Emma Jane Kirby

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Emma Jane Kirby

Lebenslauf von Emma Jane Kirby

Emma Jane Kirby wurde 1970 in Chelmsford in Essex geboren. Sie besuchte die Chelmsford County High School for Girls und studierte dann English Language and Literature in Oxford. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie für die BBC, zuerst für verschiedene Radiosender und ab 2001 als Auslandskorrespondentin. In diesem Beruf arbeitete sie zuerst als UN-Korrespondentin in Genf, dann in Brüssel als Europa-Korrespondentin und ist nun seit drei Jahren als Frankreich-Korrespondentin tätig. Kirby produziert TV- und Radioreportagen zum Beispiel über Afghanistan oder auch über die Flüchtlingssituation auf Lampedusa. Ihre Radioreportage "Der Optiker von Lampedusa" wurde 2015 in Frankreich mit dem "Prix Bayeux-Calvados des Correspondants de Guerre" ausgezeichnet und ist auch als gleichnamiges Buch erschienen.

Alle Bücher von Emma Jane Kirby

Der Optiker von Lampedusa

Der Optiker von Lampedusa

 (3)
Erschienen am 03.04.2017

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Der Optiker von Lampedusa" von Emma Jane Kirby

‚Ich bin kein verdammter Held, dachte er. Ich habe versagt [...].'
sabatayn76vor 2 Jahren

‚Ich bin kein verdammter Held, dachte er. Ich habe versagt. Wir alle haben versagt. Wir, Italien, Europa: wir alle.‘

Carmine Menna ist Optiker und lebt mit seiner Frau auf Lampedusa. Er liebt das Meer, und so verbringt er einen wohlverdienten Kurzurlaub mit seiner Frau und einigen engen Freunden auf einem Boot. Er genießt die Ruhe, das Fischen und das Baden im Meer, doch dann hört er im Morgengrauen sonderbare Geräusche, die er anfangs für kreischende Möwen hält.

Dann entdeckt er Menschen im Wasser, die um Hilfe rufen und um ihr Leben kämpfen. Es sind Hunderte, und der Optiker von Lampedusa begreift, ‚dass er würde entscheiden müssen, wer leben durfte und wer sterben müsste‘.

Emma Jane Kirby hatte die einzigartige Möglichkeit, mit dem Optiker zu sprechen, der ansonsten keine Interviews gegeben und mit keinem Journalisten über die traumatischen Ereignisse geredet hat. Kirby hat seine Geschichte in ‚Der Optiker von Lampedusa‘ auf wenigen Seiten zusammengefasst und lässt den Leser an den Vorbereitungen des Boottrips, der Rettungsaktion und den Konsequenzen der Katastrophe für den Optiker, seine Frau und seine Freunde teilhaben.

Kirby erzählt die Geschichte in der dritten Person Singular Präsens, was ich als sehr distanziert empfand. Zudem wird der Optiker als wenig sympathischer, extrem kontrollierter und wenig flexibler Zeitgenosse beschrieben, was zusätzlichen Abstand zum Leser aufbaut. Mein anfänglicher Eindruck änderte sich jedoch mit den Beschreibungen der Rettungsaktion, als der distanzierte, unflexible Optiker sofort und ohne zu zögern zusammen mit seiner Frau und seinen Freunden 47 Menschen rettet, die nach dem Kentern eines Flüchtlingsbootes im Wasser treiben. Diese Passage im Buch hat mir hervorragend gefallen, den Kirby gelingt es, die Minuten im Kampf gegen den Tod durch Ertrinken realistisch und detailliert zu schildern, wodurch diesen Szenen etwas Gespenstisches und Unheimliches anhaftet.

Auch die Beschreibungen der ausgeprägten Schuldgefühle, die den Optiker und seine Freunde quälen, weil sie ‚nur‘ 47 Menschen gerettet haben, aber Hunderte Menschen ertrunken sind, wirken sehr authentisch und überzeugend. Der Optiker ist von Selbstzweifeln zerfressen, er hat das Gefühl, versagt zu haben, er findet nicht in sein altes Leben zurück, empfindet seine Arbeit, die ihm stets Freude bereitet hat, als belanglos, seine tagtägliche Routine lächerlich unwichtig.

Trotz kleinerer Abstriche aufgrund der distanzierten und dadurch eher hölzernen Sprache wünsche ich dem Buch viele Leser, da Kirby eine Situation schildert, wie sie im Mittelmeer immer wieder geschieht, von der wir aber kaum emotional betroffen sind, da sie weit weg scheint. Kirby ermöglicht dem Leser durch ihre Geschichte eine Annäherung an das Thema der kenternden Flüchtlingsboote und den damit verbundenen Tod von Hunderten Menschen, indem sie Einzelschicksale darstellt und den Leser so emotional involviert, was das Buch zu einem sehr wertvollen Beitrag macht.

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JulesBarroiss avatar

Rezension zu "Der Optiker von Lampedusa" von Emma Jane Kirby

Eine Ode an die Menschlichkeit
JulesBarroisvor 2 Jahren

Der Optiker von Lampedusa: Die Geschichte einer Rettung - Emma Jane Kirby (Autorin), Paulina Abzieher (Übersetzerin), Hans-Christian Oeser (Übersetzer), 160 Seiten, Berlin Verlag (3. April 2017), 16 €, ISBN-13: 978-3827013460

 

Oktober bei Lampedusa an einem sonnigen Morgen. Auf See wacht der Optiker in der Morgendämmerung auf. Das Meer ist schön, die Sonne scheint, er ist glücklich. Für einen Moment hat er all seine Sorgen vergessen. Er genießt die Ruhe, die nur von Möwenschreien unterbrochen wird. Ungewöhnlich schrill, fast übernatürlich. Nein, das sind keine Vögel. Das sind Schreie der Angst, der Verzweiflung, des Schmerzens.

Der Optiker von Lampedusa ist ein ganz normaler Mensch, fleißig, ruhig, gewissenhaft. Mit seiner Frau Teresa lebt er auf dieser einzigartige Insel. Sie mögen gegrillte Sardinen, Aperitifs auf der Terrasse und Bootsfahrten auf den ruhigen Gewässern um ihr kleines Inselparadies. Er sieht aus wie wir. Er ist gewissenhaft, sorgt sich um die Zukunft seiner beiden Söhne und kümmert sich um das Überleben seines kleinen Unternehmens.

Er ist kein Held. Und seine Geschichte ist kein Märchen, sondern eine Tragödie: die Entdeckung von Männern, Frauen und Kinder, die im Wasser um ihr Überleben kämpfen. Gesichter, die von den Wellen gefangen sind. „Noch nie hatte ich soviele Menschen im Wasser gesehen. Strampelnde Gliedmaßen, ausgestreckte Hände, schlagende Fäuste, schwarze Gesichter, die erst über, dann unter den Wellen aufblitzten. Schnaufen, Geschrei, Prusten, Gebrüll. Mein Gott, dieses Gebrüll.“ (Seite 7) und nur weil sie aus ihren Länder gefohen sind vor Verfolgung und Tyrannei.

Der Optiker von Lampedusa erzählt die Geschichte von einem, der nicht sehen will.  „Ich wollte Ihnen diese Geschichte nie erzählen. Ich hatte mir geschworen, diese Geschichte nie wieder zu erzählen, weil sie kein Märchen ist.“ (Seite 9) Und nun befindet sich dieser Anti-Held plötzlich in einer Situation, die alles andere als normal ist. Was als gemütliche, ruhige Bootsfahrt mit Freunden begonnen hat, endet damit, dass sie in ihrem kleinen Boot 47 Flüchtlinge gerettet haben.

Eine wahre Geschichte, die die Journalistin Emma-Jane Kirby meisterlich erzählt, ganz nahe an der Realität, hell und prägnant.

Der Optiker von Lampedusa? Das bin ich, das bist du. Ein kleines, ruhiges Leben, mit wenigen Sorgen. Die menschlichen Dramen der Flüchtlinge kennen wir nur aus Fernsehen, aus der Morgenzeitung. Bilder, die uns wenig beeindrucken. Dieses Buch hilft, unsere Augen und Herzen zu öffnen, weil hinter den Zahlen es Menschen aus Fleisch und Blut gibt, die vor der Armut, der Diktatur und dem Krieg geflohen sind.

Das kurze Buch werden Sie in einem Rutsch lesen. Danach werden Sie nicht mehr gleichgültig sein.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

https://www.piper.de/buecher/der-optiker-von-lampedusa-isbn-978-3-8270-1346-0

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Emma Jane Kirby wurde am 01. Januar 1970 in Chelmsford, Essex (Großbritannien) geboren.

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