Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen

von Emma Braslavsky 
4,3 Sterne bei15 Bewertungen
Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen
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Weltverbessererzynismus at its best! Gelangweilte Aussteiger, sexbesessene Pseude-Veganer und wahnhafte Wissenschaftler. Hier ist was los!

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Lesen ist die adäquate Art, mit diesem Buch umzugehen.

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Inhaltsangabe zu "Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen"

»Eine gute Geschichte braucht ein Opfer. Eines am Anfang und eines am Ende.«

Bessere Menschen. Falsche Tiere. Aussteiger im Paradies. Die einen wollen die Natur retten, den Planeten, die Menschheit. Die anderen nur sich selbst: vor Spielschulden, Ehekrächen, Einsamkeit. In »Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen« erzählt Emma Braslavsky ein großes, packendes Abenteuer – über Fluch und Segen des Menschseins, über unsere Suche nach Erkenntnis und Wahrhaftigkeit. Und nie weiß man, ob man aus Verzweiflung lacht oder vor Glück.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518425442
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:462 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:11.09.2016

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    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Weltverbessererzynismus at its best! Gelangweilte Aussteiger, sexbesessene Pseude-Veganer und wahnhafte Wissenschaftler. Hier ist was los!
    Rette sich wer kann!

    "Die Wellen schieben sich in einem chronischen Koitus vor und zurück. Die Mittagssonne stichelt. An einem schattingen Plätzchen zieht sich ein Mensch einen Hut aus Palmenblättern tief ins Gesicht ..."(S. 34)

    Was für eine Entdeckung! Emma Braslavsky schreibt köstlich, schreibt frech und hemmungslos, böse und so unterhaltsam, dass ich einfach nur empört war, als ich plötzlich die letzte Seite gelesen hatte. Und wie geht es jetzt weiter?!

    Wo ist Jo, wird was aus Jivan und Roana und vor allem, welch Monster wird die Welt erblicken?! Was wird aus dem umkämpften Paradies? Fortsetzung bitte.

    Es macht einfach großen Spaß, dem sexbessenen Pärchen Jo und Jivan zuzuschauen, wie sie auf vegetarische tierfreundliche Weltverbesserer machen und große Reden schwingen, und sich heimlich die Steaks reinpfeifen und Haus und Hof verwetten. Schein ist alles!

    Oder No und Jule, die Aussteiger, die sich im Paradies zu Tode langweiligen und sich gegenseitig dermaßen auf den Keks gehen - fast war ich versucht, einfach schon mal deren Konversation vorzublättern um zu erfahren, was als nächstes passiert. Die Hölle, das sind nur so lange die anderen, solange andere dafür schuldig gesprochen werden können. Wenn da keiner ist ...

    Oder unsere Superphilosophin Roana, die von Papa in der vulkanischen Einöde zur Einsichtsfindung ausgesetzt wird. Die ist noch zu jung für sowas, die düst lieber nach Buenos Aires, um dort obdachlos durch die Gegend zu streunern und sich von allerlei kuriosen Vögeln auflesen zu lassen, buchstäblich für den nächsten Appel und ein Ei. Schließlich hat sie Hunger und ein Dach übern Kopf wäre auch besser. So hangelt sie sich von einem absurden Job zum nächsten, bis sie bei den wunderbaren, Haare sammelnden Wissenschaftlern Natalie und Jakob Oppenheim landet. Diese "arbeiten" am perfekten Menschen, mit dem richtigen Genmaterial, gereinigt und gepimpt gar kein Problem. Ein Träumchen für die naive Roana ...

    Keine Sekunde langweilig. Überzogen? Bestimmt, aber mit vielen Körnchen Wahrheit. Es gibt sie, diese Gutmenschen, die hinter der veganen Fassade eine blutige Weste verbergen, die das Wissen und den Größenwahn mit dem großen Löffel gefressen haben und die Tiere für die besseren Menschen halten, also manchmal jedenfalls. Und all die Alltagsmüden, die vom Leben im Garten Eden träumen, nichtsahnend, dass es dort all die liebgewonnenen Annehmlichkeiten der Zivilisation nicht gibt ...

    Ein herrliches Buch, mit wilden Geschichten, bemerkenswerten Charakteren und in einer sehr kreativen, originellen Sprache geschrieben. Klug UND witzig, wie ich finde. Bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber so ist es doch immer mit den besonderen Schmankerln.

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    fluffywordsblogs avatar
    fluffywordsblogvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Lesen ist die adäquate Art, mit diesem Buch umzugehen.
    Emma Braslavsky entzaubert in „Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen“ das Paradies

    Roana sitzt in Argentinien auf einem Vulkan und langweilt sich. Erleuchtung sollte ihr der Aufenthalt am Ojos del Salado bringen, stattdessen findet sie Steine. Jivan, der Einfachheit halber auch Ivan genannt, sitzt in einem Dönerladen in Berlin und wartet auf den nächsten Bauauftrag, stattdessen darf er auch heute wieder anschreiben.

    Roana ist jung, liebt Borges, will die Welt verändern. Jivan hat durch ein paar Jahre mehr auf der Welt schon ein paar Illusionen verloren, sucht sein Glück im Spiel und träumt davon, mit Bunkersystemen die Finanzwelt zu unterwandern. Was eint diese beiden, außer dem spanischen Namen? Emma Braslavsky katapultiert sie in die, vielleicht nicht ganz so weit entfernte, Zukunft und lässt jedem von ihnen einen eigenen Erzählstrang zukommen. Ob sich diese irgendwann kreuzen, ist erst einmal gar nicht so wichtig. Spannend angelegt sind sie beide.

    Neben Roana und Jivan bevölkern so viele Figuren Braslavskys Roman, dass ihm ein Personenregister vorangestellt ist. Menschliche Gorillas, Organisatoren einer neuen oder besseren Welt und ein Amateurspiderman tauchen darin auf. Sie alle kämpfen auf ihre Art mit den Bedingungen der Welt, in der sie sich befinden, als N-Global, ein Nachrichtenportal, vielleicht auch das einzige, das noch existiert, die Sichtung einer noch unberührten Insel meldet.

     

    Felsen- und Sandzonen gehen ineinander über, in den Pinien und Palmen sitzen Vögel und schauen ungestört in die Brandung. ‚Bitte schön, hier ist eure neue Welt. Dort könnt ihr uns zeigen, wie man besser lebt.‘



    Schon kurze Zeit später ist die Insel von Flotten umzingelt, kein Staat gönnt dem anderen den Schritt ins Paradies. Ein etwas eigensinniges Forscherehepaar entwickelt derweil aus Menschenhaar Eizellen und Spermien, um dem neuen Land einen perfekten Menschen zur Seite zu stellen.

    Vielleicht liest sich das alles etwas abstrus, etwas radikal, aber Leben ist nun mal keine Art, mit einem Tier umzugehen. Jenen Titel leiht sich Braslavsky von Kurt Vonnegut bzw. dem Grabstein seiner Figur Kilgore Trout, den Vonnegut in Anbetracht des Wissens um die Wiederwahl von George W. Bush aus dem Leben scheiden ließ. Der Titel ist bei weitem nicht das einzige, in das die Autorin Gedanken gesteckt hat. Emma Braslavsky hat acht Jahre lang recherchiert, mit Kabbalisten oder Genforschern diskutiert und das geballte Material so ausgezeichnet editiert, dass ganz nebenbei ein bisschen Heideggerterminologie oder Genetikwissen in den Lesenden rutscht.

    Für mich bedeutete Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen ein nahezu wahnhaftes Lesewochenende angefüllt mit bleiern-komischen Ideen und bleibenden Bildern. Lesen ist die adäquate Art, mit diesem Buch umzugehen.



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    martinsts avatar
    martinstvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Starke Figuren. Rasant. Der Humor hat ordentlich Fallhöhen. Hab's schon vor zwei Monaten ausgelesen, krieg aber Szenen nicht aus dem Kopf.
    Starkes Buch! Originell und klasse komponiert.

    Empfehle ich uneingeschränkt jedem Abenteurer und Sinnsucher, und vor allem jedem Weltverbesserer. Über den Plot gibt's genug im Netz.

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    Gela_HKs avatar
    Gela_HKvor 2 Jahren
    Auf der Suche nach Erfüllung im Leben

    Ein Konglomerat unterschiedlichster Gruppierungen ist auf dem Weg die Welt zu verbessern. Doch wer an Menschlichkeit, Nachhaltigkeit und Wohlergehen denkt, liegt hier falsch. Macht, Geld und Prestige geben die Spielregeln vor, die den Besiedlungskampf um eine neu entdeckte staatenlose Insel einläuten. Es geht um Einzelschicksale, inneren und auslebenden Aussteigern.

    Verschiedene Handlungsstränge, die willkürlich aufeinander folgen machen den Einstieg nicht leicht. Erst langsam erkennt man Zusammenhänge, taucht dann aber sogartig in das Geschehen ein. Emma Braslavsky setzt unterschiedliche Stilmittel ein, um die Handlungsstränge miteinander zu verbinden. Mal taucht ein Newsblog auf, dann wieder Dialoge eines Aussteigerpärchens im vermeintlichen Paradies. Unterschwellige Spitzen der Autorin greifen Wohlstandprobleme auf, nehmen Politik und Wissenschaft unter die Lupe und halten einem jeden den Spiegel vor. Kuriose und durchdachte Ideen wie ein vom Wind verwehtes Haar oder ein personalisierter Sturm würzen den gelungenen Schreibstil.

    Eine Vielzahl von unterschiedlichsten Charakteren, die lebendig, skurril und dennoch glaubwürdig beschrieben werden, zeichnen den Roman aus. Ob Berliner Youngster, argentinisches Familienoberhaupt, Kaballah-Teilnehmerin oder Paradiesbewohner man folgt ihnen gern bei der Suche nach ihrer Lebenserfüllung.

    Der argentinische Architekt Jivan und die karriereorientierte Umweltaktivistin Jo scheinen das perfekte Paar zu sein. Hinter ihrer glänzenden Fassade zeigen sich aber erste Risse, die dramatische Folgen nach sich ziehen werden. Durch den Erzähler taucht man immer tiefer in die verworrenen Ziele verschiedener Organisationen ein. Das vermeintliche Wohl der Menschheit gerät mehr und mehr in den Hintergrund. Ein Thema, das gerade wieder an Aktualität gewonnen hat.

    "Wie merkwürdig sich der Fahrtwind ihnen in dieser Windstille entgegenstemmt, ihre Haare erfasst, kein Wind eigentlich, sondern die Zeit selbst, die nur als Wind spürbar wird, wenn man durch den Raum jagt und ihren Strom überholen will, wenn man schneller sein will, als sie fließen kann."

    Die 19 Jahre alte Roana verbringt einen durch ihren Vater verordneten Zwangsaufenthalt in Argentinien. Der Familientradition folgend soll sie am Fuß eines Vulkans zu sich selbst finden. Am Ende führt ihr Weg nach Buenos Aires, den sie rückblickend aus der Gegenwart heraus erzählt. Jugendlich und unvoreingenommen schildert sie ihre Gedanken und Gefühle. Ihr ist man besonders verbunden, weil Roanas Zerrissenheit spürbar vermittelt wird.

    Anfänglich völlig voneinander losgelöste Handlungen führen zu einem fulminanten abstrusen Finale.

    Obwohl sich bei mir der Lesegenuss nicht sofort einstellen wollte, hat mir der kreative Stil, die enthaltene Botschaft und deren humorvolle Umsetzung sehr gefallen.

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein beklemmendes und großartiges Werk über das Leben der Menschen, ihre Zukunft und die daraus resultierenden Möglichkeiten- faszinierend!
    Faszinierend und aufregend

    Was für ein faszinierendes Buch! Roana versucht sich allein in Südamerika durchzuschlagen, auf der Suche nach irgendeinem Sinn im Leben, No lebt als Aussteiger mit seiner Freundin auf einer einsamen Insel und Jo versucht quasi im Alleingang, die Welt zu retten, während ihr Mann Jivan der Spielsucht verfallen ist und sie mehr schlecht als recht unterstützt. Eine geballte Kombination aus modernen Lebensentwürfen, gescheiterten Träumen und rosaroten Hoffnungen.
    Es fiel mir nicht ganz leicht, in den Emma Braslavskys Roman „Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen“ hineinzufinden. Aber wenn man sich auf die Idee und die Figuren einlässt, zieht einen die Autorin schnell in ihren Bann. Plötzlich konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so faszinierend und oft auch absurd treibt das Personal durchs Leben. Dabei schafft Braslavsky es fast spielerisch, alle großen Probleme der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen. Von Veganismus über Aussteigertum, Tierschutz und Sinnsuche in abwegigen Philosophien ist alles mit dabei. Sind die Figuren dabei glücklich mit ihren Lebensentwürfen? Schwer zu sagen, ich hatte oft das Gefühl, sie könnten es sein, wenn sie nicht alles so extrem verfolgen würden. So führen sie ihre eigenen Ideen und Projekte fast selber ad absurdum und müssen zwangsläufig scheitern, teilweise im physischen und teilweise im ideellen Sinne.
    Wer auf der Suche nach einer leichten Weihnachtsferienlektüre ist, sollte sich nicht mit Emma Braslavskys Roman „Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen“ aufs Sofa legen. Wer jedoch nachdenken will, hinterfragen und manchmal auch einfach nur über die Figuren staunen, dem kann ich diesen Roman nur ans Herz legen. Er unterscheidet sich grundlegend von allem, was ich in diesem Jahr bisher gelesen habe und fordert den Leser mehr als einmal heraus. Davon sollte sich aber niemand abschrecken lassen, mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. 

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    Minoovor 2 Jahren
    Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen

    Dieses Buch ist anders als alles, was ich bislang gelesen habe. "Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen" ist ein Buch über den Menschen. Über seine Verhaltensweisen, seine Bedürfnisse, seine Charakterzüge, seinen ewigen Drang, ein guter Mensch zu sein. Dabei schafft es die Autorin mit einer Mischung aus Kritik und einer ordentlichen Portion Humor unterschiedliche Arten von Menschen darzustellen, ohne dass der Leser sich auch nur eine Seite langweilt. Man erkennt sich, Freunde, Bekannte und Unbekannte wieder und beginnt zu reflektieren. Manchmal kann man daüber lachen, manchmal nur über sich selbst den Kopf schütteln. An einer Stelle, beobachtet eine der Protagonistinnen:

    "Ich sah nur noch negative Aspekte, Leute im ungehemmten Kaufrausch, die sich selbstverliebt bewegten und nur Neid und Spott für andere übrig hatten. Hat der mehr als ich, bin ich besser?" (S. 293)

    Das Buch ist in mehrere Handlungsstränge unterteilt. Jivan und Jo sind ein Pärchen in den 40ern. Jivan ist spielsüchtig, denkt in erster Linie an sich selbst und versucht um jeden Preis, seine Ehe mit Jo zu retten. Wieso ihm das so wichtig ist, weiß nicht mal er selbst. Vielleicht einfach, weil er es so will? Er unterstützt Jo in beruflicher Weise, erwartet als "Gegenleistung" einen Sohn, eine Frau die ihn anhimmelt und ein perfektes Leben. Jo hingegen versucht fanatisch ein besserer Mensch zu werden. Zuerst bei der Organisation Animal Rights, die der Meinung sind, dass der Mensch lediglich existiert um das Leben der Tiere besser zu machen. Später arbeitet sie für Life from Zero und geht in ihre Rolle als Weltverbesserin völlig auf. Natürlich vergessen sie und die anderen Weltverbesserer dabei nicht, sich selbst für ihre Perfektion zu feiern und auf andere Menschen herab zu sehen.

    Dann gibt es noch die 19-jährige Roana, welche von ihrem Vater in einer Vulkanlandschaft in Argentinien ausgesetzt wurde und sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens begibt. Auf ihrer Suche trifft sie Menschen, die als Gorilla verkleidet die Welt verändern wollen, Kabbalisten und viele weitere interessante Charaktere.
     
    Neben den zwei Haupthandlungssträngen gibt es immer wieder kurze Kapitel von No und seiner Freundin Jule, die sich bereits im Paradies befinden. Geschrieben in Tagebuchform und einem anschließenden kurzen Dialog der beiden. Auch Ausschnitte eines Blogs bekomm man hin und wieder zu lesen, ebenso wie Zeitungsausschnitte.

    Ich bin ein Freund von Büchern mit mehreren Handlungssträngen und/oder Perspektiven. Meist werde ich beim Lesen jedoch enttäuscht, da sich weder die unterschiedlichen Perspektiven noch die Handlungsstränge in Stil und Sprache voneinander unterscheiden. Dies ist hier nicht der Fall. Tatsächlich habe ich bisher selten ein Buch gelesen, in welchem dem Autoren dies so perfekt gelungen ist, wie hier Emma Braslavsky. Sprache und Stil unterscheiden sich in jedem Handlungsstrang sehr stark voneinander und sind in jeder Perspektive authentisch. Schon allein für die Sprache, erhält Emma Braslavsky 5 Sterne.

    Doch damit nicht genug! Denn die Autorin schafft es nicht nur, den Leser durch ihre Sprache in den Bann zu ziehen. Sie überzeugt auch durch den Humor des Buches, der das Buch jedoch zu keiner Zeit seicht oder platt wirken lässt. Das Buch regt zum Nachenken an. Dabei fühlte ich mich bei meinem Denken zu keiner Zeit in eine Ecke gedrängt oder verurteilt. Vieles ist überspitzt, alles kritisch und doch darf der Leser sich über die Protagonisten (und letztendlich auch sich selbst) sein eigenes Bild machen.

    "Denn was ist der Mensch, liebe Menschen? Er ist dumm, weil er intelligent sein muss, und je intelligenter er wird, desto dümmer wird er sich fühlen." (S. 398)

    Kurz gesagt: Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. War gefesselt vom Schreibstil, der perfekten Charakterisierung des Menschen, dem Humor und auch der Handlung.

    Fazit: Ein gelungener Roman über den Menschen, der zum Nachdenken anregt und dabei zu keiner Zeit mit erhobenem Zeigefinger oder ernsten Fakten daher kommt. Ein Buch, dass den Leser im einen Moment lachen, im anderen verstummen lässt.

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    Girdievor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Amüsanter, kreativer, abenteuerlicher, wunderbar köstlicher Lesegenuss :)
    Wunderbar köstlicher Lesegenuss

    Als Unterprimanerin habe ich auf die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“ mit „nach dem Sinn des Lebens zu suchen“ geantwortet. Das hatte ich vorher irgendwo gelesen und war stolz darüber einen so sinnvollen Beitrag zum Unterricht geleistet zu haben. Dass die Antwort auf die Frage sich denn doch nicht ganz so einfach und pauschal abtun lässt, zeigt Emma Braslavsky mit ihrem Roman „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“. Ihre Protagonisten sind auf der Suche nach dem Lebenssinn, nach einer besseren Welt und nach sich selbst. Tiere sind nicht nur im Titel enthalten, sondern finden in vielfältiger Form Eingang in diesen Roman, beispielsweise als Kosewort, verkleideten Akteuren, Redewendungen oder auch wenn einer der Protagonist eine Annäherung zwischen Tier und Mensch durch die Nutzung von aufblasbaren Einhorn-Hörnern vorschlägt, die so wie die Installation auf dem Cover sie trägt, überzustülpen sind.

    In mehreren Erzählsträngen, die mehr oder weniger zufällig am Ende zusammenlaufen, finden sich Suchende jeglicher Couleur. Da ist einerseits ein in Berlin lebendes Pärchen. Jivan Haffner Fernandez, Mitte 40, kommt aus reichem Haus und muss sich schon wegen seines Erbes keine Sorgen um seine finanzielle Zukunft machen, wäre da nicht die eine einzige klitzekleine Bedingung die sein Vater daran geknüpft hat. Woher die Familie vor langer Zeit das Fundament zum heutigen Vermögen erworben hat, will man als Leser lieber nicht so genau wissen. Leider hält Jivan sich nicht nur selbst für unwiderstehlich, sondern auch das Online-Pokerspiel. Durch seinen Beruf als Bunkerarchitekt ist er nicht eben ausgelastet und hat so jede Menge Zeit mit seinen Ideen seine Frau Jo dabei zu unterstützen, auf der Karriereleiter bei einem Unternehmen, das sich für eine bessere Umwelt einsetzt, hochzuklettern. Jo lebt sehr gut auf Kosten ihres Mannes. Die Beziehung der beiden funktioniert fast nur noch auf sexueller Ebene. Um ihre Ansprüche durchzusetzen, geizt Jo selten mit ihren Reizen. Doch die Verfolgung ihrer Karriere verbunden mit dem festen Willen die Welt zu verbessern neigt ihre Seite der Beziehungswaage immer mehr.

    Andererseits befindet sich die erst 19 Jahre alte Spanierin Roana auf einer väterlich verordneten Suche. In der Einsamkeit einer Vulkanlandschaft Argentiniens soll in ihr der Wunsch entstehen, in das Bauunternehmen ihres Vaters einzusteigen. Niemand kann es ihr verdenken, dass sie sich aus Langeweile stattdessen nach Buenos Aires begibt, um dort den Weg zu finden, der sie zu höherem bestimmt. Auf diesem Weg begegnet sie menschlichen Gorillas, Kabbalisten und den Schriften von Borges. Ihrem jugendlichen Alter sei es geschuldet, dass sie ihr Fähnchen hauptsächlich danach ausrichtet, wer ihr einen Schlafplatz und Essen gibt.

    Die Erzählung springt zwischen diesen beiden Handlungen und wird unterbrochen durch aktuelle Neuigkeiten aus aller Welt, die auf dem Blog N-Global bekannt gemacht werden und sich schließlich immer mehr auf eine neue, aus dem Meer aufgestiegene Insel mit vermuteten, beachtlichen Rohstoffvorkommen konzentrieren, die Staaten und Organisationen gerne für sich requirieren würden. Immer wieder begegnet der Leser auch Noah Hoffmann, der gemeinsam mit seiner Freundin Jule aus dem Alltag ausgestiegen ist und nun sein Leben in einer paradiesischen Bucht frönt, auch wenn schon mal ein Schatten darüber fällt. Und dann gibt es noch ein paar Kapitel in denen man sich beim Lesen einfach dem niedergeschriebenen Gedankengang hingeben kann wenn beispielsweise ein Haar auf seine Reise geht.

    Die Autorin glänzt in diesem Roman mit lebendigen Ideen, humorvoll und kurios. In einer geschliffenen Sprache gibt sie dem Leser Denkanstöße zu Umweltschutz, Weltanschauungen, alternativen Lebensweisen und vielem mehr. In den Erzählabschnitten mit Jivan als Protagonisten übernimmt ein allwissender Erzähler die Schilderung der Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge. Dennoch liest man, durch kursive Schrift hervorgehoben, die Gedanken Jivans, oft auch als seine Reaktion auf den vorigen Text. Auf diese Weise rechtfertigt er häufig sein Tun, manchmal fühlt man aber auch seinen Kampf mit den inneren Dämonen, die aus seiner Erziehung heraus seinen Charakter geformt haben und gegen die er nun nicht anzukommen weiß, auch wenn er das auch eigentlich gar nicht will.

    Roana dagegen erzählt in der Ich-Form, wodurch der Leser, den sie als ihren Verbündeten anspricht, ihrer Gedanken- und Gefühlswelt sehr nahe kommt. Sie erzählt aus der Gegenwart heraus im Rückblick auf die letzten Wochen und Monate. Sie ist also bereits da, wo der Leser erst am Ende des Buchs sein wird. Ihr Ziel ist es, sich den Respekt ihres Vaters zu verdienen. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge und spricht eine unter jungen Leuten übliche Alltagssprache. Bewundernswert fand ich ihren Mut sich gegen die Wünsche ihres Vaters aufzulehnen, sich tief sinken zu lassen, das Gemeinwohl zu schätzen und sich in dessen Dienst zu stellen, wenn auch nicht uneigennützig. Von Beginn an weiß man, dass sie schwanger ist und nicht nur der Leser stellt sich die Frage nach dem Vater.

    Emma Braslavsky zielt mit kleinen wohl dosierten Spitzen gegen Weltverbesserer, Sinnsuchende, Forscher und Politiker. Es ist spannend nachzuvollziehen, inwieweit die von ihr genannten Entwicklungen auf verschiedenen Gebieten dem tatsächlichen heutigen und dem zukünftig möglichem Stand der Dinge entsprechen. Welchen Weg der Einzelne gehen möchte, muss letztendlich jeder selbst bestimmen.

    „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ ist ein amüsanter, kreativer, abenteuerlicher, wunderbar köstlicher Lesegenuss, dem ich meine besten Empfehlungen gebe.

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    Nerissas avatar
    Nerissavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: ganz schön schräges Schreibexperiment ...
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    Schmiesens avatar
    Schmiesenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Aufregend, anregend, amüsant. Aber in dieser Kombination auch manchmal etwas anstrengend. Mit den Protagonisten wurde ich nicht warm.
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    annehahns avatar
    annehahnvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: lustig, abgedreht, anrührend, beeindruckend durchkomponiert
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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