Emily Wu

 4.3 Sterne bei 23 Bewertungen

Lebenslauf von Emily Wu

Emily Wu, Jahrgang 1958, wuchs zunächst in Hefei, dann in einem Dorf in der Provinz auf, wohin sie mit ihrer Familie zur "Umerziehung unter Bauern" verbannt wurde. 1981 wanderte sie in die USA aus, wo sie Anglistik studierte und Erzählungen publizierte. Sie ist freie Schriftstellerin und lebt mit ihren beiden Kindern in Cupertino, Kalifornien.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Emily Wu

Cover des Buches Feder im Sturm (ISBN:9783455850963)

Feder im Sturm

 (23)
Erschienen am 22.07.2013
Cover des Buches Feather in the Storm (ISBN:9780307276629)

Feather in the Storm

 (0)
Erschienen am 08.01.2008

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Rezension zu "Feder im Sturm" von Emily Wu

Ein erschütterndes Zeitzeugnis
sursulapitschivor 8 Monaten

Feder im Sturm ist meine Geschichte und die meiner Familie. Aber es ist auch die Geschichte von Millionen Kindern wie mir, deren Geschichte niemals erzählt wurde und die wie ich das Unglück hatten, in eine Zeit revolutionärer Umwälzungen voller Brutalität und Unmenschlichkeit hineingeboren zu werden.“
 
Das sagt Emily Wu in ihrem Nachwort. Sie hat die komplette chinesische Kulturrevolution miterlebt. Anfang der 60er Jahre war sie ein kleines Mädchen, Tochter eines Literaturprofessors und einer Lehrerin und entstammte damit einer „schwarzen Familie“, einer Familie, die in den Augen der Kommunisten Maos ganz besonders suspekt ist. Intellektuelle fügen sich nicht einfach ins System, sind per se Konterrevolutionäre noch dazu handwerklich ungeschickt und unproduktiv, so die Meinung des neuen Regimes, das deshalb mit unglaublicher Willkür alle Intellektuellen diskriminierte. Sie verloren zuerst ihre Arbeit, dann ihr Selbstbestimmungsrecht, wurden wahllos interniert, schikaniert oder deportiert, zur Landarbeit Bauern unterstellt, damit sie arbeiten lernen. Wie Federn im Sturm waren  sie hilflos den Gegebenheiten ausgeliefert. 

Emily Wu erzählt, was sie erlebt hat, wie sie als Kind immer wieder von ihren Eltern getrennt wurde, was ihre Familie und ihre Freunde erleiden mussten, nur weil sie gebildet waren. Manch einen hat die Situation in den Selbstmord getrieben.

Dieses Buch ist ein erschütterndes Zeitzeugnis, das sich leicht liest und das Augen öffnet. Es erzählt fesselnd eine tragische Lebensgeschichte und erklärt gleichzeitig das chinesische Weltbild der Kulturrevolution auf äußerst plastische Art. Es ist kein Lesespaß, aber wahrhaft erhellende Lektüre. 

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Rezension zu "Feder im Sturm" von Emily Wu

Eine schwere Kindheit im Sturm der Kulturrevolution
sommerlesevor 4 Jahren

Im Roman "*Feder im Sturm*" erzählt "*Emily Wu*" von ihrer Kindheit in China. Das Buch erschien 2009 im "*Knaur Verlag*".


Emily Wu ist noch ein Kind, als Maos Kulturrevolution ihre Welt ins Chaos stürzt. Als Tochter eines Professors muss sie Unvorstellbares miterleben: Ihre Familie und auch sie selbst sind immer wieder Repressionen und Demütigungen ausgesetzt. Schikanen, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Doch mit viel Mut und Erfindungsreichtum gelingt es Emily, sich dem Schicksal entgegenzustellen und den täglichen Kampf ums Überleben zu gewinnen.


Diese autobiografische Erzählung einer chinesischen Kindheit, beschreibt die Zeit der "Großen Säuberung" Chinas, bekannter unter dem Begriff Kulturrevolution.

Emily Wu, deren chinesischer Name "Yimao" übersetzt Feder heißt, ist knapp drei Jahre alt, als unter Mao Tse Tung Millionen Menschen in China Not leiden und verhungern. Die benötigten Lebensmittel werden an andere sozialistische Länder verkauft, um mit dem Geld die Kampffähigkeit des Landes auszubauen.

Yimao erlebt mit ihren Eltern und Geschwistern, wie sie von den "Roten Garden" als "schwarze Familie" degradiert werden. Denn ihre Familie hat einen bürgerlichen Hintergrund und wird von nun an von den Kommunisten denunziert, ihrer Güter beraubt, körperlich misshandelt und aufs Tiefste gedemütigt. Die Eltern sind Intellektuelle und ihr Vater hat in Amerika Literatur studierte, damit gilt er als verhasster Spion. Selbst seine eigenen Studenten wenden sich auf einmal gegen ihn. Der Klassenkampf beginnt.

1966 wird die Familie aufs Land verbannt, wo sie unter widrigsten Bedingungen arbeiten müssen und den ungebildeten Bauern ausgesetzt sind. Hier sind Aberglaube und Dummheit perfekte Nährböden für Feindseligkeiten gegen die aufgeklärten Stadtmenschen. Im Namen Maos sind Misshandlungen, Vergewaltigungen und Morde an der Tagesordnung. 

Frauen gelten wenig im revolutionären China, Babys werden getötet und das Land versinkt in einem Alptraum von Gewalt und Leid.

Was in diesem Buch zur Sprache gebracht wird, schockiert, macht betroffen und entsetzt zutiefst. Auch die Autorin Emily Wu brauchte 20 Jahre bis sie ihre schrecklichen Erlebnisse in geschriebene Worte umsetzen konnte.
Sie wanderte 1981 in die USA aus, wo sie Anglistik studierte und Erzählungen publizierte. Sie ist freie Schrifstellerin und lebt mit ihren beiden Kindern in Cupertino, Kalifornien.
Dieses Buch steht in China noch immer auf dem chinesischen Index. Ein Umdenken ist in vielen chinesischen Köpfen nicht erwünscht.

Dieses unglaublich ergreifende Buch mahnt zur Achtung von Leben und Menschenwürde, denn es zeigt wie solche Werte mit Füssen getreten werden. Eine geschichtliche Annäherung an ein trauriges Kapitel in der Geschichte Chinas.

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Rezension zu "Feder im Sturm" von Emily Wu

Rezension zu "Feder im Sturm" von Emily Wu
Dilbertinevor 10 Jahren

„Oberflächlich gesehen bin ich eine glückliche Person. Ich feiere, tanze, singe wie andere Menschen auch. Aber tief in mir ist etwas zerstört worden. Da ist eine Wunde, die immer blutet. Ich fühle sie nur nicht immer, weil ich mit meinen Kindern, meiner Arbeit, meinem Leben beschäftigt bin. Ich lasse mich nur nicht mehr fallen in meine Trauer. Ich schätze sehr, was ich habe.“ Emily Wu in einem Interview mit Welt-Online
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„Feder im Sturm“ ist die autobiografische Erzählung einer chinesischen Kindheit, die keine Kindheit war, während der „Großen Säuberung“ Chinas, bekannter unter dem Begriff Kulturrevolution. Emily Wu, deren chinesischer Name „Yimao“ lautet und übersetzt Feder heißt, ist knapp drei Jahre alt, als 38 Millionen Menschen in China verhungern, weil die so dringend benötigten Lebensmittel an andere sozialistische Länder weitergereicht werden, um die Möglichkeiten für die Herstellung einer Atombombe zu schaffen.
1966 erlebt Yimao, wie ihre Eltern, ihre Geschwister und sie selbst, von den „Roten Garden“ verfolgt, beraubt, körperlich geschändet, denunziert und gedemütigt werden. Ihre Familie wird im kommunistischen China der offiziell geltenden Kategorie „schwarze Familie“ zugeordnet, weil sie einen bürgerlichen Klassenhintergrund hat, Mutter und Vater als intellektuell eingestuft wurden und ihr Vater zu allem Unglück in Amerika Literatur studierte und somit unweigerlich als amerikanischer Spion gilt. Der Uniprofessor wird von seinen eigenen Studenten verprügelt, verfolgt und denunziert.
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„Unsere Glückwünsche! Ihr alle folgt dem Ruf des Vorsitzenden Mao. Ihr siedelt in die Dörfer um, um von den Bauern zu lernen. Werdet so wie sie. Harte körperliche Arbeit wird euch von euren bourgeoisen Ansichten befreien. Wir entbieten euch unseren feierlichen Gruß und beglückwünschen euch.“
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Die Familie wird fünf Jahres aufs Land verbannt, wo sie der Willkür der einfach gestrickten Landarbeiter ausgesetzt ist, die ebenso vom krankhaften politischen Wahnsinn des Mao Tse Tung ergriffen sind und mit offenbar großem Vergnügen schlagen, rauben, misshandeln vergewaltigen und morden.
Als wäre das nicht schon genug, wird das Mädchen auch noch mit dem Aberglauben und Überlieferungen, die das Denken und Handeln der Landbevölkerung bestimmen, konfrontiert. Besonders erschreckt hat mich die offen gelebte Feindlichkeit gegenüber dem weiblichen Geschlecht, schockiert haben mich die darin begründeten grausamen und detailliert beschriebenen Babymordmethoden.
Yimao erlebt eine albtraumhafte, traumatisierende Kindheit und Jugend in einem Land, das auch heute noch häufig wegen der Verletzung von Menschenrechten im Fokus der Weltöffentlichkeit steht.
Sie erzählt ihre Geschichte in einer gewaltvollen, brutalen und bedrohlichen, der Kulturrevolution eigenen, Sprache. („Du verderbte Konterrevolutionärin!“ „Ihr dreckigen schwarzen Schlampen!“ „Du dreckige Großgrundbesiterzin!“)
Die Autorin Emily Wu musste ihren Weg finden, um mit den schmerzhaften Erinnerungen weiterleben zu können. 20 Jahre hat es gedauert, bis die literarische Verarbeitung ihrer Geschichte gelungen ist.
Ihre persönliche Erfahrung, der Raub ihrer Freiheit, Kindheit und Jugend, ist eine Warnung und Herausstellung der Achtung des Lebens und der Würde des Menschen. Sachverhalte, die als Selbstverständlichkeiten beim europäischen Leser gelten, aber es leider weltweit immer noch nicht sind. „Feder im Sturm“ steht laut einem Interview mit der Autorin auf dem chinesischen Index. Da verwundert es wenig, dass 40 % der chinesischen Bevölkerung Mao Tse Tung immer noch als den Schöpfer der Einheit und Unabhängigkeit ansehen.

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