Emmanuel Todd

 3.5 Sterne bei 36 Bewertungen
Autor von Weltmacht USA, Wer ist Charlie? und weiteren Büchern.

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Weltmacht USA

Weltmacht USA

 (25)
Erschienen am 01.03.2005
FREI!

FREI!

 (3)
Erschienen am 13.07.2011
Wer ist Charlie?

Wer ist Charlie?

 (4)
Erschienen am 06.11.2015
Traurige Moderne

Traurige Moderne

 (1)
Erschienen am 20.07.2018
Die neoliberale Illusion

Die neoliberale Illusion

 (0)
Erschienen am 01.04.1999
After the Empire

After the Empire

 (0)
Erschienen am 15.10.2006

Neue Rezensionen zu Emmanuel Todd

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Rezension zu "Traurige Moderne" von Emmanuel Todd

Spannend, aufschlussreich, großartig. Highlight dieses Lesesommers!
Wedmavor 4 Monaten

 Mit dem Buch habe ich einige erfüllte Stunden verbracht, viel Wissenswertes erfahren. Es gibt kaum einen wichtigen Aspekt, den Todd in seine Überlegungen nicht miteinbezogen hat. Die Ausführungen sind spannend, aufschlussreich, recht spektakulär und einfach großartig. Richtig gutes Futter fürs Hirn, daher empfehle ich das Buch sehr gern weiter.


Zum Autor laut Klappentext: „Emmanuel Todd, geboren 1951, einer der prominentesten und meistdiskutierten Soziologen Frankreichs. … Weltbekannt wurde er, als er 1976 in La chute finale den Zusammenbruch der Sowjetunion voraussagte. Seine Bücher … wurden zu Bestsellern.“


Schon in der Einführung, und oft genug im weiteren Verlauf, musste ich beim Lesen denken: Er ist wirklich gut! So unabhängig in seinem Denken, einer, der den Eliten nicht nach dem Munde redet, sondern eigene Meinung hat und diese prima zu vermitteln weiß. So messerscharf die Analysen. Echt stark! Er sieht die Dinge klar und nimmt kein Blatt vorm Mund, redet Tacheles, u.a. wenn es um Eliten und ihre Interessen geht, um die Arrangements, die diese mit der Arbeiterklasse treffen uvm. Dabei wurde in britisch-amerikanische, französische, deutsche, japanische Eliten unterschieden und ihr Verhalten basierend auf den unterliegenden Familienstrukturen erklärt.


Das Buch ließ sich insg. sehr gut lesen. Komplexe Zusammenhänge wurden verständlich, sehr zugänglich erklärt. Todd kommt sehr sympathisch rüber, auch weil er ohne Kunstgriffe auskommt, um sich beim Leser interessant zu machen. Das was er zu sagen hat, erzählt er ganz nüchtern. Und das reicht völlig aus. So fesselnd sind seine Inhalte, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Die Unterkapitel sind zudem kurz, was auch dazu verleitet, immer schön weiterzulesen.


Rund 500 Seiten sind in 18 Kapitel gegliedert, plus Vorwort der dt Ausgabe, plus „Anstoß“ und „Postskriptum“.


In der Einführung stellt Todd zunächst ein Modell vor, das in Anlehnung an Freud „Bewusstes, Unterbewusstes und Unbewusstes der Gesellschaften“ unterscheidet, was „eine geschichtliche Darstellung der menschlichen Gesellschaften und ihrer Veränderung“ möglich macht. S. 27. Weiter folgt u.a. die Familientypologie, die „reine Kernfamilie“, „Stammfamilie“, „exogame kommunitäre Familie“ usw. unterscheidet. Das wird man brauchen, um die späteren Ausführungen des Autors nachvollziehen zu können. Nach der Typologie kommt eine wohl begründete wie treffende Darstellung der Entwicklung der Menschheit aus anthropologischer und soziologischer Sicht von der Steinzeit bis heute. Einiges möchte ich besonders hervorheben.


Kapitel 12 „Das Hochschulwesen untergräbt die Demokratie“, in dem Todd u.a. darlegt: „Academia: Eine Maschine, die Ungleichheit produziert“. Hier spricht er auch vom „Wandel der Ideologie, Krise der Politik und Anstieg der materiellen Ungleichheit“ S. 307 ff., von der neoliberalen Revolution der 1980-ger Jahre, die sich still vollzog, aber ernste Folgen für alle hatte.


„Eine Krise in Schwarz und Weiß“, Kap. 13, ist auch sehr gut und erklärt die Ursachen der heutigen, gesellschaftlichen wie politischen, Situation in USA.


Zwischendurch gibt Todd einige interessante Lesetipps und zitiert spannende Absätze aus diesen Werken, z.B. S. 333 „Closing the Collaps Gap“ von D. Orlov.


Das Beste kommt aber zum Schluss. Die Analyse der heutigen Lage, darunter die Erklärung der Wahl Trumps, Kap. 14. Die letzten etwa hundert Seiten, im Kap. 17 „Die Metamorphose Europas“, insb. „Der Triumph der Ungleichheit in Europa“, „Das postdemokratische Europa – ganz normal“ und „Postskriptum. Die Krise der westlichen Demokratie“ sind besonders aufschlussreich und lesenswert.


Todd sagt u.a.: „Autorität und Ungleichheit sind jetzt die angemessenen Begriffe zur Beschreibung des europäischen Systems.“ S. 445 ff. Oder auch: „Das Votum der Völker in der Eurozone zählt nicht mehr. Griechen. Holländer und Franzosen können mit einem Referendum ablehnen, was sie wollen, ihr Votum wird wiederum von der politischen Führungssicht abgelehnt.“ S. 446 ff. Dass seine Ausführungen so manchen Politikern und anderen Märchenerzählern nicht passen wird, die die Menschen lieber fehlgeleitet wissen wollen, ist klar. Schon allein, dass er vom postdemokratischen Europa spricht, vor dem Hintergrund, dass er viel von der Ungleichheit, basierend auf Jahrhunderte lang gepflegten Familienstrukturen vorher geredet hat, lässt über den traurigen Zustand der Demokratie so einiges vernehmen. Todd sagt noch so vieles darüber, ganz unverblümt.


Spätestens hier wird klar, dass der Titel sehr gut ausgewählt und sehr treffend ist.


Was Todd im Kap. 18 über Gesellschaften mit kommunitärer Familie wie Russland und China sagt, erscheint auch sehr treffend: „Die im Russland des beginnenden 3. Jahrtausends vorherrschende autoritäre Demokratie ist wohl eher der Ausdruck einer politischen Mentalität des russischen Volkes als die Folge von Machenschaften eines Mannes und seiner Clique.“ S. 457. Oder auch: „Die russische Nation hat ihren inneren Frieden und ihre Sicherheit wiedergefunden und ganz sich auch menschliche Verhältnisse, die verlässlicher und angenehmer werden. Deshalb konnte ihr der Preisverfall beim Öl nichts anhaben, von dem die Schreibtischstrategen vergeblich erwarteten, das ‚System Putin‘ würde zusammenbrechen.“. S. 459.

 China kommt bei ihm insg. nicht so ganz gut weg, zudem sagt er: „Mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern wird China zu Beginn des 3. Jahrtausends zu einem der Brennpunkte von Instabilität in der Welt werden.“ S. 477.

Im Postskriptum gibt Todd eine Art Ausblick und spricht u.a. über die postdemokratische Zukunft.


Fazit: Warum also „Traurige Moderne“ von Emmanuel Todd lesen? Viele Gründe gibt es hierfür. Z.B. um diese spannende, klare, unverstellte Sicht der Dinge kennenzulernen. Seine Erklärungen des Zeitgeschehens, die unterliegenden Muster der heutigen Entwicklung in Politik und Gesellschaft sind so plausibel und treffend, dass man sie einfach kennen MUSS. Diese Inhalte sollten zur Allgemeinbildung zählen.  Das Buch gehört in jede gute Bibliothek. Schon allein all dies so klar und griffig, anhand von zahlreichen Tabellen, Grafiken, etc. präsentiert zu bekommen ist eine bereichernde und erfüllende Leseerfahrung.

5 wohl verdiente Sterne und unbedingte Lesepflicht.

P.S. Bemerkenswerte Stellen markiere ich oft mit gelben Klebezetteln. Die sehr wichtigen mit Magenta. Auf dem Foto sieht man, dass es in diesem Buch sehr viele von tollen Stellen gibt. Außerdem, dass die Einführung und die zweite Hälfte besonders wichtig und lesenswert sind.

Kommentare: 1
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TAndress avatar

Rezension zu "Wer ist Charlie?" von Emmanuel Todd

Schwer zu lesen und seltsame Thesen
TAndresvor 3 Jahren

Als ich das Buch gekauft habe, habe ich auf ein interessantes Buch gehofft, das mir einen guten Einblick in die französische Gesellschaft gibt. Leider bin ich komplett enttäuscht worden. Das Buch ist sehr schwer zu lesen, ich habe meistens nach wenigen Seiten Pause gemacht. Da mich aber die französische Geschichte und Politik interessiert, habe ich es trotzdem weiter gelesen. Nach 121 Seiten konnte ich aber nicht mehr und habe das Buch ins Regal gestellt. Vielleicht werde ich es irgendwann noch mal in die Hand nehmen.


Die Ansichten vom Autor finde ich auch etwas seltsam. Ich gehe ja immer ohne Vorurteile an die Bücher ran und achte nicht auf den Autor. Ab jetzt werde ich aber Emmanuel Todd meiden. Anstrengend fand ich es, dass gefühlt auf jeder Seite der Begriff "Zombie-Katholizismus" erwähnt wird. Der Begriff kommt wohl vom Autor und er hat wohl versucht, diesen so oft wie möglich zu schreiben. Auf die Dauer wird es aber mühsam, wenn der Autor auf einen Begriff fixiert ist.


So ganz habe ich auch die Ausführungen vom Autor nicht verstanden. Ist der Katholizismus tot? ist er schuld am Anschlag auf Charlie Hedbo? Sind die Moslems in Frankreich eine Minderheit, die unterdrückt wird und am Anschlag völlig unschuldig ist? Ist der Euro schuld? Der Autor schreibt meiner Meinung nach viel zu kompliziert und nicht einleuchtend. Man kommt mit ihm nicht mit.


Auf Seite 113 folgt dann die These, dass Russland Autorität mit Gleichheit kombiniert und das Putin eine Schwester der Gleichheit ist. Da sagt der Gino-Koeffizient etwas anderes aus. Russland hat von allen größeren Nationen die größte Ungleichheit und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst weiter. Russland mit Gleichheit zu kombinieren ist eine Verhöhnung der russischen Bevölkerung und ein Buckeln vor den Oligarchen. Da fragt man sich, warum für viele Linke Russland immer noch der Sehnsuchtsort und das Vorbild sind.


Und wenn dann der Autor wenig später schreibt, dass Einwanderer sich anpassen und die Werte der Herkunftsregion aufgeben, fragt man sich, in welcher Welt der Autor lebt. Hat er noch nie etwas von Parallelgesellschaften gehört? Gab es in Deutschland schon immer Friedensrichter, die außerhalb der staatlichen Gesetzgebung praktizieren? Da kann man nur den Kopf schütteln.


Diese zwei Punkte haben für mich das Fass zum Überlaufen gebracht und ich habe das Buch zur Seite gelegt. Ich werde mich nun wieder Joseph Stieglitz zu wenden, der deutlich angenehmer zu lesen ist.


Das Buch bekommt von mir einen Stern, da es das erste Buch seit langem ist, das ich abgebrochen habe.

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S

Rezension zu "Wer ist Charlie?" von Emmanuel Todd

Zu wenig oder zu viel
sKnaerzlevor 3 Jahren

Das Buch ist eigentlich ein Pamphlet. Todd macht seinem Herzen Luft. Er ärgert sich darüber, dass im Januar 2015 so viele Franzosen angeblich für die Meinungsfreiheit auf die Straße gingen, in Wahrheit aber auch, um ihren Hass und ihre Verachtung für den Islam auszudrücken. Das findet Todd seinerseits verächtlich, denn der Islam ist in Frankreich die Religion einer ausgegrenzten Minderheit.
Ich finde, das ist interessant, und wenn es provozierend ist und nur die eine Seite der Medaille - um so besser. Schließlich ist der Kopf rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

Aber Todd will auch wissenschaftlich sein, und da wird es ein bisschen abenteuerlich. Nicht dass er unrecht hätte. Wenn er etwa behauptet, dass Religionen, die verschwinden, gefährlich werden, dann kann durchaus etwas an der Sache sein. Aber er gibt sich nicht genug Raum, um die These ausreichend zu beweisen, und so bleibt das alles eher zweifelhaft. 


Dazu kommt, dass er mit Statistiken von Wahlen arbeitet, um die politische Haltung der Bevölkerung zu beschreiben. In Frankreich wird seit 1789 in geringen Abständen irgend eine Art von Parlament gewählt, so dass dies eine sehr genaue Methode ist, aber natürlich macht es die Lektüre schwierig.

Ich finde, Todd hätte sich entscheiden sollen, entweder ein kämpferischer politischer Essay oder ein wissenschaftlicher Aufsatz - so ist es nichts Halbes und nichts Ganzes.

Was trotzdem beeindruckt: Frankreich wird seine Integrationsprobleme wahrscheinlich relativ schnell lösen. In diesem Staat heiraten eingewanderte und eingesessene Personen sehr häufig.




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