Eric Ambler Wer hat Blagden Cole umgebracht?

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Inhaltsangabe zu „Wer hat Blagden Cole umgebracht?“ von Eric Ambler

Zehn Jahre nach Erscheinen des ersten Teils seiner Autobiographie 'Ambler by Ambler' ließ sich "der beste aller Thrillerautoren" (Graham Greene) von seinem berühmten englischen Kollegen Julian Symons dazu überreden, die Geschichte seines Lebens erneut aufzugreifen. Doch Ambler wäre nicht Ambler, ließe er es bei bloßen Lebenserinnerungen bewenden - auch wenn sein Leben spannend ist wie ein Thriller.

Der zweite Teil von Amblers Autobiographie

— Joachim_Tiele

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  • Des Versteckspiels zweiter Teil…

    Wer hat Blagden Cole umgebracht?

    Joachim_Tiele

    01. June 2016 um 22:17

    Es ist eher selten, dass sich ein Autor im Vorwort eines Buches bei seinen Lesern für das Buch entschuldigt. Hier entschuldigt sich Eric Ambler im vorliegenden zweiten Teil seiner Autobiographie nicht nur für diesen, sondern für den ersten gleich mit, indem er von beider Zustandekommen berichtet, und von den von ihm selbst unterschätzten Schwierigkeiten, eine wahrheitsgetreue Autobiographie zu verfassen. Hinter dieser Autobiographie versteckt sich… Eric Ambler hatte ich meine Rezension zu Ambler by Ambler überschrieben, und daran schließt sich meine Überschrift zu dieser Rezension an. Aber der Reihe nach… Here lies Eric Ambler ist der Originaltitel zu Ambler by Ambler, ein Wortspiel, das man als Hier liegt Eric Ambler (etwa als Inschrift eines Grabsteins) oder als Hier lügt Eric Ambler interpretieren kann. Auf die erste Lesart anspielend, betitelt er das Vorwort zur Fortsetzung mit Nachträgliche Gedanken zu einem Nachruf, gewissermaßen einem Nachruf zu Lebzeiten und in eigener Sache, denn Ambler by Ambler begann mit der Schilderung eines Verkehrsunfalls, den er tatsächlich nur knapp überlebt hatte. Der Gedanke an seinen möglicherweise kurz bevorstehenden Tod, er war damals bereits zweiundsiebzig Jahre alt, mag zum Teil dabei Pate gestanden haben, sich auf die von seinem britischen Verleger vorgeschlagene Idee einer Autobiographie überhaupt einzulassen, obwohl sich vieles in ihm dagegen gesträubt hatte. Er schildert, wie er sich auf das Gespräch dazu vorbereitet hatte, und seine feste Absicht, die Idee abzulehnen. Er schuldete dem Verleger vertraglich noch einen Roman, und den würde er bekommen. Eine Autobiographie nicht. An dem Gespräch nahm zusätzlich ein von Ambler sehr geschätzter ehemaliger Redakteur des Times Literary Supplement teil, der dem Verleger persönlich geraten hatte, Ambler den Vorschlag zu einer Autobiographie zu machen. Ambler war dann wohl zu sehr Gentleman, und alle seine wohldurchdachten Gegenargumente waren vom Tisch, bevor er sie überhaupt vorbringen konnte… Statt dessen sage ich lahm, dass ich das Buch natürlich schreiben würde. Das Ausmaß meiner Dummheit war nicht sofort zu erkennen. Ich fand eine Möglichkeit, das Buch so anfangen zu lassen, dass es sich fast wie ein Thriller las. Das war leicht. Doch dann musste ich meine Kindheit beschreiben, und es kam nur Blödsinn heraus. Blödsinn in jeder Beziehung. […] Ich zerriss alles und fing wieder von vorn an. […] Ich hasste das Ding. Wäre es ein Roman gewesen, hätte ich ihn als undurchführbar ad acta gelegt. […] Am vorgesehenen Wendepunkt des Buches, wo ich kurz und bündig das Scheitern meiner ersten Ehe berichten wollte, brach ich das Buch ab. Ich hatte genug von mir. (S. 9 f) Was er damit bei seinen Lesern angerichtet hatte, wurde ihm dann aber auch bald klar, denn Ambler by Ambler schrie geradezu nach einer Fortsetzung. Kaum die Hälfte seiner Romane hatte er im ersten Teil der Autobiographie erwähnt, und seine Hollywood-Jahre als erfolgreicher Drehbuchautor gar nicht. Aber wirklich dran gehen wollte er auch nicht. Es dauerte fast zehn Jahre, bis er einen Dreh fand, den formalen Anspruch der Fortsetzung seiner Autobiographie zu erfüllen und sich trotzdem weiterhin davor zu drücken. Und wie ihm das gelang, hat durchaus Charme. Ambler hatte im Lauf seiner langen Karriere nur sehr wenige kürzere Prosatexte veröffentlicht, teilweise in sehr obskuren Zeitschriften und Anthologien. Diese holte er wieder hervor und umgab sie mit Schilderungen der Lebenssituationen, in denen er sie verfasst hatte. Zufall oder nicht, diese Geschichten verteilten sich so gut in seinem Lebenslauf, dass sie das Buch gliedern konnten. […] in ihrer Gesamtheit lassen sie eine Erzählstruktur erkennen, die ich immer sehr überzeugend gefunden habe: Anfang, Mitte und Ende.“ (S. 11 f) Der Reigen beginnt mit Die Armee der Schatten. Ambler hatte bereits seinen ersten Roman Der dunkle Grenzbezirk veröffentlicht, arbeite aber noch hauptberuflich in einer Werbeagentur. Sein Verlag hatte von der Londoner Stadtverwaltung den Auftrag erhalten, einen Sammelband herauszubringen, dessen Erlös dem Britischen Roten Kreuz zugutekommen sollte, The Queen‘s Book of the Red Cross. Obwohl er sich nach der Ablehnung einiger Kurzgeschichten durch eine Agentin vorgenommen hatte, keine weiteren Kurzprosa zu schreiben, arbeitete er zügig und ohne seine zu dieser Zeit üblichen Unsicherheiten, denn er hatte etwas zu sagen, das laut und unverblümt zu sagen bald sehr viel schwieriger sein würde: dass nämlich nicht das deutsche Volk unser Feind war, sondern die Nazityrannei. (S. 26). Schon kurz darauf erhielt Ambler einen weiteren Auftrag, diesmal über sechs Detektivgeschichten für eine Zeitschrift. Er besorgte sich das zweibändige damalige britische Standardwerk der Gerichtsmedizin und erfand mit dessen Hilfe sechs hübsche kleine Mordgeschichten; sechs kleine Rätsel mit sechs Lösungen […]. Gefragt war jetzt ein Meisterdetektiv. Er musste sich in kleine Geschichten einfügen. […] Er musste erkennbar in unsere Zeit gehören. Kurz und gut, es musste ein Flüchtling her. (S. 59) Die Geschichten standen unter dem Obertitel Dr. Czissar mischt sich ein, mit Dr. Czissar als einem vor den Nazis geflohenen hohen Beamten der Prager Polizei. Schon seinerzeit waren Flüchtlinge nicht überall nur gerne gesehen, und so kommen Dr. Czissars Einmischungen, obwohl er ein Empfehlungsschreiben eines hohen Tiers aus dem Innenministerium hat, nicht überall bei Scotland Yard gut an… In diese Zeit fielen Amblers Bewerbungen bei den unterschiedlichen Waffengattungen der Britischen Armee und seine erste Eheschließung. Seine Themen und seine politische Haltung waren klar: antifaschistisch und internationalistisch – bis heute die Kerngedanken linken und progressiven Denkens. Dann kommt, was kommen musste: Bis ich wieder eine Erzählung schrieb, vergingen fünfundzwanzig Jahre. (S. 151) Und Ambler verfällt ab da auch im zweiten Teil seiner Autobiographie in die Untugenden des ersten. Zuerst gibt er sich noch Mühe, hält sich an Daten und Fakten und bleibt textlich konzise. Aber dieses bei genauem Lesen nur scheinbar. Eben noch hatte er geheiratet (unmittelbar vor Beginn der Geschichten um Dr. Czissar), und zwei Seiten danach folgt die Scheidung – nach achtzehn Ehejahren. Diese und auch alle übrigen Aspekte von Amblers Leben in dieser Zeit werden nahezu unterschlagen. Es folgen der Umzug nach Hollywood und gleich darauf seine zweite Eheschließung mit der damaligen Produzentin Alfred Hitchcocks. Hollywood-Klatsch und die beginnende wirkliche Prominenz“ – von der sattsam bekannten Anekdote William Faulkners, der als angestellter Drehbuchautor mit Präsenzpflicht im Großraumbüro einmal eigenmächtig zu Hause in Mississippi gearbeitet hatte, als er kurzfristig an einer Besprechung des Studios teilnehmen sollte und unauffindbar war, über Bekanntschaften Amblers in der Bel Etage Hollywoods bis zum Handshake mit verschiedenen US-Präsidenten – schließen sich an. Breiten Raum und übertriebene Ausführlichkeit in der Beschreibung der Details nimmt das Abbrennen des Hauses der Amblers in den Hollywood Hills ein, bei dem für niemanden eine konkrete Verletzungsgefahr bestanden hatte. Dennoch nehmen sie dies zum Anlass, die USA zu verlassen. Zwar beziehen sie dort noch ein neues Haus, das besser brandgeschützt ist, aber sie sind viel auf Reisen, insbesondere in der Karibik, bevor sie sich nach Europa begeben, wo Amblers Frau Studentin an der Sorbonne und in Oxford gewesen war, und wo sie inzwischen bessere Möglichkeiten für die Produktion anspruchsvoller Filme sah: Wir beide gingen auf die Sechzig zu. Vielleicht wurde es Zeit, dass wir uns nach neuen Betätigungsfeldern umsahen. (S. 187) Aber es war die Karibik, die den Hintergrund zur nächsten Erzählung lieferte, Der Kuhhandel, in der einem durch einen Staatsstreich gestürzten Präsidenten eines ungenannt bleibenden mittelamerikanischen Staates ein starker Abgang gelingt, bauernschlau eingefädelt und sehr lesenswert. Im nächsten Kapitel leben die Amblers bereits in der Schweiz, in dem Ort am Genfer See, in dem sich der am Anfang von Ambler by Ambler beschriebene Autounfall ereignet hatte. Die Beschreibung, sowohl der Schweiz und ihrer Verhältnisse als auch der Nachbarn und Bekannten, kann man nur als burlesk bezeichnen und lieferte mir als Leser – nach langem Nachdenken – eine Erklärung für einen Aspekt von Amblers Biographie, den ich, und vermutlich viele andere, nie so richtig verstanden hatten. Als er in einer US-Talkshow nach dem Erscheinen des Romans Topkapi gefragt worden war, warum er einen so widerwärtigen Kerl wie Arthur Simpson, Zuhälter, Pornographen und Dieb, zum Protagonisten gemacht hätte, hatte Ambler zum Entsetzen der Interviewerin geantwortet, dass dieser Roman in der Tat autobiographisch ist (die Zitate entstammen der von Ambler verfassten Bildunterschrift zu einem Foto der Interview-Situation, abgedruckt in Über Eric Ambler, herausgegeben von Gerd Haffmans, Diogenes Verlag, erweiterte Neuausgabe 1989, S. 230 f). Nun gibt aber auch gar nichts in Amblers Lebensgeschichte auch nur den leisesten Hinweis darauf, dass dem so sein könne. Wenn man Amblers Kenntnisse der psychoanalytischen Psychologie heranzieht, und weiß, wie er diese gelegentlich nicht nur auf seine Romanfiguren, sondern auch auf sich selbst anwendet, bleibt als Lösung nur die Annahme einer Wunschprojektion. Es könnte sein (man beachte den Konjunktiv!), dass er sich sein Leben als einen ungelebt gebliebenen Schelmenroman erträumt hat. Einige der Situationen, die er in der Schweiz ansiedelt, wie zum Beispiel die, dass die Leiche eines Nachbarn bei der Trauerandacht aus dem Sarg fällt und er, Ambler durch seine Geistesgegenwart die Situation rettet, sind so haarsträubend und an den Haaren herbeigezogen, wie manches in den beiden Romanen, in denen die Figur Arthur Simpson vorkommt, für dessen verkorkstes Leben allerdings künstlerisch gut entworfen. Hier, in der Autobiographie, sehe ich es als eine Wunschäußerung des Unbewussten. Als Erfüllung eines – von seinen Lesern ¬– unerwarteten Wunsches kann auch die letzte Erzählung angesehen werden, Wer hat Blagden Cole umgebracht?, die titelgebende Künstlernovelle (sic!). Wenn man Amblers Fernduelle mit Raymond Chandler, und dessen zeitlebendes Leiden daran, nicht als ernsthafter Romancier wahrgenommen zu werden, kennt, verwundert es, dass auch Ambler hier in fremdem Terrain wildert, wie jemand, der zum Schluss noch einmal sagen will, dass er auch ganz anderes gekonnt hätte. Das biographische Versteckspiel aus Ambler by Ambler geht also in der Fortsetzung weiter. Allerdings hier reflektierter und charmanter. Dafür ein Bewertungsstern mehr. 01.06.2016 – Joachim Tiele

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