Eric Ambler Der Fall Deltschev

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Inhaltsangabe zu „Der Fall Deltschev“ von Eric Ambler

In einem Balkanstaat kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Oppositionspolitiker Deltschev angeklagt: Ihm werden Verrat und terroristische Verschwörung vorgeworfen. Im Auftrag einer amerikanischen Zeitung berichtet der feinsinnige britische Theaterschriftsteller Forster über den Schauprozess und gerät dabei in ein Dickicht von dunklen Machenschaften, hinterhältigen Machtkämpfen und einem gefährlichen Komplott. Bald geht es nicht nur für Deltschev um Leben und Tod.

Komplexer und intelligenter Politthriller über einen stalinistischen Schauprozess. Vielleicht etwas zu viel Geplänkel und zu wenig Thrill.

— Gulan

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  • Schauprozess.

    Der Fall Deltschev

    Gulan

    10. November 2017 um 18:37

    Die Wahrheit über meine Rolle im Fall Deltschev ist nicht erfreulich. Ich bin nicht einmal in die Gefahr hineingestolpert, ich bin hineinspaziert. Ich bin dahingeschlendert, so wie man durch das faszinierende Gewirr von Straßen und Gassen der Altstadt schlendert. Man hatte mich gewarnt, mir gesagt, dass sie gefährlich seien, gewiss: aber ich hatte gedacht, sie seinen gefährlich für die Warner, nicht für mich. Und als ich sah, dass ich mich verirrt hatte, und herauszukommen versuchte, sah ich auch, dass ich verloren war. So ungefähr empfand ich es. (S.217-218) In einem sowjetisch beeinflussten Balkanstaat kurz nach dem zweiten Weltkrieg wird der ehemalige Regierungschef und Oppositionspolitiker Jordan Deltschev angeklagt, ein Verräter und Verschwörer zu sein, der in Attentatspläne gegen den amtierenden Staatschef Vukaschin der kommunistischen Volkspartei verwickelt ist. Der Schauprozess wird auch von der ausländischen Presse verfolgt. Der britische Dramatiker Foster soll für eine amerikanische Zeitung Beiträge zum Prozess liefern. Doch Foster ist mit der ihm zugedachten Beobachterrolle nicht einverstanden und begibt sich in gefährliche Hintergrundrecherchen. Für Foster und die westlichen Beobachter ist schon von vornherein klar, dass Deltschevs Verurteilung längst beschlossene Sache ist und die Prozessführung dementsprechend manipuliert wird. Umso erstaunter ist er, als die Anklage merkwürdigerweise offenbar tatsächliche Beweise für eine Beteiligung Deltschevs an einer reaktionären, terroristischen „Bruderschaft“ vorlegen kann. Obwohl Foster von seinem Kontaktmann vor Ort, Paschik, und dem Propagandaministerium gebremst wird, geht er den Dingen (auch mit einer Portion Naivität) auf den Grund, kontaktiert die Familie Deltschevs und gerät schließlich in ein echtes Mordkomplott. Mit „Der Fall Deltschev“ beendete Eric Ambler eine elfjährige Schreibpause und gleichzeitig markiert es den Bruch des Autors mit Kommunismus und Stalinismus. War Ambler vor dem Krieg noch ein eindeutig linker Autor mit Sympathien für die kommunistische Seite, so hatte sich diese Sympathie mit den Auswüchsen des Stalinismus erledigt. Die sowjetisch-beeinflussten Schauprozesse in diversen osteuropäischen Staaten (als maßgebliches Vorbild für den Roman diente u.a. der Prozess gegen Nikola Petkow) nach Kriegsende boten für Ambler Gelegenheit für eine Abrechnung in Thrillerform. Ambler verschreckte damit einige alte Fans, aber in seiner Biografie „Here lies Eric Ambler“ registrierte er mit Wohlwollen, dass „Der Fall Deltschev“ „als antistalinistischer, sozialistischer Roman bezeichnet worden [ist], eine durchaus schmeichelhafte Beschreibung“. Im Roman beschreibt Ambler wie eine stalinistische Volkspartei in einem totalitären Führungsanspruch sich der Opposition entledigen will und dabei selbst in brutale Machtkämpfe zerfällt. Und wie bei ihm so üblich, installiert Ambler eine Person von außerhalb, in diesem Fall den Theaterautor Foster, bislang völlig unbeleckt auf dem Gebiet des politischen Journalismus, um die Zusammenhänge aufzudecken und sich darin zu verheddern. Wer einen Ambler liest, muss sich darauf einlassen, dass die heute so gepflogene Thrillermaxime „Show, don't tell!“ außer Kraft gesetzt ist. Ambler erklärt durchaus einiges, dies aber durchaus clever verpackt in Dialogen, Selbstreflexionen, Briefen oder Dossiers. Er verzichtet dabei aber keineswegs auf einige Thriller-Spannungsmomente, dennoch sind diese Elemente in diesem Roman schon etwas spärlich gesät. Wenn man aber dem Stil gewogen ist, wird man auch bei „Der Fall Deltschev“ mit intelligenter, aber auch durchaus komplexer Thrillerkost belohnt.

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