Emma Glass

 3,9 Sterne bei 16 Bewertungen
Autorin von Peach, Rest and Be Thankful und weiteren Büchern.
Autorenbild von Emma Glass (©Kate Elizabeth Lewis)

Lebenslauf

Ein Debüt, das schockt, fasziniert und nicht mehr loslässt: Emma Glass wird in Swansea, in Großbritannien geboren und studiert Englische Literatur und Kreatives Schreiben an der University of Kent. Nach ihrem Abschluss fasst sie den Entschluss, Krankenschwester zu werden und studiert an der Swansea University Kinderkrankenpflege. Heute arbeitet sie im Evelina London Children’s Hostpital in der Forschung für Krankenpflege. 2018 erscheint der Debütroman der Engländerin, „Peach“. Darin erzählt ein Vergewaltigungsopfer mit den irrealen aber unheimlich ehrlichen Worten des fortwährenden Traumas von ihren Erlebnissen. Das Buch berührt und geht unter die Haut. Auch von der Kritik wird das Debüt hoch gelobt. Die Autorin lebt heute in South London, in Hampstead.

Alle Bücher von Emma Glass

Cover des Buches Peach (ISBN: 9783960540649)

Peach

(16)
Erschienen am 05.03.2018
Cover des Buches Peach (ISBN: 9781408886694)

Peach

(0)
Erschienen am 11.01.2018
Cover des Buches Rest and Be Thankful (ISBN: 9781526601070)

Rest and Be Thankful

(0)
Erschienen am 19.03.2020

Neue Rezensionen zu Emma Glass

Cover des Buches Peach (ISBN: 9783960540649)

Rezension zu "Peach" von Emma Glass

Ein LovelyBooks-Nutzer
Eine Sprachwelt in der das Unaussprechliche seine Wörter findet

Es gibt Bücher, die überzeugen mit einer spannenden, traurigen, fantastischen, liebevollen oder dramatischen Erzählung. Andere Bücher beeindrucken durch einen sprachgewaltigen Stil, sie zeigen auf, was alles mit Sprache möglich ist. Und dann gibt es Werke, die zeigen, dass Literatur nicht nur Geschichten erzählen kann, sondern zugleich auch Kunst ist. Emma Glass Debütroman Peach erzählt nicht nur eine schockierende Geschichte, die in ihrer Explizitheit stellenweise an Lize Spit erinnert, sie erschafft vielmehr eine Sprachwelt in der das Unaussprechliche seine Wörter findet.

Genau das ist die Kunst, die die großen Dichter und Literaten erfolgreich und berühmt hat werden lassen. Es ist die Fertigkeit das auszudrücken, was andere nicht verbalisieren können. Es ist die Fähigkeit Empfindungen, die jenseits der Vermittelbarkeit der meisten Menschen liegen, Ausdruck zu verleihen. So wird das Unkommunizierbare kommunizierbar, das vermeintlich Allerpersönlichste teilbar. Die Einsamkeit des „Niemand kann mich verstehen“ wird zum gemeinsam Erfahrbarem. Das individuelle wie kollektive Tabu wird aufgebrochen, so dass man plötzlich darüber sprechen kann. Und worüber man reden kann, das kann man auch verändern.

Man ahnt es natürlich schon, in Peach ist etwas Schreckliches passiert. Und da Emma Glass Debüt lediglich 125 Seiten umfasst, verliert sie auch keine Zeit und konfrontiert die Leser*innen sofort mit dem Trauma der Vergewaltigung. Wir werden unvermittelt in den Abgrund gezogen. Die Teenagerin Peach wurde gerade vergewaltigt und befindet sich, psychisch wie physisch schwer verletzt, auf dem Nachhauseweg. Dabei ist es keinesfalls ein Beitrag zur #metoo Debatte. Denn Emma Glass hat fast 10 Jahre von den ersten Sätzen bis zum fertigen Roman gebraucht. Und während man sich zunehmend erschüttert durch die Seiten liest, entsteht gleichzeitig Verwirrung. Denn der Roman entwickelt eine Surrealität, die einerseits Distanz zum Geschehen schafft und andererseits aber zum Deuten des Gelesenen zwingt. Denn Peach ist tatsächlich ein Peach, ein Pfirsich.

Das unaussprechlich Reale zum kommunizierbarem Surrealen machen

Emma Glass verlegt die Romanwelt in das Reich der Phantasie, in das Reich des Unbewussten. Peach’s Freund ist ein Baum, der Vergewaltiger eine Wurst, ein Lehrer ist ein Pudding. Sind es Metaphern, Allegorien, Wortspiele, freie Assoziation, Lautmalereien? Auch wenn die Gefahr besteht Peach schnell durch- und wegzulesen, aufgrund der Kürze des Debüts, so sollte man sich immer wieder ermahnen und zurücklehnen. Sich Zeit nehmen. Der Roman ist keine Pendler- oder Bettlektüre. Wer Peach einfach nur der Geschichte wegen liest, wird vermutlich enttäuscht werden. Denn räumt man die außergewöhnliche Sprache und die Fantastereien beiseite, bleibt eine, vielleicht nicht gewöhnliche aber doch gut bekannte, Geschichte übrig. Peach ist aber nicht nur der Inhalt, Peach ist vor allem die Form.

Luzide, halluzinierend, verstörend, betörend, gewalttätig, gewaltig, sprachgewaltig und dabei durchgängig assoziativ. Die Leser*innen werden gezwungen zu interpretieren, Sprachbilder zu deuten, Empfindungen nachzuempfinden, Emma Glass Spiel mit Sprache als Choreografie des Tanzes mit dem Teufel zu entdecken. Aufdecken, was die oft poetische Sprache im ersten Moment verschleiert. Hinabsteigen in die Abgründe des menschlichen Seins. Den Schmerz fühlen und aushalten, um zu verstehen.

Wiederholungen, Alliteration, Lautmalereien, Sprache die Sprachbilder durchbricht, sprachschöpfende Verweigerung des Gewöhnlichen. Und hier ist auch unbedingt die großartige Übersetzungsleistung von Sabine Kray zu nennen:

„Silbergeister schweben schweigend. Tanzen, sachte. Gesichter schüchtern schweigend gen Boden. Leichte Wellen, stille sanfte Schnörkel. Ausgestanzt vom grünen Glimmen der grimmigen Apparate: silberne Silhouetten. Glimmend schwimmen sie wie Silberfischchen in öligen Fluten. Schüchtern schweigend. Unaufdringlich wachend. Sie sehen alles. Segeln sanft durch das Zimmer. Sehen mich sitzen, stöhnen, weinen. Stille Spender von Trost. Sanfte Nähe.“

Für mich eines der bedeutendsten Bücher 2018 und definitiv mit dem Cover des Jahres.

Cover des Buches Peach (ISBN: 9783960540649)
anushkas avatar

Rezension zu "Peach" von Emma Glass

anushka
"Verstörend" ist eine passende Beschreibung

Peach wankt unter Schmerzen nach Hause. Ihr ist gerade etwas Schreckliches widerfahren und sie bekommt den wurstigen Geruch nicht aus der Nase und das fettige Gefühl nicht von der Haut. Niemand darf etwas merken, doch das ist gar nicht so einfach, wenn sie das Monster mit offenen und mit geschlossenen Augen immer wieder sieht und ihr Bauch unübersehbar anschwillt. Doch der Albtraum ist noch nicht zu Ende und Peach überschreitet Grenzen, um sich von ihm zu befreien.

Immer wieder sehe ich in Rezensionen den Begriff "verstörend" in Zusammenhang mit diesem Buch und das beschreibt es meiner Meinung nach sehr passend. Emma Glass findet erschütternde Worte und einen ebenso erschütternden Stil für die Umschreibung dessen, was Peach passiert ist. Das Buch beginnt mit einer Szene, in der Peach sich nach dem Erlebten selbst wieder zusammenflickt. Verstörend ist daran, in welcher Ausführlichkeit und Eindringlichkeit das beschrieben ist. Als Leser kann man sich der Situation nicht entziehen. Jegliche Eindrücke sind (leider) sehr plastisch.
Obwohl das Buch nur knapp 130 Seiten wurde mir der Stil irgendwann zu viel. Teilweise hatte es etwas Phantastisches. Manchmal wurde nicht klar, was Albtraum und was Realität ist. Die Grenzen der Wahrnehmungen verschwimmen und machen es manchmal schwierig, der Handlung zu folgen.
Besonders schlimm fand ich jedoch das Ende. Es gibt - zum Glück - wenig Bücher, die mich abstoßen, aber ab einem gewissen Punkt tat es dieses Buch. Wegen der Handlung selbst, aber auch wegen des Detailreichtums. Ich verstehe die Metaphern und die Katharsis von Peach und auch, dass der Stil sicherlich anspruchsvoll und poetisch ist. Aber ich habe das Lesen in keinster Weise genossen und war froh, als ich die 120 Seiten hinter mir hatte. Auch wenn sie mir einiges zu denken gaben. Mindestens auf diese Auflösung hätte ich jedoch verzichten können.

Cover des Buches Peach (ISBN: 9783960540649)
renees avatar

Rezension zu "Peach" von Emma Glass

renee
Sprachkunst

Was ist das, was ich gestern gelesen habe? Ich kann das immer noch nicht so recht definieren. Verstörend und eindringlich, eigenartig und surreal, und bisher einzigartig für mich.

Einerseits, um beim Grundthema zu bleiben, handelt es sich um ein vergewaltigtes Mädchen, welches verstört nach Hause irrt, um sich zu reinigen und zu heilen. Physisch und psychisch. Und versucht diesen Übergriff zu verarbeiten. Sie möchte nicht das Opfer sein, möchte weiterleben und findet für sich einen Weg. Einen recht drastischen Weg. Aber vielleicht möchte die Autorin damit zeigen, dass man gegen die Monster im eigenen Kopf kämpfen muss. Vielleicht?!?

Andererseits ist die Geschichte nicht nur im Realen gehalten. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Phantastik zerfließen in diesem Buch und machen es dadurch auch zu etwas Besonderem. Fast alle Charaktere im Buch können anderen Daseinsformen zugeordnet werden, verlieren ihre Menschlichkeit, verlieren ihre Formen/ihre Festigkeit, gleiten ab. Vielleicht auch ein Stilmittel, um zu zeigen was passieren kann, wenn  man einem Trauma ausgesetzt ist, welches das Leben verändert, die festen Größen des eigenen Lebens verschwimmen. Aber das ist nur eine eigene Vermutung.

Und wiederum haben wir diese besondere Sprache. Man kann schon sagen diese Sprachkunst. Dieses Spiel mit den Wörtern, dieses Spiel mit dem Klang und dem Sinn. Herrlich. Dafür ein besonderes Lob an die Verfasserin Emma Gloss und ein besonders großes Lob ebenso an die Übersetzerin Sabine Kray. Eine Meisterleistung. Chapeau.

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