Emmanuel Carrère Ein russischer Roman

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Inhaltsangabe zu „Ein russischer Roman“ von Emmanuel Carrère

»Mein Leben war verfolgt von Wahnsinn und Horror. Die Bücher, die ich geschrieben hatte, sprachen von nichts anderem. Nach Der Widersacher konnte ich nicht mehr. Ich wollte diesem Zwang entkommen. Und ich dachte, ihm durch die Liebe zu einer Frau und durch Nachforschungen über meine Familie entkommen zu können. Die Nachforschungen drehten sich um meinen Großvater mütterlicherseits, der nach einem tragischen Leben 1944 verschwand und sehr wahrscheinlich als Kollaborateur erschossen wurde. Seine Geschichte ist das Geheimnis meiner Mutter, das Gespenst, das in unserer Familie spukt. Um dieses Gespenst zu bannen, ging ich riskante Wege. Sie führten mich in ein verlorenes russisches Provinzstädtchen, und ich blieb lange dort, auf der Lauer, dass irgendetwas geschehe. Und es geschah etwas: ein grausames Verbrechen. Wahnsinn und Horror holten mich wieder ein. Sie holten mich auch in meinem Privatleben ein. Ich hatte für die Frau, die ich liebte, eine erotische Geschichte geschrieben, die in die Wirklichkeit eingreifen sollte, doch die Wirklichkeit entzog sich meinen Plänen. Sie stürzte uns vielmehr in einen Albtraum, der den grausamsten in meinen Büchern glich und der unser Leben und unsere Liebe zerstörte. Denn darum dreht sich dieses Buch: um die Drehbücher, die wir ausarbeiten, um die Wirklichkeit zu zähmen, und um die fürchterliche Weise, mit der sich die Wirklichkeit dieser bemächtigt, um darauf zu antworten.«

Was ist dieser Text? Eine Spurensuche in der eigenen Geschichte, die sich literarisch kaum bestimmen lässt.

— miss_mesmerized
miss_mesmerized

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  • Emmanuel Carrère - Ein russischer Roman

    Ein russischer Roman
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    02. May 2017 um 21:04

    Vielleicht ist es der Satz „Wenn ich Russisch lernen oder wiedererlernen würde, hätte ich den Schlüssel zu einer entscheidenden Veränderung in der Hand“, der am besten zusammenfasst, worum es in Emmanuel Carrères Buch „Ein russischer Roman“ geht. Er sucht nach seinen russischen Wurzeln, nach der Geschichte des verschollenen Großvaters, der einst aus Georgien fliehen musste, in Deutschland studierte, in Frankreich landete und in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verschwand. Eine ähnliche Geschichte eines Ungarn lässt den französischen Autor und Filmemacher ins russische Kotelnisch reisen, wo er nach Spuren eines Jahrzehnte lang verschollenen Mannes und nach der Geschichte seiner eigenen Familie forscht. Mit der anderen Sprache, die er einst von seiner Mutter lernte, eröffnet sich ihm auch eine neue Welt und ein neuer Blickwinkel, vor allem auf seine Beziehung zu Sophie, die in einer ganz anderen Welt als er lebt. Carrère, Sohn von Hélène Carrère d’Encausse, Vorsitzender der Académie Française, Autorin, Intellektuelle und Förderin seiner künstlerischen Ader. Sophie, bürgerliches Mädchen mit bescheidenen beruflichen Zielen in einem Schulbuchverlag. Zwei Jahre im Leben eines Mannes, die vieles in Frage stellen und entscheidende Veränderungen bringen.Schon das Genre des Textes zu bestimmen scheint mir ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Es gibt keine Handlung, die zu einem Zeitpunkt x beginnt und an Tag y endet. Es gibt auch keinen einen Handlungsort, sondern wir bewegen uns immer wieder zwischen Frankreich und Russland hin und her und reisen auch in diesen Ländern. Und worum es eigentlich geht? Die Familiengeschichte? Die Geschichte des verschollen geglaubten Ungarn? Die Liebesbeziehung zwischen Emmanuel und Sophie? Ein Befreiungsschlag von den bösen Geistern der Vergangenheit, die Emmanuel und Hélène regelmäßig heimsuchen? Die Fragen können nicht abschließend beantwortet werden. Vielleicht fasst eine Art Tagebuch am besten zusammen. Wir haben unterschiedliche Ideen und Gedanken, die den Autor beschäftigen, allerdings gibt es auch Sprünge, die Chronologie wird immer wieder durchbrochen. Auf jeden Fall ist es sehr persönlich und vieles ist in der Tat real und nicht erfunden, von dem er berichtet, wie beispielsweise der öffentliche Brief an seine Partnerin, der wie im Buch geschildert am 22. Juli 2002 in der Zeitung „Le Monde“ veröffentlicht wurde.Definitorische Annäherung: der Larousse definiert den „Roman“ – immerhin im Titel des Wers genannt: „un récit en prose d'une certaine longueur, dont l'intérêt est dans la narration d'aventures, l'étude de mœurs ou de caractères, l'analyse de sentiments ou de passions, la représentation du réel ou de diverses données objectives et subjectives.“Prosatext von einer gewissen Länge – check. Erzählung eines Abenteuers – check. Studie der Sitten/Bräuche oder eines Charakters – check. Analyse von Gefühlen und Leidenschaften – check. Darstellung der Realität auf subjektive oder objektive Weise – check. Es ist wohl doch ein Roman, vielleicht sogar ein russischer, auf jeden Fall ein lesenswerter. Ich fand viele der angerissenen Themen für sich alleine spannend und hätte sich auch gerne stringenter verfolgt, aber gerade dieses Puzzlehafte, die Sprünge, zeichnen diesen Roman aus, in dem Carrère vieles verarbeitet und uns als Leser teilhaben lässt. 

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