist, um zu Wade in das leere Haus zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag an Wades Seite erkundet sie genauer, was damals geschehen ist, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf. Ein atemberaubender Roman über das Unbegreifliche in uns.

    Bereit für eine spannende Leseprobe?

    Zur Autorin
    Emily Ruskovich wuchs im Idaho Panhandle auf dem Hoodoo Mountain auf. Sie gewann den O. Henry Award 2015 und ist Absolventin des Iowa Writers' Workshop. Seit Herbst 2017 lehrt sie an der Boise State University. "Idaho" ist ihr erster Roman.

    Möchtet ihr erfahren, was in diesem Wald in Idaho wirklich geschehen ist?
    Zusammen mit Hanser verlosen wir 30 Exemplare von "Idaho" unter allen, die sich über dieses spannende Thema im Rahmen einer Leserunde austauschen und im Anschluss eine Rezension schreiben möchten.
    Möchtet ihr dabei sein? Dann bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 25.02. und antwortet auf folgende Frage:

    Wie zuverlässig sind unsere Erinnerungen? Habt ihr es schon mal erlebt, dass euer Gedächtnis euch einen Streich gespielt hat? Und wie habt ihr es herausgefunden?

    Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück!

    Ihr seid noch kein Literatursalon-Mitglied? Ihr könnt jederzeit eintreten. Alle Infos dazu findet ihr hier und in unserer Literatursalon-Plauderecke.

    * Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.


    Die Leserunde endet am 09.04.2018.
    Zur Leserunde

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    Die Geschichte einer Familie und eines unbegreiflichen Verbrechens. "Mich hat schon lange kein Buch mehr so angerührt." Daniel Schreiber

    "Der Roman folgt einer eigenen, springenden Chronologie, was seine Lesbarkeit nicht mindert und die Spannung intensiviert … Die Lektüre lohnt, und mit anderen darüber zu sprechen noch mehr." Gisela Trahms, Die Zeit, 15.04.18
    "Ein dramaturgisch wie sprachlich meisterliches Debüt mit einer glücklichen Wendung, die überraschen mag, jedoch erzählerisch ebenso subtil entwickelt ist, wie jene schreckliche, um die der Roman kreist." Ulrich Baron, Süddeutsche Zeitung, 22.03.18
    "Emily Ruskovich entfaltet einen so komplexen wie spannenden Roman, der auf überzeugende Weise die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft auslotet … Bewegend!" Gundula Ludwig, NZZ am Sonntag, 25.02.18
    "Mich hat schon lange kein Buch mehr so angerührt. 'Idaho' ist pure Magie." Daniel Schreiber

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