Anlaß zur Unruhe

von Eric Ambler 
4,8 Sterne bei4 Bewertungen
Anlaß zur Unruhe
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Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257231083
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:397 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:01.01.1999

Rezensionen und Bewertungen

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    Duffys avatar
    Duffyvor 4 Jahren
    Spannender Politthriller

    1937: Eine mittelenglische Werkezugmaschinenfabrik entsendet den Ingenieur Marlow in ihre Mailänder Filiale, um dort die Geschäfte seines Vorgängers, der bei einem Autounfall, der sich später als Mord herausstellt, ums Leben gekommen ist, zu übernehmen. Marlow weiß nichts von der eigentlichen Bedeutung der Maschinen für die Rüstung, hat auch nicht die geringste Ahnung vom Faschismus und gerät in den Sog von Interessen verschiedener Mächte und deren Agenten. Eine aufregende Jagd beginnt.
    Der Meister des Polit-Thrillers weiß auch hier wieder zu überzeugen. Detailgenaue Kenntnis verwebt er mit einer spannenden Handlung und aufregenden Szenewechseln. Immer noch ein Genuss.

    Kommentare: 1
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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 7 Jahren
    Ein Meisterwerk des Spionage-Thriller-Genres

    Beim Namen Eric Ambler werden heute selbst in Buchhändlerkreisen wohl einige unwissend mit den Achseln zucken. Der englische Autor, der den britischen Thriller eigentlich neu erfand, ist in Deutschland in Vergessenheit geraten. Bei Diogenes, wo er verlegt wird, gehören seine Bücher gar zu denjenigen, welche sich am wenigsten verkaufen. Gerade mal drei bis vier Exemplare eines Titels pro Jahr. Eine traurige Ausbeute. Nun hab ich mittlerweile vier seiner Werke gelesen und kann mir immer noch nur kopfschüttelnd die Frage stellen: Warum? Allein seine fünf Vorkriegsromane, die in einem zeitlichen Abstand von gerade mal drei Jahren (1936 - 1939) erschienen sind, gehören zum Besten, was ich in diesem Genre lesen durfte. Und auch wenn "Die Maske des Dimitrios" der bekannteste dieser fünf Romane ist, wirkt wohl keiner anderer so nach wie "Anlass zur Unruhe".

    Ambler, der selbst Maschinenbau studierte und als Ingenieur abschloss, wählt hier erneut die Zusammenarbeit multinationaler Konzerne mit faschistischen Gruppierungen als thematischen Hintergrund für sein Buch, das wie kein anderer Vertreter dieses Genres die politisch angespannte Stimmung dieser Zeit treffend und erschreckend wiederzugeben vermag. Diesmal konzentriert sich Ambler auf Italien, das sich, seit 1926 unter der Führung von Mussolini stehend, zu einer militärischen Großmacht aufgerüstet hat und an der Seite von Hitlers Deutschen Reich eine zunehmend aggressivere Außenpolitik verfolgt. Möglich ist dies kurioserweise vor allem durch ausländisches Kapital, das in großen Mengen ins Land fließt und die staatlich geförderte Produktion von Kriegsmaterial zusätzlich ankurbelt. Und hier setzt Amblers Story an:

    Nicholas Marlow, wie Ambler selbst Ingenieur, verliert seine Arbeit just an dem Tag, an dem er seiner Freundin einen Heiratsantrag machen will. Aufgrund der landesweiten Rezession verläuft die Suche nach einer neuen Anstellung für ihn lange Zeit erfolglos, bis ihm schließlich ein ungewöhnliches Angebot gemacht wird. Die englische Werkzeugmaschinenfabrik Spartacus bietet ihm einen Job in ihrer Mailänder Dependance an und Marlow, verzweifelt und ziemlich pleite, nimmt an, zumal seine Aufgaben relativ einfach klingen. Als Repräsentant der Firma, soll er die Nachfolge seines Vorgängers Fernside antreten, der bei einem Autounfall im dichten Nebel der Stadt ums Leben kam. Was er nicht weiß: Der Unfall war keineswegs einer und mit dem Antritt seiner Stelle heften sich gleich mehrere nicht eindeutig zuzuordnende Spione an seine Fersen, die mehr über die Bewaffnung des faschistischen Staates in Erfahrung bringen wollen. Marlow verstrickt sich schnell in einem Gewirr aus Spionage und Gegenspionage, und muss schließlich um sein Leben rennen...

    Dass Eric Ambler ein Meister darin ist, den lautlosen Krieg feindlicher Agenten im Europa der Zwischenkriegszeit zu beschreiben, beweist er in "Anlass zur Unruhe" einmal mehr. Mit viel dramaturgischen Geschick und einer schon beängstigenden Weitsicht führt er den Leser in ein Italien, das zu diesem Zeitpunkt bereits einen Krieg mit Äthiopien hinter sich hatte und mit begehrlichen Blicken Richtung Albanien schielte. Das Volk wird an der kurzen Leine gehalten, Überwachung ist oberstes Gebot. Ambler weckt eine Epoche mit all ihrer Düsternis zum Leben und analysiert nebenbei das nur auf den ersten Blick so eng wirkende Verhältnis vom Hitler-Deutschland zu Mussolini-Italien. Unwillkürlich macht sich Gänsehaut breit, wenn der Autor den Protagonisten Zaleshoff, der hier gemeinsam mit seiner Schwester Tamara seinen zweiten Auftritt nach "Ungewöhnliche Gefahr" hat, vom bevorstehenden Krieg reden lässt: "Die vier apokalyptischen Reiter sind zum Start bereit, und, Marlow, wenn die wieder durch Europa reiten, können Sie allen Ihren Träumen adieu sagen. Das wird ein Krieg sein, nach dem auf der Welt alles mögliche gedeihen wird, nur nicht die Menschen (...)" Es sind solche Zeilen, die Ambler zum visionärsten seiner Zunft machten und welche nachhaltig beeindrucken. Und erneut steht dabei ein Jedermann im Mittelpunkt, ein Unbeteiligter und Unschuldiger, der feststellen muss, dass gerade seine Unschuld ihn zum Schuldigen macht. Es ist die Geschichte über einen Mann, der gezwungen wird, seine Loyalität gegenüber seinen Arbeitgebern, seinem Land, der Wissenschaft und der Welt zu hinterfragen.

    Insgesamt ist "Anlass zur Unruhe" ein Meisterwerk des Spionage-Thriller-Genres, dessen Tiefgang im Verbund mit der stets spannender werdenden Handlung, die schließlich bis in verschneite Norditalien führt, auch heute noch über Stunden fesselt. Ohne Zweifel eines seiner besten Bücher, das viel mehr Leser verdient hätte. Möge diese Rezension dazu beitragen.

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    S
    Sannybsw
    Lees avatar
    Lee

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