Emmanuel Carrère

 4.1 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor von Das Reich Gottes, Limonow und weiteren Büchern.
Emmanuel Carrère

Lebenslauf von Emmanuel Carrère

Das Allroundtalent aus Paris: Der französische Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmproduzent wurde 1957 in Paris geboren. Seit 1982 schreibt und veröffentlicht er seine Romane, die oft autobiographische Züge vorweisen oder kritische Themen behandeln, die in der Gesellschaft hochaktuell sind und die Menschen bewegen. Seine bekanntesten Romane sind "Limonow", "Alles ist wahr", "Das Reich Gottes", "Ein russischer Roman", "Der Widersacher" und die Reportage "Brief an eine Zoowärterin aus Calais". Für Limonow wurde er 2011 mit dem Prix Renaudot und dem Prix de la langue française ausgezeichnet und das Werk wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

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Reportagen #42
Neu erschienen am 16.08.2018 als Buch bei Puntas Reportagen.
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Emmanuel CarrèreLimonow
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Limonow
Limonow
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Erschienen am 11.08.2014
Emmanuel CarrèreDas Reich Gottes
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Das Reich Gottes
Das Reich Gottes
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Erschienen am 29.02.2016
Emmanuel CarrèreAlles ist wahr
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Alles ist wahr
Alles ist wahr
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Erschienen am 01.02.2014
Emmanuel CarrèreDer Widersacher
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Der Widersacher
Der Widersacher
 (3)
Erschienen am 08.08.2018
Emmanuel CarrèreSchneetreiben
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Schneetreiben
Schneetreiben
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Erschienen am 01.05.1999
Emmanuel CarrèreEin russischer Roman
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Ein russischer Roman
Ein russischer Roman
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Erschienen am 10.04.2017
Emmanuel CarrèreBrief an eine Zoowärterin aus Calais
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Brief an eine Zoowärterin aus Calais
Brief an eine Zoowärterin aus Calais
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Erschienen am 13.10.2017
Emmanuel CarrèreReportagen #42
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Reportagen #42
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Erschienen am 16.08.2018

Neue Rezensionen zu Emmanuel Carrère

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haberland86s avatar

Rezension zu "Limonow" von Emmanuel Carrère

Sicherlich nicht mein letztes Buch des Autors
haberland86vor einem Jahr

Emmanuel Carrère versucht sich in „Limonow“ daran die Biografie des russischen Schriftstellers Eduard Wenjaminowitsch Sawenko, genannt Limonow, mit Romanelementen zu verknüpfen; was ihm - unter Missachtung sämtlicher Genre-Grenzen - hervorragend gelingt.

Dabei spielt ihm Eduard Limonows außergewöhnlicher Lebensweg, der vor ungewöhnlichen Ereignissen und unglaublichen Wendungen nur so strotz (und von dem ich zuvor noch nie etwas gehört hatte), sicherlich in die Hände. Selten habe ich eine Biografie gelesen, die dermaßen prädestiniert ist, zwischen zwei Buchdeckeln erzählt zu werden. Darüber hinaus ist Carrère ein meisterhafter Erzähler, der es schafft über Limonows Werdegang seinen eigenen Lebensweg zu reflektieren und mit den politischen Ereignissen der Zeit in Zusammenhang zu bringen. Ein Kunststück, das aus „Limonow“ nicht nur eine Doppelbiografie, sondern auch ein politisches Buch macht, das einige Geschehnisse des (politischen) Weltgeschehens aus einer ganz anderen Perspektive heraus erzählt.

Auch die Selbstverständlichkeit mit welcher Carrère über all das schreibt, ist mir so noch nicht begegnet. Zwar musste man kein Russland-Experte sein, um bereits 2011 vorherzusehen, dass Putin für eine dritte Amtszeit kandidieren wird, doch vor Augen geführt zu bekommen, dass es sich dabei um einen lange vorbereiteten Plan handelte und zu erfahren in welchem Maße das russische Volk (trotzdem – oder gerade deswegen?) hinter ihm zu stehen scheint,  fand ich schon bemerkenswert.

Am spannendsten jedoch fand ich die frühen Jahre Limonows, die im ersten Drittel des Buches geschildert werden und die einer Achterbahn der Gefühle gleichen. Wie er sich in seiner ukrainischen Heimat Charkiw als Fabrikarbeiter durchschlägt, während er gleichzeitig vom Ruhm träumt. Wie er nach Russland übersiedelt und dort Kontakte zum literarischen Untergrund knüpft, ehe es ihn in die USA verschlägt, wo er auf der Straße landet und sich von ganz unten zu einem der bedeutendsten russischen Schriftsteller der Gegenwart hocharbeitet. All das macht einen beim Lesen atemlos, betroffen und gleichzeitig froh. Zeigt es doch, dass es im Leben vor allem darauf ankommt, den Mut und den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren. Selbst wenn die eigene Biografie keinem konventionellen Lebenslauf entspricht.

Sehr interessant fand ich zudem die russische Sicht auf geschichtliche Ereignisse, die mir zu mehr Verständnis gegenüber einem Land verhalfen, das zwar in den Medien sehr präsent, einem aber dennoch total fremd ist. Vor allem überdachte ich meine eigenen (Vor)Urteile und fragte mich, ob man manche Dinge nicht zwangsläufig anders sehen muss, wenn man in einer anderen Gesellschaft aufwächst. Insbesondere, wenn die dortigen Medien andere Schwerpunkte setzen.

Bei allen Unterschieden gelingt es Carrère meisterhaft, dem Leser die Motive der Menschen zu vermitteln und die Welt durch ihre Augen zu sehen ohne dabei schulmeisterlich zu wirken.

Nun kann man eine Biografie nicht ändern und Limonows Lebenslauf bietet dem Leser gewiss viele spannende Lesestunden, dennoch gibt es in der Mitte des Buches einige Längen. An manchen Stellen hätte Carrère sich vielleicht etwas mehr zurückhalten und einfach erzählen können, wie es weitergeht anstatt Limonows Taten zu bewerten und dadurch den Lesefluss zu unterbrechen. An anderer Stelle hätte ich dafür gerne mehr Hintergrundinformationen erhalten. Etwa wenn es um Ereignisse ging, die keinen allzu großen Einfluss auf das Weltgeschehen hatten oder über die bei uns nicht so ausführlich berichtet wurde. Nicht zuletzt hätte man auf manche Anekdoten getrost verzichten können, auch wenn ich sie ganz aufschlussreich fand.

Da dies mein erstes Buch von Emmanuel Carrère war, gingen auch die Abschweifungen in Ordnung, in welchen er Informationen zu seiner Herkunft, seinem Werdegang und seinen Träumen lieferte. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte es dem Buch aber gut getan, sich auf Limonows Biografie und die damit verbundenen (und so oft gelobten) Einblicke in die russische Seele zu konzentrieren.

Ganz sicher machen einige Belanglosigkeiten Limonow aber umso sympathischer, da sie zeigen, dass es selbst in einem so spannenden und bewegten Leben, wie dem seinen, ruhige und unspektakuläre Phasen gibt, in welchen die Alltagstristesse die Oberhand gewinnt.

Insgesamt war „Limonow“ eines der besten und das mit Abstand interessanteste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe. Neben der großartigen Sprache sind es vor allem die Einblicke in die russische und französische Kultur, die das Buch so lesenswert machen. Außerdem lieferte es Denkanstöße, um die eigenen Sichtweisen kritisch zu hinterfragen und am Ende vielleicht sogar zu erkennen, dass sich in manchen Punkten eben doch alle einig sind.

Eine klare Leseempfehlung (nicht nur) für alle, die an Politik, anderen Kulturen und der jüngeren europäischen Geschichte interessiert sind. Mein erstes, aber sicher nicht mein letztes Buch des französischen Autors.

Die vollständige Rezension findet sich auf meinem Blog.

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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Ein russischer Roman" von Emmanuel Carrère

Emmanuel Carrère - Ein russischer Roman
miss_mesmerizedvor einem Jahr

Vielleicht ist es der Satz „Wenn ich Russisch lernen oder wiedererlernen würde, hätte ich den Schlüssel zu einer entscheidenden Veränderung in der Hand“, der am besten zusammenfasst, worum es in Emmanuel Carrères Buch „Ein russischer Roman“ geht. Er sucht nach seinen russischen Wurzeln, nach der Geschichte des verschollenen Großvaters, der einst aus Georgien fliehen musste, in Deutschland studierte, in Frankreich landete und in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verschwand. Eine ähnliche Geschichte eines Ungarn lässt den französischen Autor und Filmemacher ins russische Kotelnisch reisen, wo er nach Spuren eines Jahrzehnte lang verschollenen Mannes und nach der Geschichte seiner eigenen Familie forscht. Mit der anderen Sprache, die er einst von seiner Mutter lernte, eröffnet sich ihm auch eine neue Welt und ein neuer Blickwinkel, vor allem auf seine Beziehung zu Sophie, die in einer ganz anderen Welt als er lebt. Carrère, Sohn von Hélène Carrère d’Encausse, Vorsitzender der Académie Française, Autorin, Intellektuelle und Förderin seiner künstlerischen Ader. Sophie, bürgerliches Mädchen mit bescheidenen beruflichen Zielen in einem Schulbuchverlag. Zwei Jahre im Leben eines Mannes, die vieles in Frage stellen und entscheidende Veränderungen bringen.

Schon das Genre des Textes zu bestimmen scheint mir ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Es gibt keine Handlung, die zu einem Zeitpunkt x beginnt und an Tag y endet. Es gibt auch keinen einen Handlungsort, sondern wir bewegen uns immer wieder zwischen Frankreich und Russland hin und her und reisen auch in diesen Ländern. Und worum es eigentlich geht? Die Familiengeschichte? Die Geschichte des verschollen geglaubten Ungarn? Die Liebesbeziehung zwischen Emmanuel und Sophie? Ein Befreiungsschlag von den bösen Geistern der Vergangenheit, die Emmanuel und Hélène regelmäßig heimsuchen? Die Fragen können nicht abschließend beantwortet werden. Vielleicht fasst eine Art Tagebuch am besten zusammen. Wir haben unterschiedliche Ideen und Gedanken, die den Autor beschäftigen, allerdings gibt es auch Sprünge, die Chronologie wird immer wieder durchbrochen. Auf jeden Fall ist es sehr persönlich und vieles ist in der Tat real und nicht erfunden, von dem er berichtet, wie beispielsweise der öffentliche Brief an seine Partnerin, der wie im Buch geschildert am 22. Juli 2002 in der Zeitung „Le Monde“ veröffentlicht wurde.

Definitorische Annäherung: der Larousse definiert den „Roman“ – immerhin im Titel des Wers genannt:
„un récit en prose d'une certaine longueur, dont l'intérêt est dans la narration d'aventures, l'étude de mœurs ou de caractères, l'analyse de sentiments ou de passions, la représentation du réel ou de diverses données objectives et subjectives.“

Prosatext von einer gewissen Länge – check. Erzählung eines Abenteuers – check. Studie der Sitten/Bräuche oder eines Charakters – check. Analyse von Gefühlen und Leidenschaften – check. Darstellung der Realität auf subjektive oder objektive Weise – check. Es ist wohl doch ein Roman, vielleicht sogar ein russischer, auf jeden Fall ein lesenswerter. Ich fand viele der angerissenen Themen für sich alleine spannend und hätte sich auch gerne stringenter verfolgt, aber gerade dieses Puzzlehafte, die Sprünge, zeichnen diesen Roman aus, in dem Carrère vieles verarbeitet und uns als Leser teilhaben lässt. 

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DocMarcs avatar

Rezension zu "Limonow" von Emmanuel Carrère

Zwischen Glasnost und Putin
DocMarcvor 5 Jahren

Die vermeintliche Milliardärin ist die Putzfrau, der eigentlichr Milliardär ein Arschloch, Limonow der Housekeeper... Gierig schlängelt sich der KGB-Sohn durch die russische Wendegeschichte zu den jüdischen Newyorkern, von da nach Paris und immer wieder an die Fronten, nur um endlich berühmt zu werden. Seinen Weg pflastern benutzte Männer, Frauen, Kinder, Leichen. Immer ist er Kontrahent und wechselt dazu wiederholt die Seiten. Der Autor dieser Romanbiographie windet sich zwischen Bewunderung und Ekel, zwischen seiner eigenen und der Biographie Limonows. Ein Klassewerk, spannend und lesenswert!

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Zusätzliche Informationen

Emmanuel Carrère wurde am 09. Dezember 1957 in Paris (Frankreich) geboren.

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