Eric Bell

 4.7 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf von Eric Bell

Ein Coming-out und seine literarischen Folgen: Das Coming-out eines Zwölfjährigen auf der High-School ist keine Kleinigkeit. Dies musste auch Eric Bell in seiner Schulzeit in den 90er-Jahren erfahren. Mit seinem Erstlingswerk "Dieses Leben gehört: Alan Cole. (Bitte nicht knicken)" (dt. 2018) liegt der gelungene Versuch einer literarischen Verarbeitung vor. Bereits in der Kindheit beginnt Bell – der nur wenig Persönliches von sich preisgibt – mit dem Schreiben, vor allem von Gedichten. Auch ein Theaterstück stammt aus seiner Feder. Bells literarische Vorbilder sind Roald Dahl, Jon Scieszka, Shel Silverstein und Louis Sachar. Während seines Studiums (Psychologie und Englisch) in Philadelphia überkommen Bell psychische Probleme, die ihn zunächst am Schreiben hindern. Mithilfe des Philadelphia Writers Workshop gelingt es ihm, die Schreibblockade abzulegen. Den schriftstellerischen Durchbruch mit „Alan Cole“ verdankt Bell dann seinem Agenten, der an ihn glaubt und euphorisch zur Veröffentlichung rät. Und er sollte recht behalten: Die Aufnahme bei der Kritik und die Verkaufszahlen sind überwältigend. Die Hauptfigur des schwulen Helden Alan Cole wird von den insbesondere jugendlichen Lesern so sehr geliebt, dass Bell an einer Fortsetzung arbeitet. Anliegen des Autors ist es, mehr Verständnis für die Schwierigkeiten zu wecken, mit denen homosexuelle Heranwachsende zu kämpfen haben.

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Rezension zu "Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken" von Eric Bell

Macht Mut
Ravenvor einem Monat

Das Kinderbuch "Dieses Leben gehört: Alan Cole" von Eric Bell hat einen Umfang von 304 Seiten und ist beim Fischerverlag Sauerländer erschienen.

Das Buch gibt es als Hardcover und Ebookausgabe. Die Hardcoverausgabe hat eine sehr gute Qualität mit schönen, dicken Leseseiten. Altersempfehlung ab 11 Jahre

Alan Cole ist ein typischer Nerd ohne Selbstbewusstsein. In der Schule wird er gemobbt und zu Hause ist er auch nicht besser dran. Sein Vater macht ihn fertig, weil er leidenschaftlich gerne malt und zu allem Übel hat sein Bruder rausgefunden das er Schwul ist und erpresst ihn ab jetzt damit.

Zitat:
"Es ist mir lieber, dass es schwer ist, ich selbst zu sein, als dass es schwer ist, jemand anderes zu sein."

Das Buch ist ein typisches Jugendbuch. Es zählt zwar unter die Kategorie Kinderbücher, aber ich würde es bereits dem Jugendbuchgenre zurechnen. Für erwachsene Leser mag es nicht spektakulär genug sein, aber für Jugendliche mit gleicher oder ähnlicher Problematik kann es zu einer Stütze werden. Das Werk macht Mut und trägt einen wesentlichen Teil zur Aufklärung bei. Es fördert Toleranz und Vielfalt. Ich find es für Jugendliche wunderbar.

Fazit: Ein Buch, welches zur Aufklärung beiträgt und Jugendlichen Mut macht, eine Stütze sein kann und allgemein die Vielfalt und Toleranz fördert. Eine außerordentliche Leseempfehlung von mir!

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EmmyLs avatar

Rezension zu "Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken" von Eric Bell

Eine erschreckend authentische Familiengeschichte
EmmyLvor 3 Monaten

Der zwölfjährige Alan zeichnet sehr gern, ist introvertiert und hat in der Schule keine Freunde. Für die soziale Zurückgezogenheit ist sein älterer Bruder Nathan verantwortlich. Seit sich Alan erinnern kann, wird er von seinem Bruder gequält, geschlagen und psychisch terrorisiert. Alle Freunde mit denen er Gemeinsamkeiten teilte wurden von seinem Bruder drangsaliert bis sie mit Alan nichts mehr zu tun haben wollten. Aus Angst vor seinem Bruder knüpft Alan überhaupt keine Freundschaften mehr. Nathan möchte immer wieder beweisen, dass er der besser, schneller, stärker, cleverer ist. Dazu hat er sich das Spiel Cole gegen Cole ausgedacht. Bei diesem Spiel muss jeder Bruder eine bestimmte Anzahl möglichst unlösbarer Aufgaben auf einen Zettel schreiben und lösen. Dem Verlierer droht eine furchtbare Strafe. Leider hat Alan bei diesem Spiel bisher nie gewonnen, während sein Bruder mit cleveren Manövern die Spielregeln zu seinen Gunsten bog. Nun hat Nathan zu einer neuen Runde CgC ausgerufen und für Alan steht viel auf dem Spiel. Verliert er, wird sein Bruder ihn vor der gesamten Schule outen, denn Alan ist in seinen Banknachbarn Connor verliebt.

Mit viel Einfallsreichtum und vor allem Mut geht Alan die sieben schier unlösbaren Aufgaben an. Dabei findet er nicht nur zu innerer Stärke sondern auch zu neuen Freunden.

Alan schildert seine Erlebnisse in der Ich-Form im Präsens. Hin und wieder knüpft er in die laufende Handlung Erinnerungen an vergangene Ereignisse. So erhält der Leser einen umfassenden Einblick in die familiären Lebensumstände. Für mich war das Desinteresse der Mutter an ihren Söhnen ganz besonders erschreckend. Nie setzte sie sich für die Jungs gegenüber dem strengen Vater ein oder setzte dem brutalen Verhalten von Nathan Grenzen. Einige der familiären Probleme werden aufgeklärt, die passive Rolle der Mutter bleibt allerdings bis zum Schluss im Dunkeln. Im Zentrum der Geschichte stehen die Brüder Alan und Nathan Cole. Während Nathan seine Unsicherheit durch Gewalt gegen den Bruder zum Ausdruck bringt, schöpft Alan beim Zeichnen Kraft für seinen Alltag.

Eine berührende Geschichte um Coming out, Familie, Selbstfindung und Erwachsenwerden.

Für Kinder ab 10 Jahre geeignet.

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haensbaenss avatar

Rezension zu "Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken" von Eric Bell

Du bist kein Feigling - sei mutig!
haensbaensvor 5 Monaten

Vollständige Rezension: queerbuch.wordpress.com

Ein Feigling – dafür hält sich Alan seit seiner Geburt. Sein Vater nennt ihn immer nur »Goldfisch«; ein Tier, das man nur aus Gründen der Dekoration hat, das aber sonst nichts kann. Sein Bruder Nathan taucht immer wieder aus dem Nichts auf, zwingt ihn zu allen möglichen Dingen, droht mit Gewalt und wendet diese auch an. Es bereitet ihm großes Vergnügen, Alan zu demütigen. Mich hat dieses Verhältnis der Geschwister und das Verhalten von Nathan sehr schockiert, weil ich einfach nicht mit dieser Thematik gerechnet hatte. Bis zu den ersten Szenen mit dem Vater, der seine Kinder als größtmögliche Enttäuschung betrachtet und dessen Frau einfach nichts zu melden hat, sondern nur ängstlich zurückzuckt, fragte ich mich doch tatsächlich, ob ich in meiner Kindheit da etwas falsch verstanden habe und Jungs so miteinander umgehen (ich habe nur eine Schwester). Diese Alltäglichkeit der Gewalt in Familien hat Eric Bell so selbstverständlich einfließen lassen, dass es mir die Haare zu Berge stehen ließ. Ich hätte Alan die meiste Zeit über am liebsten in den Arm genommen und ihm gesagt, dass es nicht so sein muss, dass das NICHT normal und okay ist, dass er so nicht leben muss. Dass er mehr wert ist.

In diesem Buch geht es um Akzeptanz, um Selbstakzeptanz und Vielseitigkeit. Na klar, denkt ihr euch jetzt bestimmt, es geht ja auch um Homosexualität. Diese Schlagworte treten aber in einem ganz anderen Zusammenhang auf, dass Alan akzeptiert, dass er schwul ist, ist nur der kleinste Teil davon. Madison, ein Junge mit einem Mädchennamen, ist übergewichtig und ein Superhirn – er verhält sich eigentlich wie ein intellektueller Erwachsener. Zack lässt sich leicht ablenken, seine Haare stehen in alle Richtung ab und er wird nicht nur als leicht beschränkt, sondern auch als sehr merkwürdig wahrgenommen. Madison und Zack sind wie Alan Außenseiter, Gemeinsamkeiten haben sie auf den ersten Blick nicht. Die Hauptaussage dieser Geschichte ist eigentlich: Wir sind alle verschieden, aber wir sind auch alle gleich. Und so werden Madison, Zack und Alan nach und nach Freunde.

Ich mochte die Geschichte sehr gerne. Sie ist bittersüß – grausam und schön zugleich. Ein bisschen musste ich bei Alan an den Alan von Two and a Half Men denken, der von seinem Bruder Charlie als Kind (sowie als Erwachsener) malträtiert wurde. Wer weiß, was aus diesem Alan geworden wäre, wenn er den Mut gefasst hätte, sich gegen seinen Bruder aufzulehnen?

Das Buch wird vom Verlag für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren empfohlen. Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich es großartig finde, dass die LGBT+-Thematik nun auch mehr im Kinderbuchbereich auftaucht. Ich erinnere mich noch daran, wie ich in der ersten Klasse vehement verkündet habe, dass es doch total doof ist, einen Jungen heiraten zu müssen und ob ich nicht auch meine Freundin heiraten könne. Damals begriff ich natürlich nicht nicht, dass das als »gesellschaftlich verwerflich« angesehen wurde. Hätte ich solche Bücher schon damals gelesen, hätte ich es vielleicht früher kapiert (und auch meine Eltern!). Ein weiteres LGBT+-Kinderbuch für diese Altersgruppe ist George, in dem es um das Transmädchen George geht.

Ein wenig gestört hat mich die Schwarzweiß-Darstellung des Vaters. Es wird zwar irgendwann erklärt, aufgrund welchen Traumas er sich so verhält, ich fand allerdings die Darstellung etwas sehr vereinfacht… Nun gut, für Kinder muss man das wohl etwas weniger ausführlich erklären. Den englischen Titel Alan Cole Is Not A Coward (Alan Cole ist KEIN Feigling) finde ich zwar wie immer passender gewählt, aber das ist ebenso Klagen auf hohem Niveau. Was mich sehr gefreut hat, ist, dass im Oktober die Fortsetzung Alan Cole Doesn't Dance auf Englisch erscheint. :) Denn das Ende von dieser Geschichte ist nur ein Anfang, es geht weiter!

Fazit

Dieses Leben gehört: Alan Cole hat mich wahnsinnig überrascht. Es ist ein ganz wichtiges Buch über Mut und darüber, dass du dir nicht alles gefallen lassen musst. Dass nicht alles deine Schuld ist. Dass du toll bist. Das Thema Homosexualität wird alltäglich dargestellt und eher weniger als Problem gesehen, als Gewalt in Familien. Es zeigt uns, dass wir viel erreichen können und Menschen zum Umdenken bewegen können, von denen wir das niemals erwartet hätten. Wenn wir nur zu uns selbst stehen und den Mut aufbringen uns als das zu sehen, was wir alle sind – großartig. Für das Buch gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir!

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