Neue Rezensionen zu Enno Hansing

Neu
Daphne1962s avatar

Rezension zu "Hier liegen meine Gebeine, ich wollt' es wären Deine" von Enno Hansing

Rezension zu "Hier liegen meine Gebeine, ich wollt' es wären Deine" von Enno Hansing
Daphne1962vor 7 Jahren

Wer gerne mal was außergewöhnliches lesen möchte, der ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Oder wer gerne mal über Friedhöfe spaziert sowieso. Es gibt tolle Friedhöfe, die zum Spaziergehen einladen, wo wunderschöne Gräber sind mit riesigen Engeln oder man auf den Spuren von Prominenten wandeln kann. Enno Hansing hat sich den Grabinschriften gewidmet. Es gibt sehr viele, sehr interessante, sehr originelle, auch sehr boshafte und auch lustige. Ein Beispiel Grabinschrift einer Zänkerin: Hier lieget, und Gott sei's gedanket, Ein Weib, das Tag und Nacht gezanket, O tretet nicht hart, liebe Leut, Ihr weckt sonst einen neuen Streit.

Es macht Spaß der Phantasie der Menschen zu folgen und die Idee für dieses Buch hat mir gut gefallen. Sogar Papst Johannes Paul II hatte an diesem Buch seine Freude.

Kommentieren0
15
Teilen
metalmels avatar

Rezension zu "Hier liegen meine Gebeine, ich wollt' es wären Deine" von Enno Hansing

Rezension zu "Hier liegen meine Gebeine, ich wollt' es wären Deine" von Enno Hansing
metalmelvor 11 Jahren

Ein Buch über Grabinschriften – gesammelt von einem älteren Herrn namens Enno Hansing. Warum macht der das? Hat er nichts besseres zu tun? Nein, hat er nicht, denn er betreibt schon seit Jahren Familienforschung. Dazu besucht er Friedhöfe, um Namensvettern aufzutreiben. So findet er Familiengeschichte, Hauswappen, Sinnsprüche und noch vieles mehr. Unter anderem nämlich Grabinschriften. Diese hat er jahrelang gesammelt und in einem Buch veröffentlicht.
Nicht, dass ihr jetzt glaubt, das sei ein witziges Buch, nein, nein, denn wie er im Vorwort schreibt: „Bewusst wurden nicht nur heitere und witzige, sondern auch ernste Sprüche, Mahnungen und Gebetsaufforderungen in dieses Buch aufgenommen, um dem Leser und der Leserin besinnliche Stunden zu bieten.“ Und jetzt? Ich weiß das Buch überhaupt nicht einzuordnen. Ist es makaber, morbide, überflüssig, witzig oder sogar genial? Vermutlich eine Mischung von all dem.
So geht es dann auch sofort los mit den Sprüchen. Sie folgen keiner besonderen Regel, sie purzeln einfach durcheinander. Doch gleich auf der ersten Seite gefällt mir einer, der an einer Brücke steht:
Bruckle gonga
Bruckle brocha
Obigfolla
Und dersoffa.

Oder dieser hier:
Hier ruht die Asche von James Robinson und seiner Frau
Ihr dreißigjähriger Krieg ist beendet.

Was ist da nur passiert? Haben die sich gegenseitig umgebracht vor lauter Wut aufeinander? Und dann müssen sie auch noch zusammen im Grab liegen...
Überhaupt gibt es einige Grabinschriften über Ehepaare, die wahrhaftig froh sind, dass sie nun endlich Ruhe voreinander haben. Ich hab’s ja immer gewusst: niemals heiraten!
In München widmete ein Mann seiner verstorbenen Frau beispielsweise folgende Worte:
Tränen können sie nicht mehr lebendig machen;
Darum weine ich.

Zu diesem Arzt möchte ich auch nicht gegangen sein:
Hier ruht der liebe Arzt, Herr Frumm
Und die er heilte rings herum.

Marterl Inschriften sind auch immer ein Quell der Freude. Als Kind hab ich sie gern gelesen, wenn ich schon langweilig mit der ganzen Verwandtschaft spazieren gehen musste, dann gab es da wenigstens ein bisschen was zu entdecken. Zum Beispiel so was:
Hier ruhen unter Schnee und Eis
A toter Bayer und a Preiß.
Bet für den Bayer, Wandersmann,
der Preiß, der geht dich gar nix an.
Doch wenn du betest, bete leis,
sonst wacht er wieder auf, der Preiß.

Manchmal steht auch rechter Unsinn geschrieben:
Hier starb Maria Weigl,
Mutter und Näherin von zwei Kindern.

Na so was?!
Wieder andere finden es eine Zumutung, dass sie schon sterben mussten und alle anderen noch am Leben sind, deshalb stehen auf deren Gräbern solche Dinge wie:
Du stehst noch hier
Und ich bin hin.
Bald bist du dort,
wo ich schon bin.

Oder:
Hier liegen meine Gebeine,
ich wollt’ es wären Deine.

Und:
Sehr ungleich geht’s auf Erden zu
Ich heut, der gestern, morgen du.

Ab und an findet man auch wirklich Seltsames:
Allzufrüh den Seinigen mähte der Herr
Den Lebensstengel dieses Mannes ab.

Was kann es bedeuten? Zweierlei vermute ich mal.
Nun habe ich nachgedacht, was einmal auf meinem Stein stehen soll. Natürlich habe ich vor noch recht lange zu leben und wer weiß, was dann einmal tatsächlich auf dem Stein geschrieben steht, doch momentan, da wäre mein Favorit:
Ich sollte eigentlich gar nicht hier sein.

Kommentieren0
15
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 8 Bibliotheken

auf 1 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks