Eric Ambler Doktor Frigo

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Inhaltsangabe zu „Doktor Frigo“ von Eric Ambler

Dr. Ernesto Castillo, Arzt auf den französischen Antillen, wird von seiner sterbenden Mutter dazu gedrängt, die politischen Verräter aufzuspüren, die seinen Vater umgebracht haben. Als einziger Sohn soll er, nach südamerikanischer Art, Rache an ihnen nehmen - Blut für Blut. Ernesto, der sein Leben und seinen Beruf liebt und seinen Vater über dessen Tod hinaus hasst, weigert sich, die Militärjunta anzuklagen und selbst zum Märtyrer zu werden.

Verabredung zu einem Putsch: Starker Politthriller über Machtpolitik. Wie eigentlich immer hat Ambler ein ganz feines Händchen.

— Gulan

Amblers Blick in Sphären der Weltpolitik, die man sonst nur aus der Zeitung kennt. Hier ein Putsch in Mittelamerika

— Joachim_Tiele

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The Ending

Das Buch liest sich nicht schlecht, obwohl ich es nicht außergewöhnlich spannend und gruselig finde. Originell ist es auf jeden Fall.

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guter solider Krimi

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Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

Der literarische Schreibstil begeisterte mich. Komplex, politisch, gesellschaftskritisch, aber sehr schlüssig!

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Ein Thriller mit einem großartigen Setting, einer düsteren Geschichte und tollen Figuren.

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  • Verabredung zu einem Putsch.

    Doktor Frigo

    Gulan

    04. April 2017 um 20:29

    „Wenn du in einem Ölkonsortiums wärst, Ernesto, und vorhättest, Milliarden von Dollar in eine Kaffeerepublik zu investieren, würdest du die Regierung dann nicht genau unter die Lupe nehmen, bevor du dich entscheidest?“ „Vermutlich.“„Und wenn du siehst, dass ein paar Grundgrundbesitzer das Land mit Hilfe kleiner Gangster beherrschen, die sich als Miliz kostümieren, und dass die Inflationsrate bei achtzig Prozent liegt – was würdest du dann machen?“„Die CIA bitten, eine neue Regierung einzusetzen, schätze ich.“ (S.75) Die CIA spielt dann zwar nur eine Nebenrolle in dieser Geschichte, aber es finden sich andere Dienste, die nur allzu gerne übernehmen. Aber der Reihe nach: Ernesto Castillo ist Arzt auf einer französischen Antilleninsel. Seine Heimat ist ein fiktiver mittelamerikanischer Staat, der von einer Militärjunta regiert wird. Sein Vater war dort Oppositionsführer mit großen Aussichten auf den Präsidentenposten, bevor er vor zwölf Jahren bei einem Attentat ums Leben kam. Seitdem war Ernesto nicht mehr in der Heimat, hat Medizin studiert und hegt keinerlei politische Ambitionen. Doch nun soll er plötzlich als Leibarzt und Spitzel fungieren, denn ein ehemaliger Weggefährte seines Vaters ist auf die Insel gekommen, offenbar protegiert vom französischen Geheimdienst, und es werden Pläne geschmiedet, in der Heimat wieder die Macht zu übernehmen. Der Roman wurde erstmals 1974 veröffentlicht. Für einen Politthriller ist er durchaus ungewöhnlich geschrieben, denn auf den ersten drei Vierteln des Romans überschlagen sich die Ereignisse nicht gerade. Allerdings versteht es Ambler virtuos, die Ränkespiele in zahlreichen Dialogen kurzweilig darzustellen. Protagonist und Ich-Erzähler ist, typisch Ambler, ein Mann, der sich eigentlich in die Politik nie hereinziehen lassen wollte. Ernesto ist ein intelligenter und etwas unnahbarer Mann (daher sein Spitzname „Doktor Frigo“). Doch er wird widerwillig von den Franzosen gedrängt, seine Rolle in dieser Geschichte einzunehmen und im weiteren Verlauf wird eine Mischung aus Druck von außen und eigener Eitelkeit ihn immer tiefer in die Geschehnisse katapultieren. Denn so einfach wie zunächst angenommen wird die Machtübernahme nicht werden, denn die Putschisten sind alles andere als eine homogene Truppe. Zudem wird das Attentat auf Ernestos Vater noch eine Rolle spielen und es ergibt sich ein medizinisches Problem beim designierten Präsidenten. Starke und geschliffene Dialoge, raffinierte Figuren (beispielsweise Ernestos Freundin Elisabeth, abstammend aus einer Nebenlinie des Hauses Habsburg, die permanent Parallelen zur habsburgischen Familiengeschichte zieht) und ein ausgeklügelter Plot. Einfach grandios wie Eric Ambler die Spannung hoch hält, obwohl es eigentlich erst im letzten Viertel des Buches richtig hoch hergeht. „Doktor Frigo“ ist eine feine Lektion in Sachen Machtpolitik des 20.Jahrhunderts.

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    • 9
  • Noch nicht lange her: fast wöchentlich ein Bericht über einen Staatsstreich in Mittelarmerika

    Doktor Frigo

    Joachim_Tiele

    Dr. Ernesto Castillo ist der Sohn des linksorientierten Staatschefs eines mittelamerikanischen Landes, der Jahre zuvor im Zuge eines Militärputsches ermordet worden war. Er, seine Mutter und seine Schwestern konnten ins Ausland emigrieren und behielten ihre Pässe, die sie zur Einreise in alle Länder dieser Welt berechtigten, außer in ihr eigenes. Zur Zeit der Ermordung seines Vaters studierte er in Frankreich Medizin und praktiziert beim Einsetzen der Romanhandlung als angestellter Arzt in einem Krankenhaus auf einer der französischen Karibikinseln. Ein etwas verstaubtes Eiland abseits der touristischen Zentren dieser Weltgegend, aber er ist mit sich und seiner Situation ausgesprochen zufrieden. Das ändert sich, als er eines Tages aufgefordert wird, sich in der Préfecture zu melden, wo er den Auftrag erhält, außerhalb seiner Tätigkeit im Krankenhaus einen ausländischen Gast der Insel medizinisch zu betreuen (und zu bespitzeln, wie ihm schnell klargemacht wird). Damit ereilt ihn das Schicksal so gut wie aller Protagonisten von Amblers Thrillern: von einem Moment auf den nächsten ist er in einer Situation, die er sich nicht ausgesucht hat, und die ihn nach und nach immer tiefer in politische und geheimdienstliche Ränkespiele verstrickt.Amblers Buch liefert gewissermaßen die Blaupause zu einem Staatsstreich, der die Fassade bürgerlicher Respektabilität wahrt und gleichzeitig den Interessen multinationaler Energiekonzerne dient. Hier treffen wir den designierten neuen Staatschef und seine Entourage, Vertreter verschiedener Staaten und ihrer Geheimdienste, später auch künftige Mitglieder des neuen Kabinetts, und werden Zeuge der Schachzüge der Beteiligten. Anders als in Thrillern sonst üblich (auch in den frühen Romanen Amblers) geht alles sehr zivilisiert zu: die Einladung in ein Restaurant ersetzt die Entführung auf offener Straße, der diskrete Hinweis auf berufliche oder persönliche Nachteile die vorgehaltene Waffe. Strukturelle Gewalt nannte man das in den Siebzigern, und doch ist sie so effektiv und angstauslösend wie manifeste körperliche Gewalt. Und diese Gewalt bricht in ein Leben ein, stellt es, zumindest zweitweilig, völlig auf den Kopf. Dr. Castillo, im persönlichen Umgang etwas unterkühlt, was ihm im Kollegenkreis den Spitznamen Dr. Frigo eingetragen hat, sieht sich  sehr tief in die Vorgänge eingebunden, als er erfährt, dass er nicht nur als Arzt, sondern auch als Person in den Plänen der Putschisten eine Rolle spielen soll, in dem Land, aus dem er ursprünglich stammt, und in dem der Name seines Vaters immer noch mit dem Nimbus der Hoffnung für die ärmere Bevölkerung verbunden ist. Er wird also zu einer Karte in einem Blatt, die zu spielen sich für einige der Beteiligten lohnt.Wie in allen Büchern Amblers, stehen auch in diesem eine Reihe von Sachinformationen zu seinem Thema. Hier erhält dies dadurch einen besonderen Charme, dass die Freundin des Protagonisten, die auf der Insel eine Kunstgallerie betreibt, aus einer der Nebenlinien des Hauses Habsburg stammt. Nicht alles, aber vieles an politischer Theorie und Praxis ist unabhängig von Zeitbezug und Regierungsform; hier bilden die Habsburganekdoten und -vergleiche einen guten Rahmen zu einer fast launigen Einführung in das Thema Machtpolitik. Als die Handlung sich von der Karibikidylle in das ungenannt bleibende, und schon allein klimatisch als fast unerträglich beschriebene, mittelamerikanische Land verschiebt, wird sie dann doch noch manifest gewalttätig, mit Folter, politischen Morden, einem erneuten Attentat und mehr oder weniger subtilen Hinweisen an Dr. Frigo, dass auch sein Leben bedroht sein könnte, wenn er nicht die Erwartungen erfüllt, die an ihn gestellt werden. Amblers erklärtes Ziel seiner Romane ist es, den Leuten zu erklären, wie es zugeht auf der Welt. Die meisten seiner Bücher sind zeitlos in dem Sinne, dass ihre Grundmuster nach wie vor als handlungsleitende Strukturen auch der aktuellen Welt erkennbar sind. Dies ist ein Buch, das dem Leser erklärt, wie es einmal auf der Welt zugegangen war, denn dieses Kapitel postkolonialer Politik scheint zumindest im Westen vorbei zu sein.Dennoch ist es nach wie vor relevant, und dies vor allem zu einer Zeit, in der die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gerade beginnen, als historisch wahrgenommen zu werden. Vorgänge, wie die hier beschriebenen, machten vor nicht einmal einem halben Jahrhundert fast wöchentlich die Schlagzeilen der internationalen Zeitungsmeldungen aus. Hier erlebt man sie en détail und aus der Nähe. Das macht Doktor Frigo zu einem klischeefreien und realistischen zeitgnössischen Roman, der von heutigen Lesern als historischer wahrgenommen werden kann.11.06.2016 - Joachim Tiele

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