Eoin McNamee Requiem

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Inhaltsangabe zu „Requiem“ von Eoin McNamee

Robert McGladdery, der letzte Mann, der 1961 in Nordirland gehängt wurde, war angeklagt des Mordes an einer Neunzehnjährigen. Er beteuerte seine Unschuld, bis er überraschend, am Abend vor seiner Hinrichtung, ein Geständnis ablegte. Ein Geständnis, dessen Wahrhaftigkeit bis heute zweifelhaft ist. McNamee spürt einem Geschehen nach, das nie eindeutig geklärt wurde. Sein Interesse gilt ebenso der Aufdeckung eines spektakulären Justizirrtums wie der Anatomie einer Gesellschaft, die einen solchen Irrtum erst möglich macht. Halb Fallstudie, halb Fiktion, ist dies eine Expedition in ein menschliches und soziales Drama. Nordirland, ein dunkler Planet, Brachland einer verlorenen Gesellschaft, die dem Filz in Verwaltung, Justiz, Regierung und Klerus nichts entgegenzusetzen weiß. »Ein düsteres Schattenspiel – hypnotisierend in seiner tragischen Unausweichlichkeit.« Val McDermid

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    Requiem
    AKRD

    AKRD

    28. December 2015 um 13:36

    Der Fall des 1961 als letztem in Nordirland gehängten Mann Robert McGladdery ist durch den Autor Eoin McNamee sehr interessant aufbereitet worden. Damals schon war der Fall quasi ein Skandal, denn McGladdery hatte während der gesamten Ermittlungen sowie während des quälenden Prozesses immer seine Unschuld beteuert. Er habe das 19-jährige Mädchen nicht ermordet. Doch einen Tag vor seiner Hinrichtung widerruft er seine Unschuldbekundungen plötzlich... Dass der Autor Jura studiert hat, merkt man dem Schreibstil deutlich an, was mir aber sehr gut gefallen hat, denn der Mann weiß, wovon er schreibt und wie er das so aufbereitet, dass auch Jura-Unkundigere alles nachvollziehen können. Interessant fand ich, dass der Richter, der eindeutig nicht den Vorsitz hätte führen dürfen, den Prozess überhaupt eröffnen durfte, wenn man so will. Denn durch die Ermordung seiner Tochter war er eindeutig negativ beeinflusst. Heute würde so jemand gar nicht mehr den Vorsitz erhalten, auch nicht in den USA, die ja etwas strengere Maßstäbe an den Tag legen als hier in Deutschland zum Beispiel. Auch der Ermittler und seine Arbeit werden dem Leser eindrucksvoll näher gebracht. Der Autor lässt den Leser am Leben fast aller Protagonisten teilhaben und „inszeniert“ die Handlung detailliert aber nicht zu ausschweifend, genauso wie ich es auch gern lese. Somit ist „Requiem“ viel mehr als die bloße Aufbereitung eines scheinbar uralten Falles, viel mehr als die bloße Aneinanderreihung von Gerichtsaktenauszügen. Eoin McNamee schreibt tiefgründig, authentisch und spannend. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen und bei mir bekommt es das Prädikat „besonders wertvoll“ !

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  • Der letzte Gehängte

    Requiem
    Trucks

    Trucks

    19. August 2015 um 09:11

    Der letzte Gehängte in Irland im Jahr 1961 beteuerte im ganzen Prozess um den Mord an der jungen Pearl seine Unschuld - nur um dann einen Tag vor seiner Hinrichtung zu gestehen... Wie kam es dazu ? Was steckt hinter diesem Geständnis ? Wurde McGladdery von dem mehr als voreingenommenen Richter und seinen Schergen gar dazu gezwungen ? "Requiem" klang von der Leseprobe her schon sehr interessant und der Autor schaffte es, mich auch darüber hinaus für sein Buch zu begeistern. Man hätte befürchten können, dass sich die Erzählung des Schicksals von Robert McGladdery dröge dahinschleppt, weil der Autor einfach Fakten aneinanderreiht, eine Art Gerichtsakte. Aber Eoin McNamee hat soviel mehr geschaffen mit der Beleuchtung dieses spektakulären Falls. Man sieht ihn ihn einem anderen Licht mit einem Mal, erfährt Hintergründe, die man so nicht erahnt hätte. Die agierenden Personen erscheinen einem durch detaillierte Beschreibungen ihrer Außenwelt und ihrer Gedankengänge noch authentischer und lebendiger, man kann viele Handlungsweisen verstehen und nachvollziehen. Rasend spannend war die Neuaufbereitung dieses Falles zwar nicht, aber das habe ich auch gar nicht erwartet. Bei wahren Fällen sollte sich auch nahe an die Wahrheit gehalten werden und ausgedachte Geschichten sind dann eben doch ein wenig wirrer teilweiser bzw. spannender oder brutaler. Brutal war diese Story in jedem Fall - allein schon das Schicksal des Robert. Ich fand das Buch sehr informativ, auch ein wenig spannend und kann es den Lesern empfehlen, die mal über den normalen "Krimi-Tellerrand" hinausschauen möchten. Ihnen wird das Buch sicherlich auch gut gefallen.

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  • Der letzte Gehängte

    Requiem
    Trucks

    Trucks

    27. June 2015 um 10:47

    Der letzte Gehängte in Irland im Jahr 1961 beteuerte im ganzen Prozess um den Mord an der jungen Pearl seine Unschuld - nur um dann einen Tag vor seiner Hinrichtung zu gestehen... Wie kam es dazu ? Was steckt hinter diesem Geständnis ? Wurde McGladdery von dem mehr als voreingenommenen Richter und seinen Schergen gar dazu gezwungen ? "Requiem" klang von der Leseprobe her schon sehr interessant und der Autor schaffte es, mich auch darüber hinaus für sein Buch zu begeistern. Man hätte befürchten können, dass sich die Erzählung des Schicksals von Robert McGladdery dröge dahinschleppt, weil der Autor einfach Fakten aneinanderreiht, eine Art Gerichtsakte. Aber Eoin McNamee hat soviel mehr geschaffen mit der Beleuchtung dieses spektakulären Falls. Man sieht ihn ihn einem anderen Licht mit einem Mal, erfährt Hintergründe, die man so nicht erahnt hätte. Die agierenden Personen erscheinen einem durch detaillierte Beschreibungen ihrer Außenwelt und ihrer Gedankengänge noch authentischer und lebendiger, man kann viele Handlungsweisen verstehen und nachvollziehen. Rasend spannend war die Neuaufbereitung dieses Falles zwar nicht, aber das habe ich auch gar nicht erwartet. Bei wahren Fällen sollte sich auch nahe an die Wahrheit gehalten werden und ausgedachte Geschichten sind dann eben doch ein wenig wirrer teilweiser bzw. spannender oder brutaler. Brutal war diese Story in jedem Fall - allein schon das Schicksal des Robert. Ich fand das Buch sehr informativ, auch ein wenig spannend und kann es den Lesern empfehlen, die mal über den normalen "Krimi-Tellerrand" hinausschauen möchten. Ihnen wird das Buch sicherlich auch gut gefallen.

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  • Faire Rechtsprechung, ein Nebenprodukt unserer Justiz, nicht ihr Sinn und Zweck

    Requiem
    Astrid_91

    Astrid_91

    05. March 2015 um 21:21

    In diesem Roman werden die Ereignisse beschrieben, die zur letzten Hinrichtung in Nordirland im Jahr 1961 führten. Es handelt sich um den Mord an der 19-jährigen Pearl Gamble, die nach einer Tanzveranstaltung nackt und brutal erstochen auf einem Feld gefunden wird. Für die Bewohner der nordirischen Kleinstadt Newry und die Polizei steht der Täter schnell fest: Robert McGladdery, 26 Jahre alt, mit einer ungebührlichen Vorliebe für Bodybuilding und Großbritannien. An eine Suche nach anderen möglichen Tatverdächtigen ist nicht zu denken, denn der Täter scheint gefunden zu sein. Ohne Skrupel veranstalten die Bewohner der Stadt Newry, die Polizei und Politik eine Hetzjagd nach McGladdery, welche diesen schließlich an den Galgen bringt.   Als ich den Klappentext dieses Romans gelesen habe, habe ich zunächst einen Justizthriller im Stil von John Grisham erwartet. Nach der Lektüre dieses Romans kann ich dies allerdings nicht bestätigen, denn sowohl der Schreibstil als auch der Erzählstil in „Requiem“ unterscheiden sich meiner Meinung nach sehr von dem in John Grishams Romanen. Es handelt sich hier um einen sehr düsteren Roman, Eoin McNamee zeichnet das Bild einer verkommenen, von wirtschaftlichem und moralischem Verfall geprägten Gesellschaft. Ein gespaltenes Land, immer unter dem strengen Blick der britischen Regierung. Die Unzufriedenheit ist groß, Korruption an der Tagesordnung. Die Auffassung des Richters Curran vom Justizsystem verdeutlicht dies sehr gut: „Recht mit Gerechtigkeit gleichzusetzen ist ein Fehler. Eine faire Rechtsprechung ist ein Nebenprodukt unserer Justiz, nicht ihr Sinn und Zweck.“ Das Leben eines Menschen scheint wertlos zu sein. Nicht nur das Leben eines möglicherweise unschuldigen Mannes, auch der Tod von Pearl Gamble scheint nur dafür ausgenutzt zu werden, Rache an McGladdery und allem, was er repräsentiert, zu nehmen.   Der Roman hat mir größtenteils gut gefallen, allerdings habe ich einige Dinge zu bemängeln. Ich fand „Requiem“ häufig etwas zäh, was dazu führte, dass ich mich immer wieder dabei erwischt habe, mit den Gedanken abzuschweifen, so dass ich manche Seite doppelt lesen musste. Außerdem habe ich mich zwischenzeitlich immer wieder gefragt, was in diesem Roman Wahrheit und was Fiktion ist. Ich hätte es schön gefunden, wenn am Ende des Romans noch ein Nachwort des Autors abgedruckt worden wäre, über seine Recherchen und seine Beweggründe diesen Roman zu schreiben. Dass Eoin McNamee die Richtigkeit des Urteils, das zu McGladderys Hinrichtung führte, in Zweifel zieht, wird deutlich. Da dies heute nicht mehr zu beweisen ist, wäre eine deutlichere Stellungnahme nicht sinnvoll. Es wird dem Leser überlassen, sich eine Meinung über das von Richter Curran gefällte Urteil zu machen. Allerdings hätte ich mir eine tiefergehende Analyse der Gesellschaft, sowohl in Newry als auch in Nordirland gewünscht.   Etwas merkwürdig fand ich zudem den Erzählstil, zwischendurch werden immer wieder Passagen im Präsens beschrieben, die offenbar aus der Perspektive des Autors bei seinen Recherchen erzählt werden. Dies führt zu einem Bruch im Lesefluss, da man sich bei der Lektüre häufig klar machen musste, aus welcher Perspektive berichtet wurde. In diesem Zusammenhang ist mir auch die unpassende Verwendung von Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede aufgefallen. Mal werden Anführungszeichen genutzt, mal nicht, manchmal scheint es sich auch um indirekte Rede zu handeln, wobei dies nicht direkt ersichtlich ist. Möglicherweise ist dies ein Zeichen einer schlechten Übersetzung, auf jeden Fall verursacht es einen Stilbruch, sowie einen unterbrochenen Lesefluss.   Die im Buch beschriebene Gesellschaft, insbesondere die Einwohner der Stadt Newry, die Leichtigkeit, mit der ein Mensch zum Tode verurteilt wird und die Skrupellosigkeit der handelnden Personen, waren erschreckend. Die Tatsache, dass es sich hier um einen wirklichen Fall handelt, ist umso erschreckender. Dieser Roman liefert viele Argumente gegen die Todesstrafe.   Insgesamt kann ich sagen, dass es sich bei „Requiem“ um einen lesenswerten Roman handelt, in dem Eoin McNamee ein kritisches Bild der Gesellschaft im Nordirland der Sechzigerjahre zeichnet. Ich denke allerdings, dass man aus dieser Geschichte mehr hätte machen können.

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    Herbstrose

    Herbstrose

    03. March 2013 um 00:56

    In seinem Buch „Requiem“ schildert Eoin McNamee einen authentischen Kriminalfall, der sich 1961 in Irland ereignete und bis heute ungeklärt ist. Ein 19-jähriges Mädchen wird ermordet, der vermeintliche Mörder umgehend gefunden. Es handelt sich um den stadtbekannten und allseits unbeliebten 26-jährigen Robert McGladdery. Schnell wird klar, dass er aufgrund seiner Herkunft und der Vorurteile von Polizei und Justiz nie eine Chance hatte, dem Todesurteil und der Hinrichtung zu entgehen. Der Autor beschreibt eindringlich die damals herrschende Korruption und den Filz, angefangen bei Polizei, Justiz und dem Klerus bis hin zur Politik. Er überlässt es dabei dem Leser sich eine eigene Meinung zu bilden, ob McGladdery nun Pearl Gambles Mörder war oder ob ein anderer der Schuldige gewesen sein könnte. Wer hier einen packenden Krimi erwartet, wird wohl enttäuscht werden. McNamee schildert eindrucksvoll die Fakten und beschreibt auch recht einfühlsam die herrschenden Stimmungen. Es geht hier um Recht, nicht um Gerechtigkeit und man nimmt auch einen Justizirrtum in Kauf. Es sollte ein Mörder gefunden und gehenkt werden. Man hat einen passenden Mann gefunden und diesen schonungslos geopfert. Am Ende ist die Frage nach dem Mörder offen und es bleibt ein schaler Nachgeschmack. Der Leser ist froh, dass dies die letzte Hinrichtung in Irland war. Fazit: Ein gut recherchierter Roman, nicht ganz einfach zu lesen.

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    conneling

    conneling

    24. February 2013 um 22:29

    Nordirland im Jahr 1961: Robert McGladdery wird verdächtigt die neunzehnjährige Pearl ermordet zu haben. Auch wenn er immer bestreitet den Mord begangen zu haben, wird er auf Grund von Indizien für schuldig befunden. Allerdings legt er am Abend vor seiner Hinrichtung völlig überraschend ein Geständnis ab, das Geständnis ist allerdings seltsam, es ist mehr als zweifelhaft, dass es so stimmt. Ich war schnell mitten drin, schon in den ersten Seiten wurde ich gepackt und war voll dabei. Leider ging es aber nicht so weiter, ein wenig Tempo ging verloren. In Rückblenden wird von Robert erzählt, dass er für eine gewisse Zeit Nordirland verlassen und in London ein neuer Mensch geworden ist. Man erfährt von Pearl, was für ein Mensch sie gewesen ist. Dieses sind Informationen, die wichtig sind um die Charaktere besser kennenlernen zu können, allerdings waren es mir etwas zuviel Informationen, es war etwas langatmig. Der Autor schreibt flüssig, man kann sehr einfach lesen, allerdings ist alles etwas dunkel und düster, was aber zu der Geschichte wirklich gut passt. Alles wird recht sachlich und nüchtern beschrieben und dargestellt, es kommen nicht viele Gefühle vor. Es handelt sich um eine wahre Begebenheit, um einen Justizirrtum, und mir hat die Lektüre Vergnügen bereitet, man muss nur auf eine nüchterne Betrachtung eingestellt sein.

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    Fannie

    Fannie

    10. February 2013 um 12:49

    Mädchenmord in postindustrieller Melancholie Ein Mordfall schreckt im Januar 1961 die triste Hafenstadt Newry in Nordirland auf: Pearl Gamble, 19 Jahre alt, wird ermordet auf einem Stoppelfeld aufgefunden. Geschlagen. Erwürgt. Erstochen. Der vermeintliche Täter steht schnell fest, „denn die Stadt regelt das auf ihre Weise“. Der 26-jährige Robert McGladdery wird wegen des Mordes an Pearl verhaftet. Da in Nordirland die Todesstrafe noch nicht abgeschafft ist, gibt es nicht Wenige – vom Sergeant bis hin zum Regierungsmitglied – die McGladdery am Galgen hängen sehen wollen. Nur Eddie McCrink, der vorher in London tätig war und nun der neue Polizeiinspektor ist, forscht dort weiter nach Beweisen, wo es nur Indizien gibt und stößt dabei auf vermeintlich wohlgehütete Geheimnisse. Damit macht er sich an ranghohen Stellen aber keinesfalls Freunde… Wäre Eoin McNamees Roman „Requiem“ ein Gemälde, dann hätte man es ausschließlich mit rabenschwarzem Kohlestift gezeichnet. Düster, drückend und mit einem Anflug von Melancholie stellt er die Stadt Newry im Besonderen und Nordirland im Allgemeinen dar. Hohe Arbeitslosenquoten, leerstehende Fabrikgebäude, die Rauheit des Hafens, tiefhängende Wolken mit immerwährendem Nieselregen und über allem der Staub von Kohle: Dank Eoin McNamees bildhafter Schilderungen wird der Leser rasch ein Teil dieser erdrückenden Düsternis. Der Roman beruht auf Fakten, denn Robert McGladdery war tatsächlich der letzte Hingerichtete in Nordirland. Insofern weiß man von Beginn an um das Ende des Buchs. Dennoch sind gerade die letzten einhundert Seiten von Spannung geprägt. Leider kann man das nicht vom ganzen Buch behaupten, denn es gibt Stellen, da fühlt man sich wie auf einem Karussell: Die Ermittlungen schreiten nicht recht voran, alles dreht sich um die immer gleichen Fragen, der Fortgang der Geschichte stagniert. Dafür hat Eoin McNamee einen Schreibstil, der Applaus verdient: Wortgewandt und poetisch schreibt er Sätze, die man sich regelrecht auf der Zunge zergehen lassen muss. Hier hat auch der Übersetzer Hansjörg Schertenleib ganze Arbeit geleistet! Zusammenfassend kann ich sagen, dass „Requiem“ keinesfalls ein leichtes Buch ist. Man muss sich darauf einlassen können und sich teilweise regelrecht dazu überwinden, zur Lektüre zu greifen. Andererseits glänzt der Roman durch die bildhafte Darstellung der postindustriellen Melancholie, den spannenden Mordfall, das unglaubliche Gebaren korrupter Menschen aus Politik und Justiz und durch die schon erwähnte – beinahe lyrische – Schreibweise von Eoin McNamee. Mein Fazit: „Requiem“ lässt mich ein wenig gespalten zurück. Dennoch hat das Buch auf mich eine kaum zu beschreibende Faszination ausgeübt.

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    28horseshoe

    28horseshoe

    03. February 2013 um 16:51

    Orchid Blue Zum Inhalt Das Buch berichtet von den Ereignissen, die zur letzten Hinrichtung in Nord- Irland im Jahr 1961 führen: von einer Tanzveranstaltung, nach der ein 19- jähriges Mädchen ermordet wird; von den Ermittlungen und Zeugenaussagen; vom Leben des Angeklagten und seinem Verhalten vor, während und nach der Verhandlung; vom Richter, seiner Familiengeschichte und seinen politischen Ambitionen; von einem Inspektor, der nicht aus der Stadt stammt und die lokale Polizei bei ihren Ermittlungen unterstützen und kontrollieren sollte. Im Hintergrund immer die Frage: war es ein Fehlurteil? Einschätzung Die Geschichte basiert auf realen Ereignissen, wobei für mich aber nicht erkennbar ist, wo die Recherchen bestimmte Fakten belegen und wo der fiktive Teil des Romans beginnt. Mich mit einem der Charaktere zu identifizieren finde ich nicht möglich, weil der Schreibstil eine große Distanz zu den Figuren schafft und auch weil der Fokus sehr auf den negativen Eigenschaften der Personen liegt. Was dem Autor fantastisch gelingt ist, eine Atmosphäre zu schaffen. In dieser Stadt wirkt alles beklemmend und düster, sie funktioniert nach ihren ganz eigenen Gesetzen. Beim Thema Todesstrafe hätte ich vermutet, dass an irgendeiner Stelle die Ansichten des Autors klar durchscheinen würden, zum Beispiel in Form von Empörung oder dem erhobenen Zeigefinger. Stattdessen erzählt er in leisen, ruhigen Tönen von der Verhandlung und den Beteiligten. Es bleibt dem Leser selbst überlassen, was er aus den vielen, teilweise unordentlichen, widersprüchlichen und nebulösen Details für Schlüssel zieht. Insgesamt ein recht anspruchsvolles Buch, für das ich etwas mehr Zeit gebraucht habe, sowohl zum Lesen als auch zum darüber Nachdenken. In seinem Buch „The Blue Tango“ hat sich der Autor bereits mit der Vorgeschichte des Richters befasst. Im Nachhinein hätte ich dieses Buch gerne vorher gelesen, es wird aber auf jeden Fall auf meiner Wunschliste landen. Fazit Meine Begeisterung für das Buch hat sich nicht sofort eingestellt, ich musste mich erst auf die Atmosphäre und ein ganz anderes Leseerlebnis einstellen. Auf den zweiten Blick ein kleines Meisterwerk, für das ich gerne fünf Sterne vergebe.

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    Zebra

    Zebra

    Der letzte Gehängte in Irland war vielleicht gar nicht schuldig ? Ein Rätsel welches diese Buch offen lässt. Ein Justizirrtum kann auf jeden Fall nicht ausgeschlossen werden, nachdem man sich dieses Buch durchgelesen hat. Ein Mädchen wird ermordet und das ganze Dorf,möchte jemanden dafür hängen sehen, wer gehängt wird ist ihnen erstmal egal. Hauptsache sie finden schnell ein Bauernopfer. Dieses ist in McGladdery schnell gefunden und auch seine Kindheit und allgemein seine Vergangenheit könnte darauf schließen lassen, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Dies und einige Indizien reichten aus um ihn an den Galgen zu führen. Der hinzugerufene Ermittler Eddie McCrink aus London hat von Anfang an seine Zweifel, doch seine Ermittlungen bleiben mehr oder weniger ergebnislos. Auch schenkt ihm keiner Gehör, denn es wollen wohl generell alle eher unter sich bleiben und können nicht nachvollziehen, das ihnen bei den Ermittlungen helfen solle, dass würden sie auch alleine schaffen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die Idee echt gut finde einen wahren Fall zum Thema eines Buches zu machen nur die Umsetzung in diesem Fall liegt mir doch schwer im Magen. Ich mag mich nun etwas plump ausdrücken und auch vermag ich nicht urteilen über die teilweise schon lyrischen Züge des Buches, aber ich denke ich sollte hier meine ehrliche Meinung kundtun. Die gefühlten 100 Charaktere bleiben für mich alle ohne Gesicht und das obwohl ich sonst eine sehr große Phantasie an den Tag lege. Obwohl sehr ausschweifend diverse Schauplätze beschrieben werden, konnte ich auch hier keine wirkliche Atmospähre ausmachen. Das gesamte Buch erschließt sich mir einfach nicht und ich konnte einfach keinen Zugang zu diesem Buch finden. Ich mag vielleicht ein wenig verblendet sein von Splatter-artigen Psychothrillern, aber diese Buch war mir dann doch oftmals zu behäbig, der Schreibstil nicht einfach runter zu lesen und ich musste auch immer wieder Pausen nach mehreren Seiten einlegen. Ich hätte mir wesentlich mehr Dynamik in den Ermittlungen gewünscht und erhofft, diese blieb jedoch gänzlich aus. Alles in allem wie gesagt eine gute Idee für mich allerdings eher nicht Massen-tauglich ausgedrückt. weiterlesen

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    kissing_rose

    kissing_rose

    14. December 2012 um 11:36

    Die Schuld währt ewig Nord-Irland im Jahr 1961: Robert McGladdery, ein junger Schumacher, der sich für Bodybuilding und Anatomie interessiert, wird verhaftet. Die Anklage lautet Mord – eine 19-jährige Frau wurde nach einem Tanzabend tot aufgefunden. Zeugen sagen aus, dass McGladdery dort mit ihr getanzt hätte und aufdringlich geworden sei. Eddie McCrink übernimmt den Fall und geht den Indizien nach. Ist Robert wirklich schuldig? Die Mischung aus Fiktion und Wahrheit war sehr spannend zu lesen. Einerseits wird die Geschichte des letzten Mannes, der in Irland hingerichtet wurde, erzählt, andererseits geht es um den Ermittler McCrink, der seines Zeichens extra aus London zurückkommt, um sich dem Fall Pearl Gamble anzunehmen. Der Schreibstil wirkt nachdenklich und poetisch, ist gleichzeitig allerdings flüssig zu lesen und doch wiederum sachlich. Aber auch Witz und Ironie kommt an manchen Stellen zum Einsatz. Man merkt, dass der Autor sich mit der Sprache an sich beschäftigt hat. Er legt nicht nur Wert darauf, eine reißerische Story zu erdenken, sondern er setzt sich mit der Formulierung auseinander, die zu einem Gesamtwerk wird. Natürlich hätte das Thema es auch hergegeben, dass man einfach nur platt darüber schreibt, was damals passiert ist, und ich will nicht einmal ausschließen, dass das nicht sogar genauso spannend geworden wäre, aber man merkt, dass Eoin McNamee Sprache liebt, und gerade das macht die Freude beim Lesen dieses gelungenen Romans aus! Es ist nicht so, dass auf hochtrabender Sprache herumgeritten und nur um des schönen Ausdrucks willen formuliert wird, es wird gleichzeitig auch eine spannende Story von Schuld und Unschuld, Recht und Unrecht erzählt. Ich bin wirklich begeistert von diesem Roman, vor allem, weil Literatur auch mal spannend sein kann, ohne sich nur und ausschließlich auf großen Worten auszuruhen. Die Charaktere bleiben dem Leser zwar größtenteils „fremd“, da McNamee recht berichtartig formuliert und somit die sachliche Ebene wahrt – was dem Thema nur gerecht wird – aber das hat beim Lesen nie gestört. Der Ermittler McCrink, der Angeklagte Robert McGladdery und die Ermordete Pearl Gamble sind die einzigen Figuren, über die man etwas mehr erfährt. Auch die Tatsache, dass man den Ausgang der Geschichte – nämlich die Hinrichtung McGladderys – letztendlich schon im Vorhinein kennt, tut der Begeisterung keinen Abbruch, denn man fiebert trotzdem mit. Der Leser selbst wird dazu aufgerufen anhand der Indizien zu entscheiden, ob McGladdery schuldig oder unschuldig ist. Es scheint, als sei McCrink der einzige, der noch irgendwie an die Unschuld des Angeklagten glaubt und zumindest versucht, den Mord aufzuklären. Der Roman ist wirklich empfehlenswert. Man sollte sich keinesfalls von der Überkategorie „Literatur“ abschrecken lassen. Eoin McNamee schafft es tatsächlich, Literatur und Spannung miteinander in angemessener Weise zu vereinen.

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    Girdie

    Girdie

    14. December 2012 um 10:29

    Requim von Eoin McNamee ist ein Roman über ein Gerichtsverfahren in Irland Anfang der 1960er Jahre. Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen und umfasst 338 Seiten in 26 Kapiteln, aufgeteilt auf zwei Teile. Der Titel erscheint mir passend zur Geschichte der Ermordung eines Mädchens und des angeschlossenen Prozesses, über die das Buch berichtet. Das Cover lässt mich nicht auf den Inhalt der Erzählung schließen. Der Roman bewegt sich zwischen Fiktion und tatsächlichen Begebenheiten. Gleich zu Beginn wird der Leser mit einem Gerichtsprozess konfrontiert, dessen Ausgang zur Vollstreckung des letzten Todesurteils in Nordirland führte. Robert McGladdery wurde des Mordes angeklagt an der 19-jährigen Pearl Gamble. Der Prozess wurde ausschließlich aufgrund von Indizien geführt, da Robert keine Schuld eingestanden hat. Offensichtlich war Robert von Beginn an der passende Mörder für die Mehrheit der Bewohner. Es wurde speziell nach Indizien gesucht, ihn zu überführen, jedoch hinterlässt die Beschreibung der Geschehnisse den Eindruck, dass nie nach einem anderen Mörder gesucht wurde. Obwohl bereits einige Wochen später ein weiteres Mädchen in Nordirland ermordet und der Täter festgenommen wird, versucht die Justiz nicht einmal hierzu einen Bezug herzustellen, auch nicht zu vergangenen Morden in England mit denen der ermittelnde Inspektor befasst war und die ungelöst blieben. Außerdem hätte Richter Curran, dessen Tochter ebenfalls im Alter von 19 Jahren ermordet wurde, wegen Voreingenommenheit erst gar nicht den Prozess führen dürfen. Das Buch konnte mich zu keiner Zeit in seinen Bann ziehen, eine Spannung kam nicht auf, was natürlich auch den real abgebildeten Ereignissen geschuldet ist. Einige Charaktere und ihr Umfeld werden ausgiebig beschrieben, manchmal mit sehr vielen Einzelheiten. Andere Personen bleiben dagegen sehr blass, vor allem die Zeugen im Mordfall. Der Autor hat versucht die Atmosphäre in Nordirland zu Beginn der 1960er Jahre einzufangen. Er stellt die Ereignisse von damals hauptsächlich in kühler Berichtsform vor. Im Rückblick auf ausgesuchte Situationen aus dem Leben der ermittelnden Personen und des Richters umreißt der Autor das Bild einer Gesellschaft, dessen Mitglieder korrupt sind und im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen um die eigenen Vergehen zu vertuschen. Hierdurch wird die Todesstrafe als gerechte Folge eines Vergehens in Frage gestellt. Dieser Roman ist eher nicht zur Unterhaltung geeignet. Daher empfehle ich das Buch nur eingeschränkt weiter an Interessierte der jüngeren nordirischen Geschichte und solche, die sich mit der Gerechtigkeit von Gerichtsurteilen auseinandersetzen mögen.

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    smayrhofer

    smayrhofer

    10. December 2012 um 10:17

    Nordirland 1961. Der Mord an der 19jährigen Pearl Gamble erschüttert den ganzen Ort Newry. Eddie McCrink, der frisch gekürte Polizeioberinspektor, hat die Aufgabe, die Ermittlungen vor Ort, die von Detective John Speers geleitet werden, zu überwachen. In den Fokus der Ermittlungen rückt schon bald Robert McGladdery, der mit dem Mordopfer am Vorabend bei einer Tanzveranstaltung gesehn wurde. Ansonsten gibt es weder Beweise noch Tatmotiv, aber die Zentralregierung in London will in diesem Fall mit aller Schärfe vorgehen und wird dabei von den lokalen Behörden unterstützt. McGladdery hat eigentlich keine Chance… Eoin McNamee lässt in seinem Buch „Requiem“ Fakten mit Fiktion verschmelzen und versetzt den Leser in eine unruhige Zeit des Nordirland-Konfliktes. Vor dem Hintergrund der ungelösten politischen Situation und dem wirtschaftlichen Niedergang der Region verfolgen einige Beamte und Würdenträger ureigene persönliche Interessen und weniger Bereitschaft zu echter Aufklärung. Der Autor zeichnet dabei ein eher düsteres Bild der Gegend und der Stimmungslage der Bevölkerung, und verwendet dabei im Wesentlichen kurze und knappe Dialoge. Hinsichtlich meines persönlichen Fazits zu diesem Buch bin ich hin und her gerissen. Auf der einen Seite ist das Buch für mich ein subtiles Plädoyer gegen die Todesstrafe, da trotz vorhandener Zweifel ein nicht mehr zu revidierendes Urteil gefällt wird und ein erschreckendes Bild des damals herrschenden Rechtssystems gezeichnet wird. Auf der anderen Seite hat mich die literarische Umsetzung des vermeintlichen Justizirrtums nicht wirklich überzeugen können. Mal hat man den Eindruck, ein Sachbuch in der Hand zu haben, dann wieder einen Roman. Und statt immer nur auf die Darstellung der düsteren Atmosphäre zu setzen, hätte der Autor vielleicht mehr Zeit für die Entwicklung und tiefer gehende Beschreibung der einzelnen Charaktere spendieren können, denn gerade hier wäre mehr drin gewesen. Auf jeden Fall ist „Requiem“ aber eine interessante Geschichtslektion, bei der leider viele Fragen offen geblieben sind…

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    Juju

    Juju

    03. December 2012 um 11:07

    1961 wurde in Nord-Irland der letze Mann gehängt. Es handelt sich hierbei um Robert Mc Gladdery, der die junge Pearl ermordet haben soll. Es wurde ein Prozess geführt, der rein auf Indizienbeweisen beruht und dem Angeklagten von Anfang an kaum eine Chance gelassen hat, denn der Richter ist ein Mann, der selbst vor 9 Jahren seine Tochter verloren hat, dessen Mörder nicht gehängt wurde. Nun will die ganze Stadt den Mörder hängen sehen, ob nun schuldig oder nicht. Robert hatte die ganze Zeit seine Unschuld beteuert, bis er am Tag vor der Hinrichtung ein fragwürdiges Geständnis abgelegt haben soll. Fazit: Der Schreibstil war sehr bildlich und mit Vermutungen und Gleichungen gespickt, aber angenehm zu lesen, denn dadurch wurde von Beginn an eine Düsterheit ausgestrahlt, die gut passt. Die Geschichte baut sich langsam auf. Es fremder Polizist kommt in die Stadt und merkt recht schnell, dass die Menschen hier anders gestrickt sind. Sie erzählen nichts freiwillig und wollen scheinbar schnell einen schuldigen finden, ohne richtige Beweise zu haben. Es ist mehr ein Interesse am Fall selbst, als die Spannung, die den Leser hier anleitet die Geschichte weiterzulesen. Die merkwürdigen Gepflogenheiten der Stadt und insbesondere der Polizisten dort erinnert den Leser immer wieder, dass wir es nicht mit modernen Ansichten zu tun haben. Auch der Angeklagte selbst verhielt sich sonderbar und man konnte nur zusehen wie er auf seinen Tod hinzusteuert. Die Entwicklung Roberts war jedoch interessant. Zunächst war er selbstsicher doch dann konnte man Stück für Stück den Rückgang derer mitansehen. Die Charaktere, außer Robert, waren nicht besonders fesselnd, da es sich schliesslich auch nicht einfach nur um einen Thriller handelt, sondern doch auf wahren Geschehnissen beruht. Zum Schluss fragt man sich als Leser wie ungerecht eine scheinbare Gerechtigkeit doch sein kann und wie es dazu kommen kann, dass selbst Ermittler nur daran interessiert sind jemanden am Galgen zu sehen, um ihre Karriere zu fördern. McNamee hat es hier sehr bildlich geschafft eine erschreckende Geschichte mit einem unausweichlich tragischen Ende zu schreiben. Meinen persönliche Geschmack hat das Buch nicht getroffen, aber ich denke es ist sehr gut aufgehoben bei allen, die gerne tragische Geschichten lesen und nicht unbedingt ein Happy End brauchen. Was ich besonders mochte: Den langsamen, beschreibenden Aufbau der Geschichte und die Einsamkeit und Hilflosigkeit, die ausgestrahlt wurde.

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    sabrinacremer

    sabrinacremer

    30. November 2012 um 21:27

    Zum Inhalt: Robert McGladdery, der letzte Mann, der 1961 in Nordirland gehängt wurde, war angeklagt des Mordes an einer Neunzehnjährigen. Er beteuerte seine Unschuld, bis er überraschend, am Abend vor seiner Hinrichtung, ein Geständnis ablegte. Ein Geständnis, dessen Wahrhaftigkeit bis heute zweifelhaft ist. McNamee spürt einem Geschehen nach, das nie eindeutig geklärt wurde. Sein Interesse gilt ebenso der Aufdeckung eines spektakulären Justizirrtums wie der Anatomie einer Gesellschaft, die einen solchen Irrtum erst möglich macht. Halb Fallstudie, halb Fiktion, ist dies eine Expedition in ein menschliches und soziales Drama. Nordirland, ein dunkler Planet, Brachland einer verlorenen Gesellschaft, die dem Filz in Verwaltung, Justiz, Regierung und Klerus nichts entgegenzusetzen weiß. Meine Meinung: “Heute sah ich den Henker er kam zu meiner Zelle um meinen Nacken zu vermessen er war ein traurig ausschauender Faden von einem Kerl für einen der so viele gestreckt hat. Ich probierte ihn zum Reden zu bringen weil ich bin mir sicher er hat ein paar Geschichten auf Lager aber er hielt den Mund. Er legte das Maßband um meinen Nacken und wog mich und ich musste aufstehen damit er mich vermessen konnte und ich sage dass es fast so ausschaut als würde ich der Feuerwehr oder der Armee beitreten und er schaut mich an als würde er wissen welcher Armee ich beitreten werde der Armee im Schatten.” (Seite 322) Robert McGladdery wird verurteilt, da er nach einem Tanzabend die damals 19-jährige Pearl Gamble ermordet haben soll. Es gibt keine eindeutigen Beweise, nur Indizien. Richter Curran führt den Vorsitz der Verhandlung. Doch man könnte ihm Befangenheit vorwerfen, da seine Tochter Jahre zuvor auf ähnliche Art und Weise des Lebens beraubt wurde. Die ganze Stadt scheint Robert zu verdächtigen. Er kommt aus zerrütteten Verhältnissen und mit seiner Mutter verbindet ihn eher eine Hassliebe. Der einzige, der unvoreingenommen an den Fall heran geht, ist Eddie McCrink. Er wurde von London nach Newry versetzt. Doch leider hat er keine Chance, sich gegen die Ortsansässigen durchzusetzen. Robert beteuert die ganze Zeit seine Unschuld. Es nützt nichts. Er ist der letzte Mann, der 1961 in Nordirland gehängt wurde. Nach seinem Tod wird sein angebliches Geständnis – aufgenommen am Abend vor seiner Hinrichtung – veröffentlicht. Der Autor nimmt sich hier einen Fall aus dem wahren Leben vor. Ein Mädchen wurde ermordet und es scheint, als würde eine ganze Stadt auf Rache sinnen. Jeder will, dass der Mörder gefunden wird. Man hat sich sofort auf Robert als Schuldigen “geeinigt” und er hat von vorneherein gar keine Chance. Richter Curran, dem man aufgrund seiner Vergangenheit Befangenheit vorwerfen muss, darf diesen Prozess führen. Die Stimmung unter den Einwohnern ist düster. Die Beschreibungen und die Sprache, die der Autor benutzt, sind dunkel, schwer und trist. “Die anderen Mädchen wurden dann jeweils still. Robert mochte reden, aber ihre Geschichten wurden von anderen geschrieben. In den Erzählungen der jeweils anderen erkannten sie an sich selbst die Wegzeichen billiger Existenzen. Die falschen Männer. Die unbezahlten Zimmermieten und Abtreibungen in Hinterhöfen. Sie zeigten Robert, wie man einen blauen Fleck oder eine Schnittwunde mit Gesichtspuder abdeckte, wie man ein blaues Auge mit einer medizinischen Augenklappe verbarg, damit es aussah, als sei man beim Arzt gewesen. Sie waren wegen Kuppelei und Ladendiebstahl verurteilt. Sie waren auf eine Art unzuverlässig, diebisch und arglistig, die sich Robert noch nicht einmal vorstellen konnte.” (Seite 130) Dieses Buch ist kein klassischer Krimi. Von vorneherein weiß man, wie es ausgeht. Der Autor zeigt hier vielmehr auf, welchen Einfluss Politik und Machtgerangel auf einen solchen Fall haben. Man erfährt viel über die einzelnen Charaktere und bekommt so ein gutes Bild der damaligen Gesellschaft. Vorurteile galten, Zeugen wurden beeinflusst. Die Leseprobe hierzu hatte mir sehr gut gefallen. Doch beim Buch tat ich mich anfangs wirklich schwer. Es war nicht so einfach für mich, hier einen Zugang zu finden. Doch dies kam mit Fortschreiten des Buches. Alles in Allem ein solides Buch über Recht und Unrecht in schwierigen Zeiten. bookwives.wordpress.com

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  • Rezension zu "Requiem" von Eoin McNamee

    Requiem
    Mine_B

    Mine_B

    30. November 2012 um 17:45

    In dem Buch wird das Jahr 1961 geschrieben. In einem kleinen Städtchen wird im Januar eine Leiche gefunden – Pearl Gamble. Für die örtlichen Polizeiermittler steht ziemlich schnell ein Schuldiger fest, ein junger Mann namens Robert McGladdery. Ein Ermittler aus London namens Eddie McCrink ermittelt ebenfalls in diesem Fall, für ihn ist klar, dass die Polizei gar nicht nach einen möglichenfalls anderen Täter sucht, sondern nur Beweise finden möchte, die McGladdery des Mordes an Pearl bestätigen. Der Richter Curran übernimmt diesen Fall. Dieser hat vor Jahren seine eigene 19-jährige-Tochter verloren, welche ebenfalls ermordet wurden ist. McGladdery bestreitet bis zum Schluss, dass er Pearl ermordet hat – wird jedoch trotzdem zur Todesstrafe verurteilt. Dieses Buch beruht auf einer wahren Tatsache. Der Autor bemüht sich, die einzelnen Personen und ihre Gedanken darzustellen. An sich ist der Kerninhalt, der letzte gehängte Mann in Nord-Irland, recht interessant. Jedoch finde ich das Buch teilweise recht langatmig. Das Buch beginnt eigentlich recht interessant und rasant – man wird in die Geschichte hineingeworfen. Doch was wie ein spannendes Buch beginnt, stellt sich später eher als sachlicher Bericht dar. Ich wurde leider nicht mit dem Schreibstil des Autors warm, dieser war recht distanziert und sehr gefühlsarm. Ich hatte teilweise das Gefühl, ein Sachbuch zu lesen. Die vielen zeitlichen Sprünge sind eine Ursache, dass dieses Buch nicht immer sofort verständlich ist und zum Verstehen des Tatherganges ist dies relevant. Ich persönlich habe recht lange gebraucht, um in dieses Buch hineinzukommen, da ich mich zu Beginn recht schwer mit dem Buch getan habe. Man hätte es vielleicht nicht als Krimi sondern als Aufarbeitung des Falles deklarieren sollen. Die Atmosphäre des Buches war recht düster und schwer. Ich würde dem Buch 2,5 Sterne von 5 geben. Mir persönlich hat das Buch leider nicht so gut gefallen, aber wer sachliche Berichte bzw. eine Aufarbeitung eines Justizirrtums interessant findet, dem wird dieses Buch zusagen.

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