Eric Ambler

 4.2 Sterne bei 165 Bewertungen
Autor von Die Maske des Dimitrios, Topkapi und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Eric Ambler

Eric Clifford Ambler wurde 1909 in London geboren. Er besuchte die Colfes' Grammar School in Lewisham und studierte anschließend Ingenieurwesen am Northampton Engineering College. Nach einem Jahr brach er dieses jedoch ab, um in einer Fabrik zu arbeiten. 1928 betätigte sich Ambler wie sein Vater erfolgreich in der Werbebranche. Im Jahr 1936 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der sich so gut verkaufte, dass er die Arbeit in der Werbeagentur aufgab und selbstständiger Schriftsteller wurde. Während des zweiten Weltkriegs diente er als Offizier und später als Regisseur von verschiedenen Spiel- und Propagandafilmen für die Alliierten. Ab 1957 arbeitete er als Drehbuchautor in Hollywood, schrieb nebenbei aber immer noch Thriller und Romane. 1969 führte ihn sein Weg zurück nach Europa in die Schweiz, wo er verschiedene Biografien und Erinnerungen schrieb. 1987 kehrte er in seine Geburtsstadt London zurück, wo er am 22. Oktober 1998 starb.

Alle Bücher von Eric Ambler

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Cover des Buches Die Maske des Dimitrios (ISBN: 9783455405620)

Die Maske des Dimitrios

 (27)
Erschienen am 16.04.2016
Cover des Buches Topkapi (ISBN: 9783455405767)

Topkapi

 (23)
Erschienen am 12.09.2017
Cover des Buches Doktor Frigo (ISBN: 9783455651102)

Doktor Frigo

 (12)
Erschienen am 20.01.2017
Cover des Buches Die Angst reist mit (ISBN: 9783455651126)

Die Angst reist mit

 (13)
Erschienen am 18.07.2017
Cover des Buches Waffenschmuggel (ISBN: 9783257203646)

Waffenschmuggel

 (8)
Erschienen am 01.03.2007
Cover des Buches Ungewöhnliche Gefahr (ISBN: 9783455650983)

Ungewöhnliche Gefahr

 (6)
Erschienen am 16.04.2016

Neue Rezensionen zu Eric Ambler

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Rezension zu "Der Levantiner" von Eric Ambler

Winkelzüge.
Gulanvor 2 Monaten

Inzwischen machte er mir Angst. Ich gebe das zu. Er würde mir immer Angst machen. Ich wußte schon, daß die einzige Möglichkeit, mit ihm fertig werden, für mich darin bestand, ihn umzubringen. Ich rechnete jedoch nicht damit, jemals die Chance zu bekommen, das zu tun; und für ebenso ausgeschlossen hielt ich es, daß der Geschäftsmann Howell ernsthaft erwägen könnte, eine solche Chance, gesetzt, sie böte sich ihm, auch zu nutzen. Ich bin nun einmal kein Freund von Gewalttätigkeiten. (Auszug Seite 151)


Michael Howell ist ein umtriebiger Geschäftsmann und Reeder mit mehreren Geschäftsfeldern an der Levanteküste. Unter anderem besitzt er auch Fabriken in Syrien. Doch die Ereignisse im Nahostkonflikt machen die Geschäfte komplizierter, das syrische Regime beschränkt privatwirtschaftliche Aktivitäten und friert Gelder von Howell ein. Mit einem Deal mit einem hohen Beamten glaubt Howell, seine Geschäfte halbwegs retten zu können, doch dafür muss er sich auch planwirtschaftlich betätigen. Einer dieser Planfirmen ist eine unrentable Batteriefabrik, die Howell widerwillig betreibt. Als er feststellt, dass ein leitender Mitarbeiter merkwürdige Materiallieferungen bestellt, begibt er sich eines Abends mit seiner Assistentin und Geliebten Teresa Malandra in die Fabrik, um dem nachzugehen. Dort sieht er sich plötzlich einer palästinensischen Untergrundgruppe gegenüber.

Chef des Palästinensischen Aktionskommandos ist Salah Ghaled. Seine Gruppe ist innerhalb der Palästinenser in Ungnade gefallen, daher drängt er auf einen spektakulären Coup, einen groß angelegten Terrorangriff auf Israel. Dafür benötigt er Howells Fabrik und möglicherweise auch noch dessen ingenieurtechnisches Knowhow. Daher bedroht Ghaled Howell und zwingt ihn, ein falsches Geständnis zu unterschreiben. Howell hat keine andere Wahl, als mitzumachen, weiß er doch, dass Ghaled im Hintergrund doch noch Gönner im syrischen Regime haben muss. Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ghaled und Howell, der nach Auswegen sucht, um den Terrorangriff zum Scheitern zu bringen und selbst mit heiler Haut davonzukommen.

Der Roman aus Amblers 2. Schaffensphase erschien 1972 und erhielt damals den Gold Dagger als bester englischsprachiger Kriminalroman. Der Roman spielt vor dem Hintergrund des Sechstagekriegs 1967 und des Schwarzen September 1970. Im Sechstagekrieg hatten die Israelis unter anderem das Westjordanland (damals jordanisches Staatsgebiet und bis heute Heimat vieler Palästinenser) besetzt. Die PLO und andere palästinensische Organisationen suchten daraufhin mehr und mehr die offene Konfrontation mit dem jordanischen Königshaus, bis hin zu einem Attentatsversuch im Juni 1970. König Hussein und das ihm ergebene Militär setzten daraufhin zu einem Gegenschlag im September 1970 an und vertrieb nach langen Kämpfen die palästinensischen Befreiungsorganisationen, die teilweise von syrischen Kräften unterstützt wurden, aus Jordanien. Es zeigte sich, dass es mit der Einigkeit der arabischen Staaten und innerhalb der Palästinenser nicht so weit her ist.

Dies ist auch die Situation von Salah Ghaled, der eine Splittergruppe anführt und die Unterstützung der mächtigen PLO um Yassir Arafat verloren hat. Den Respekt will er sich mit einem großangelegten Terrorakt zurückholen. Ghaled tritt als typischer terroristischer Anführer auf, der es versteht, mit Propaganda, gewissem Charme und unterschwelligen Drohungen bis hin zur Gewalt seine Gruppe zu leiten. Er muss zudem im syrischen Regime Unterstützer haben, die ihn zwar nicht offen unterstützen, aber ihre schützende Hand über ihm halten. Dies ist auch Michael Howell klar, der dadurch nur wenige Optionen hat. Ghaled bei den Syrern anschwärzen geht nicht und angesichts der terroristischen Verbindungen Ghaleds erscheint Howell auch die Flucht aus Syrien nicht ratsam, zumal er dann auch seine Geschäfte aufgeben müsste. Also spielt er erstmal das Spiel notgedrungen mit. Michael Howell ist zyprisch-libanesisch-armenischer Abstammung mit britischen Vorfahren und dementsprechend eine interessante Kombination aus distinguiertem, leicht arrogantem Briten und einem kaufmännisch-gewitzten Levantiner. Howell gesteht zwar seine Angst vor Ghaled ein. Diese hindert ihn jedoch nicht daran zu glauben, dass er den Palästinenser geschickt ausmanövrieren kann.

Die Maßstäbe heutigen Thrillererzählens darf man bei Eric Ambler nicht anlegen. Ambler setzt Spannungsmomente dosiert ein, erklärt viel drumherum, aber macht dies ungemein intelligent und literarisch versiert. Das Geschehen wird in Form einer Nacherzählung von Michael Howell erzählt, während er von dem Journalisten Lewis Prescott befragt wird. Der Großteil wird aus Howells Perspektive betrachtet, aber in einigen Abschnitten auch aus den Blickwinkeln von Prescott und Howells Assistentin Teresa, was nochmal die Figurenzeichnung erheblich unterstreicht. Vor allem die Ambivalenz in Howells Charakterzügen wird so erheblich verfeinert. So entwickelt Ambler einen ganz eigenen Stil in diesem Roman, wobei er sich mit Wertungen zurückhält und eher distanziert, wenngleich mit leichter Ironie, die Gegebenheiten beschreibt. Dabei erhält der Leser einen Einblick in die damaligen Verhältnisse in Nahost, aber auch in die schwierige, inhomogene Gesamtlage bei den Arabern/ Palästinensern, was bis heute anhält. Den Abschluss in einem veritablen Showdown erhält die Geschichte dann auf einem Schiff wenige Kilometer vor Tel Aviv.

Insgesamt war es für mich wieder eine angenehme Begegnung mit einem Autor, dessen Thriller vielleicht nicht die Rasanz anderer Kollegen haben, der dafür aber die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe seiner Themen umso feiner herausarbeitet.

Kommentare: 2
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Rezension zu "Ungewöhnliche Gefahr" von Eric Ambler

Kapitalismuskritik vom Feinsten und politisch-moralischer Kompass in einem
Joachim_Tielevor 4 Monaten

Ich habe diesen Thriller (!) aus der unmittelbaren Vorkriegszeit als Anfang 20-Jähriger (heute bin ich 63) zum ersten von vielen Malen gelesen. Er war es natürlich nicht allein, aber hat mit dazu beigetragen, mich zum lebenslangen Antikapitalisten und Antifaschisten zu machen. Es gibt sie, die Seite der "moralisch Guten", auch wenn zunehmend rechtes und rechtsradikales Denken (sich häufig als "Mitte" ausgebend) den gesellschaftlichen Diskurs zu beherrschen scheint. 

Die Geschichte ist in groben Umrissen schnell erzählt: Ein eigentlich gewiefter britischer Auslandskorrespondent im Hitlerdeutschland der mittleren 1930er Jahre (als er ins Bild kommt, ist er gerade auf dem Rückweg von einem Treffen hoher Nazi-Funktionäre in Nürnberg, über das er berichtet hatte), erweist sich doch als naiv, als er von einer Zugbekanntschaft den Auftrag annimmt, ein dickes Briefcouvert, das angeblich Wertpapiere enthält, ins Ausland zu schmuggeln. Das macht ihn schnell zum Gejagten und es ist letztlich ein sympathischer sowjetischer Geheimagent, der ihm dabei hilft, sein Leben zu retten. Die (Fast-) Erstickungsszene in einem Vulkanisierwerk wurde zum vielvariierten Vorbild so gut wie aller Spionageromane in der Nachfolge Amblers.

Ich habe noch die Originalausgabe des Diogenes-Verlags, der die deutschsprachigen Übersetzungen Amblers über Jahrzehnte betreut hatte. Inzwischen sind sie im Atlantik-Imprint des Hoffmann und Campe Verlags erschienen. Bei den meisten dortigen Neuerscheinungen haben sie die Originalübersetzungen von Walter Hertenstein übernommen, hier nicht, und ich kann die Neuübersetzung nicht beurteilen, weil eine Leseprobe auf der Verlagswebseite nicht vorhanden ist.

Ich denke aber, dass auch die Übersetzung dem Roman sein (zumindest für mich) wichtigstes Merkmal nicht hat nehmen können: das, der (Re-)Adjustierung des politisch-moralischen Kompass' jedes Einzelnen zu dienen. "Belehrend" ist der Roman dennoch nicht, was jeder durch eigene Lektüre leicht feststellen kann...

15.03.2020 - Joachim Tiele  

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Rezension zu "Topkapi" von Eric Ambler

Spannendes und humorvolles Krimi-Meisterwerk
Stephanusvor 4 Monaten

Arthur Simpson, ein kleiner Ganove, der sich mit kleinen Diebstählen und Scheckbetrügereien in Athen über Wasser hält versucht ausgerechnet bei einem gestandenen Gangster seine Diebstahlnummer und scheitert. Er wird von dem Gangster erpresst und muss ein Auto nach Istanbul über die Grenze fahren. An der Grenze wird er aber, wegen nicht gültiger Ausweispapiere aufgehalten und gerät in türkische Haft und von dort wird er gezwungen den Gangster zu beobachten und seine Pläne zu verraten. Ein gefährliches Doppelspiel beginnt, das mit einem Einbruch ins Topkapi-Museum und einer rasanten Flucht den Höhepunkt findet. Arthur schafft es schließlich die Gangster auszuliefern und seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Ambler entwirft eine spannende und auch nach fast 50 Jahren noch lesenswerte Kriminalgeschichte. Sprache und Stil sind überzeugend und die Hauptfiguren gut ausgearbeitet. Seinen besonderen Reiz hatte für mich das Buch durch die Istanbul-Beschreibungen aus den 1960er Jahren. Ein gelungener und unterhaltsamer, spannender Krimi.

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Eric Ambler wurde am 28. Juni 1909 in London (Großbritannien) geboren.

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