Emma Carroll

 4,5 Sterne bei 73 Bewertungen

Lebenslauf

Emma Carroll hat erst nach zwanzig Jahren als Englischlehrerin und einer lebensverändernden Krebsdiagnose den Mut gefasst, ihren Traum vom Schreiben zu verwirklichen. Heute ist sie Bestsellerautorin und hat bereits zahlreiche Preise gewonnen - darunter den Branford Boase Award, die CILIP Carnegie Medal, den Young Quills Award und den Waterstones Book Prize. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Terriern in Somerset.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Emma Carroll

Cover des Buches Das Mädchen mit den Schwefelhölzern schlägt zurück (ISBN: 9783039670284)
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Rezension zu "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern schlägt zurück" von Emma Carroll

annas_bibliomanie
Cool illustriert

Inhalt:

Die kleine Bridie muss anstatt in die Schule zu gehen Schwefelhölzer verkaufen und das in Pantoffeln im Winter, denn ihre Familie ist arm, bitterarm und jeder Penny wird für eine warme Mahlzeit benötigt, die viel zu selten auf dem Tisch steht.

Nach einem Kutschunfall zündet sie ihre letzten drei Schwefelhölzchen an, die alles sind, was ihr noch geblieben ist, bis....


Meine Meinung:

Ich habe die Originalgeschichte nicht gelesen, aber diese hier ist absolut bewegend, herzig, magisch und cool illustriert. Die Grundgeschichte beruht auf der Originalversion von 1845 und spinnt sich dann mit ein bisschen Fantasie fort zu einem schöneren Ende. Die Inspirationen stammen aus wirklichen Geschehnissen ab und auch die Bilder wurden an Fotografien aus dem viktorianischen Zeitalter angelehnt.


Fazit: Ich bin absolut begeistert von dieser Neuerzählung des Klassikers von Hans Christian Anders, die einen förmlich in die Zeit eintauchen lässt.

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Eine großartige Mischung aus Märchen und ein Stück Zeitgeschichte!

 Bridie Sweeney lebt zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrem kleinen Bruder Fergal in London, in einer kleinen ärmlichen Einzimmerwohnung. Seit Bridie alt genug ist, um „Schwefelhölzer“ zu rufen, arbeitet sie hart, um ihre Familie zu ernähren. Während ihre Mutter 14 Stunden am Tag in einer Fabrik schuftet und von giftigen chemischen Stoffen umgeben Streichhölzer herstellt, verkauft Bridie die fertigen Zündholzpackungen auf der Straße. Doch obwohl beide so schwer arbeiten und Bridie sogar eine der besten Verkäuferinnen in der Gegend ist, reicht das Geld kaum, um über die Runden zu kommen. Als es an einem kalten Silvesterabend zu einem Zwischenfall kommt und Bridie nur noch drei jämmerliche Schwefelhölzer bleiben, ist sie kurz vorm Aufgeben. Aus Verzweiflung zündet sie die drei Hölzer nacheinander an, deren Flammen ihr nicht nur Wärme spenden, sondern auch drei Wünsche und vor allem Hoffnung schenken. Durch die Magie der Schwefelhölzer sieht sie Zukunftsvisionen von sich selbst. In Bridie erwacht daraufhin der eiserne Wille, etwas zu verändern und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Der Woow Books Verlag ist für mich schon lange ein Garant für herausragende Kinderbücher. Die preisgekrönte Schriftstellerin Emma Carroll wiederum konnte mich bereits zweimal restlos begeistern. Es war somit sofort klar, dass „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern schlägt zurück“ bei mir einziehen muss und so viel sei schon mal gesagt: Der Verlag macht seinem Namen mal wieder alle Ehre, dieses Buch (hervorragend übersetzt von Marion Hertle) ist einfach Wo(o)w.

Mitte des 19. Jahrhunderts hat Hans Christian Andersen sein Wintermärchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ geschrieben, welches heute zu seinen bekanntesten Werken zählt. Etliche Jahre später legt Emma Carroll ihre Neuinterpretation vor, in der sie Fiktives mit wahren Begebenheiten vereint und aus dem einst kampf- und namenlosen Mädchen eine tapfere und starke Heldin macht, die Bridie Sweeney heißt und ihre Stimme erhebt. Herauskommen ist ein Roman, der bewegt, mitreißt und schockiert, doch allen voran viel Mut und Hoffnung schenkt. Und dessen Inhalt man auch problemlos ohne Vorwissen genießen kann.

Die englische Autorin beweist einmal mehr, dass historische Kinderbücher genau ihr Ding sind. Gekonnt fängt sie die Atmosphäre des viktorianischen Londons ein, beschreibt auf eine ehrliche, zugleich aber auch sehr einfühlsame Weise das harte Leben der armen Bevölkerung sowie die schlimmen Arbeitsbedienungen in den Schwefelhölzerfabriken. Aus der Ich-Perspektive lässt sie Bridie ein Stück Zeitgeschichte eindringlich erzählen. Man fiebert, fühlt und leidet mit Bridie mit und kann vor ihrer Entschlossenheit und ihrem Kampfgeist nur den Hut ziehen. Es ist großartig und inspirierend zu sehen, wie Bridie trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt und für das einsteht, woran sie glaubt. Wie sie die Fabrikarbeiterinnen dazu ermutigt, gegen die Ungerechtigkeiten und menschenunwürdigen Zustände in der Fabrik anzugehen und für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Und während das Originalmärchen traurig ausgeht, kann man Emma Carrolls Adaption am Ende mit einem warmen Gefühl im Bauch schließen.

Neben dem Inhalt überzeugt das Buch auch optisch auf ganzer Linie. Angefangen beim Cover über die wunderbaren künstlerischen schwarz-weiß-rot Illustrationen von Lauren Child bis hin zu den Originalfotos im mehrseitigen Anhang, in welchem man mehr über die historischen Hintergründe erfährt, die Emma Carroll für ihre Version genutzt hat.

Fazit: „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern schlägt zurück“ ist eine ergreifende, fesselnde und kraftvolle Neuerzählung von Hans Christian Andersens Märchenklassiker, voller Hoffnung und Frauenpower und mit einem Funken Magie. Ein eindrucksvoll erzählter und optisch gestalteter Roman, der sofort zündet und entflammt und lange nachklingt. Ich bin richtig begeistert von diesem Buch, ich kann es nur empfehlen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

Literarisch und illustratorisch ein Gesamtkunstwerk

Seit Bridie sprechen kann, verdient sie Geld für den Lebensunterhalt ihrer Familie mit dem Verkauf von Streichhölzern. Da sie ohne Vater aufwächst, steht der kleinen Familie nur das unzureichende Gehalt ihrer Mutter zur Verfügung, welche unter schäbigen und gesundheitsschädlichen Bedingungen in der örtlichen Streichholzfabrik arbeitet.

Beeindruckend wird ein spannendes Stück Zeitgeschichte altersentsprechend und nachvollziehbar erzählt.

„Das Mädchen mit den Zündhölzern“ von Hans Christian Andersen ist eines der traurigsten Weihnachtsmärchen das ich kenne. Es sind die Fieberträume eines armen Mädchens von einem besseren Leben, während es vor der Haustür einer wohlhabenden Familie hungernd erfriert. 

Emma Carroll war mit dem Ausgang der Geschichte ebenfalls unzufrieden und hat diese nun nicht nur neu erzählt, sondern dem Mädchen mit den Zündhölzern auch eine Stimme gegeben. Die Handlung verlegt sie in das Jahr 1888. In dem Jahr fand der sogenannte „Matchgirls‘ strike“ der Arbeiterinnen bei „Bryant May“ statt. Während dieses Streiks forderten die Frauen ihr Recht auf faire Behandlung ein. Als weiteres Resultat aus dem Streik kam es zur Gründung der größten Gewerkschaft für Frauen und Mädchen zum damaligen Zeitpunkt.

Die Frauen in den Fabriken standen 14 Stunden an ihren Arbeitsplätzen und auch in den kleinen Pausen durften sie den Arbeitsbereich nicht verlassen. Dadurch waren sie ständig dem hochgiftigen weißen Phosphor ausgesetzt und erkrankten schwer.

Genau diese Situationen werden aus Sicht eines arbeitenden Kindes im Buch geschildert. Durch Erzählperspektive und verständlichem Erzählton ist eine Geschichte über Mut, Erkennen des eigenen Wertes und gemeinsamen Kampf gegen Ungerechtigkeiten entstanden. 

Sehr schön wird beschrieben, wie sich die Kinder über Kleinigkeiten freuen und wie schwer es ist, mit dem geringen Lohn aus den Fabriken den täglichen Bedarf einer Familie zu finanzieren. Bridie hat noch einen kleinen Bruder dem unbedingt eine Schulausbildung ermöglicht werden soll. Obwohl es zu dem Zeitpunkt bereits eine Schulpflicht gibt, arbeiten viele Kinder für den Lebensunterhalt ihrer Familien.

In dieser fesselnden Erzählung wird Geschichte lebendig. Die schonungslose Ehrlichkeit macht betroffen, lässt die Lesenden nachdenklich zurück. Zahlreiche Gesprächsanlässe fordern zum regen Austausch auf.

Die schwarz-weißen Zeichnungen von Lauren Child fangen die Stimmung im Buch perfekt ein. Einziger Farbtupfer im tristen Grau sind die leuchtenden roten Haare von Bridie. Sie haben eine starke Symbolkraft und bieten einige Interpretationsmöglichkeiten.

Interessant sind auch die Anmerkungen von Autorin und Illustratorin sowie die beigefügten Fotos am Ende des Buches.

Emma Carroll und Lauren Child ist mit diesem tollen Buch ein Gesamtkunstwerk gelungen, welches Wort und Bild in einer beeindruckenden realistischen Geschichte mit fantastischen Elementen miteinander verbindet.

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