Ich habe die Fünf-Freunde-Geschichten schon unzählige Male als Hörspiele oder Verfilmungen erlebt, nun jedoch zum ersten Mal zu der Buchfassung gegriffen, und dabei den Sammelband mit meinen zwei Lieblingsabenteuern (geraten in Schwierigkeiten sowie helfen ihren Kameraden) gewählt.
Statt von Julian, Dick, Anne, George und Timmy, dem Hund, von Julius, Richard, Anne, Georg und Tim zu lesen, war gewöhnungsbedürftig, fiel mir nach einer Weile indes gar nicht mehr auf. Obzwar der Plot für mich wahrlich nicht neu war, wurde mir zudem zu keiner Minute langweilig beim Lesen. Ich fieberte gewissen Momenten entgegen, an anderen Stellen freuten mich Ausschmückungen, die bei den Adaptionen des Buchstoffs gestrichen wurden.
Sogleich fiel mir der viel gepriesene, viel kritisierte Enid-Blyton-Stil auf. Gänzlich nüchtern kommt er daher: Anstelle aussagekräftigerer Synonyme ist Vieles einfach „klein“ oder „groß“, und wer zu den bösen Männern gehört, ist anhand äußerer Merkmale oder Unfreundlichkeit augenblicks absehbar. Die Erzählweise ist eindeutig auf Kinder ausgerichtet, und doch funktioniert sie – ja, vielleicht ist es gerade die Einfachheit, was das Leseerlebnis so magisch macht, sowohl bezüglich des Schreibstils als auch der Ferien der Fünf Freunde. Ich meine, wer geht heutzutage noch in absoluter Abgeschiedenheit zelten und holt sich seine Lebensmittel von einem Bauernhof?
Bei „Im Zeltlager“ war Professor Krabbler ob seiner Verpeiltheit gewissermaßen ein Running-Gag, was ich in der Fernsehserie nie so wahrgenommen habe. Dafür gefiel mir die Enthüllung des eigentlich gar nicht zugemauerten Tunnels darin besser und der über die „Geisterzüge“ wachende Holzbein-Samuel war anschaulicher. Enid Blyton beschrieb das Hochmoor knapp, trotzdem hatte ich unmittelbar ein Bild vor Augen. Wie Hans von den Fünf Freunden und Jockel verspottet wurden, bloß weil er ein „Muttersöhnchen“ war, fand ich gemein.
In „Geraten in Schwierigkeiten“ wurde zu Beginn Bezug auf das vorherige Abenteuer mit Professor Krabbler genommen – ein nettes Detail, wie ich finde. Außerdem altern die Fünf Freunde in den Büchern tatsächlich, Julian ist hier schon sechzehn!
Weil dieses Abenteuer 2013 in Abwandlung als zweiter Teil der Fünf-Freunde-Filmreihe veröffentlicht wurde, habe ich es, sieht man von der ersten Geschichte um die Felseninsel ab, wohl in den meisten Variationen kennengelernt, und ich mag es noch immer gern. Für mich hat es jedoch nie zu ihrem Charakter gepasst, dass Anne freiwillig auf einen Baum geklettert war, um die Umgebung zu überblicken, als Männer aus dem Unterholz stürmten und Dick im Glauben, er wäre Hardy, entführten. Im Film (und ich glaube auch, einer der Serien?) durfte Dick eine Runde mit Hardys teurem Quad (beziehungsweise in der Serie Bike) drehen, weshalb er verwechselt wurde, was ich plausibler finde, aber bei den Fünf Freunden haben die Erwachsenen ja ohnehin Probleme, Kinder auseinanderzuhalten.
So auch bei „Helfen ihren Kameraden“, was immer meine Lieblingsgeschichte war. Dort befreit die wilde Jo George und gibt sich darauf selbst für sie aus – denn beide haben ein „jungenhaftes“ Äußeres.
Beim Lesen stach das Abenteuer für mich weniger stark heraus; es wurde sehr von dem Insel-Setting der 1978er-Serie sowie den Schauspielern von Rotturm und dem kleinwüchsigen Markhoff getragen. Müsste ich mich entscheiden, wäre mein Favorit in diesem Band zu meiner Überraschung vermutlich die erste Geschichte.
Am Ende wurden die Kinder von Markhoff in einer Höhle eingesperrt, wo ihr einziger Ausweg das Meer war. Da Rotturms Helfershelfer wissen musste, seinen Auftrag, ihren Kahn zu zerstören, wegen der Tatsache, diesen nicht gefunden zu haben, zu erledigen versäumt hatte, ergab dies wenig Sinn.
Fazit: „Fünf Freunde: Die besten Abenteuer“ war für mich der Anfang meines Vorhabens, alle der einundzwanzig Abenteuer um Julian, Dick, Anne, George und Timmy, den Hund, zu lesen, und ich habe jede Minute genossen. Die Illustrationen waren ebenfalls nett, bildeten die beschriebene Szene mitunter indes nicht akkurat ab.
Noch eine kleine Anmerkung: Auf Seite 51 steht „sagte er alte Mann“ statt „sagte der alte Mann“, auf Seite 141 „Ich sah ihr, dass ich zu euch gehe“ statt „Ich sag ihr, dass ich zu euch gehe“, auf Seite 235 „Doch, was war schon drauf“ statt „Doch, das war schon drauf“, auf Seite 321 „Würde sich das Tür für sie öffnen?“ statt „Würde sich das Tor für sie öffnen?“, auf Seite 391 „Zwei Personen ging langsam den Strand entlang“ statt „Zwei Personen gingen langsam den Strand entlang“, auf Seite 408 „Pfaumenkernspucken“ statt „Pflaumenkernspucken“, auf Seite 418 fehlt das Fragezeichen bei „War das ein Seufzer“ und auf Seite 505 steht „Die beiden Junge beobachten ihn schweigend“ statt „Die beiden Jungen beobachteten ihn schweigend“. Zudem ist mit aufgefallen, dass ganz am Ende (auf Seite 546 bei „Die hier klopften einander überglücklich auf die Schultern und vollführten einen wahren Freudentanz um das Boot“ sowie auf Seite 547 bei „Die vier Kinder saßen im Boot, bereit, aus der Bucht zu rudern“) nur von vier Kindern gesprochen wird, obwohl es mit Jo fünf sein müssten. Ob dies ein Übersetzungsfehler ist oder ob eine Person einfach unbeteiligt am Rand gedacht ist, weiß ich nicht.