Erich Hackl

 3.8 Sterne bei 243 Bewertungen
Autor von Abschied von Sidonie, Auroras Anlaß und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Erich Hackl

Seinen literarischen Beitrag zu Menschenrechtsverletzungen leisten: Der 1954 geborene österreichische Autor hat nach einem Studium der Germanistik und Hispanistik in Salzburg, Salamanca und Málaga zunächst als Lehrer und Lektor, später als Dozent an der Universität Wien gearbeitet. Seit 1983 arbeitet das Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung als Übersetzer, Herausgeber und freier Schriftsteller. Sein Debüt, die Erzählung „Auroras Anlaß“, zählt zur Schullektüre und erschien 1987. Zu seinen bekanntesten Werken gehört die Erzählung „Abschied von Sidonie“ aus dem Jahr 1989, die mehrfach mit verschiedenen Literaturpreisen und wegen des gesellschaftspolitischen Engagement ausgezeichnet und 1990 verfilmt wurde. Seinen Werken, die Themen des Nationalsozialismus und Austrofaschismus in Österreich behandeln, liegen authentische Fälle zugrunde. 2017 wurde Erich Hackl mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.

Neue Bücher

Am Seil
 (12)
Neu erschienen am 25.07.2018 als Hardcover bei Diogenes.

Alle Bücher von Erich Hackl

Sortieren:
Buchformat:
Erich HacklAbschied von Sidonie
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Abschied von Sidonie
Abschied von Sidonie
 (96)
Erschienen am 23.07.1991
Erich HacklAuroras Anlaß
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Auroras Anlaß
Auroras Anlaß
 (64)
Erschienen am 21.03.1989
Erich HacklSara und Simón
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Sara und Simón
Sara und Simón
 (16)
Erschienen am 02.01.1997
Erich HacklAm Seil
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Am Seil
Am Seil
 (12)
Erschienen am 25.07.2018
Erich HacklDie Hochzeit von Auschwitz
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Die Hochzeit von Auschwitz
Die Hochzeit von Auschwitz
 (15)
Erschienen am 30.01.2004
Erich HacklFamilie Salzmann
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Familie Salzmann
Familie Salzmann
 (11)
Erschienen am 21.02.2012
Erich HacklAls ob ein Engel
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Als ob ein Engel
Als ob ein Engel
 (7)
Erschienen am 25.08.2009
Erich HacklEntwurf einer Liebe auf den ersten Blick
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Entwurf einer Liebe auf den ersten Blick
Entwurf einer Liebe auf den ersten Blick
 (8)
Erschienen am 23.02.2001

Neue Rezensionen zu Erich Hackl

Neu
HansDurrers avatar

Rezension zu "Am Seil" von Erich Hackl

Eine Heldengeschichte
HansDurrervor 2 Monaten

Eine Heldengeschichte, lautet der Untertitel von Erich Hackls Am Seil und ganz automatisch regt sich in mir Widerstand, denn mit Helden habe ich’s generell und überhaupt nicht. Und mit dem Zitat von Samuel Moser auf der vierten Umschlagseite schon überhaupt gar nicht. „Hackl ist nicht hinter der historischen Faktizität her. Sein Wahrheitsbegriff ist ein anderer. Wahr ist sein Text, wenn in ihm steht, was und wie es ihm die Menschen erzählten.“ Schon etwas esoterisch, das NZZ-Feuilleton. Mir selber steht E.W. Heines Ansatz näher: „Menschliche Eindrücke lassen sich widerlegen, nicht so die Fingerabdrücke des Angeklagten auf der Tatwaffe.“  (New York liegt im Neandertal, Diogenes Verlag, Zürich 1984).

„Er war der beste Freund ihres Vaters, zu einer Zeit, in der Männer noch beste Freunde und Frauen beste Freundinnen hatten, vor einer halben Ewigkeit also.“ So beginnt Erich Hackls Am Seil. Neben der sehr schönen  zeitlichen Einordnung ist es vor allem der Sprachrhythmus, der mich für diesen Text einnimmt, doch worum geht’s?

Die Jüdin Regina Steinig, Doktor der Chemie und arbeitslos wie viele zur Zeit des Naziterrors in Wien, Mutter der achtjährigen Lucia, doch ohne Ehemann (der Kindsvater, den sie durchaus schätzte, kam für sie, obwohl er wollte, dafür nicht in Frage) muss sich vor den Nazis in Sicherheit bringen. Der Kunsthandwerker und passionierte Bergsteiger Reinhold Duschka, der zu ihrem halb pazifistischen, halb kommunistisch gesinnten Freundeskreis gehört, nimmt sie und ihre Tochter bei sich auf.

Detailliert und einfühlsam beschreibt Erich Hackl, auf Lucias Erinnerungen gestützt, wie die drei in Duschkas Werkstätte ihre Tage verbrachten. Wie Lucia und ihre Mutter in der Werkstatt mithalfen, Essen zubereiteten, sich vor Besuchern in Deckung brachten, sich davor fürchteten, krank zu werden. Man wähnt sich vor Ort mit dabei, glaubt nachfühlen zu können, wie die Angst vor dem Entdecktwerden ihr Leben bestimmte.

Die drei bemühen sich, soviel Normalität wie möglich aufrecht zu erhalten. Regina versucht ihre Tochter zu unterrichten, doch das gestaltet sich schwierig, geht dieser doch „alles beim einen Ohr rein, beim andern raus.“ Was auch nicht half, erinnert sich die Tochter gegenüber Erich Hackl, dass ihre Mutter auch „von eher ungeduldigem Naturell war.“

Es ist die Fähigkeit des Autors, Vergangenheit und Gegenwart lebendig werden zu lassen, die dieses Buch prägt. „Besonders schaurig hörte sich für Lucia das durchdringende Heulen der Sirenen an, das ihr noch heute, als Feierabendsignal jeden Samstagmittag, durch Mark und Bein geht, dabei die anderen todankündenden Geräusche in Erinnerung ruft: das Brummen der Flieger, das Bellen der Flak, das Zischen und Jaulen der vom Himmel stürzenden Bomben, ihr betäubendes Krachen.“

Bomben fallen auf ihre Bleibe, zerstören das Haus, sie müssen einen neuen Unterschlupf finden. Dann kommen die Russen. „Wir hatten beim Einmarsch die Deutsche Wehrmacht marschieren gesehen. Gezirkelte Bewegungen, stramm, straff. Das Knallen der Stiefel auf dem Pflaster. Die Russen dagegen sind nicht marschiert, sondern gegangen. Geschlendert! Sie hatten weiche Filzstiefel and und trugen statt Stahlhelmen Pelzmützen.“ Meine Vorstellungen von Russen sind anders und genau deshalb ist die Schilderung der erlebten Wirklichkeit so wesentlich.

Am Seil ist eine Würdigung des wortkargen und schwierigen Reinhold Duschka und vor allem deswegen so gelungen, weil der Autor vorführt, wie Komplexität in einfacher Sprache vermittelt werden kann. Und damit klar macht, dass bestenfalls eine Annäherung an das, was vorgefallen ist, möglich ist. „Lucia wollte alles, was sie sah, in ihrem Gedächtnis speichern, aber der Wunsch selbst vereitelte das Vorhaben, weil sie vor angestrengtem Hinschauen gleich wieder vergass, was ihr eben noch erinnerungswürdig erschienen war.“

Am Seil ist ein berührendes und zutiefst menschliches Buch.

Kommentieren0
1
Teilen
schillerbuchs avatar

Rezension zu "Am Seil" von Erich Hackl

Ein Gerechter unter den Völkern
schillerbuchvor 2 Monaten

Erich Hackls Buch „Abschied von Sidonie“ hat mich vor vielen Jahren sehr bewegt. In ihm erzählt er das Schicksal des Sintimädchens Sidonie, das von einer österreichischen Pflegefamilie angenommen wird und gegen deren Widerstand kurz vor Kriegsende nach Auschwitz deportiert wird. Es ist ein ganz typisches Buch für diesen österreichischen Autor, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, von menschlichen Schicksalen zu erzählen, die nicht in Vergessenheit geraten sollten.

Der Inhalt

In seinem neuen Buch erzählt er die Geschichte von Reinhold Duschka, einem Berliner Handwerker, den seine Leidenschaft für die Berge nach Wien verschlägt, wo er nicht nur dem Bergsteigen nachgehen kann, sondern auch auf einen Freundeskreis trifft, der politisch interessiert ist und vielfältige Themen diskutiert. Regina Steinig steht im Mittelpunkt dieses Kreises, eine attraktive Frau mit wechselnden Liebhabern und einer Tochter, Lucia. Als Jüdin sieht sich Regina zunehmenden Repressalien ausgesetzt und findet 1941 in der Werkstatt von Reinhold, die er sorgfältig als Notquartier vorbereitet hat, Unterschlupf. Bis kurz vor Kriegsende leben Regina und Lucia dort, stets in der Angst entdeckt zu werden. Als dieses Notquartier bei einem Bombardement zerstört wird, bringt Reinhold die beiden in einem Laden, den er anmieten konnte, unter.

Nach Kriegsende führen alle Beteiligten wieder ihr eigenes Leben, bleiben jedoch in regelmäßigem Kontakt. Reinhold verliert kein Wort über seine Heldentat, selbst seine Tochter erfährt erst spät, was er getan hat. Lucias Hartnäckigkeit gibt er im Alter von 90 Jahren schließlich nach: Sie schlägt ihn aus für die Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“, die die Gedenkstätte Yad Vaschem vergibt. Mit 93 Jahren stirbt Reinhold Duschka.

Die Hauptpersonen

Reinhold Duschka, Regina Steinig und Lucia, ihre Tochter stehen im Mittelpunkt des Buches. Erich Hackl setzt aus persönlichen Berichten viele kleine Episoden zu einem intensiven Bild des Wiens der Nazizeit zusammen.

Regina ist eine attraktive Jüdin, Chemikerin an der Charité, die sich nach kurzer Ehe scheiden lässt. 1929 bekommt sie eine Tochter, Lucia, von Rudi Krauss, den sie nicht heiraten möchte, weil sie ihn für eheuntauglich hält. Dieser bleibt sein Leben lang mit seiner Tochter in Kontakt. Nach Kriegsende besucht Lucia ihn in seiner neuen Heimat Australien, erkennt jedoch, daß sie dort nicht leben kann und kehrt nach Österreich zurück, wo sie heiratet und eine Familie gründet. Regina heiratet nach dem Krieg ihren langjährigen Liebhaber Fritz Hildebrandt, einen farblosen Mann, von dem niemand begreift, was Regina an ihm findet und der sie sogar im Altenheim noch betrügt. In der Nachkriegszeit kämpft Regina jahrelang um ihre alte Stelle, die man ihr gekündigt hatte, weil sie Jüdin war.

Reinhold ist ein schweigsamer Mann, den es in jeder freien Minute in die Berge zieht. Als Bergsteiger ist er es gewohnt, andere zu führen und Verantwortung für sie zu übernehmen. Regina und Lucia zu verstecken ist für ihn eine Selbstverständlichkeit und eine Form des Widerstands gegen ein Regime, das er verabscheut– er verliert weder in seinem Freundes- noch im Familienkreis ein Wort darüber. Sein Enkel, mit dem Erich Hackl gesprochen hat, bezeichnet seinen Großvater als einen der „intelligenten Widerstand“ geleistet hat.

Meine Meinung

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten, mich in den knappen und, wie ich es empfand, etwas sprunghaften Stil des Buches einzulesen. Aber diese Art des Erzählens passt letztendlich gut, denn so gelingt es dem Autor, stets authentisch zu bleiben und eine gewisse Distanz zu wahren, die die Intensität der Geschichte erhöht. Er mischt Zitate aus den Erinnerungen der Protagonisten mit Passagen, in denen er erzählt und sich einfühlt in deren Gefühls- und Gedankenwelt.  Mit der Zeit hat mich das Schicksal von Reinhold, Regina und Lucias immer mehr gefesselt. Die Jahre, die sie in der Werkstatt Reinholds verbringen, stets in der Gefahr, entdeckt zu werden, gingen mir unter die Haut. Lucia und Regina helfen Reinhold dabei, seine Vasen und andere kunstgewerbliche Gegenstände zu produzieren. So sind sie unter der Woche wenigstens beschäftigt. Die Wochenenden sind die schlimmste Zeit, denn hier dürfen sie keine Geräusche von sich geben, um eine Entdeckung zu vermeiden. Vor allem für Lucia ist das schwierig und die Episode, in der Reinhold einmal das Risiko eingeht und mit ihr hinaus in die Natur fährt war die, die mich am meisten berührt hat. Vor meinem inneren Auge sah ich das Mädchen, das minutenlang einfach ständig hin und her rennt und sich endlich einmal für kurze Zeit frei bewegen kann.

„Am Seil“ – ich habe mir lange überlegt, was Erich Hackl zu diesem Titel bewogen haben könnte. Letztendlich denke ich, er passt sehr gut: Am Seil ist Reinhold Duschka in den Bergen unterwegs und sichert damit sich und seine Bergkameraden, man muss sich hundertprozentig aufeinander verlassen können. Eine Seilschaft bildet er auch mit Regina und Lucia, denn sie sind aufeinander angewiesen. Regina’s und Lucia’s Überleben hängt von Reinholds Fürsorge ab und er muss sicher sein können, daß seine Schützlinge sich sets so verhalten, daß niemand sie bemerkt. (Hätte ich mir die Videos, die der Diogenes Verlag in’s Netz gestellt hat, vor dem Schreiben dieser Rezension angesehen, dann hätte ich mir das gar nicht überlegen müssen, denn in diesem Video bestätigt Erich Hackl meinen Gedankengang.)

Fazit: Ein Buch, das nachhallt. Ich finde es wichtig, daß wir immer wieder solche Geschichten hören und lesen und bewundere einmal mehr den Mut und die Zivilcourage von Menschen wie Reinhold Duschka, die in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus ohne Zögern ihr Leben auf’s Spiel gesetzt haben, um Menschen vor der Vernichtung zu retten. Ein großes Danke an Erich Hackl, der diese Menschen der Vergessenheit entrissen hat!

Kommentieren0
1
Teilen
Xanakas avatar

Rezension zu "Am Seil" von Erich Hackl

Unglaublich und faszinierend
Xanakavor 2 Monaten

Es ist die Geschichte von Reinhold, Regina und Lucia. Scheinbar verbindet sie nur Freundschaft. Lucias Vater Rudolf und Reinhold Duschka waren schon Mitte der zwanziger Jahre befreundet und so lernte er auch Regina und Lucia kennen. Mit der Machtübernahme der Nazis ändert sich alles. 

Plötzlich ist das Leben von Regina und Lucia in Gefahr. Regina ist jüdischer Abstammung und fürchtet über kurz oder lang um ihr Leben und das von Lucia. Reinhold überlegt gar nicht lange. Er nimmt beide bei sich auf und versteckt sie in seiner Werkstatt. Er schafft es beide den gesamten Zeitraum zu ernähren, obwohl er nur für sich selbst Lebensmittelmarken hat. Er kann beide beschäftigen, ihnen wird damit die Zeit nicht lang. Ihm gelingt es, trotz der Umstände, beiden ein menschenwürdiges Überleben zu sichern. Es ist unglaublich, dass es ihm in dieser Zeit unter diesen Bedingungen und Umständen gelungen ist.

Das Buch ist einfach unglaublich. Als ich anfing zu lesen, dachte ich oh mein Gott- so wunderbar lange Schachtelsätze. Dann habe ich einzelne Stellen laut gelesen und freute mich darüber, wie es dem Auto gelingt, so eine Vielzahl an Informationen, mit allen Wendungen und Nebenschauplätzen, in einen Satz zu packen. Vielleicht ist es diese Ausdrucksform, die das Buch so ausdrucksstark macht.
Die Geschichte ist unglaublich und spannend. Ich war fasziniert.

Von mir gibt es eine ausdrückliche Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.


Kommentieren0
15
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Erich Hackl wurde am 26. Mai 1954 in Steyr, Oberösterreich (Österreich) geboren.

Community-Statistik

in 305 Bibliotheken

auf 20 Wunschlisten

von 5 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks