Emma Glass

 3.8 Sterne bei 12 Bewertungen
Autorin von Peach und Peach.
Emma Glass

Lebenslauf von Emma Glass

Ein Debüt, das schockt, fasziniert und nicht mehr loslässt: Emma Glass wird in Swansea, in Großbritannien geboren und studiert Englische Literatur und Kreatives Schreiben an der University of Kent. Nach ihrem Abschluss fasst sie den Entschluss, Krankenschwester zu werden und studiert an der Swansea University Kinderkrankenpflege. Heute arbeitet sie im Evelina London Children’s Hostpital in der Forschung für Krankenpflege. 2018 erscheint der Debütroman der Engländerin, „Peach“. Darin erzählt ein Vergewaltigungsopfer mit den irrealen aber unheimlich ehrlichen Worten des fortwährenden Traumas von ihren Erlebnissen. Das Buch berührt und geht unter die Haut. Auch von der Kritik wird das Debüt hoch gelobt. Die Autorin lebt heute in South London, in Hampstead.

Alle Bücher von Emma Glass

Peach

Peach

 (12)
Erschienen am 05.03.2018
Peach

Peach

 (0)
Erschienen am 11.01.2018

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renees avatar

Rezension zu "Peach" von Emma Glass

Sprachkunst
reneevor 7 Tagen

Was ist das, was ich gestern gelesen habe? Ich kann das immer noch nicht so recht definieren. Verstörend und eindringlich, eigenartig und surreal, und bisher einzigartig für mich.

Einerseits, um beim Grundthema zu bleiben, handelt es sich um ein vergewaltigtes Mädchen, welches verstört nach Hause irrt, um sich zu reinigen und zu heilen. Physisch und psychisch. Und versucht diesen Übergriff zu verarbeiten. Sie möchte nicht das Opfer sein, möchte weiterleben und findet für sich einen Weg. Einen recht drastischen Weg. Aber vielleicht möchte die Autorin damit zeigen, dass man gegen die Monster im eigenen Kopf kämpfen muss. Vielleicht?!?

Andererseits ist die Geschichte nicht nur im Realen gehalten. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Phantastik zerfließen in diesem Buch und machen es dadurch auch zu etwas Besonderem. Fast alle Charaktere im Buch können anderen Daseinsformen zugeordnet werden, verlieren ihre Menschlichkeit, verlieren ihre Formen/ihre Festigkeit, gleiten ab. Vielleicht auch ein Stilmittel, um zu zeigen was passieren kann, wenn  man einem Trauma ausgesetzt ist, welches das Leben verändert, die festen Größen des eigenen Lebens verschwimmen. Aber das ist nur eine eigene Vermutung.

Und wiederum haben wir diese besondere Sprache. Man kann schon sagen diese Sprachkunst. Dieses Spiel mit den Wörtern, dieses Spiel mit dem Klang und dem Sinn. Herrlich. Dafür ein besonderes Lob an die Verfasserin Emma Gloss und ein besonders großes Lob ebenso an die Übersetzerin Sabine Kray. Eine Meisterleistung. Chapeau.

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leseleas avatar

Rezension zu "Peach" von Emma Glass

Schmerz.
leseleavor 6 Monaten

Radikal. Abstrus. Surreal. Verfremdet. Direkt. Brutal. Schmerzhaft. Eindringlich. Artifiziell. Lyrisch. Verstörend. Beeindruckend. Nachhallend. Irritierend. Anders. – So lässt sich der Debütroman Peach von Emma Glass vielleicht noch am besten zusammenfassen. Ein Roman, der in seiner Gesamtheit unglaublich schwer zu fassen ist und dabei doch eine einfache Geschichte erzählt. Peach handelt – obwohl das Wort im Text kein einziges Mal explizit verwendet wird – von einer Vergewaltigung: Die gleichnamige Protagonistin des Romans wird Opfer eines sexuellen Überfalls; wie so viele anderen schweigt sie darüber, igelt sich ein, flickt sich selber zusammen – wortwörtlich und im übertragenen Sinne – und versucht, in den Alltag zurückzufinden. Doch die Erinnerungen, der Ekel, die Angst sind zu mächtig, als dass man sie einfach verdrängen kann…

Ich möchte reden, Ihm Sachen sagen. Alles sagen. Mit ihm reden. Erzählen, was passiert ist, gestern Abend auf dem Heimweg. Ich möchte diese Sachen sagen, aber ich finde nicht die richtige Reihenfolge. Für die Wörter. Sätze hetzen ziellos im Hirn. Streuen sinnlos Wörter. Zerstreut. Semantische Wildsaat. (S.44)

Emma Glass Roman wurde Anfang des Jahres veröffentlicht und scheint damit die passende Geschichte zur der seit Herbst 2017 schwelenden #MeToo-Kampagne zu sein. Doch Peach einfach nur als aktuellen literarischen Kommentar zu verstehen, würde zu kurz greifen: Zum einen würde dabei außer Acht gelassen werden, dass die Autorin schon viele Jahre vorher an der Story geschrieben hat; zum anderen würde die reine Kontextualisierung in der derzeitigen gesellschaftlichen Debatte verkennen, dass es sich bei Peach um eine zeitlose Erzählung über sexuelle Gewalt (die schon vor #MeToo da war und es auch nach #MeToo sein wird) handelt und – fast noch wichtiger – um unglaublich gute, eindrucksvolle und radikale Literatur.

Ich denke, dass dies der Anfang vom Ende dieser schrecklichen Zeit sein muss. Ich schlucke. Ich sage mir, Lass uns einfach so tun, als sei das alles nie geschehen. Ich will kein Opfer sein. Eines dieser Opfer. Oh, mir ist diese schlimme Sache passiert, als ich jung war. Er hat einen Teil von mir geraubt (Worte vorgetragen in so einer heiseren, gebrochenen Stimme)… ein Stück meiner Seele. Mir schaudert und ich krümme mich unter dem Klischee. (S. 68)

Denn Glass erzählt anders, als man vor der Lektüre oder beim Lesen der ersten Rezension denken würde: Peach ist eine Geschichte, die stark im Metaphorischen und Surrealen verhaftet ist. Die Protagonistin heißt nicht nur Peach, sie ist auch ein Pfirsich und die Welt, in der sie sich bewegt, ist die unsere – nur eben gepaart mit anthropomorphisierten Elementen. Sie raubt damit dem Lesen jeden sicheren Boden, nie weiß man, was einen auf den nächsten Seiten erwartet, weil man sich noch nicht einmal bewusst ist, was man auf der aktuellen Seite genau liest. Und doch funktioniert das Buch! Peach klingt im Leser nach, spricht etwas in einem an, vermittelt etwas, das man vielleicht nicht unbedingt mit Worten beschreiben, das man aber dennoch nachvollziehen und verstehen kann – auch wenn vieles unverständlich bleibt. Dies ist auch sehr der Sprache zu verdanken, die Emma Glass verwendet und die von Sabine Kray beeindruckend übersetz wurde: Alliterationen und Wortspiele, eine kurze, beinahe stakkatohafte Syntax, ein nahezu lyrisches Anordnen von Wörtern erzeugen einen Sound des Schmerzes, hämmern dem Leser die Geschichte ein, machen das Erzählte, so unfassbar es an einigen Stellen ist, tatsächlich unvergesslich.

Peach ist mutige, einzig- und andersartige Literatur. Etwas, das nicht jedermanns Fall ist und das auch bei der Lektüre nicht immer hundertprozentig bei mir ankam. Aber Peach ist eben auch ein Buch, bei dem die Frage nach Gefallen oder Nicht-Gefallen nicht passend, ja fast schon nebensächlich wird. Es zeigt auf nur knapp 120 Seiten, was Literatur kann: Unsagbares ausdrücken, Unverständliches greifbar machen, Unaushaltbares kanalisieren. Deswegen gibt es von mir, obwohl ich noch nicht einmal wirklich sagen kann, dass mir der Roman gefallen hat, volle 5 Sterne, eine eindeutige Leseempfehlung und den Ratschlag, sich diesem Buch mutig und offen zu stellen.

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once-upon-a-times avatar

Rezension zu "Peach" von Emma Glass

Am Kopf vorbei direkt ins Herz
once-upon-a-timevor 6 Monaten

Wenn dir etwas Unaussprechliches geschieht, etwas Unvorstellbares, dann zerbricht die ganze Welt – während sie zugleich weiterläuft, als wäre nichts passiert. Peach ist allein mit dieser Erkenntnis und allein mit dem, was sie tun muss, um eine grausame Tat hinter sich zu lassen.

Es ist vor allem die poetische Sprache, das Bildhafte, das „Peach“ zu einem Roman macht, der durchs Mitfühlen funktioniert und der auf diese Weise auch richtig gut funktioniert. Die gewaltigen, teils gewalttätigen Bilder, die Emma Glass hier erschaffen hat und die von Sabine Kray wirklich gut ins Deutsche übersetzt worden sind, machen gar keinen Halt in dem Teil des Gehirns, der rationale Eindrücke verarbeitet, sondern sprechen ohne Umwege die Gefühlsebene an. Dadurch ist die Lektüre, auch wenn das Buch selbst nicht besonders dick ist, beeindruckend und intensiv.

Etwas problematisch für mich war jedoch genau der Umstand, dass das Buch das rationale Verstehen überspringt und gleich zum Gefühlten übergeht: Ich habe einfach ganz vieles nicht verstanden. Die Handlung, die Geschehnisse, die Umgebung und die anderen Charaktere sind so surreal, dass ich zwar kaum wegschauen konnte, doch hatte ich nach der letzten Seite nicht das Gefühl, auch nur ein Stück klüger geworden zu sein.

Man muss sich darauf einlassen. Wenn man aber bereit ist, einen schmerzhaften, grausamen Roman auf sich wirken zu lassen ohne eine klare, schnörkellose, rationale Draufsicht zu bekommen, der kann mit „Peach“, so denke ich, glücklich werden.

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