Emuna Elon

 3,9 Sterne bei 10 Bewertungen

Lebenslauf

Emuna Elon ist eine international gefeierte Schriftstellerin, Journalistin und Frauenaktivistin. Sie wurde 1955 in einer Familie prominenter Rabbiner und Gelehrter geboren und wuchs in Jerusalem und New York auf. Sie unterrichtet Judentum, Chassidismus und hebräische Literatur. Ihr erster Roman war Finalist des National Jewish Book Award.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Emuna Elon

Cover des Buches Das Haus auf dem Wasser (ISBN: 9783351038410)

Das Haus auf dem Wasser

(10)
Erschienen am 20.09.2021

Neue Rezensionen zu Emuna Elon

Cover des Buches Das Haus auf dem Wasser (ISBN: 9783351038410)
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Rezension zu "Das Haus auf dem Wasser" von Emuna Elon

Minijane
Ein erschütterndes unbedingt lesenswertes Buch im Buch

Der renommierte Schriftsteller Joel Blum entdeckt auf einer Lesereise in Amsterdam bei einem Museumsbesuch im Holocaustmuseum in einer Videoinstallation eine Szene, in der im Hintergrund eindeutig seine Mutter Sonia und seine Schwester Nettie zu sehen sind. Befremdlicherweise hält seine Mutter ein Baby im Arm, dass ihm selbst überhaupt nicht ähnelt.

Joel weiß, dass er in Amsterdam geboren wurde und seine Mutter mit den 2 Kindern dann nach Israel immigriert ist. Viel mehr weiß er allerdings nicht, da seine Mutter nicht bereit war über diese schreckliche Zeit zu sprechen.

Sie hat ihm auch zu Lebzeiten das Versprechen abgerungen niemals holländischen Boden zu betreten, doch jetzt ist sie verstorben, und so fühlt sich Joel nicht mehr verpflichtet die Niederlande weiter zu meiden.

Das Erlebnis im Museum lässt ihn allerdings so verstört zurück, dass er die Geschichte seiner Familie und vor allem seine eigene Kindheit recherchieren will. Er sammelt Material um daraus das Buch seines Lebens zu machen.


Der Roman hat mich sehr beeindruckt und berührt. Der Schreibstil ist ein ganz Besonderer. Die Autorin springt quasi fließend von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Das Ganze passiert nicht kapitelweise wie man denken sollte, sondern oft von einem Satz zum nächsten. Dabei merkt man deutlich, wie die Recherchearbeit von Joel in sein neues Buch-Projekt einfließt. Wir lesen ein Buch im Buch, dass sehr feinfühlig komponiert wurde und sich einer ausdrucksstarken literarischen Sprache bedient, die ich so gerne gelesen habe. Erstaunlicherweise gerät man aber nicht mit den Zeiten durcheinander.

Ein Roman, der den Holocaust zum Thema hat, ist natürlich erschütternd und man kann zu dem Thema noch so viel lesen und wird die Unmenschlichkeit dieser Zeit nie wirklich begreifen können. Für mich war es sehr interessant, dass der Schauplatz hier Holland war und ich kann nur wiederholen, dass auch die Art und Weise wie dieses Buch geschrieben wurde wirklich außergewöhnlich ist.


Auch wenn es bei mir etwas brauchte, bis ich in die Geschichte hineingekommen bin, kann ich das Buch nur empfehlen. Je weiter man mit der Lektüre fortschreitet, desto weniger kann man den Roman zur Seite legen. Ich habe Joel Blum sehr gerne bei seiner packenden Identitätssuche begleitet, konnte mit ihm mitfühlen und war ergriffen und erschüttert von seiner Geschichte. 

Cover des Buches Das Haus auf dem Wasser (ISBN: 9783351038410)
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Rezension zu "Das Haus auf dem Wasser" von Emuna Elon

dasbuchzuhause
Vergangenheitsbewältigung

Als ich „Das Haus auf dem Wasser“ entdeckt habe, hatte ich eine Geschichte über das Leben auf einem Hausboot in Amsterdam vermutet und nicht eine so komplexe Erzählung, die in die Zeit der deutschen Besatzung der Niederlande im zweiten Weltkrieg hineinreicht. Allerdings machte es das Buch für mich erst so richtig interessant und es kam mit nach Amsterdam, wo wir nicht weit weg vom Ort der Handlung des Buches ein Hotel gefunden hatten.


inhaltlich konnte mich Emuna Elon nach anfänglichen Schwierigkeiten, in denen ich den Verlauf der Geschichte ein wenig langatmig erzählt fand, dann packen. Denn das, was dem kleinen Joel und seiner Familie passiert ist, ist so vielen jüdischen Familien passiert und es gibt so viel Unerzähltes aus dieser Zeit. Eltern, die ihre Kinder von nichtjüdischen Familien verstecken ließen und sich nicht sicher sein konnten, ob sie sie jemals wiedersehen würden. Menschen, die darauf vertrauten, dass mit den niederländischen Juden nicht das passieren würde, was mit den Juden in Deutschland passierte. Ich musste sofort an Anne Frank und ihre Familie denken.


Die Autorin wechselt immer wieder die zeitliche Ebene. Mal ist sie mit Joel im Hier und Jetzt und dann wieder sind wir im Amsterdam zu der Zeit als Joel noch ein Baby war und wir erleben mit, wie das jüdische Leben eingeschränkt wird und das Unvermeidliche immer näher kommt. Die Angst der Mutter nach dem Vater auch noch die Kinder verlieren zu können, die immer schlimmer werdenden Einschränkungen, all das ist spürbar beim Lesen. Manchmal ist es so, dass Joel zwar in der Jetztzeit ist, aber es so verschwimmt, dass er in die Zeit seiner Mutter rutscht und dort weiter erzählt.


Allerdings dreht es sich nicht nur um die traurige Geschichte des Holocausts, sondern es gelingt der Autorin zum Schluss ein Ende zu finden, das vielversprechend ist, ein Romanende, das die Geschichte wohlwollend mit der Geschichte des Buches verbindet.

Cover des Buches Das Haus auf dem Wasser (ISBN: 9783351038410)
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Rezension zu "Das Haus auf dem Wasser" von Emuna Elon

Dreamworx
Unser Gedächtnis ist der wahre Sitz unseres Ich. (Benjamin Stein)

Der international erfolgreiche israelische Schriftsteller Joel Blum folgt der Einladung seines holländischen Verlegers und unternimmt mit seiner Frau Bat-Ami eine Reise nach Amsterdam. Bisher hat Joel es tunlichst vermieden, dorthin zu reisen, denn seine verstorbene Mutter Sonia hat ihm vor ihrem Tod das Versprechen abgenommen, die holländische Metropole nie mehr zu betreten, obwohl er dort geboren wurde. Kaum auf Amsterdamer Boden, stellt ihm ein Journalist sehr private Fragen über seine Herkunft und legt damit Joels Geheimnis frei. Joel entstammt einer alten Amsterdamer Familie, die während des Zweiten Weltkrieges nach Israel emigriert ist. Joel selbst kann sich an diese Zeit zwar nicht erinnern, da er selbst noch ein Kleinkind war und seine Mutter nie ein Wort über diese Zeit verloren hat. Seit er im Holocaust-Museum ein altes Foto seiner Familie gesehen hat, lassen die offenen Fragen Joel keine Ruhe, und kurz nach seiner Rückkehr nach Israel sitzt er erneut in einem Flieger nach Amsterdam, um Antworten auf seine Fragen zu finden…

Emuna Elon hat mit „Das Haus auf dem Wasser“ einen unterhaltsamen Roman vorgelegt, der sich mit der Vergangenheit und vor allem mit der Suche nach der eigenen Identität beschäftigt. Der flüssige, anspruchsvolle und einfühlsame Erzählstil gestattet dem Leser, Joel wie ein Schatten zu begleiten, um ihm bei seinen Erlebnissen und Recherchen in Bezug auf seine Herkunft über die Schulter zu sehen. Dabei liegt seine Gedanken- und Gefühlswelt allzeit offen. Über vier einzeln ausgearbeitete Notizhefte, die nicht nur Joels Eindrücke, sondern auch den Inhalt eines von ihm neu geschaffenen Romans darstellen sollen, erlebt der Leser nicht nur seine erste Reise nach Amsterdam und die für ihn überraschende Filmszene, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit über seine Familie und Mutter Sonia, die als Juden im Zweiten Weltkrieg schlimmsten Repressalien ausgesetzt waren, die sie ihre Rettung in der Flucht aus Europa suchen ließen. Mit unterschwellig steigender Spannung lässt die Autorin den Leser miterleben, wie Joel nach und nach das Geheimnis seiner Familie und vor allem seine eigene Herkunft aufdeckt. Die plastischen, bildhaften Beschreibungen des alten und neuen Amsterdams gewähren dem Leser sehr gute Eindrücke der Vergangenheit und der Gegenwart, während man Joel regelrecht dabei zusehen kann, wie er die lange verdrängten Erinnerungen endlich an die Oberfläche zieht und sich endlich den Wahrheiten stellt, die bisher zu schmerzhaft waren und er nicht wahrhaben bzw. sich eingestehen wollte.

Die Charaktere sind gut durchdacht gestaltet und werden durch ihre realistisch anmutenden menschlichen Ecken und Kanten für den Leser lebendig. Joel ist ein Mann älteren Jahrgangs, der sich nur aufgrund eines beruflichen Termins plötzlich mit Dingen konfrontiert sieht, die lange in ihm verschüttet waren. Die Erlebnisse in der Gegenwart sowie die alten Erinnerungen aus der Vergangenheit gepaart mit den Ergebnissen seiner Recherche lassen ihn mal zuversichtlich, hoffnungsvoll, aber dann auch verzweifelt, unsicher und verletzt wirken. Der Leser erlebt mit ihm ein Auf und Ab des gesamten Gefühlsbarometers, obwohl auch immer eine gewisse Distanz zu spüren ist.

„Das Haus am Wasser“ ist ein tiefgründiger und berührender Roman über ein tragisches Familiengeheimnis sowie die Aufarbeitung einer verlorenen Identität. Verdiente Leseempfehlung!

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