Emir Kusturica Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht

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Inhaltsangabe zu „Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht“ von Emir Kusturica

Von seinen Filmen sagt man, die Bilder und Töne würden in Ewigkeit überdauern. Emir Kusturica, der gelegentlich den Mund recht vollnimmt, traut dieser Einschätzung nicht und schreibt vorsichtshalber seine Erinnerungen auf: beginnend an seinem ersten Schultag, als Juri Gagarin ins All flog, bis zu dem Tag, als Johnny Depp sein Freund wurde. Er folgt der Chronologie, aber das ist auch alles, was das Buch mit einer normalen Lebensgeschichte gemein hat. »Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht« ist ein Gesamtkunstwerk, das genau die Bilder erschafft, die man von Kusturica kennt: wilde Geschichten vom Balkan, quirlig, heiter, sentimental, brutal. Sein Buch ist ein adaptierter Autorenfilm, der die gedrehten und ungedrehten Szenen eines Lebens vorführt. Die Geschichte vom unglücklichen Alkoholiker in Sarajewo, der mit einer Prostituierten verheiratet ist und dann erfriert. Die Geschichte von dem Psychiater, der Kusturica in einer Schaffenskrise helfen soll und dann selbst Trost braucht. Die Geschichte von der Frau seines Lebens. Die Geschichte vom Urknall der Begegnung mit Tante Biba, später dann mit Federico Fellini und Ivo Andric … Tränen und Gelächter über eine wahnwitzige Welt. Ein Tagebuch wie es dem Nachkommen des Gottes Dionysos würdig ist. Obwohl er doch lediglich, weist Kusturica die Übertreibung zurück, »der Sohn des Vaters von Dionysos« sei.

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  • Rezension zu "Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht" von Emir Kusturica

    Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht

    michael_lehmann-pape

    16. October 2011 um 12:22

    Leben und Werk 1985 wurde der Film „Papa ist auf Dienstreise“ mit der goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet, als erster jugoslawischer Film, der diese Ehrung erhielt. Warum aber hat nicht der Regisseur Kusturica, sondern der Direktor des Filmforums von Sarajewo die Auszeichnung entgegengenommen? Um mit Kusturicas eigenen Worten zu sprechen: „Ich musste in der Wohnung meines Freundes den Parkettboden verlegen“. 1985 waren eben noch andere Zeiten, trotz mancher Anzeichen für eine deutliche Auflockerung, ja Auflösung der Regime. Hier der erfolgreiche Filmschaffende Kusturica, dort der immer noch in sozialistischen Verhältnissen lebende Mensch Kusturica, der selbst nach dem Festivalsieg seines Films in Venedig noch immer keine Wohnung von der Stadt zugeteilt bekommen hatte und daher mit seiner Frau bei den Schwiegereltern lebte. Dies ist einer der reizvollen Kontraste, der dem Buch seine innere Spannung zukommen lässt und es zu einem Stück Zeit- und Kunstgeschichte macht. Das reale Erleben in durchaus bedrängenden Umständen bis zumindest 1988, 1989, darauf folgend brutale Kriegsjahre in Jugoslawien, ein äußeres Erleben, welches zugleich das filmische Schaffen prägt. „Wilde Geschichten vom Balkan“ sind es, die Kusturica gerade in den Anfangsjahren filmisch umsetzt. Heiter, sentimental, wie es einem südeuropäischen Gemüt auch vom Klischee her entspricht, zudem aber auch hart, in Teilen fast brutal, das Leben widerspiegelnd. Nun bietet Kusturica, in einem Stil, der an Alexander Solschenizyn in seiner fast dokumentarischen und doch persönlichen Sprache erinnert, Einblick in sein Leben. Von den Zeiten Titos an bis zu den Jahren der Auflösung des Ostblocks reichen die ersten gut 200 Seiten und geben ein intensives Bild ab von Kontrolle, Bedrängung, Misstrauen einem Regisseur gegenüber, der gerade aufgrund seiner innewohnenden Kreativität die Freiheit sucht und dabei Vorsicht walten lassen muss und Hürden zu überwinden hat. Intensiv auch die persönlichen Schilderungen des Bürgerkriegs in Jugoslawien, der Kusturica dann im Ergebnis fast zwang, seinen Wohnsitz nach Frankreich zu verlegen. Das selbst ein damals durchaus schon bekannter Schauspieler wie Johnny Depp den Unbill der harten, jugoslawischen Wendezeiten am eigenen Leib erleiden musste ist wiederum ein Beispiel für die Vermengung von Zeitgeschichte, Politik, künstlerischer Arbeit (Kusturica und Depp hatten den Plan eines Festivals in Sarajevo) und der persönlichen Ebene im Buch, eine Freundschaft, die im Film „Arizona Dream“ wiederum die Verbindung zur Kunst fand. Nicht nur die Filme, auch das Leben von Emir Kusturica sind angefüllt mit teils wilden Geschichten. Zeitgeschichte, die auch persönliche Verwirrungen, Entwurzelungen und Orientierungslosigkeit mit sich brachten, Zeiten, die auch die künstlerische Arbeit erschwerten. In klarer und schnörkelloser Sprache bietet Kusturica ein eindrucksvolles Bild auf seinen Werdegang, auf seine künstlerische Entwicklung und auf eine gefährliche und schwierige „Wendezeit“ der Zeitgeschichte. Ein Buch, das auch für jene interessante Eindrücke bereit hält, die mit dem Regisseur und seinen Filmen wenig vertraut sind. Ein Buch, dass die untrennbare Vermischung von persönlichem Leben und künstlerischem Schaffen aufzeigt.

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