Eoin McNamee Belfaster Auferstehung

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Inhaltsangabe zu „Belfaster Auferstehung“ von Eoin McNamee

In der vom Bürgerkrieg verseuchten Stadt Belfast wird in einer Seitenstraße ein verstümmeltes Mordopfer gefunden. Zwei Journalisten, Ryan und Coppinger, sehen darin Elemente eines Rituals, eine neue Qualität der Gewalt, die sie auf die Spur von Victor Kelly führt.§Ein Roman über eine wahre Geschichte, die Topographie des Terrors, über die Welt der Gewalt und die Gewalt der Welt.

Der Nordire McNamee erklärt mit dem Gleichnis vom politisch mißbrauchten Serienmörder Victor, warum seine Heimat keinen Frieden findet.

— derlorenz

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    Belfaster Auferstehung

    derlorenz

    Uns Nachrichtenguckern ist Nordirland auf verstörende und irrationale Weise vertraut. Auf dem Bildschirm erscheinen regelmäßig enthusiastische Jugendliche, die Molotow-Cocktailpartys zelebrieren, oder Geistliche, die eine Eiserne Faust anrufen. Seit längerem verlegen sich selbst ausgewiesene Nordirland-Spezialisten auf das Beschreiben, weil ihre Erklärungen versagen.    Auch Eoin McNamee, der als Nord-Ire und gründlicher Beobachter sicher schon oft um Analysen gebeten wurde, entwirrt in seinem neuen Roman BELFASTER AUFERSTEHUNG nicht das Chaos. Dem Autor ist an endgültigen Antworten nichts gelegen, obwohl er tief in das politische Unterholz des Konfliktes eindringt. McNamee führt statt dessen vor Augen, wie eine "Spirale der Gewalt" von nahem aussieht und was sie in Bewegung hält.    Sein Belfast ist ein dunkler Ort, dessen Bewohner hoffnungslos in abgezirkelten Bereichen verharren. In den Pubs der protestantischen Nachbarschaft trinkt Mann auf das Wohl Ulsters. Hier wird Nachwuchs für patriotische Kommandos rekrutiert, während Journalisten sich an der Bar mit Alkohol betäuben. Ihre Zeitungen sind nur an blutigen Symbolen interessiert, die Politikern und Polizisten zeigen, wie wenig sie das Geschehen kontrollieren.    Es ist ganz klar, daß die Feinschaft zwischen Protestanten und Katholiken eine Grundlage von Macht ist. Hin und wieder werden aus dem Halbschatten Lokalrunden spendiert oder Anweisungen gegeben, denen niemand widerspricht. Doch Verschwörungstheorien würden der komplexen Situation nicht gerecht werden, so daß McNamee auch keine geheime Kommandozentrale vorführt.    Vielmehr konstruieren die knappen Sätze des Autors eine verhängnisvoll alltägliche Logik. In Belfast herrschen Angst und Schrecken, aber Unordnung herrscht hier nicht. Sogar die Schreie der Opfer gehören zum Arrangement, solange die Rituale eingehalten werden. Nur Victor, der eigentlich das Zeug zum eiskalten Aufsteiger hätte, tanzt aus der Reihe.    Victor mit dem verdächtigen Katholennamen Kelly ist leider, leider ein psychopathischer Serienmörder. Dabei paßten seine sorgfältig inszenierten Morde anfänglich so gut ins Terrorregime. Doch seine Opfer - wahllos ausgewählte Passanten, die als "Auferstehungsmänner" hergerichtet werden - verbreiten zuviel Unruhe.    Ein bißchen Panik unter der katholischen Bevölkerung kann den loyalistischen Hintermännern nur recht sein, aber es soll doch alles unter Kontrolle bleiben. Und dieser Victor, der in den Pubs als Held des Widerstandes verehrt wird, beginnt unberechenbar Amok zu laufen. Er muß aus dem Weg geräumt werden, ohne daß seine Aura Schaden nimmt.    McNamee war so klug, die Handlung nicht geradlinig wie einen amerikanischen Thriller voranzutreiben. Er hat Platz geschaffen für traurige Gestalten, für Mehrdeutigkeiten und scharfkantige Poesie. Seine Worte können surreale Gestalt annehmen, ohne daß die Sätze das Geschehen im Stich lassen.    Im Ergebnis fügt sich ein Bild, das über Belfast und Nordirland, über religiöse Fanatiker und Separatisten hinausweist. Wir erfahren nicht allzu viel über konkrete Hintergründe des schwelenden Fernsehkonfliktes. Doch die Frage, warum manche Regionen der Welt keinen Frieden finden, wird auf schockierend überzeugende Weise beantwortet.

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