Erckmann - Chatrian Ein Soldat Von 1813 / Waterloo

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Inhaltsangabe zu „Ein Soldat Von 1813 / Waterloo“ von Erckmann - Chatrian

Hervorragendes Anti-Kriegsbuch des 19. (!) Jahrhunderts, als in den USA der Bürgerkrieg tobte. Der nächste große Krieg begann in 5 Jahren.

— karatekadd
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    Ein Soldat Von 1813 / Waterloo

    karatekadd

    25. June 2016 um 15:41

    Ein Soldat von 1813 & Waterloo. Das Autorenduo Emile Erckmann (1822 – 1899) und Alexandre Chatrian (1826 – 1890), beide im Elsass geboren, erzählen die Geschichte des jungen Joseph Bertha, einem Uhrmacherlehrling zu Pfalzburg. Sein Lehrmeister, Vater Gulden, ist ein glühender Verfechter der Französischen Republik, er schaut aber skeptisch auf die Eroberungszüge des Kaisers – Krieg ist ihm seit seiner eigenen Soldatenzeit letztlich verhasst. Joseph liebt Catherine, die bei ihrer Mutter Gredel lebt. Es ist das Jahr 1813. Die Grande Armeé flutet geschlagen aus Russland zurück. Sie braucht dringend Verstärkung aus dem französischen Mitterland, zu dem Elsaß-Lothringen gehört. Joseph muss, obwohl etwas schwächlich und etwas schief gewachsen in den Krieg. Und so marschiert er denn auch, inzwischen braucht der Empereur auch sonst untaugliche Soldaten mit dem 6. Linienregiment bis vor Leipzigs Tore. Der Leser begibt sich förmlich mit auf den Marsch durch Hitze und Staub, durch Matsch und Regen. Er trinkt mit den Rekruten mal Wein und mal das Wasser aus den Pfützen. Er steht in der Linie, stürmt die Schanzen und watet durch das Blut der Leichen über die er stolpert. Er liest von Mut, Angst und Rache auf eine Art und Weise, wie er es erstaunlicher Weise für das 19. Jahrhundert nicht erwartet hätte. Er lernt die Lazarette kennen, hört die Sägen knirschen, bangt mit Joseph und seinen Freunden. Er lernt, dass die französische Armee anscheinend eine andere ist als die der stehenden Heere Preußens. Und er lacht und weint mit Joseph, als der wieder nach Pfalzbourg kommt – Der Kaiser sitzt derweil auf Elba fest. Doch „der doppelköpfige Autor historischer Romane der französischen Literaturgeschichte“ [1] muss die Geschichte natürlich zu Ende erzählen: Joseph muss noch einmal los. Inzwischen ist er mit Catherine verheiratet und arbeitet, da nicht demobilisiert worden war, auf dem Arsenal. Es wird nichts mit der Fortsetzung dieser Arbeit auf dem Arsenal in Metz, er marschiert mit seinem Freund aus Leipziger Tagen, Zepedäus, bis nach Belle-Alliance, gemeinhin als Waterloo bekannt. Es ist als ob das Schlachten noch schlimmer geworden ist. Dem Leser wird die Bedeutung des Wortes sehr eindringlich klargemacht: Schlacht. Pardon? Wird nicht gegeben. Die Franzosen nicht, weil die Verbündeten des Kaisers Friedensangebotes nicht annehmen und die Preußen und Engländer nicht, weil Bonaparte es gewagt hat, erneut auf der Klaviatur der europäischen Politik zu erscheinen. So eine Schlacht kann Tage dauern. Nichts zu fressen, nichts zu saufen: Karotten, Steckrüben, ein Schluck Branntwein aus der Flasche eines gerade erledigten englischen Rotrocks, die, weil aus Metall, im Licht förmlich funkelte. – VERLOREN. RÜCKZUG. Joseph und der Bauernbursche Jean Buche, der vor dem Krieg immer nur Kartoffen zum Essen bekam und nun Fleisch kennengelernt hat, kommen nach Hause. Kameraden, Freunde sind sie geworden ohne die man einen mörderischen Krieg nicht überleben kann, es reicht dafür nicht, der tödlichen Kugel, dem Säbel der englischen Dragoner, den preußischen Kartätschen zu entgehen. Wer soll denn vom Krieg erzählen, wenn nicht solche Veteranen? Mit „Hurra“ stürmen sie bei Ligny und vor Belle-Alliance die Stellungen der Gegner. Sie schreien wo es geht in donnerndem Chor: „Vive la Empereur!“ – Und im Gegensatz zu den Feldherren der Verbündeten erscheint der Kaiser selbst viel öfter in den vorderen Reihen. Er, der verhasste Eroberer, der seine Franzosen in Russland verbluten ließ und doch der Bewahrer republikanischen Freiheiten, oder deren Reste ist, wie man zwischen 1814 und 1815 unter Ludwig dem XVIII. erfahren muss. Nachdem Bonaparte auf St. Helena sitzt, werden die heimkehrenden Soldaten bespuckt, beleidigt von den Bürgern, die doch ebenso kräftig noch einmal „Vive le Empereur!“ geschrien hatten. * * * Kriegsbücher im 19. Jahrhundert. Dieses hier ist von einer Eindringlichkeit, die durchaus verblüfft. Nicht zu vergleichen mit Tolstois Krieg und Frieden, aber das betrachtet den Krieg in Russland ja auch aus ganz anderer Sicht und ist doch ebenso auch ein Anti-Kriegsbuch. „Man stelle sich vor, wie wir da im strömenden Regen im Getreide hockten, zitternd vor Kälte, doch mit der Absicht, unsere Mitmenschen niederzumachen und glücklich waren über eine Rübe, eine Wurzel oder dergleichen. Ist das ein menschenwürdiges Leben? Hat Gott uns dafür erschaffen? Ist es nicht furchtbar, wenn ein König oder Kaiser, statt sein Land zu regieren, den Handel zu fördern, Erziehung, Freiheit und gutes Beispiel zu geben, seine Untertanen in eine solche Lage bringt? Ich weiß zwar, man nennt das den Ruhm - aber was sind die Völker dumm, wenn sie solche Menschen verherrlichen!“ [2] Der Schluss eine Rede an die geschlagene und niedergeschlagene Große Nation: „Unser armes Vaterland liegt schwer danieder. Als Napoleon in Frankreich die Macht ergriff, war es die größte, freieste und mächtigste aller Nationen, und die übrigen Völker bewunderten uns. Jetzt sind wir besiegt, ruiniert und ausgesogen, der Feind sitzt in unseren Festungen, und, was Frankreich noch niemals erlebt hat… : der Fremdling war Herr unserer Hauptstadt.. Das sind die Folgen, wenn ein Land seine Freiheit, seine Ehre, sein Schicksal in die Hand eines Ehrgeizigen legt.“ [iii] * * * Das Autorenduo schrieb diese Romane 1864 und 1865. Im Vorwort kann man lesen, dass beide „in ihrer geistigen Kultur sowohl im demokratischen französischem Denken als auch in der deutschen Erzähltradition verwurzelt sind.“ Den Erzählungen von Erckmanns Vater und Chatrains Onkel folgend, sind die Romane gekennzeichnet durch „gerühmte dokumentarische Treue und Genauigkeit.“ Außerdem schauen aus dem Blickwinkel des kleinen Mannes auf das Weltgeschehen. Die rückblickende Erzählung des gemeinen Soldaten Joseph beinhaltet dann auch Hinweise und Geschehnisse, die der Junge auf dem Schlachtfeld wohl noch nicht haben konnte, die aber eben diese Dokumentationsgenauigkeit ermöglichen. „Joseph Bertha, unser einfältiger Held und Soldat wider Willen, irrt im Grunde mit ähnlicher Ratlosigkeit wie Stendhals Fabrizio durch das Gemetzel der Schlacht von Waterloo, und auch er ist fasziniert von der Gestalt Napoleons. Nur erlebt er den Krieg noch grausiger, viel wirklicher das Leid der Menschen und der gemarterten Natur, und es ist für ihn, den Mann aus dem Vierten Stand, der Friede zum Leben und Arbeiten weit wichtiger als für den jungen Aristokraten – so daß sein tiefer Friedenswille seinen Patriotismus wie auch sein Napoleonbild am Ende bemerkenswert verändert.“ Zola meinte, er „kenne kein schöneres Plädoyer gegen den Krieg als diese ergreifenden Seiten“, [iv] und das waren sie auch für mich: erstaunlich und ergreifend. [1] Vgl. Erckmann-Chatrian, Ein Soldat…, Buchrücken [2] Vgl. Ebenda, Waterloo, Seite 255 [iii] Vgl. Ebenda, Seite 294[iv] Vgl. Ebenda, Seite 1

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