Emmanuèle Bernheim Alles ist gutgegangen

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Inhaltsangabe zu „Alles ist gutgegangen“ von Emmanuèle Bernheim

"Die Diagnose ist nicht berauschend." 88-jährig erleidet André Bernheim, Kunstsammler in Paris, schillernd, charmant, vital, einen schweren Schlaganfall. Nichts, was sein Leben ausmachte, ist ihm nun mehr geblieben, und so bittet er seine Tochter, ihm den Freitod zu ermöglichen. Mit literarischer Intensität, dicht und präzise, erzählt Emmanuèle Bernheim, welche unendliche Zumutung dies für die Familie ist, wie sie sich trotz unauflösbarer Gewissenskonflikte gemeinsam auf den Tod zubewegt. Mit großer Offenheit spricht sie über eine der letzten tabuisierten Fragen unserer Zeit und eine sehr persönliche Entscheidung – sie berührt damit jeden von uns. Ein großes Buch über das Glück des Lebens und die Freiheit zu sterben.

Ein schwieriges Thema, toll erzählt

— boekenwurm

Nie war das Sterben eines Liebsten ehrlicher, schonungsloser und sanfter wie in diesem Roman. Hochklassische Literatur für Herz und Geist.

— conny

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  • Ein Buch zur passenden Zeit

    Alles ist gutgegangen

    michael_lehmann-pape

    16. April 2014 um 14:13

    Ein Buch zur passenden Zeit Es gibt sie, jene medizinischen Fälle, die quasi „vom Sterbebett aus“ eine nicht erwartete „Verlängerung“ erleben. Hoffnungslose Fälle, die sich doch noch einmal, wenn auch meist nur für eine gewisse „Gnadenfrist“ dem Leben zuwenden können. Der Prozentsatz ist verschwindend gering. In der Regel ist es für Ärzte, Angehörige, oft auch für die Betroffenen selbst erkennbar, das Sterben ansteht, der Tod in den Raum tritt. Immer mehr Menschen betrachten auch diese Phase des Lebens als eine, die selbstbestimmt gestaltet werden kann. Angesichts des heutigen Wissens um die Begleiterscheinungen des Sterbens bei bestimmten Krankheitsbildern, angesichts manche innerer Haltung, nicht als rundum pflegebedürftige „Etwas“ enden zu wollen, wird der Ruf seit Jahren lauter, sich gesellschaftlich und politisch auch in Deutschland mit der Ermöglichung einer aktiven Sterbehilfe auseinanderzusetzen und so da, wo Familienangehörige oder gar Ärzte eine solche billigend in Kauf nehmen, eben keinen Straftatbestand mehr in den Raum zu setzen. Das „aktive Sterben“ ist dabei immer noch ein Tabu. In Deutschland aus der unsäglichen Geschichte der Euthanasie im dritten Reich heraus und aufgrund der christlichen Prägung der abendländischen Kultur, aber auch aus einem genauen Beobachten heraus der Gefahr des Missbrauchs einer solchen aktiven Sterbehilfe in Nachbarländern. So verbleibt bis dato der selbstbestimmte Weg z.B. in die Schweiz und das Sterben „von eigener Hand“. Dies ist auch das Thema dieses Buches. Jo Roman hat im Übrigen den Vorbehalten bereits vor Jahrzehnten mit ihrem (schon früh im Leben beschlossenen und „ausgerechneten“) Plan des „aktiven Sterbens“ („Freiwillig aus dem Leben“) für eine breite und heftige Diskussion gesorgt. Emmanuele Bernheims sensible Darstellung der Geschichte ihres Vaters und mit ihrem Vater eröffnet dem Leser nun einen emotionalen und doch auch sachlichen Blick auf die inneren Entscheidungsprozesse, die angesichts des Sterbewunsches eines geliebten und vertrauten Menschen stattfinden. Ein Buch, dass sich allein schon von der Darstellungskraft der Autorin her lohnt, zu lesen, dass in sehr persönlicher Weise, zum Ende hin dramatisch, die inneren Abläufe, die Entscheidungen, den inneren, vorbereitenden Weg in die Schweiz und die Ressentiments mancher aus der Umgebung und der Gesetzgebung in Frankreich trefflich und emotional dicht vor Augen führen. Das innere Begreifen, die Planung, die surreale Momente im Kopf auslöst, das Erinnerungen frei setzt an den Vater und das zurückliegende Leben. Momente, die Bernheim nicht in der Breite rührselig auswalzt, sondern in genau dem richtigen Tonfall aus ihren persönlichen Eindrücken, Erlebnissen und emotionalen Momenten heraus. „Vielleicht ist nun der Moment gekommen, mich in das Abschiedszzzzeremoniell zu stürzzzzzen, oder?“. Und als Tochter dies bewusst und klar mit zu begleiten, den Vater zu warnen, nicht zu offen darüber zu sprechen, ein schwieriger, aber ebenso auch warmer, erinnerungsträchtiger und intimer Weg ist es, den Bernheim eindrucksvoll beschreibt. Ein intensives, gut zu lesendes und stark zum Nachdenken anregendes Buch, eine sehr empfehlenswerte Lektüre über das selbstbestimmte Ende des Buches, dass auch auf die Diskussion zur aktiven Sterbehilfe zurückwirken wird.

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  • Eine überzeugende literarische Annäherung an ein schwieriges Thema

    Alles ist gutgegangen

    WinfriedStanzick

    05. February 2014 um 12:04

      Die Debatte um die Straffreiheit von aktiver und passiver Sterbehilfe wird in vielen europäischen Ländern engagiert geführt. Über Jahrzehnte und Jahrhunderte gültige Tabus und Wertecodices sind dabei aufgeweicht und verändert worden. Ein Ende der Debatte ist nicht abzusehen. Doch sie ist längst aus den Bereichen der medizinischen Ethik und der Politik ausgewandert in den Bereich, in dem schon immer gesellschaftliche Veränderungen und Transformationen von moralischen und ethischen Dimensionen und Haltungen zuerst und nachhaltig thematisiert werden: in die Literatur.   Die Zahl der meist sehr persönlich gefärbten Bücher, in denen Menschen über ihr Sterben berichten, geht in die Hunderte. Und es kommen auch immer mehr dazu, in denen das Thema Sterbehilfe vorurteilsfrei angesprochen wird. Zuletzt etwa hat Martin Winckler einen Roman vorgelegt mit dem Titel „Es wird leicht, du wirst sehen“, der unter die Haut ging. Er verführt zu schneller Zustimmung zu dem, was die Hauptperson tut, (Menschen beim Sterben helfen)  und legt doch immer wieder Spuren aus, auf denen der Widerspruch gehen kann. Denn es bleibt einer der drängendsten Fragen: darf ein Arzt oder irgendwer sonst einem Menschen auf dessen Wunsch zum Sterben verhelfen?   Genau diese Frage muss sich auch die Autorin des hier anzuzeigenden neuen  Buches stellen. Die französische Schriftstellerin Emmanuele Bernheim hat es geschrieben. Ihr Vater Andre Bernheim, ein Pariser Kunstsammler jüdischer Herkunft, mittlerweile 88 Jahre alt, hat in den letzten Jahren viele lebensbedrohliche Krankheiten und Situationen immer wieder gut überstanden, er hat sein freies Leben mit viel Kultur und mehreren Restaurantbesuchen in der Woche geführt wie ehedem, als ihn über Nacht ein Schlaganfall ans Bett fesselt.   Emmanuele Bernheim und ihre Schwester Pascale kümmern sich um ihn. Die Sprache, atemlose, kurze Sätze, in der sie davon berichtet, trifft den psychischen Zustand von Verwandten, die mit einer solchen Situation sich konfrontiert sehen, sehr gut.  Sie müssen funktionieren, ihr normales Leben irgendwie weiter geregelt bekommen und sich doch mit dem nun scheinbar Unausweichlichen auseinandersetzen, zumal die Mutter, Andres Frau durch eine fortgeschrittene Parkinsonkrankheit selbst schon vor langer Zeit zum Pflegefall geworden ist.   Es dauert nur wenige Tage, da konfrontiert Andre Bernheim seine Tochter mit einem Wunsch: „Ich möchte, dass du mir hilfst, Schluss zu machen.“ „Mein Vater lächelte mich an. Ein richtiges Lächeln, ein  Lächeln wie früher, mit strahlenden Augen und Lachfältchen rundherum.“   Emmanuele muss diesen Satz, der wie ein Schock auf sie wirkt, erst verarbeiten. Doch sie hat keine einzige Sekunde einen Zweifel, dass sie dem Wunsch ihres Vaters nicht entsprechen wird. Sie öffnet sich langsam ihrem Mann Serge und ihrer Schwester Pascale, die zwar erschüttert sind, aber nicht grundsätzlich das Recht Andres auf Selbstbestimmung in Frage stellen.   Es zeichnet das Buch übrigens aus, dass es an keiner Stelle die Kategorien richtig oder falsch ins Spiel bringt oder eine ethische Reflexion über die Zulässigkeit einer solchen Sterbehilfe bietet. Der Wunsch des Vaters ist legitim, nur Cousinen aus den USA die später anreisen, versuchen ihn erfolglos von seiner Entscheidung abzubringen.   Dennoch wird auf jeder Seite überdeutlich, mit welchen großen Belastungen der Wunsch des Vaters besonders für die beiden Töchter verbunden ist. Da die rechtliche Lage in Frankreich eine Hilfe beim Sterben nicht zulässt, weichen die beiden aus in die Schweiz zu einem Verein für Sterbehilfe.   Es ist ein atemloser Kampf gegen die Bürokratie und die Zeit, der nun beginnt, und der einen das Buch nicht aus der Hand legen lässt, bis man weiß, wie „alles gut gegangen ist.“   Die Rezeption, die das Buch schon in den ersten Tagen nach seinem Erscheinen in Deutschland erhalten hat ( der Spiegel hat in seiner aktuellen Ausgabe das Thema zur Titelgeschichte gemacht) zeigt an, dass es die Thematik die Menschen bewegt. Peter Praschl nennt in seiner Rezension in der Welt am Sonntag „Alles ist gutgegangen“  „ein Buch, das alle Debatten über Sterbehilfe verblassen lässt“.   Ja, gerade weil es die bisherigen Pfade der Debatte verlässt, und versucht das Thema literarisch zu bewältigen. Das ist Emmanuele Bernheim eindrucksvoll gelungen. Es werden Bücher wie dieses sein, die über die Zeit ihre Wirkung entfalten in einem Diskurs, der nicht den Theologen, Philosophen und Politikern überlassen bleiben darf, sondern an dem sich breite Schichten der Gesellschaft beteiligen sollten.   Die Freiheit des modernen Menschen scheint übergroß. Die Verantwortung, die ihm daraus erwächst, droht ihn zu überfordern. Noch einmal. Es bleibt einer der drängendsten Fragen: darf ein Arzt oder irgendwer sonst einem Menschen auf dessen Wunsch zum Sterben verhelfen?   Und, so möchte ich persönlich hinzufügen: Kann ich Menschen, die ich mehr liebe als mein Leben, um einen solchen Dienst bitten?

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