Emma Jane Kirby Der Optiker von Lampedusa

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Inhaltsangabe zu „Der Optiker von Lampedusa“ von Emma Jane Kirby

»Vielleicht kannst du nicht glauben, was ich hier erzähle. Vielleicht kannst du es nicht verstehen, weil du nicht an Bord warst. Aber ich war drin und habe die Menschen gesehen. Und ich sehe sie immer noch. Das, was damals passiert ist, geschieht wieder und wieder …« So beginnt der Optiker von Lampedusa seine Geschichte und zugleich die von 47 Menschen, die er im Oktober 2013 vor dem Ertrinken bewahrte. Er ist ein einfacher Mann, ein Jedermann, der auf Lampedusa lebt, sich um seine Familie sorgt und erst im Strudel der Ereignisse zum Handelnden und Retter wird. Doch dieses Buch ist mehr als die Geschichte einer Rettung, es beschreibt den grundlegenden Wandel vom passiven Zeitgenossen zum engagierten Zeitzeugen. Eindrücklicher, ergreifender und erschütternder ist noch nie über die große Tragödie unserer Zeit, das fortdauernde Sterben im Mittelmeer, geschrieben worden.

Eine wahre Geschichte, die die Journalistin Emma-Jane Kirby meisterlich erzählt, ganz nahe an der Realität, hell und prägnant.

— JulesBarrois
JulesBarrois

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  • ‚Ich bin kein verdammter Held, dachte er. Ich habe versagt [...].'

    Der Optiker von Lampedusa
    sabatayn76

    sabatayn76

    28. April 2017 um 14:20

    ‚Ich bin kein verdammter Held, dachte er. Ich habe versagt. Wir alle haben versagt. Wir, Italien, Europa: wir alle.‘Carmine Menna ist Optiker und lebt mit seiner Frau auf Lampedusa. Er liebt das Meer, und so verbringt er einen wohlverdienten Kurzurlaub mit seiner Frau und einigen engen Freunden auf einem Boot. Er genießt die Ruhe, das Fischen und das Baden im Meer, doch dann hört er im Morgengrauen sonderbare Geräusche, die er anfangs für kreischende Möwen hält. Dann entdeckt er Menschen im Wasser, die um Hilfe rufen und um ihr Leben kämpfen. Es sind Hunderte, und der Optiker von Lampedusa begreift, ‚dass er würde entscheiden müssen, wer leben durfte und wer sterben müsste‘. Emma Jane Kirby hatte die einzigartige Möglichkeit, mit dem Optiker zu sprechen, der ansonsten keine Interviews gegeben und mit keinem Journalisten über die traumatischen Ereignisse geredet hat. Kirby hat seine Geschichte in ‚Der Optiker von Lampedusa‘ auf wenigen Seiten zusammengefasst und lässt den Leser an den Vorbereitungen des Boottrips, der Rettungsaktion und den Konsequenzen der Katastrophe für den Optiker, seine Frau und seine Freunde teilhaben. Kirby erzählt die Geschichte in der dritten Person Singular Präsens, was ich als sehr distanziert empfand. Zudem wird der Optiker als wenig sympathischer, extrem kontrollierter und wenig flexibler Zeitgenosse beschrieben, was zusätzlichen Abstand zum Leser aufbaut. Mein anfänglicher Eindruck änderte sich jedoch mit den Beschreibungen der Rettungsaktion, als der distanzierte, unflexible Optiker sofort und ohne zu zögern zusammen mit seiner Frau und seinen Freunden 47 Menschen rettet, die nach dem Kentern eines Flüchtlingsbootes im Wasser treiben. Diese Passage im Buch hat mir hervorragend gefallen, den Kirby gelingt es, die Minuten im Kampf gegen den Tod durch Ertrinken realistisch und detailliert zu schildern, wodurch diesen Szenen etwas Gespenstisches und Unheimliches anhaftet. Auch die Beschreibungen der ausgeprägten Schuldgefühle, die den Optiker und seine Freunde quälen, weil sie ‚nur‘ 47 Menschen gerettet haben, aber Hunderte Menschen ertrunken sind, wirken sehr authentisch und überzeugend. Der Optiker ist von Selbstzweifeln zerfressen, er hat das Gefühl, versagt zu haben, er findet nicht in sein altes Leben zurück, empfindet seine Arbeit, die ihm stets Freude bereitet hat, als belanglos, seine tagtägliche Routine lächerlich unwichtig. Trotz kleinerer Abstriche aufgrund der distanzierten und dadurch eher hölzernen Sprache wünsche ich dem Buch viele Leser, da Kirby eine Situation schildert, wie sie im Mittelmeer immer wieder geschieht, von der wir aber kaum emotional betroffen sind, da sie weit weg scheint. Kirby ermöglicht dem Leser durch ihre Geschichte eine Annäherung an das Thema der kenternden Flüchtlingsboote und den damit verbundenen Tod von Hunderten Menschen, indem sie Einzelschicksale darstellt und den Leser so emotional involviert, was das Buch zu einem sehr wertvollen Beitrag macht.

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  • Eine Ode an die Menschlichkeit

    Der Optiker von Lampedusa
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    14. April 2017 um 08:13

    Der Optiker von Lampedusa: Die Geschichte einer Rettung - Emma Jane Kirby (Autorin), Paulina Abzieher (Übersetzerin), Hans-Christian Oeser (Übersetzer), 160 Seiten, Berlin Verlag (3. April 2017), 16 €, ISBN-13: 978-3827013460   Oktober bei Lampedusa an einem sonnigen Morgen. Auf See wacht der Optiker in der Morgendämmerung auf. Das Meer ist schön, die Sonne scheint, er ist glücklich. Für einen Moment hat er all seine Sorgen vergessen. Er genießt die Ruhe, die nur von Möwenschreien unterbrochen wird. Ungewöhnlich schrill, fast übernatürlich. Nein, das sind keine Vögel. Das sind Schreie der Angst, der Verzweiflung, des Schmerzens. Der Optiker von Lampedusa ist ein ganz normaler Mensch, fleißig, ruhig, gewissenhaft. Mit seiner Frau Teresa lebt er auf dieser einzigartige Insel. Sie mögen gegrillte Sardinen, Aperitifs auf der Terrasse und Bootsfahrten auf den ruhigen Gewässern um ihr kleines Inselparadies. Er sieht aus wie wir. Er ist gewissenhaft, sorgt sich um die Zukunft seiner beiden Söhne und kümmert sich um das Überleben seines kleinen Unternehmens. Er ist kein Held. Und seine Geschichte ist kein Märchen, sondern eine Tragödie: die Entdeckung von Männern, Frauen und Kinder, die im Wasser um ihr Überleben kämpfen. Gesichter, die von den Wellen gefangen sind. „Noch nie hatte ich soviele Menschen im Wasser gesehen. Strampelnde Gliedmaßen, ausgestreckte Hände, schlagende Fäuste, schwarze Gesichter, die erst über, dann unter den Wellen aufblitzten. Schnaufen, Geschrei, Prusten, Gebrüll. Mein Gott, dieses Gebrüll.“ (Seite 7) und nur weil sie aus ihren Länder gefohen sind vor Verfolgung und Tyrannei. Der Optiker von Lampedusa erzählt die Geschichte von einem, der nicht sehen will.  „Ich wollte Ihnen diese Geschichte nie erzählen. Ich hatte mir geschworen, diese Geschichte nie wieder zu erzählen, weil sie kein Märchen ist.“ (Seite 9) Und nun befindet sich dieser Anti-Held plötzlich in einer Situation, die alles andere als normal ist. Was als gemütliche, ruhige Bootsfahrt mit Freunden begonnen hat, endet damit, dass sie in ihrem kleinen Boot 47 Flüchtlinge gerettet haben. Eine wahre Geschichte, die die Journalistin Emma-Jane Kirby meisterlich erzählt, ganz nahe an der Realität, hell und prägnant. Der Optiker von Lampedusa? Das bin ich, das bist du. Ein kleines, ruhiges Leben, mit wenigen Sorgen. Die menschlichen Dramen der Flüchtlinge kennen wir nur aus Fernsehen, aus der Morgenzeitung. Bilder, die uns wenig beeindrucken. Dieses Buch hilft, unsere Augen und Herzen zu öffnen, weil hinter den Zahlen es Menschen aus Fleisch und Blut gibt, die vor der Armut, der Diktatur und dem Krieg geflohen sind. Das kurze Buch werden Sie in einem Rutsch lesen. Danach werden Sie nicht mehr gleichgültig sein. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages https://www.piper.de/buecher/der-optiker-von-lampedusa-isbn-978-3-8270-1346-0 Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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