Emmanuelle Bayamack-Tam Wenn mit meiner Unschuld nicht alles vor die Hunde ging

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Inhaltsangabe zu „Wenn mit meiner Unschuld nicht alles vor die Hunde ging“ von Emmanuelle Bayamack-Tam

Erster Akt der Revolte: sich den Anfang aneignen, die eigene Geburt. Wie? Lassen Sie sich überraschen! Zweiter Akt der Revolte: sich die Sprache aneignen, als was? Als Waffe gegen eine Welt von Egozentrikern, die ihre Kinder verwahrlosen lassen und die Bande der ach so heilen Familie nur umso enger um die Kehlen ihrer Sprösslinge knüpfen, als dass, 'unter uns', nichts, aber nun auch wirklich nichts, 'weiter schlimm' ist. Und so darf es quellen und gären und aufkeimen im Morast einer monströs normalen Familie: das uralte Grauen, das Ovid schon besang, als er in seinen 'Metamorphosen' Philomena gegen ihren Peiniger ausschreien ließ: „wenn nicht mit meiner Unschuld alles vor die Hunde ging!“, bevor dieser sie ihrer Zunge entledigt – Kimberley, einst Titelheldin eines Songs von Patti Smith, hier nun wutentbrannte Stimme einer Heranwachsenden, die einen Spiegel vor unsere Augen schleudert, dessen Kristallsplitter Baudelaire, Hugo, Rimbaud, Verlaine aufblitzen lassen, diese Kimberley, sie wird zur Kronzeugin einer Kraft, die gegen alle Wucht des Schicksals mit der Sprache in der Hand sich ihre eigene Identität schöpfen wird: Und wenn die fragilste Stelle des Menschen seine sexuelle Identität ist, so ist dieser grandios zornige Roman ein überwältigender Aufschrei des Lebens, der auch dort widerhallt, wo der Abgrund der 'unerträglichen Grausamkeit des Seins' aufklafft. Zum Beispiel: im von Geburt an gespaltenen Gesicht der Mutter, Vorsicht, die Oberfläche der Körper! All ihre Narben!

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