Er Li Koloratur

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Inhaltsangabe zu „Koloratur“ von Er Li

Kann der Rezension von TanjaThome soweit nur zustimmen: An sich ist es kein schlechtes Buch, aber man benötigt wirklich einige Kenntnisse bzgl. der Geschichte/Politik/Kultur Chinas, um das Buch verstehen zu können. Mir hat sich das Buch insofern nicht so recht erschlossen.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
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  • Rezension zu "Koloratur" von Er Li

    Koloratur
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    25. October 2009 um 01:17

    Der Tagesspiegel lässt auf dem Buchumschlag verlauten: „Li Er gilt als vielversprechender Kandidat für den Literaturnobelpreis.“ Der chinesische Schriftsteller, der im Gastjahr 2009 auch auf der Frankfurter Buchmesse anzutreffen war, erzählt im 440-seitigen Hardcoverroman „Koloratur“, der im August 2009 bei Klett-Cotta erschien, die Geschichte des Helden Ge Ren – und zwar gleich drei Male, und das in einer Mischung aus Protokoll und Erzählung. Zunächst berichtet der Arzt Bai Shengtao im März 1943 von Ge Ren, als nächstes der Straftäter Aqing im Mai 1970 der Untersuchungskommission, und zuletzt erzählt Fan Jihuai im Juni 2000 von Ge Ren. Kritik: Ge Ren ist ein Held – oder auch nicht, denn die Geschichten, die man in „Koloratur“ von ihm lesen kann, sind widersprüchlicher Natur. In der einen ist Ge Ren ein noch lebender Volksheld, der in den Untergrund geflohen ist, in der nächsten ein toter Volksheld, der sein Leben für die Ideologie gab, und schließlich ist Ge Ren – vielleicht – einfach nur ein Deserteur, ob nun noch lebend oder tot. Genau weiß und erfährt man es nicht, auch wenn sich verschiedene Stationen im Leben des Ge Ren und in den Aussagen der verschiedenen Leute wiederholen und identisch sind. In den entscheidenden Punkten kommt es dann jedoch zu Variationen, für die letztlich auch relevant ist, wie die einzelnen Erzähler zu Ge Ren standen oder stehen, ob sie ihn persönlich kannten oder Freunde von ihm, wie ihre eigene politische Einstellung ist und welche ihrer Ansicht nach Ge Ren hatte. Und können sie vielleicht einen bestimmten Standpunkt oder eine bestimmte Ansicht vertreten, indem sie Ge Ren auf eine bestimmte Art und Weise darstellen? All diese Details, die prägend sind für die Einschätzung und Berichterstattung der einzelnen Erzähler, sorgen dafür, dass es keine eindeutige Wahrheit gibt, sondern mehrere. Es ist nicht klar abzugrenzen, wo Fakten beschrieben werden und wo Fiktion. Mit „Koloratur“ ist Li Er sicherlich ein spannendes Experiment gelungen, doch es ist auch eines, das sich zumindest westliche Leser hart erarbeiten müssen. Ohne adäquate Kenntnisse der chinesischen Geschichte ab den Dreißiger Jahren ist das Buch kaum einzuordnen und teils unverständlich, und selbst mit diesen gilt es, einiges selbst zu ergänzen. Da die einzelnen Erzähler und ihre Zuhörer natürlich in dem, was sie erzählen, „mittendrin“ sind, sind entsprechend breiter gefächerte Erläuterungen selten, wären aber ungemein hilfreich gewesen. „Koloratur“ ist also vor allem für Kenner der chinesischen Geschichte von Interesse, wirft darüber hinaus jedoch einige interessante Fragen auf: Was ist Wahrheit? Wie wird sie definiert oder festgelegt, und wie findet sie sich in der Geschichtsschreibung wieder? Wie diskrepant sind Geschichtsgeschehen und Geschichtsschreibung? Gerade die landesübergreifenden Fragen sind es, über die es sich nachzudenken lohnt. Nicht umsonst heißt es: „Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.“ – und Koloratur bedeutet übrigens auch: „schöne Worte machen, etwas schönreden“. Für mich persönlich als Fazit: Interessantes Buchprojekt, war mir aber zu kompliziert.

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