Eoin McNamee Blau ist die Nacht

(6)

Lovelybooks Bewertung

  • 6 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 1 Leser
  • 5 Rezensionen
(3)
(3)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Blau ist die Nacht“ von Eoin McNamee

Das Böse hat viele Gesichter

April 1949. Eine Frau wurde ermordet. Der Attorney General, Richter Lance Curran, will den Fall haben und den Angeklagten hängen sehen. Aber es gibt andere einflussreiche Leute, die den Casus anders bewerten, trotz scheinbar zweifelsfreier Beweislage. Curran kämpft gegen diese Kräfte und gegen sein eigenes Gewissen, zugleich werden häusliche Herausforderungen zunehmend zum Problem: seine psychisch labile Ehefrau, die ungebärdige heranwachsende Tochter, die Jahre später selbst einem Mord zum Opfer fallen wird, dessen Hintergründe nie ganz aufgeklärt wurden.
Ein wahrer Fall und ein faszinierend-abgründiger Roman aus Nord-Irland, in dem der Clash zwischen den irisch-nationalistischen Katholiken und den der britischen Krone verbundenen Protestanten schon mit Händen zu greifen ist.

Faszinierender Roman, der Fakten und Fiktion über zwei nordirische Kriminalfälle vermischt.

— Gulan

Eine düstere Kriminalgeschichte mit Sogwirkung - kaum aus der Hand zu legen.

— SitataTirulala

Ehrlicher könnte eine Kriminalgeschichte nicht sein. Ein wahres Fundament, eine Tragödie der leisen Töne, die laut hallen.

— Floh

Stöbern in Romane

Leere Herzen

Juli Zeh hat mich enttäuscht. Furchtbarer Schreibstil, obwohl ich das bei Frau Zeh sonst immer genossen habe.

Golondrina

Die Tiefe

Einige Perlen von Geschichten <3

ClaraOswald

All die Jahre

All die Jahre - irisch-amerikanische Familiengeschichte

sternenstaubhh

Lied der Weite

Das ruhige Lied der amerikanischen Weite

sternenstaubhh

Olga

Großartige, berührende, überraschende und stilistisch ausgereifte Lebensgeschichte einer emanzipierten Frau.

krimielse

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

Meine Erwartungen wurden voll erfüllt. Ein Buch voller Liebe!!! Liebe zur Musik, Liebe zu einer Frau, Liebe zu einer Gemeinschaft!!!

Jeco01

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Mörder mit Milchbart

    Blau ist die Nacht

    HarIequin

    17. April 2017 um 13:39

    Ein Wort um „Blau ist die Nacht“ zu beschreiben: Verwirrung. Pure Verwirrung. Zugegeben ist es wohl zum Teil auch mein Fehler, da der Roman der 3. Teil der „The Blue Trilogy“ ist und ich die beiden Vorgänger noch nicht gelesen habe. Die Reihe behandelt reale Mordfälle aus Irland, die entweder ungelöst blieben oder bei denen es juristische Fehler gab. Was zur Verwirrung beiträgt ist die Tatsache, dass es reale Fälle sind und sie somit nicht unbedingt logisch erscheinen, wie es beispielsweise bei fiktiven Thrillern der Fall wäre. Das Buch basiert zwar auf wahren Ereignissen, liest sich aber wie ein Roman oder ein Krimi. Hier geht es konkret um die Familie Curran und ihre Verwicklung in 2 Mordfälle. Der erste Mord geschah an der Katholikin Mary McGowan, die von Robert Taylor erstochen wurde. Obwohl sie ihn vor ihrem Tod noch identifizierte und es eindeutige Beweise gegen ihn gab, wurde er nie verurteilt. Richter bei diesem Prozess ist Lance Curran, der mit seiner Strafforderung an der Jury scheitert. Einige Jahre später wird seine Tochter Patricia Curran tot aufgefunden und ein Unschuldiger dafür verurteilt. Durch das Buch führt Ferguson, der Assistent von Lance Curran. Der erste Mordfall scheint sehr klar, der zweite ist allerdings sehr verworren: „Taylor hatte er nie mit dem Mord in Verbindung gebracht. Nie war ihm in den Sinn gekommen, dass Taylor oder ein anderer Mann, den er nicht kannte, irgendein Feind von Curran, sich zwischen den Bäumen versteckt und Patricia aufgelauert haben könnte. Jetzt schien es so wahrscheinlich wie alles andere auch. Taylor. Doris. Cutbush. Curran.“ (S. 264) Viele Tatverdächtige, viele Motive und doch kein Ergebnis. Sowohl die Familie Curran (v.a. Mutter Doris) wird verdächtigt, zum anderen wird einem auf den letzten Seiten nochmal ein neuer Tatverdächtiger präsentiert. Zwischendurch wird übrigens auch noch „Jack the Ripper“ hineingeworfen, um die Verwirrung komplett zu machen. Alles in allem sind beide Mordfälle einfach unbefriedigend, da sie zu keiner Auflösung kommen. Da sie real sind, kann ich dies natürlich nicht negativ bewerten, man sollte sich auf ein sehr frustrierendes Lese-Gefühl einstellen. Auch war mir nicht immer klar, was Fiktion des Autors ist und was der Realität entspricht. Das einzige Manko für mich war der teilweise anstrengende Schreibstil und die ständigen Zeitsprünge (manchmal nicht einmal mit Jahreszahl gekennzeichnet). Zudem gibt es sehr viele Personen auf  wenig Seiten, dass ich schnell durcheinanderkam (aber wie angemerkt: ich kenne die Vorgänger nicht). Sprachlich hält der Autor sich eher nüchtern und sachlich. Alles in allem hat mich „Blau ist die Nacht“ doch schnell in seinen Bann gezogen und ich habe vermutlich noch länger daran zu nagen. Auβerdem schafft McNamee es, eine ganze Bandbreite von Emotionen zu wecken (wenn auch eher negative). Man bleibt mit einem Gefühl von Unzufriedenheit zurück und das ist auch schon der Geniestreich: die Authentizität und Realität der realen Ermittler und aller Beteiligten. Die beiden Vorgänger werde ich mir schnellstmöglich besorgen, denn McNamee hat mich wirklich gepackt.

    Mehr
  • Der ungelöste Mord an Patricia Curran

    Blau ist die Nacht

    SitataTirulala

    26. October 2016 um 06:39

    "Nimm es, wie du willst, Harry. In dieser Angelegenheit hat sowieso der Pöbel das Sagen. Der Pöbel hat immer das Sagen." "Richter und Geschworene etwa nicht?" "Du bist ja ein richtiger Komiker, Harry. Wusste ich gar nicht. Dein Sinn für Humor ist mir bis jetzt entgangen." Im Belfast der späten vierziger Jahre wird eine Katholikin brutal überfallen. Bevor sie ihren schweren Verletzungen erliegt, kann sie den Täter identifizieren: ein Protestant. Für Richter und Anwälte scheint klar zu sein, dass es in dem brodelnden Pulverfass, das Belfast zu jener Zeit ist, höchstens zu einem Schauprozess kommen wird. Doch für Staatsanwalt Lance Curran ein Mord ein Mord. Selten ist die Beweislage so eindeutig und er sieht nicht ein einen solchen für politisches Kalkül ungesühnt zu lassen. Damit bringt er viele Menschen, auch hohe Tiere, gegen sich auf. Jahre später wird seine Tochter Patricia ermordet. Zwar wird für diesen Mord jemand verurteilt, doch Harry Ferguson, seinerzeit Currans rechte Hand, glaubt, dass mehr dahinter steckt und rollt Jahre nach Patricias Tod alles noch einmal auf. Eigentlich dachte ich, es ginge in diesem Buch primär um die Geschichte der Ermordung Patricia Currans, eine schreckliche Bluttat, die sich 1952 tatsächlich ereignet hat. Ian Hay Gordon wurde dafür verantwortlich gemacht und verurteilt, allerdings wurde sein Urteil Jahrzehnte später aufgehoben. Somit gilt der Fall Patricia Curran noch immer als ungelöst. Ungelöst bedeutet aber nicht, dass es nicht die wildesten Spekulationen gibt, bis zum heutigen Tag. Ungereimtheiten im Hinblick auf den Fund der Leiche und das Verhalten ihrer Familie haben Stimmen laut werden lassen, die mutmaßen es wäre ihre eigene Mutter gewesen, deren schwierige Beziehung zu Patricia ein offenes Geheimnis war. Wieder andere vermuten, dass es ein politischer Gegner ihres Vaters gewesen sein könnte, oder aber jemand, den Lancelot Curran ins Gefängnis gebracht hat. Eoin McNamee hat sich dieses ungelösten Falles angenommen und ihn und all diese wilden Vermutungen in "Blau ist die Nacht" aufbereitet. Hierfür hat es aber nicht gereicht, dass er bloß Patricias Geschichte erzählt hat. McNamee fängt Jahre vor ihrer Ermordung an und zwar mit dem oben bereits erwähnten Prozess gegen den Mörder von Mary McGowan, mit dem Lance Curran sich ebenso viele Feinde gemacht wie er Bewunderer gewonnen hat. Zentrale Figur dieser Aufarbeitung der vergangenen Ereignisse ist Harry Ferguson, der zum Zeitpunkt des McGowan-Falls Currans rechte Hand war und auch Patricia nahe stand. Jahre danach lässt ihn ihr Tod noch immer nicht los und er versucht noch einmal alle Puzzleteilchen zusammen zu suchen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Natürlich ist McNamees Lösung des Ganzen ähnlich allen Geschichten, die uns den wahren Jack the Ripper präsentieren wollen - nichts weiter als Spekulation. Aber McNamee hat ja auch einen Roman geschrieben und keinen Tatsachenbericht. Nach einem etwas verwirrenden Anfang habe ich schnell in die Geschichte hinein gefunden, nach und nach fügten sich die losen Enden zu einem Ganzen zusammen. Der Schreibstil, der mit wenigen Worten viel rüberzubringen weiß, hat mir sehr gut gefallen und passte perfekt in diese düstere, politisch-religiös wie emotional aufgeladene Geschichte. "Blau ist die Nacht" hat mich als Urlaubslektüre nach Schottland begleitet und war trotz der atemberaubenden Landschaft draußen binnen weniger Tage regelrecht verschlungen. Ein kleines Manko bildete für mich der Einstieg in die Geschichte, der mich völlig verwirrt hat, aber das Gesamtbild ist trotzdem ein überaus positives. Deshalb gibt es von mir vier Blümchen.

    Mehr
  • Abgründe in Nordirland.

    Blau ist die Nacht

    Gulan

    27. September 2016 um 17:45

    Wo war das Blut gewesen? Siebenunddreißig Messerstiche. Es hätte auch im Wagen sein müssen, auf ihrer Kleidung, aber als Ferguson frühmorgens zum Tatort kam, war nirgends Blut. […] Die Currans und ihre Taschenspielertricks. Gegenstände und Menschen tauchten auf und verschwanden. Patricias Juliet-Kappe, ihre Mappe und ihre Bücher am Rand der Zufahrt zwischen den Bäumen. Die Liste mit den Telefonverbindungen jener Nacht wie vom Erdboden verschluckt. Patricia tot. Gordon und Doris hinter Schloss und Riegel. Eine Darbietung wie im Varieté. Schwerer Vorhang, Drehbühne und Curran als zylindertragender Conférencier. (S. 176-177) Nordirland 1949: In Belfast beginnt der Prozess gegen den Frauenmörder Robert Taylor. Ankläger ist Generalstaatsanwalt Lancelot Curran, der unbedingt ein Todesurteil erreichen will. Auf der Tribüne sitzt sein Adlatus Harry Ferguson, den allerdings anderes umtreibt, denn eine Verurteilung Taylors könnte die unruhige Lage in Nordirland verschärfen. Ferguson wird zudem abgelenkt von Currans 16jähriger koketter Tochter Patricia, die neben ihm den Prozess verfolgt und dafür die Schule schwänzt. Drei Jahre später wird Patricia Curran mit 37 Messerstichen ermordet auf der Einfahrt zum elterlichen Landsitz „The Glen“ aufgefunden. Die Ermittlungen verlaufen dubios, als Täter wird Iain Hay Gordon verurteilt, offensichtlich ein Sündenbock. Harry Ferguson lässt der Tod Patricias nicht los und er forscht zehn Jahre später immer noch nach dem wahren Mörder. Nordirland habe ich mit Adrian McKinty als Setting entdeckt. Autorenkollege Eoin McNamee wurde mir schon mal empfohlen, aber erst jetzt habe ich erst geschafft, ihn mit seiner Neuerscheinung „Blau ist die Nacht“ zu lesen. McNamee stammt aus der kleinen Stadt Kilkeel im äußersten Südosten Nordirlands. Aufmerksamkeit über die britischen Inseln hinaus bekam er erstmals mit seinem Debütroman „Resurrection Man“ (dt. „Belfaster Auferstehung“) in den 1990ern. Das vorliegende Buch bildet eine Trilogie mit den Romanen „The Blue Tango“ und „Orchid Blue“ (dt. „Requiem“). Verbindendes Element dieser Romane: Staatsanwalt bzw. Richter Lancelot Curran und seine Rolle in den bedeutendsten nordirischen Kriminalfällen nach dem 2.Weltkrieg bis Anfang der 1960er Jahre, u.a. der Mord an Currans Tochter Patricia. Denn eine Gemeinsamkeit haben McKinty und McNamee auf jeden Fall: Sie vermischen Fakten und Fiktion. Während McKinty das auf hartgesottene, aber charmante, popliterarische Weise tut und die Troubles direkt und offensiv einbaut, ist McNamee sehr viel feingliedriger, figurenbezogener und lässt die gesellschaftlichen Probleme mehr im Hintergrund bedrohlich mitschwingen. „Er kommt ungeschoren davon, oder?“ „Wie kommst du darauf?“ „Wegen der Leute, die hier das Sagen haben. Sie werden nicht zulassen, dass einer der ihren für sowas verurteilt wird.“ „In manchen amerikanischen Bundesstaaten kommt ein Weißer nicht an den Galgen, wenn er einen Schwarzen ermordet hat. In manchen Gegenden gilt so etwas als geringfügiges Vergehen.“ „Die werden es hier genauso halten. Vielleicht sollte ich sagen: Ihr werdet es genauso halten.“ „Bin ich denn einer von denen, Esther?“ „Aber natürlich, Harry.“ (S.34) McNamee verwendet zwei reale Kriminalfälle in seinem Roman: Den Mord an Mary McGowan im April 1949 mit dem folgenden Prozess mit dem Angeklagten Richard Taylor und den Mord an Patricia Curran im November 1952. Die Verbindung zwischen beiden Taten ist der General Attorney Lancelot Curran, ein ehrgeiziger, kühler Mann, Oranier und ein Spieler. Er weiß, dass ein Todesurteil gegen den Protestanten Taylor für den Mord an einer Katholiken der Funken für das Pulverfass Nordirland sein kann, trotzdem legt er es darauf an. Weniger um der Gerechtigkeit, als um des Spiels Willen. Seine rechte Hand Ferguson (der eigentliche Protagonist des Romans) hingegen glaubt, dass ein Freispruch Taylors für die meisten Beteiligten - inklusive sich selbst - das Beste wäre (und da ist er nicht der Einzige). So zieht er an einigen Fäden und besticht unter anderem den Vorsitzenden der Geschworenen, um den Prozess zu seinen Gunsten zu beeinflussen. In diesen Abschnitten ist der Roman ein spannendes Gerichtsdrama, in dem aber immer wieder Verknüpfungen zum zweiten späteren Fall auftauchen. Die Ermordung von Patricia Curran ist bis heute einer der größten, ungelösten Kriminalfälle Nordirlands. Im Roman verdreht Patricia, die frühreife, unangepasste Tochter des Staatsanwalts, Ferguson den Kopf, so dass dieser noch in den 1960er Jahren nachforscht. Unter anderem bei Doris Curran, die nervlich angeschlagene Mutter der Toten. Aufgewachsen als Tochter des Leiters einer Nervenheilanstalt, steht sie in ihren Wahnphasen heute noch in Kontakt zu Thomas Cutbush, immerhin einer auf der langen „Jack The Ripper“-Verdächtigenliste. Doris wurde kurz nach dem Mord in eine Heilanstalt eingewiesen und hatte ein extrem angespanntes Verhältnis zu ihrer Tochter. Überhaupt waren die Familienverhältnisse der Currans ziemlich heikel. Auch der Vater und der Bruder, der sein Jurastudium für ein Laufbahn als katholischer (!) Priester aufgibt, spielen eine merkwürdige Rolle beim Auffinden der Leiche. Der Autor verwebt beide Geschichten mit zahlreichen Zeitwechseln und -sprüngen, manchmal auch innerhalb eines Abschnitts und taucht immer tiefer in die Abgründe seiner Figuren ein. „Blau ist die Nacht“ hat mich ungemein fasziniert. McNamee spinnt ein enges Netz zwischen den Figuren, verbindet mühelos zwei reale Fälle zu einer fiktiven, intensiven Geschichte. Es ist oberflächlich ein Whodunnit, die Suche nach dem Mörder von Patricia Curran. Aber gleichzeitig ein hintergründiger Noir über eine korrupte Justiz, gesellschaftliche und familiäre Abgründe und verschiedene Facetten der Psychose. Für mich eines der Highlights in diesem Jahr.

    Mehr
    • 13
  • Fakt und Fiktion

    Blau ist die Nacht

    Havers

    28. July 2016 um 20:43

    „Blau ist die Nacht“ ist nach „Blue Tango“ (2001 – nominiert für den Man Booker Prize) und „Requiem“ (2011) der Abschlussband der Blue-Trilogie des im nordirischen Kilkeel  geborenen Autors Eoin McNamee. Seine Wurzeln haben ihn geprägt, denn die Zerissenheit seines Heimatlandes ist unterschwellig immer auch in seinen Geschichten präsent und wirkt direkt auf das Handeln seiner Personen ein. So auch in dem vorliegenden Roman „Blau ist die Nacht“, der rund um wahre Verbrechen aufgebaut ist. Belfast, im April 1949: Mary McGowan, fromm katholisch, wird in ihrer Wohnung von einem Mann überfallen und so brutal attackiert, dass sie nach zweitägigem Krankenhausaufenthalt ihren Verletzungen erliegt. Der Mörder ist schnell gefunden, denn Mary kann ihn vor ihrem Tode noch identifizieren und auch weitere Zeugen können seine Identität bestätigen. Es handelt sich um Robert Taylor, einen Handwerker, der für das Opfer vor einiger Zeit Malerarbeiten erledigt hatte. Pikant ist die Täter-Opfer-Konstellation, denn Taylor ist Protestant. Und zu diesem Zeitpunkt brodeln in der nordirischen Gesellschaft bereits die religiösen Konflikte, die Jahre später diese Gesellschaft bis ins Mark erschüttern werden. Das hindert aber den verantwortlichen Generalstaatsanwalt Curran, nicht daran, auf eine Verurteilung zu drängen. Allerdings hat er nicht mit der Intervention seines engsten Vertrauten Harry Ferguson gerechnet. Ein Emporkömmling ohne Skrupel, aber mit Ambitionen, der die Spielsucht seines Chefs im Blick hat und dies für seinen eigenen Vorteil zu nutzen weiß. Er besticht hier, schüchtert dort ein und sorgt so dafür, dass Currans Geheimnisse sicher sind und Taylor freigesprochen wird. Aber nicht nur Ferguson verschleiert Wahrheiten. Als drei Jahre später Currans neunzehnjährige Tochter Patricia ermordet wird, setzt er alles daran, die Ermittlungen zu behindern. Nicht weiter verwunderlich, denn immerhin hat er auch politische Ambitionen, und da macht sich ein Skandal nicht wirklich gut. Und der ist zu erwarten, wenn man sich die Strukturen seiner zerrütteten Familie anschaut. Er selbst ist spielsüchtig, seine labile Frau wird in die Psychiatrie eingeliefert, sein Sohn konvertiert zum Katholizismus und wird Priester, die ermordete Tochter leichtlebig mit wechselnden Männerbekanntschaften, was ihr offenbar zum Verhängnis wird. Aber es könnte auch ihre eigene Mutter im Zustand geistiger Umnachtung gewesen sein. Die Ermittlungen verlaufen im Sand, der Mord wird nicht aufgeklärt. Als schließlich 1961 eine weitere junge Frau getötet wird, sind die Parallelen zu dem Mord an Patricia offensichtlich. Curran ist überzeugt, dass er es mit dem gleichen Täter zu tun hat. Aber wieder einmal interveniert Ferguson… Eoin McNamee entwickelt seine Geschichte nicht linear. Er verschränkt die Zeitebenen willkürlich – oder auch doch nicht - und fordert die Aufmerksamkeit des Lesers. Seine  „Nacht“ ist nicht blau sondern rabenschwarz. Und diese Schwärze hat nicht nur mit der Atmosphäre in Belfast vor den als „Troubles“ bekannten Unruhen bzw. bürgerkriegsähnlichen Zuständen zu tun. Sie liegt bleiern über Nordirland, aber kriecht auch in die Seelen der Menschen. Manche verzweifeln daran, andere wissen sie zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Gewalt, Intrigen, Bestechung und die politischen Verflechtungen. Der Druck, das Ich zu verleugnen, um in den Spiegel schauen zu können ohne Scham zu empfinden. Das Spiel mit Fakten und Fiktion und die distanzierte Erzählweise auf sprachlich hohem Niveau berührt und beeindruckt, doch das Ende lässt den Leser ratlos zurück. Ohne Antworten, aber mit vielen Fragen. Lesen!

    Mehr
  • Challenge Historische Romane 2016

    Buecherwurm1973

    Hallo Freunde der Historischen Romane! Unsere Challenge findet auch im Jahre 2016 statt. Mit neuen Kategorien und neuen Regeln. In diesem Jahr müssen  20 Bücher gelesen werden. Es gibt noch ein paar andere Änderungen. Am Ende des Jahres wird ein Bücherpaket verlost. Es gelten folgende Regeln: Ablauf:  Du kannst dich unten mit einem Kommentar anmelden. Erstellt bitte einen Sammelbeitrag, in dem ihr euere Rezensionen sammelt. Ich werde daraufhin eine Teilnehmerliste führen. Dann habe ich einen Überblick. 15 Bücher müssen rezensiert werden. 5 dürfen mit einem Leserkommentar bewertet werden. Es zählen nur rezensierte Bücher oder die 5 mit Leserkommentar. Auch dieses Jahr wird es  wieder Kategorien geben. Ich gebe euch 8 Kategorien und ihr müsst daraus die Hälfte lesen. Den Rest dürft ihr frei wählen. In jeder Kategorie max. 2 Bücher. Zeitspanne: 1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2016 Mindestzahl Bücher:  20 Bücher müssen gelesen werden. Du kannst jederzeit einsteigen oder dich wieder abmelden. Du verpflichtest dich nicht fix. Die Challenge soll Spass machen! KATEGORIEN Historische Auswanderer-Romane: Auf vielfachen Wunsch wurden Siedler-Romane gewünscht. Ich habe den Begriff "Historische Auswanderer Romane" gefunden. Kaiserreiche /Königsreiche: Alle Romane über die Kaiser- und Königsreiche der Vergangenheit sind hier gefragt. Es gibt genügend Auswahl.  Mittelalter: bezeichnet in der europäischen Geschichte die Epoche zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit (ca. 6. bis 15. Jahrhundert) Historische Personen: Keine Biografien. Sondern fiktionale Romane über historische Personen. Z.B. Tanja Langer, die ein Buch über Heinrich Kleists Selbstmord geschrieben hat. Historische Krimis: Kriminalromane bis zirka zum 2. Weltkrieg. Danach sind es für mich keine Historische Krimis mehr. 1. und 2. Weltkrieg: Romane, die sich im Umfeld der beiden Weltkriege bewegen. Historische Ereignisse: Romane, die sich im Umfeld von Historischen Ereignissen spielen. Zum Beispiel Russische Revolution, Französische Revolution, Franco-Ära etc... Glauben: Es gibt unzählige Romane über die Katholische Kirche (Papst), die Reformation und andere Glaubenskriege. 10 Bücher aus diesen Kategorien müssen gelesen werden. Ich freue mich auf zahlreiche Teilnehmer und einen regen Austausch! Teilnehmerliste: Gesamt: anne_lay   20/20anushka    20/20 ban-aislingeach    8/20 Bellis-Perennis  90/20 Buchraettin    20/20ChattysBuecherblog  22/20Curin    2/20 DieBerta       0/20 engineerwife    27/20Filzblume   16/20 Finesty22   0/20 Floh      41/20 Fornika  21/20Ginevra    20/20 histeriker   21/20Insider2199  6/20 JuliB      7/20 Kirschbluetensommer    20/20 LadySamira091062      1/20Lese_gerne  15/20 leseratteneu    0/20 LibriHolly     5/20mabuerle   42/20 PMelittaM    20/20 Pucki60      15/20 Rissa    2/20 robberta        3/20 specialang   3/20 sursulapitschi     20/20Sternenstaubfee   36/20Svanvithe    0/20 tiggger  2/20Traubenbaer 4/20 werderaner  14/20 Historische Auswanderer-Romane: anne_lay 2/2anushka   1/2 ban-aislingeach    0/2 Bellis-Perenni   2/2 Buchraettin    2/2 ChattysBuecherblog 0/2 Curin     0/2 DieBerta       0/2 engineerwife    2/2 Filzblume   1/2 Finesty22   0/2 Floh       2/2 Fornika  1/2 Ginevra  0/2 histeriker    0/2 Insider2199 2/2 JuliB       2/2 Kirschbluetensommer     2/2 LadySamira091062      0/2 Lese_gerne  2/2 leseratteneu    0/2 LibriHolly     1/2mabuerle   2/2 PMelittaM   1/2 Pucki60    2/2 Rissa    0/2 robberta        0/2 specialang    0/2 sursulapitschi     2/2Sternenstaubfee   2/2Svanvithe   0/2 tiggger  0/2Traubenbaer 1/2 werderaner  0/2Kaiserreiche / Königreiche: anne_lay 1/2anushka    2/2 ban-aislingeach   2/2 Bellis-Perennis   2/2 Buchraettin    0/2 ChattysBuecherblog 1/2 Curin     0/2 DieBerta       0/2 engineerwife    1/2 Filzblume   2/2 Finesty22   0/2 Floh      2/2 Fornika  2/2 Ginevra  2/2 histeriker    2/2 Insider2199   0/2 JuliB       0/2 Kirschbluetensommer     2/2 LadySamira091062      1/2 Lese_gerne 1/2 leseratteneu    0/2 LibriHolly     1/2mabuerle  2/2 PMelittaM  2/2 Pucki60     1 /2 Rissa    0/2 robberta        0/2 specialang    1/2 sursulapitschi      0/2Sternenstaubfee    0/2Svanvithe    0/2tiggger  0/2Traubenbaer 0/2 werderaner  2/2 Mittelalter: anne_lay 2/2anushka    2/2 ban-aislingeach    1/2 Bellis-Perenni   2/2 Buchraettin   2/2 ChattysBuecherblog 2/2 Curin     0/2 DieBerta       0/2 engineerwife    2/2 Filzblume   2/2 Finesty22   0/2 Floh       2/2 Fornika  2/2 Ginevra  2/2 histeriker    2/2Insider2199 0/2 JuliB       0/2 Kirschbluetensommer     2/2 LadySamira091062      0/2 Lese_gerne 0/2 leseratteneu    0/2 LibriHolly    1/2mabuerle  2/2 PMelittaM    2/2 Pucki60     1/2 Rissa    0/2 robberta        0/2 specialang    0/2 sursulapitschi      2/2Sternenstaubfee   2/2Svanvithe   0/2 tiggger  2/2Traubenbaer 1/2 werderaner  1/2 Historische Personen: anne_lay 2/2anushka    2/2 ban-aislingeach    2/2 Bellis-Perenni   2/2 Buchraettin   2/2 ChattysBuecherblog 2/2 Curin     0/2 DieBerta       0/2 engineerwife   2/2 Filzblume   2/2 Finesty22   0/2 Floh       2/2 Fornika  2/2 Ginevra  2/2 histeriker    2/2 Insider2199 1/2 JuliB       0/2 Kirschbluetensommer     2/2 LadySamira091062      0/2 Lese_gerne 1/2 leseratteneu    0/2 LibriHolly     0/2mabuerle   2/2 PMelittaM   2/2 Pucki60      2/2 Rissa    0/2 robberta        0/2 specialang    0/2 sursulapitschi      2/2Sternenstaubfee   2/2Svanvithe     0/2 tiggger  4/2Traubenbaer 1/2 werderaner  0/2 Historische Krimis: anne_lay 2/2anushka   1/2 ban-aislingeach    1/2 Bellis-Perennis   2/2 Buchraettin    2/2 ChattysBuecherblog 2/2 Curin     0/2 DieBerta       0/2 engineerwife    2/2 Filzblume   2/2 Finesty22   0/2 Floh       2/2 Fornika  2/2Ginevra  2/2 histeriker    2/2 Insider2199 0/2 JuliB      2/2 Kirschbluetensommer     1/2 LadySamira091062      0/2 Lese_gerne 2/2 leseratteneu    0/2 LibriHolly     0/2mabuerle   2/2 PMelittaM    2/2 Pucki60      2/2 Rissa    0/2 robberta        0/2 specialang    1/2 sursulapitschi      2/2Sternenstaubfee   2/2Svanvithe   0/2tiggger  0/2Trauenbenbaer 0/2 werderaner  2/2 1. und 2. Weltkrieg: anne_lay 0/2anushka    2/2 ban-aislingeach    0/2 Bellis-Perennis   2/2 Buchraettin    1/2 ChattysBuecherblog  0/2 Curin     0/2 DieBerta       0/2 engineerwife    2/2 Filzblume   2/2 Finesty22   0/2 Floh       2/2 Fornika  2/2 Ginevra  0/2histeriker    2/2Insider2199 1/2 JuliB       1/2 Kirschbluetensommer     0/2 LadySamira091062      0/2 Lese_gerne 0/2 leseratteneu    0/2 LibriHolly     0/2mabuerle   2/2 PMelittaM    1/2 Pucki60      0/2 Rissa    0/2 robberta        0/2 specialang    0/2 sursulapitschi      2/2Sternenstaubfee   2/2Svanvithe   0/2 tiggger  1/2Traubenbaer 0/2 werderaner  1/2 Historische Ereignisse: anne_lay   2/2anushka    0/2 ban-aislingeach    0/2 Bellis-Perenni  2/2 Buchraettin    2/2 ChattysBuecherblog 2/2 Curin     0/2 DieBerta       0/2 engineerwife    1/2 Filzblume   1/2 Finesty22   0/2 Floh      2/2 Fornika  1/2 Ginevra 1/2 histeriker    0/2 Insider2199 1/2 JuliB       0/2 Kirschbluetensommer     1/2 LadySamira091062      0/2 Lese_gerne 1/2leseratteneu    0/2 LibriHolly     0/2mabuerle  2/2 PMelittaM    2/2 Pucki60      2/2 Rissa    1/2 robberta        0/2 specialang    0/2 sursulapitschi      1/2Sternenstaubfee   0/2Svanvithe   0/2 tiggger  0/2Traubenbaer 1/2 werderaner  1/2 Glauben: anne_lay 2/2anushka    0/2 ban-aislingeach    2/2 Bellis-Perenni  2/2 Buchraettin    0/2 ChattysBuecherblog 1/2 Curin     0/2 DieBerta       0/2 engineerwife    0/2 Filzblume   1/2 Finesty22   0/2 Floh      2/2 Fornika  0/2 Ginevra  2/2 histeriker    0/2 Insider 21099 0/2 JuliB       0/2 Kirschbluetensommer     2/2 LadySamira091062      0/2 Lese_gerne   1/2 leseratteneu    0/2 LibriHolly     1/2mabuerle   2/2 PMelittaM    1/2 Pucki60      0/2 Rissa    0/2 robberta        0/2 specialang    0/2 sursulapitschi      0/2Sternenstaubfee   0/2Svanvithe    0/2 tiggger  0/2Traubenbaer 0/2 werderaner  0/2

    Mehr
    • 779
  • Ehrlicher könnte eine Kriminalgeschichte nicht sein. Ein wahres Fundament, eine Tragödie.

    Blau ist die Nacht

    Floh

    27. June 2016 um 09:12

    Das Buch ist jüngst erschienen, nach den ersten gelesenen Zeilen gab es für mich kein Halten mehr… Nach dem Beenden der letzten Zeilen musste ich zunächst einmal in mich gehen und all diese verstörenden Wahrheiten des Falls auf mich wirken lassen. Ja, dieser Spannungsroman des irischen Autors Eoin McNamee wurde nicht zu Unrecht heiß erwartet. „Blau ist die Nacht“ ist ein Roman, der provoziert, mahnt, wachrüttelt, erschüttert und auf sonderbarer Weise schmeichelt. Es ist ein ganz besonders leises Buch, was mit seiner Realität, den einprägenden Bildern und dem wahren Kern unheimlich aufwühlt und für Fesselung sorgt. Historisch angehaucht und bis in unsere Gegenwart präsent. Erschienen im dtv Verlag (http://www.dtv.de/)Inhalt / Beschreibung:„April 1949. Eine Frau wurde ermordet. Der Attorney General, Richter Lance Curran, will den Fall haben und den Angeklagten hängen sehen. Aber es gibt andere einflussreiche Leute, die den Casus anders bewerten, trotz scheinbar zweifelsfreier Beweislage. Curran kämpft gegen diese Kräfte und gegen sein eigenes Gewissen, zugleich werden häusliche Herausforderungen zunehmend zum Problem: seine psychisch labile Ehefrau, die ungebärdige heranwachsende Tochter, die Jahre später selbst einem Mord zum Opfer fallen wird, dessen Hintergründe nie ganz aufgeklärt wurden.Ein wahrer Fall und ein faszinierend-abgründiger Roman aus Nord-Irland, in dem der Clash zwischen den irisch-nationalistischen Katholiken und den der britischen Krone verbundenen Protestanten schon mit Händen zu greifen ist.“Handlung:Ein wahrer Mordfall, der ganz Irland bewegte und viel zu schnell in Vergessenheit geriet. Nicht zuletzt scheiterte die Aufklärung dieser tragischen Frauenmorde an der gespaltenen Gesellschaft, der korrupten Justiz und der Uneinigkeit des Landes und den Konflikten des Glaubens. Der Autor Eoin McNamee verwebt Realität und Fiktion in einer gesellschaftskritischen Präsentation der Rechtschaffenheit, des eigenen Ich und der Frage nach Schuld und Unschuld. Familie, Politik, Justiz und Moral stricken diesen unglaublichen Krimi, der die Schroffheit und Verletzlichkeit des Landes zeigt und diesen Fall erst möglich macht. Richter Lance Curran gerät an seine eigenen Grenzen. Psychisch sowie physisch und muss die Schuldfrage in den eigenen Reihen stellen und den Mord an seiner eigenen Tochter in Frage stellen… Nagend, eindringlich, überwältigend und Nachtblau… Vor dem Leser breitet sich das Panorama eines speziellen Krimis, aber auch einer zerrissenen Kultur und der eigenen Identität aus, die mitten in Nordirland, mitten im Krieg, mitten in der Glaubensfrage. Schreibstil:Dem Autor Eoin McNamee ist ein authentischer, erlebbarer, gemalter und gesellschaftskritischer Roman der düsteren, aber auch sehr emotionalen und atmosphärischen Töne gelungen, der nicht nur aufgrund der authentischen und wahren Geschichte und der bewegenden Schicksalsschläge der Justiz und Politik und der geprägten Begebenheiten äußerst intensiv erscheint. Besonders der geschickte Aufbau des Romans, bei dem zwischen Vergangenheit und Rückblick und Aneinanderreihung von Erzählungen und Fundamenten der Kriminalistik und dem Bezug zur Gegenwart ein schmaler Grat bewältigt wird. Der Nordirische Autor nutzt unterschiedliche Stilmittel, um seinem Roman diese Schärfe zu verleihen. Ich frage mich, warum dieses Werk nicht unter der Spannungsliteratur oder den Krimis verlegt wird, sondern trotz der Ermittlungen und Mordmotive als Roman klassifiziert wird. Dieser „Kriminal“- Roman so greifbar und provozierend, dass er für mich zweifelsfrei in die Krimisparte gehört. Der Autor Eoin McNamee besitzt eine besondere Sprachmelodie, seine Schilderungen und Sinnfragen sind sehr eindringlich und alarmierend. Der Leser ist angeleitet, Dinge in Frage zu stellen und seinen Blickwinkel zu verrücken. Dieses Stilmittel bringt eigentümliche Ruhe und Andacht in den Fall, ehe die Ereignisse wieder die gewohnte Schärfe und mahnende Botschaft bringen. Wow. Meinung / Eindrücke:Das Buch ist definitiv kein üblicher Krimi, oder Roman. Dieses Werk vereint Facetten und Elemente aus mehreren Welten. Es ist nagend, eindringlich, provozierend, erschütternd, aber dennoch keinesfalls ein reißerischer oder lebhafter Roman. Am Talent des Autors mag ich gar keine Kritik äußern, genauso wenig wie an der Arbeit des Übersetzers, der mahnenden Signalstärke und dem Kern des Werkes. Ich bin absolut überzeugt und dankbar, endlich mal wieder so einen intensiven Roman gelesen und entdeckt zu haben. Ich werde nun, nachdem mich die Feder des nordirischen Autors Eoin McNamee so sehr überzeugt hat, nach weiteren Veröffentlichungen von ihm Ausschau halten. Für mich ist dieses Buch trotz seiner Schwere und Tragik ein eher ruhiges Buch, was mich vieles hinterfragen lässt und zum Sinnieren anregt, dadurch aber umso tönender und schillernder Wirkt, sodass ruhig, wohl doch das falsche Wort für diesen Roman ist. Das Hauptaugenmerk sind für mich die sagenhaften Kulissen, das politische Geflecht, die Korruption, die familiären Belange, der schwelende Krieg und die Rechtsprechung. Die Frage nach der eigenen Identität und der Schmach sich selbst zu belügen. Ein stiller, anmutiger und sehr leiser Roman, der auf wahren Säulen beruht und an dem der Autor eine Gesellschaftskritik geübt hat, die sein eigenes Land und seine eigene Kultur zeitweise an den Pranger stellt. Ein mutiger Apell, ein mutiger Schritt und eine fesselnde Story. Die allergrößte Besonderheit in diesem Roman, der weit mehr ist als ein Roman, sondern eher ein Krimi al la True-Crime, sind die Urtümlichkeit und die Zerrissenheit eines Landes reflektiert. Man merkt beim Lesen dieses Kriminalfalls die wahren Säulen und den Wahrheitsgehalt des Falls sofort. Der Autor weiß, wovon er erzählt, denn er hat das Land, seine Heimat, so erleben können, auch wenn er die handelnde Epoche um 1950 so natürlich noch nicht erlebt hat. Doch die Narben dieser Zeit ziehen sich bis in die Gegenwart und diese Narben beginnt der Autor zu pflegen und zu betrachten. Kritikpunkt:Ich kann hier beim besten Willen meinerseits keinerlei Kritik äußern. Alles andere wäre Nörgeln auf zu hohem Niveau. Das Buch ist und war für mich so perfekt, wie es erschienen und umgesetzt ist. Der Autor:„Eoin McNamee, 1961 im irischen Kilkeel geboren, studierte ursprünglich Jura, bevor er Schriftsteller wurde, mehrere Romane veröffentlichte und sich mit seiner raffinierten Verknüpfung von Fakten und Fiktion einen Namen machte. Der Roman ›The Blue Tango‹ (2001) war für den Booker Prize nominiert. Nach Stationen in London, Dublin und New York lebt Eoin McNamee heute in Sligo an der Westküste Irlands.“Die Übersetzung:Gerade die Werke aus anderen Regionen, Kulturen und Staaten verdienen sorgfältige Arbeit an der Übersetzung. Hier steht und fällt der Hammer zum Erfolg einer Erstauflage in einer anderen Sprache als das Ursprungswerk. Da dieses Werk die Justiz, Politik und Gesellschaft eines gespaltenen Landes repräsentiert und hinterfragt, sehe ich es als sehr wichtig viel von der Originalität und des Ursprungs zu bewahren. Der Verlag hat hier einen sehr jungen Übersetzer an die Ausarbeitung des Falls gesetzt. Für mich liegt tatsächlich ein lobender Pluspunkt in der Arbeit dieser Übersetzung. Ein mit Liebe und Gewissen, sowie Respekt übersetztes Buch. Der junge Übersetzer Georg Runge scheint sich in die Elemente, aus denen dieser Krimi besteht, hineinzuversetzen und deutsche Vorlieben, sowie Ursprünglichkeit zu vereinen. Neben dem Autor selbst, hat auch der Übersetzer Georg Runge zum Gelingen und Erfolg des Werks maßgeblich beigetragen. Der Übersetzer:„Gregor Runge, geboren 1981 in Neubrandenburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und anschließend an der Hochschule für Film und Fernsehen München. Er lebt und arbeitet als Übersetzer in Berlin.“Das Cover:Das Cover ist ein sehr gutes Signal zum Inhalt und Wirken des Romans. Düster, schleierhaft, vergänglich und Blau wie die Nacht. Ein lockeres und offenes Schriftbild, wechselnde Zeitebenen mit wechselnden Kapiteln. Fazit:Ein sehr eindringlicher Roman, der mehr True-Crime als Romanerzählung ist. Ein wahrer Kriminalfall mit einer mahnenden Gesellschaftskritik und viel Kern. WOW. Gnadenlose 5 Sterne Leseempfehlung!

    Mehr
    • 17
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks