Eric Ambler Ungewöhnliche Gefahr

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Inhaltsangabe zu „Ungewöhnliche Gefahr“ von Eric Ambler

Kenton ist ein erfolgreicher Journalist: Er ist sprachgewandt, ein Experte auf dem Gebiet der Europäischen Politik und er hat ein kompetentes Urteilsvermögen - zumindest im Berufsleben. Privat wird ihm das Glücksspiel immer wieder zum Verhängnis. Als er eines Morgens nach einer durchzechten Nacht völlig abgebrannt im Zug Richtung Österreich sitzt, sieht er eine Chance, wieder zu Geld zu kommen: Ein Fremder braucht Hilfe beim Schmuggel von Wertpapieren über die Landesgrenze. Doch das lukrative Angebot birgt ungeahnte Gefahren ...

Temporeicher Agententhriller mit hintergründiger Darstellung der politischen Verhältnisse Ende der 1930er Jahre.

— Gulan
Gulan

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  • Auf der Jagd.

    Ungewöhnliche Gefahr
    Gulan

    Gulan

    Seine Uhr zeigte halb elf. Nach seiner Schätzung war es noch eine Stunde bis Passau. Er drückte seine Zigarette aus und bemerkte in diesem Moment, dass er nicht mehr alleine im Korridor stand. Ein paar Abteile weiter lehnte ein Mann am Fenster und schaute hinaus zu den fernen Lichtern eines Dorfes. Kenton war, als hätte der Mann ihn beobachtet und in diesem Moment weggeschaut. Jetzt kam er näher. […] Aus den Augenwinkeln sah er, dass der Mann in das Abteil schaute, wo der schlafende Mitreisende saß, dann „Verzeihung“ murmelte, wieder umkehrte und im nächsten Wagen verschwand. Kenton dachte nicht weiter darüber nach und setzte sich wieder auf seinen Platz. Die Zeitung war dem kleinen Mann vom Kopf gerutscht. Seine Augen waren geschlossen. Er schien fest zu schlafen. Doch im Vorbeigehen sah Kenton, dass Schweißtropfen auf seiner Stirn standen. (S. 28-29) 1936: Der englische Journalist Kenton berichtet aus Nürnberg von einem Nazi-Kongress und hat beim Würfeln sein ganzes Geld verzockt. Nun will er mit dem Zug nach Wien, um dort einen Bekannten anzupumpen. Im Zug begegnet er einem Mitreisenden, der sich als Sachs vorstellt. Dieser fühlt sich verfolgt und macht Kenton ein reizvolles Angebot: Kenton soll Wertpapiere, die Sachs bei sich trägt, an sich nehmen und über den Zoll nach Österreich bringen. In einem Hotel in Linz soll Sachs die Papiere dann wieder bekommen. Dafür soll Kenton insgesamt 600 Mark erhalten. Obwohl Kenton ahnt, dass hier mehr dahintersteckt, nimmt er das Angebot an. Als er Sachs in dem Hotel aufsucht, liegt dieser ermordet in seinem Zimmer und Kenton wird unversehens zum Spielball in einer brisanten Spionageaffäre. Europa steuert in den Jahren 1936/37 klar auf den zweiten Weltkrieg zu. Allerdings wird die direkte Konfrontation noch gescheut. Stattdessen richtet sich das Aufmerksamkeit auf die kleineren europäischen Staaten, in welche Richtung sie im heraufziehenden Konflikt tendieren werden. Den „Anschluss“ Österreichs pfeifen bereits die Spatzen von den Dächern. Und obwohl dieser Thriller vorwiegend in Österreich und der Tschechoslowakei spielt, richtet sich das Augenmerk auf Rumänien. Dort gibt es noch eine moderate Regierung, allerdings gibt es eine ernstzunehmende nationalistische Opposition mit guten Beziehungen zu Nazi-Deutschland. Und wo der Krieg sich am Horizont abzeichnet, werden noch ziemlich gute Geschäfte gemacht. In Rumänien geschieht dies mit Erdölfeldern in der Region Bessarabien. Antikapitalist Ambler kreiert die britische „Paneurasische Erdölgesellschaft“ als Katalysator der politischen Ränkespiele. Die Gesellschaft fühlt sich bei den Konzessionen in Bessarabien übergangen. Ein Regierungswechsel in Bukarest würde die Geschäfte beflügeln. Da kommen sowjetische Einmarschpläne für Bessarabien, selbst wenn sie aus dem Jahr 1925 sind, gerade recht, um die Stimmung anzuheizen. Diese Pläne hat Sachs alias Borowanskij besorgt. Die „Paneurasische Erdölgesellschaft“ schickt ihren Mann fürs Grobe, Colonel Robinson alias Saridza (eine Blaupause für Amblers kommenden großen Schurken Dimitrios). Auf der anderen Seite versucht der sowjetische Agent Zaleshoff, die Fotografien wiederzubeschaffen. Kenton gerät mitten hinein und wird auch noch von der österreichischen Polizei des Mordes an Sachs verdächtigt. Zwar erpresst Zaleshoff Kenton mit den Beweisen, die ihn vom Mordvorwurf entlasten würden, doch letztendlich schlägt sich Kenton auch freiwillig auf die sowjetische Seite. Ein Fingerzeig Amblers in seiner linksradikalen Phase. Eine Schlüsselstelle des Romans ist die Begegnung Kentons mit Mr. Hodgkin, Landsmann und Handelsvertreter, der ihm bei seiner Flucht von Österreich in die Tschechoslowakei hilft, obwohl er in Kenton den von der Polizei gesuchten Mörder erkannt hat. Er will Kentons Dank nicht, sagt, dass er ihn in England direkt zur nächsten Wache bringen würde. Aber mit den Kontinentaleuropäern hat er noch eine Rechnung offen: „Sie sehen nicht die wahren Verhältnisse. Sie schauen nicht hinter die Kulissen. Sie erleben nicht, wenn die Volksseele kocht. Ich habe es erlebt. Ich war 1925 im sonnigen Italien, als die Faschisten Jagd auf die Freimaurer gemacht haben. In Florenz. Nacht für Nacht Schießereien, Schlägereien und Schreie, bis einem schlecht wurde. Vierunddreißig war ich in Wien, als eine ganze Arbeitersiedlung mit Frauen und Kindern beschossen wurde. Die Männer, die sie anschließend aufknüpften, mussten zum Galgen getragen werden, weil sie wegen ihre schweren Verletzungen nicht laufen konnten. Ich habe die Unruhen in Paris gesehen, bei denen die Bereitschaftspolizei in die Menge schoss und alle 'Mort aus vaches!' brüllten. In Frankfurt habe ich gesehen, wie ein Mann von den Nazis totgetrampelt wurde. Nach dem ersten Tritt gab er keinen Laut von sich. Ich wurde in derselben Nacht verhaftet, weil ich die Szene beobachtet hatte. Aber sie mussten mich laufen lassen. In Spanien haben sie Menschen angeblich mit Benzin übergossen und dann angesteckt.“ (S.204-205) „Ungewöhnliche Gefahr“ ist ein Agententhriller mit all den bekannten Zutaten wie Beschattungen, Schießereien, Verfolgungsjagden, Gefangennahmen und Befreiungen in letzter Sekunde. Gewisse Stereotypen in Plot und einigen Figuren verzeiht man Ambler angesichts des flotten Tempos, der spannenden Action und der hintergründigen Darstellung der politischen Verhältnisse der Vorkriegsjahre. Erfreulich, dass dieser Klassiker fast 80 Jahre nach Erstveröffentlichung wieder in einer Neuausgabe erhältlich ist.

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    • 9
  • Es bleibt dabei: Die Wiederentdeckung Amblers lohnt!

    Ungewöhnliche Gefahr
    Stefan83

    Stefan83

    Nachdem mich Eric Amblers Debütwerk "Der dunkle Grenzbezirk" durchaus überzeugt hatte, war es für einen Serientäter in Punkto Lesen wie mich natürlich selbstverständlich, sich auch den zweiten Roman anzuschaffen. "Ungewöhnliche Gefahr" ist 1937 und damit in der langsam heiß werdenden Phase der Vorkriegsjahre erschienen. Adolf Hitlers Ambitionen sind nun auch für den Rest Europas kein Geheimnis mehr und ein allerorten stattfindendes Wettrüsten lässt die Hoffnung auf einen länger währenden Frieden dahin schmelzen. Diese Situation erkennt auch Ambler, der als thematischen Hintergrund seines Werks die Zusammenarbeit multinationaler Konzerne mit faschistischen Gruppen wählt, und dabei, wenn auch wohldosiert, Giftpfeile Richtung Drittes Reich schickt. Die Fassade der Olympischen Spiele hat keinen Bestand mehr, Deutschland ist mit seiner Ideologie zum Feind vieler Völker und gleichzeitig zum wichtigen Verbündeten nach Macht strebender Länder geworden. Eines davon ist Rumänien, ein Vielvölkerstaat, der von politischer Instabilität gezeichnet ist und sich auf der Suche nach einer neuen Schutzmacht dem nationalsozialistischen Deutschland zuwendet. Was wäre gewesen, wenn Hitler dieses Land als persönlichen Spielball und zum Auslöser des von ihm lang ersehnten Krieges gewählt hätte? Eric Ambler gibt in "Ungewöhnliche Gefahr" die Antwort darauf und lässt uns an der Seite des jungen Journalisten Kenton von Nürnberg nach Linz reisen. Aufgrund seiner Freude am Glücksspiel in Geldnot, soll er gegen Bezahlung die finanziellen Rücklagen eines Juden in Sicherheit bringen. Eine nur scheinbar einfache Aufgabe, denn Kenton hat so seine Zweifel an der Echtheit des Juden, die sich noch verstärken als er die Grenze zu Österreich überquert. Ohne es zu wollen begibt er sich nämlich damit zwischen die Fronten von Spionageringen und Geheimdiensten, und wird schon bald von der österreichischen Polizei als Mörder gesucht und von zwielichtigen Gangstern gejagt. Wem kann er in diesem gefährlichen Spiel trauen? Was für Dokumente hat ihm der "Jude" wirklich übergeben? Spannende Fragen, die Ambler auf meisterhafte Art und Weise lange unbeantwortet lässt. Stattdessen hetzt er den Leser durch Österreich und die Tschechoslowakei, um den eigentlich abenteuerunwilligen Kenton bangend, der sich im Verlauf der Story aber recht bald zu einem ungewöhnlich sturen Gegenspieler für die ihn verfolgenden Agenten mausert. Überragend wie Ambler die Charaktere treffend und bildlich beschreibt, die Landschaften Zentraleuropas dem Leser gemäldegleich vor Augen zeichnet. Wie in einem guten James Bond-Film gerät man ständig vom Regen in die Traufe, werden gefährliche Situationen mit Coolness und flotten Sprüchen gemeistert. Schnell hat man vergessen, wie alt das Buch eigentlich ist, derart fesselnd liest sich der kurzweilige Plot, der mit kurzen, knappen Sätzen stets hohes Tempo hält und keine Zeit zum Verschnaufen lässt. Auch an Action in Form von Verfolgungsjagden und Schießereien wird nicht gespart. Wofür die heutigen Autoren heut tonnenweise Blut und Gedärme brauchen, das vermochte Ambler ohne viel Schnickschnack: Actionreich, spannend und hintergründig zu schreiben. Insgesamt ist "Ungewöhnliche Gefahr" ein durchgängig packendes und durch seinen besonderen historischen Hintergrund interessantes Thriller-Frühwerk aus der Karriere Amblers, das nicht nur die überragende Klasse des Autors offenbart, sondern in vielerlei Hinsicht aufgrund der Anspielungen schon als prophetisch bezeichnet werden muss. Echte Empfehlung für alle diejenigen, die nach einem Ken Follett jetzt eine gute, alte (!) Alternative suchen.

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    • 2
    Arun

    Arun

    01. June 2014 um 02:02