Lucca geriet während des Dritten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft und wurde nach Nordarmerika gebracht. Dort wird er zum Sklaven erklärt und verbringt die nächsten fünf Jahre bei einem Händler, der ihn foltert und alles tut, um seinen Willen zu brechen. Doch Lucca hält durch, so sehr Hunger und Schmerz und ständige Vergewaltigungen ihm auch zusetzen.
Leon ist ein angesehener Arzt mit Frau und Kindern. Er lebt in Nordamerika und hat ein Hobby, das er vor Frau und Kindern verbirgt: Er hält sich selbst Sklaven, besser Lustsklaven, in einem geheimen Anwesen. Als er seinem letztem Kauf schnell überdrüssig wird fährt er zum Händler seines Vertrauens, um sich ein neues "Spielzeug" zu besorgen. Dort trifft er auf Lucca und weiß, er muss diesen Sklaven besitzen!
Diesen Roman harmlos als Dark Romance zu bezeichnen ist vielleicht ein bisschen augenzwinkernd gemeint. In der Realität hält man eine düstere Erotica in den Händen, mit einigen Fetischen, die vielleicht nicht jedem gefallen. Wer keine MM-Romance mag, der wird hier vermutlich auch nicht fündig werden. Wer sich dagegen darauf einlässt ...
Ich muss sagen, anfangs (über die ersten ein, zwei Seiten) stolperte ich etwas über die Erzählzeit im Präsenz, so wie ich es meistens tue. Danach aber hatte ich mich daran gewöhnt und genoss, was ich las. Um ganz genau zu sein, ich wiederhole, hier werden einige Fetische bedient und gerade zu Beginn kommt es zu Folterszenen, die Leser triggern könnten. Dankenswerter Weise hat Schnitzer selbst genug Größe gezeigt, Triggerwarnungen auf die Titelseite zu stellen.
Dieser Roman ist nichts für ein unter 18 Publikum, wirklich nicht. Man ist dabei und steckt in Luccas Kopf, während ihm wirklich widerliche Dinge widerfahren. Das ist nichts für für Jugendliche, und das meine ich ernst. Ich weiß, wie viele Teenager Dark Romance-Bücher suchten. Dieses gehört nicht dazu, es sei denn, sie wollen über Folterkammern und Analplugs lesen.
Lucca wird von Leon gekauft und in dessen Anwesen am See gebracht. Dort soll der Ex-Soldat die Rolle eines Saphirs übernehmen und seinem Herrn das Leben ein bisschen schwerer machen. Nun, Lucca macht seine Sache von Anfang an sehr gut, so gut, dass der geneigte Leser am Ende noch in den Genuss der Strafe kommt, die er für seinen Widerstand erhält.
Schnitzers Schreibe lässt sich gut und einfach weglesen. Zwischen all den Smut-Szenen ist noch Platz für eine interessante Handlung. Diese ist vor allem fokussiert auf Lucca und Leon, den beiden Hauptprotagonisten der Reihe. Doch in diesem Haus leben noch andere Männer oder Jungen (denn Leon mag seine Sklaven in der Regel jung). Deren Schicksale werden angedeutet oder in knappen Sätzen beschrieben, ohne dass in weitere Tiefe eingegangen wird. Jedoch erklärte mir Schnitzer, dass der Fokus nicht ausschließlich auf Lucca und Leon bleiben wird im Verlauf der Reihe.
Was mich vor allen Dingen mitgerissen hat waren Luccas Reaktionen. Er war fünf Jahre lang in seiner persönlichen Hölle, nun gibt es vieles, was er zwar erinnert, sich aber weiter entwickelt hat. Er ist fasziniert von der PlayStation9, und als er ein Tablet in die Hand bekommt, versucht er sofort Kontakt zu seinem Bruder aufzunehmen. Dabei hat er im Haus nicht den leichtesten Stand, der "Haremsvater" Diamant ist er ein Dorn im Auge.
Hier kommen wir zur Meisterschaft Schnitzers. Nicht nur berichtet er ungeschönt die Vergewaltigungsszene aus Luccas Sicht, nein, er zeichnet danach den Charakter so genau wieder, dass ich mich selbst in ihm wiederfand. Wie ich schon so oft geschrieben und gesagt habe: Niemand geht aus einer Vergewaltigung ohne Wunden hervor. Manche sind gut darin, es zu kaschieren, so wie Lucca hier, doch in einem drin, da tobt ein Sturm aus Angst, Schuld und Zorn. Das hat Schnitzer hier wirklich hervorragend beschrieben und allein dafür verdient er bereits eine volle Sternezahl über alle Plattformen hinweg.
Ich persönlich fühlte mich sehr gut unterhalten und konnte den Roman kaum aus den Händen legen. Ich freue mich bereits darauf, die Folgebände lesen zu können und kann dieses Buch wirklich einem aufgeschlossenen und erwachsenen Publikum ans Herz legen.