Eric Pfeil

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Erschienen am 01.01.2018
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Erschienen am 10.09.2012

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Rezension zu "Komm, wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee" von Eric Pfeil

Eric Pfeil Komm wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee - Die Poptagebücher Lob & Hudel
thursdaynextvor 5 Jahren

>„Stietenroth hat am Kiosk eine neue Frauenzeitschrift endeckt. Sie heißt, „meine Schuld“.

Ich glaube alle anderen Indizien dafür, dass die Welt vollkommen aus den Fugen ist und mit Pappnasen gen Abgrund tanzt, sind nur noch Zuckerguss auf der Torte der Doofheit.“ <

 

Eric Pfeils Poptagebücher sind das unschlagbar beste und amüsanteste was mir bisher im Genre Musikliteratur untergekommen ist.  Wirklich jede Seite hat zitierenswerte Bonmots oder zumindest herrliche Wortschöpfungen und Musikbeschreibungen aufzuweisen.

Sein trockener unaufgeregter Stil ist cool, eben weil man merkt es zielt nicht auf diese Coolness ab. Der Mann schreibt schlicht was er denkt. Und er drückt es erhebend (also Mundwinkel und Laune erhebend) aus.

Seltenst geschieht es mir, dass ich einen Autor persönlich kennenlernen möchte, nicht einmal bei meinen Lieblingsautoren hätte ich da Interesse (Ausnahme Douglas Adams um ihm verschüchtert und wortlos zu huldigen, zu spät......)

Eric Pfeil hat sich derart in mein Herz und Hirn geschrieben, dass ich dem Manne ewig andachtsvoll und kichernd lauschen könnte.

Peinliche Vorstellung. Egal !

Ich habe mich beim Lesen weggeschmissen, penetrant meinen an Popmusik eher  uninteressierten Mann verfolgt, um ihm Sätze vorzulesen ( sorry, es ging nicht anders und die Ehe ist nicht immer ein Lolly, ich sag nur Jon Krakauer! ) 

Da dies Tagebücher sind und sich über Geschmack nicht streiten lässt ist hier natürlich etliches Material zusammengekommen dem man entweder beigeisternd kopfnickend zustimmt, oder sich böse Wörter denkend weiterliest. Bei seiner Björk Einschätzung, noch befriedigt gackernd blieb mir bei der Paul Simon  Lobhudelei das Verständnis weg und seine Einschätzung zu der Kölner Band „The Piano has been drinking“ halte ich für völlig verfehlt. Tom Waits auf Kölsch gecovert ist geil!

Aber wie gesagt Geschmack ist privat und es dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein, sogar für Nichtmusikliebhaber, da er sich nicht zu schade ist modische Feinheiten von Musikliebhabern detailgetreu in warmen Worten zu erwähnen.

Nett: „....Männer deren ästhetisches Empfinden durch die Kombination Weste T-shirt nicht beeinträchtigt wird...“

Da entstehen Bilder, die man so schnell nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Sogar musikalisch schafft er es mit diesen feinen Beschreibungen unbekannte Bands vor das innere Ohr zu bringen.

Chapeau!

 

Den erhebendsten Satz fand ich über die Beatles:

„Die Musik der Beatles ist wunderbare Erübrigungsmusik: Sie erürbrigt fast jede andere Musik.“

 

Bevor ich jetzt hier weiter schamlos, emotional schwärme besorgt euch „Komm wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee“ (Titel wird erklärt) holt euch Höranregungen und gute Laune ins Haus, geniesst, verfolgt eure Lebenspartner und macht es zur Regalzierde, auch wenn die Umschlaggestaltung etwas schlichtes, aber blasphemisches hat.

Es finden sich Höranregungen, Hintergründe, herrlicher Humor, leichte Gesellschaftstrendkritik und sollte er eine seiner drei guten Ideen vom 9.12.2007 verwirklichen, nämlich das Buch mit dem Titel

„Einiges über das meiste - Ein  paraphilosophisches Feelgood-Buch von einem Ahnungslosen für noch Ahnungslosere“

Ich werde es umgehend kaufen!


Ach ja und an alle die glauben während eines Konzertes die ganze Zeit Bilder mit ihrem Smartphone machenzu müssen. Spart Geld, bleibt daheim und schaut euch das Ganze auf Youtube an und nervt nicht die

Leute die einfach nur Spass haben wollen. ;)

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ralluss avatar

Rezension zu "Komm, wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee" von Eric Pfeil

Wer Hören will muss Lesen
rallusvor 5 Jahren

Eric Pfeil ist Musikkritiker und gehört laut seiner eigenen Selbstkritik wohl einer der unteren Schichten der Gesellschaft an. Zu vergleichen mit Maklern oder Notaren. Wozu wird denn ein Musikkritiker noch gebraucht? Hier lesen wir warum sie in der heutigen Zeit noch dringender als sonst benötigt werden.

 Musik ist Geschmackssache und darüber lässt sich bekanntlich schwer streiten. Das weiß auch Eric Pfeil:

 "Je nachdem mit wem man sich unterhält, ist die heute produzierte Popmusik wahlweise so gut oder so schlecht wie noch nie. Ich glaube das stimmt."

 Deswegen sind aber trotzdem die an verschiedenen Tagen (von 12.11.2007 bis 4.9.2009) aufgeschriebenen Notizen, Kommentare, Gedanken und Erlebnisse zu Musik, Gott und die Befindlichkeit der westlichen Welt eine höchste lesenswerte Reise durch die Dekaden der Popmusik.

Eric Pfeil möchte auch niemanden missionieren er schreibt einfach über Musik und in jedem Wort seiner Liebe aber auch Kritik steckt eine wortgewaltige und humorvolle, teils lakonische Sichtweise.

"'Ich finde die .... sind eine gute erste Band, mit der ein sehr junger Mensch auf den Weg gebracht werden kann', sagt der onkelnde Bekannte onkelnd.

'Genau das ist wohl das Schlimme an den ....', murmele ich weltmürbe.

'Was genau?'

'Dass ist Musik für Menschen, die gerne noch minderjährig und nicht haftbar wären. Das ist Sesamstrassen-Rock.'

'Okay wie wärs dann mit ;;;;'"

 Für die hier nicht genannten .... und ;;;; mag jeder dann seine entsprechenden Bands einsetzen.

Natürlich gibt es auch Listen wie in High Fidelity. Listen mit Musikern mit denen Eric Pfeil nicht in einem Aufzug eingeschlossen sein möchte oder Gruppen die sich besser auflösen sollten.

Eric besucht auch gerne Konzerte und wundert sich bei einem Verriss eines Take That Konzertes (herrlich subtil und böse) dass seine Anwesenheit bei anderen Größen der Musik von Konzertagenturen nicht unbedingt erwünscht ist.

Für den heutigen Mainstream-Pop hat er auch direkte Worte:

 "Dieser salbungsvolle, prätentiöse Gefühlsrockpop aus England ist von allen Erfolg versprechenden Kühen, die auf den engen Weiden des Pop vor sich hin grasen, diejenige, die derzeit am schamlosesten gemolken wird.

Ruhigstellungsmusik - produziert von jungen Männern, die großäugig von "Love, Love, Love" singen, sich dabei vor lauter Pomp verschlucken und in Posen vergehen, die sich nur von Simple Minds Live DVDs abgeguckt, der an der Stadionrockresterampe aufgesammelt haben können. Ohrenwischerei auf flachstem Niveau. Abendteuerländlich beinah."

Auch hier bitte entsprechende Gruppen einsetzen.

Eric Pfeil ist im Grunde ein Kulturpessimist:

"Stietenroth hat am Kiosk eine neue Frauenzeitschrift entdeckt. Sie heißt 'Meine Schuld' Ich glaube, alle anderen Indizien dafür, dass die Welt vollkommen aus den Fugen ist und mit Pappnase gen Abgrund tanzt, sind nur noch Zuckerguss auf der Torte der Doofheit."

Auch die Popmusik ist immer ein ewiger Grund zu granteln und das kann er in den schönsten Worten! Konzerte von Haarspray-Edelmetall-Mucker (auch hier mag der geneigte Popliebhaber eine Gruppe seiner Wahl einsetzen) werden gnadenlos seziert sowie die so mancher "Neuen Helden" (siehe oben) Popmusik ist seine Geliebte die in so manches Mal im Stich lässt - aber es gibt sie trotzdem, die Momente für die es sich lohnt Musik zu hören. Bei Eric Pfeil sind das die stillen Momente, Konzerte an denen man die Stecknadel zu Boden fallen hört, wenn die Welt 90 Minuten nur aus Musik besteht und der Lärm dieser Welt verebbt.

In bin nicht in allen Aussagen mit ihm einer Meinung aber das ist ja nicht so wichtig, solange er das in solche Worte kleiden kann.

Und viele Anstöße hat er mir auf jeden Fall verschafft!

Leicht melancholisch, ein wenig weltmüde, aber absolut witzig sind seine Tagebücher zum Pop und so ziemlich das Beste über Musik was mir beim Lesen vor die Augen geblättert wurde.


Nachtrag: Und wer sein Buch mit "Do you realize?" von den Flaming Lips anfängt, kann keinen schlechten Geschmack haben.

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Affenbrotwalds avatar

Rezension zu "Komm, wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee" von Eric Pfeil

Rezension zu "Komm, wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee" von Eric Pfeil
Affenbrotwaldvor 8 Jahren

Ziemlich bissiges Tagebuch eines Musikkritikers. Die Einträge sind meist kurz und sehr unterhaltsam, aber einige Male vertieft er sich auch in Anschauungen über eine bestimmte Band/einen Musiker.
Man muss kein Musikkenner sein, um dieses Buch zu lesen. (kann aber dadurch einer werden)

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