Erich Hackl Abschied von Sidonie

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Inhaltsangabe zu „Abschied von Sidonie“ von Erich Hackl

Am achtzehnten August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. Neben dem Säugling, der in Lumpen gewickelt war, lag ein Stück Papier, auf dem mit ungelenker Schrift geschrieben stand: »Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern.«

gezwungenermaßen gelesen, ohne Freude daran

— marinss
marinss

Bedrückend und kurzweilig.

— Sancandela
Sancandela

2016

— claudiaaa
claudiaaa

Traurige Geschichte mit nem berührenden Ende…

— Simba99
Simba99

Beklemmende Geschichte, genial verfilmt von Karin Brandauer

— Bellis-Perennis
Bellis-Perennis

Ganz nett ...

— Jellybaby
Jellybaby

War eine sehr interessante Lektüre, würde ich jederzeit wieder lesen.

— sweety84
sweety84

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  • Abschied von Sidonie - Erich Hackl

    Abschied von Sidonie
    SonnenBlume

    SonnenBlume

    17. September 2014 um 20:34

    Im Sommer 1933 wird ein kleiner in Lumpen gepackter Säugling vor den Toren des Krankenhauses Steyr abgelegt. Ein Zettel lässt verlauten, dass das Kind Sidonie heiße. Die Diktatur streckt gerade ihre Finger in ganz Österreich aus und in Oberösterreich herrscht hohe Arbeitslosigkeit, sodass auch für das Findelkind keine ausreichenden Geldmittel zur Verfügung stehen, um es lange im Krankenhaus zu behalten. Schnellstmöglich müssen Pflegeeltern gefunden werden, die sich dem Mädchen annehmen und bereit sind, es gegen eine kleine monatliche Bezahlung groß zu ziehen. Die erste Pflegemutter wird von ihrem Mann gezwungen, das Kind wieder zurück zu bringen, da er so ein schwarzes Stück nicht in seinem Haus haben möchte. Doch Hans und Josefa Breirather lassen sich nicht davon abschrecken, dass Sidonie dunkle Haut und schwarze Haare hat. Sie ziehen ihr Pflegekind zusammen mit ihrem leiblichen Sohn Manfred groß und behandeln es wie ihre eigene Tochter. Das Dorf zerreißt sich das Maul über das Mädchen, das zweifellos nur von Zigeunern abstammen kann und viele tolerieren sie zwar, können sich aber nicht zur Akzeptanz durchringen. Sidonie zeigt viel Eifer und Ehrgeiz, aber in der Schule tut sie sich trotzdem schwer. Der Lehrerin ist sie mehr eine Last als alles andere und zeigt das auch ganz offen. Sidonie hat es nicht leicht, aber trotzdem ist sie lebenslustig und tut immer ihre Bestes, alle zufrieden zu stellen. Ihre Pflegeeltern können sich keinen Tag mehr ohne sie vorstellen. Doch eines Tages kommt ein Brief des Jugendamts, das bekannt gibt, dass Sidonies leibliche Mutter aufgefunden wurde und sie schnellstmöglich zu dieser überstellt werden sollte. Hans und Josefa weigern sich verständlicherweise, doch alles Flehen hat keinen Sinn; Sidonie wird abgeholt und nach Hopfgarten gebracht, wo sie zu den dort gerade campierenden Zigeunern gesellt wird. Was zu dieser Zeit niemand wusste war, dass Sidonie mit dem nächsten Transport nach Auschwitz gebracht werden sollte. Die Trennung von ihrer Pflegefamilie setzte ihr jedoch so zu, dass sie nicht mehr zu essen und schlafen vermochte und nach wenigen Wochen des Aufenthalts im Konzentrationslager starb. Abschied von Sidonie ist ein schockierendes Buch. Nicht nur, weil es eine Geschichte erzählt, die wahr ist, sondern auch, weil sie Dinge aufdeckt, die in den meisten Schulen nie unterrichtet werden. Man hört in Verbindung mit Hitler, Dollfuss und dem zweiten Weltkrieg immer, dass Millionen Juden getötet wurden, von anderen Minderheiten ist aber so gut wie nie die Rede. In dieser Erzählung erfährt man, dass genauso Roma, Sinti und viele andere Gemeinschaften in Konzentrationslagern geschunden und schlussendlich vergast und verbrannt wurden, wenn sie nicht schon vorher unter der kaum tragbaren Last eingingen. Es kommt in diesem Buch viel auf, das niemand jemals im Geschichteunterricht hören wird. Auch hier in Tirol, ganz in der Nähe, sogar in einem Nachbarort, wurden Minderheiten deportiert, wurden all ihren Rechten beraubt und getötet. Aber es wird auch eine rührende Geschichte über Nächstenliebe und Familie erzählt, denn Familie muss nicht immer Blutsverwandtschaft heißen. Die Familie Breirather nimmt Sidonie auf und liebt sie wie ihr eigenes Kind, trotz ihrem anderen Aussehen und den Verhaltensdefiziten. Für sie zählt nicht, woher das Mädchen kommt, sondern einfach, dass sie nun zu ihnen gehört und genauso Liebe und Aufmerksamkeit verdient hat, wie ihr leiblicher Sohn und später auch die weitere Ziehtochter. Die Geschichte zeigt, dass viele damals nur an ihren eigene Vorteil dachten und die Situation ausnutzten, so Beispielsweise der Bürgermeister von Steyr, der nur an die Kürzung der Ausgaben dachte und nicht daran, was besser für das Mädchen war. Das Buch mutet vielleicht wie eine Geschichte an, aber das ist sie nicht. Der Autor drückt nicht auf die Tränendrüse, er stellt die Dinge so dar, wie sie zu dieser Zeit waren und stellt für uns heute eine dokumentarische Erzählung dar, die uns aufhorchen lässt, zum Nachdenken anregt und vielleicht auch den ein oder anderen Sinneswandel zulässt, denn ist ein Mensch weniger wert, nur weil er eine andere Hautfarbe hat, einer anderen Religion angehört oder eine fremde Sprache spricht?!

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  • Zur Erinnerung an Sidonie

    Abschied von Sidonie
    NiWa

    NiWa

    Anfang der 30er-Jahre wurde vorm Krankenhaus Steyr (Oberösterreich) ein kleines Bündel abgelegt. Entdeckt wurde es vom Pförtner, der auch als Erster diese Nachricht las: „Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern.“ (S. 7) Es ist die Geschichte von Sidonie, die trotz der samtig dunklen Haut und den blauschwarzem Haar gute Pflegeeltern in Hans und Josefa Breirather und einen gutmütigen Bruder in deren Sohn Manfred fand. Es ist aber auch die Geschichte, wie sich die Schatten des Nationalsozialismus ausbreiten und letztendlich das Leben der Familie Breirather verdunkeln: „Die Zigeuner, sagte Josefa. Warum kommen keine mehr. Die können sich ja nicht in Luft aufgelöst haben.“ (S. 98) Dieses dünne Buch beschreibt Sidonies kurze Lebensgeschichte. Nachdem sich jahrzehntelang der Mantel des Schweigens über das Schicksal des Roma-Mädchens gelegt hat, und man weder in Steyr noch Umgebung etwas davon wissen wollte, hat es ihrem Bruder Manfred keine Ruhe gelassen und dank Erich Hackl bleibt uns Sidonie in Erinnerung. Erich Hackl geht hier als Chronist vor, beschreibt die Ereignisse der damaligen Zeit, die politischen Zusammenhänge und die Furcht der Gemeinschaft, vergisst aber nicht auf die unbedachte Boshaftigkeit einzelner. Meiner Meinung nach ist es ein gutes Buch, das uns die Menschenverachtung jener Zeit vor Augen führt und uns an ein fröhliches Mädchen, Sidonie Adlersburg, Sidi genannt, erinnern soll.

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    • 8
    19angelika63

    19angelika63

    07. August 2014 um 18:26
  • Tod eines Romamädchens ...

    Abschied von Sidonie
    Monsignore

    Monsignore

    06. July 2014 um 21:10

    Ein erschütternder Dokumentarroman, der die Grenzen des Genres deutlich sprengt: Im Stile Heinrich von Kleists wird die Geschichte eines kurzen, nur 10 Jahre währenden Lebens eines Romamädchens in reiner Prosa erzählt. Zugrunde liegen jahrelange Recherche, Archivarbeit, Zeitzeugengespräche und Ortsbesichtigungen. Der Rest ist (naheliegende) Fiktion, (vermuteter) Dialog. Das Buch war schon fertig, als Erich Hackl unverhofft seinen wichtigsten Zeugen fand und daher das Buch ändern musste: Den Bruder des Mädchens, ein Auschwitz-Überlebender, der Augenzeuge des Todes seiner Schwester war. Sachlich lässt der Autor sie alle im Erzählstrom auftauchen: Die Pflegeeltern, die Lehrer, die Amtspersonen, die Gendarmen, die Politisierten, die Wendehälse und Jasager, die Wegseher und die Hinseher. Es gibt nur eine einzige Stelle, an der dem Autor der Kragen platzt - eine Wohltat für den Leser: "Das ist die Stelle, an der sich der Chronist nicht länger hinter Fakten und Mutmaßungen verbergen kann. An der er seine ohnmächtige Wut hinausschreien möchte." Es ist (nur) eine einzige Geschichte eines einziges Kindes in österreichischer Provinz, die Geschichte eines Todes. Es gab in diesen Jahren hunderttausende dieser Kinderschicksale, dieser Morde. Exemplarisch ein einziges herauszugreifen und akribisch zu forschen, bis alle Zusammenhänge und Fakten in eine Erzählung gepackt werden können, ist eine große Leistung. An keiner einzigen Stelle des Buches entgleist irgendetwas, nirgendwo weicht der Autor von seinem selbstauferlegten Auftrag ab: Die Geschichte von Anfang bis Ende wahrheitsgemäß zu erzählen. Vor 25 Jahren zum ersten Mal gelesen, hat mich das Buch erneut tief berührt. So ist der Umgang mit Geschichte berührend und wirksam - sehr schade, dass dieses Buch trotz vieler Bemühungen keinen Einzug in die Schulen gehalten hat; statt dessen werden den Schülern dort immer noch die gleichen langweiligen Texte vorgesetzt, die schon vor 30 Jahren Schullektüre waren. Allein dieses Wort: Schullektüre ...

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  • Tod eines Romamädchens ...

    Abschied von Sidonie
    Monsignore

    Monsignore

    06. July 2014 um 21:10

    Ein erschütternder Dokumentarroman, der die Grenzen des Genres deutlich sprengt: Im Stile Heinrich von Kleists wird die Geschichte eines kurzen, nur 10 Jahre währenden Lebens eines Romamädchens in reiner Prosa erzählt. Zugrunde liegen jahrelange Recherche, Archivarbeit, Zeitzeugengespräche und Ortsbesichtigungen. Der Rest ist (naheliegende) Fiktion, (vermuteter) Dialog. Das Buch war schon fertig, als Erich Hackl unverhofft seinen wichtigsten Zeugen fand und daher das Buch ändern musste: Den Bruder des Mädchens, ein Auschwitz-Überlebender, der Augenzeuge des Todes seiner Schwester war. Sachlich lässt der Autor sie alle im Erzählstrom auftauchen: Die Pflegeeltern, die Lehrer, die Amtspersonen, die Gendarmen, die Politisierten, die Wendehälse und Jasager, die Wegseher und die Hinseher. Es gibt nur eine einzige Stelle, an der dem Autor der Kragen platzt - eine Wohltat für den Leser: "Das ist die Stelle, an der sich der Chronist nicht länger hinter Fakten und Mutmaßungen verbergen kann. An der er seine ohnmächtige Wut hinausschreien möchte." Es ist (nur) eine einzige Geschichte eines einziges Kindes in österreichischer Provinz, die Geschichte eines Todes. Es gab in diesen Jahren hunderttausende dieser Kinderschicksale, dieser Morde. Exemplarisch ein einziges herauszugreifen und akribisch zu forschen, bis alle Zusammenhänge und Fakten in eine Erzählung gepackt werden können, ist eine große Leistung. An keiner einzigen Stelle des Buches entgleist irgendetwas, nirgendwo weicht der Autor von seinem selbstauferlegten Auftrag ab: Die Geschichte von Anfang bis Ende wahrheitsgemäß zu erzählen. Vor 25 Jahren zum ersten Mal gelesen, hat mich das Buch erneut tief berührt. So ist der Umgang mit Geschichte berührend und wirksam - sehr schade, dass dieses Buch trotz vieler Bemühungen keinen Einzug in die Schulen gehalten hat; statt dessen werden den Schülern dort immer noch die gleichen langweiligen Texte vorgesetzt, die schon vor 30 Jahren Schullektüre waren. Allein dieses Wort: Schullektüre ...

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  • "Abschied von Sidonie" oder vielmehr: Die Greuel des Nationalsozialismus

    Abschied von Sidonie
    sternblut

    sternblut

    24. February 2014 um 15:04

    Mitten in der Nacht im Jahre 1933 wird ein kränkliches Baby vor der Tür eines Hospitals abgelegt. Um den weitläufigen Kosten eines Krankenhausaufenthaltes zu entgehen wird entschieden, das Kind so schnell wie möglich in Pflege zu geben. Das einzige Problem: die kleine Sidonie ist Zigeunerin. Davon lässt sich Josefa Breirather nicht abbringen, das Kind ins Herz zu schließen und bei sich aufzunehmen. Wie ihr eigenes Kind zieht sie das Mädchen auf, während das Amt immer und immer weiter nach der wahren Kindsmutter sucht, bis sie eines Tages während der Krieg tobt gefunden wird.   Abschied von Sidonie war ein Buch, das eine Klassenkameradin einmal vorgestellt und das mich interessiert hat. Deswegen habe ich es mir ausgeliehen und nach Jahren nun auch gelesen, zumal das Buch sowieso in einer Zeit spielt, die ich unheimlich interessant finde und über die ich immer gerne etwas lese. Zuerst fällt natürich das Cover auf, das im typischen Diogenes-Stil gehalten ist, das mir aber doch zu ungenau ist. Zwar wird das Thema aufgegriffen und ein junges Mädchen abgebildet, doch erschien mir Sidonie jünger zu sein, außerdem wird ihr eine andere Hautfarbe in der Erzählung zugeschrieben. Auch der Titel ist im Nachhinein eher irreführend. Natürlich wird Sidonie früher oder später “verabschiedet” und das ist auch ein grundlegender Wendepunkt in der gesamten Erzählung, aber eigentlich steht die wahre Geschichte um Sidonie im größten Teil der Erzählung eher im Schatten des Krieges. Generell ist auffällig, dass sehr sehr viele Handlungsstränge drumherum die Erzählung ausweisen. Mal wird hier die Handlungsweise der Frau vom Jugendamt aufgegriffen. Mal wird die Geschichte um den Zwang zur kirchlichlichen Hochzeit von Josefa und Hans in den Vordergrund gestellt. Und viele weitere solcher Aktionen. Dabei kommt das Wesen und der Mensch Sidonie nicht sehr gut zum Vorschein. Außerdem gerät die chronologische Auseinandersetzung mit dem Thema im Wesentlichen zu kurz. Immer wieder wird hin und her gesprungen und ich persönlich hab dadurch immer wieder den Überblick verloren. Es ist ja nicht schlecht, dass zusätzlich erklärt wird, was wann wieso wie gemacht wurde, aber ich hätte mir gewünscht, dass das eher im chronologischen Rahmen belassen wird. Das größte Problem hatte ich allerdings mit der sprachlichen Ausarbeitung des Ganzen. Zum einen fehlen häufig Beschreibungen, wo man sich welche gewünscht hätte, so zum Beispiel im Bezug auf die Charaktere als solche. Man liest häufig nur von den Aussagen anderer über die Personen, aber wie es wirklich gewesen sein wird wird ausgeblendet. Zudem gibt es eigentlich kaum eine Darstellung des Aussehens der Menschen, die hier wichtig sind. Doch nicht nur hier fehlen Details, sondern auch im Bereich der emotionalen Verwirklichung. Erst mit dem “Abschied” kommen vereinzelt Emotionen in der Sprache und in der Handlung vor, doch bleiben auch diese eher im Hintergrund und berühren eigentlich weniger. Die Erzählung ist eigentlich eher ein Bericht, der zwar auf Tatsachen beruht, aber doch sehr sachlich und distanziert verfasst ist. Ansonsten ist die Sprache teilweise irgendwie abgehackt und unförmig, die Sätze sind teilweise etwas unzusammenhängend zusammengesetzt und das unterbricht leider den Lesefluss und macht es echt anstrengend. Interessant ist dabei jedoch das Ende. Im letzten Kapitel geht der “Chronist” wie er sich nennt nochmal die gesamte Handlung durch und stellt Hypothesen auf, was hätte passieren können, wenn die Dorfbewohner und die Behörden anders gehandelt hätten, auch wenn es nicht so gewesen ist. Allerdings fand ich es eher schwachsinnig, nochmals einen Abriss über die gesamte Erzählung zu erstellen, zumal die Worte “gehen wir davon aus” verwendet werden. Wenn der Leser nicht davon ausgehen würde nachdem er die gesamte Geschichte bereits ausformuliert gelesen hat, dann weiß ich auch nicht.   Was soll ich nun also davon halten? Einerseits finde ich den Bezug zum Nationalsozialismus und den von ihnen begangenen Schandtaten, in welcher Hinsicht auch immer, recht spannend. Auch, dass es sich dabei um eine Art Tatsachenbericht handelt ist durchaus interessant. Allerdings habe ich mir von einer Erzählung etwas anderes erwartet, denn es handelt sich eben tatsächlich mehr um einen Bericht. Ich hätte mir persönlich mehr Emotionen gewünscht, vor allem nachdem das Buch als schockierend gekennzeichnet wird. Auch wenn die Handlung als solche schockierend war, fühlte ich mich irgendwie doch eher gleichgültig. Eigentlich schade, denn gleichgültig sehe ich das Thema keinesfalls. Wenn der Bericht tatsächlich mehr von einer Erzählung gehabt hätte, dann wäre ich vermutlich mehr darauf angesprungen. So wie es sich hier gezeigt hat, hat mir einfach etwas gefehlt.

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  • Rezension zu "Abschied von Sidonie" von Erich Hackl

    Abschied von Sidonie
    kallisto

    kallisto

    22. May 2012 um 12:32

    Gelesen wurde es vor ca. 8 Jahren.... "Abschied von Sidonie" war das erste literarische Buch, dass ich je gelesen habe. Ich brauchte es für eine Referat in der Schule. Ich war schwer begeistert, weil es ein anderes Genre war, als die Bücher, die ich für gewöhnlich damals las. Ich war fasziniert von der Geschichte. Sie berührte mich sehr und ich war froh, dieses Buch gelesen zu haben, denn es weckte mein Interesse für Literatur und lies mich bei jedem neuen Werk aufhorchen. Allgemein ist es sehr leicht und schnell zu lesen, ich würde es jedem empfehlen, der sich für Literatur begeistert.

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  • Rezension zu "Abschied von Sidonie" von Erich Hackl

    Abschied von Sidonie
    Dani1046

    Dani1046

    15. February 2011 um 20:29

    Eines der seltenen Schmuckstücke der Literatur - ein Buch, das man atemlos liest und nicht aus der Hand legen kann, bis man auf der letzten Seite angekommen ist. Die Darstellung eines Einzelschicksals, gewiss - aber von Aussagekraft für eine historische Epoche, für eine politisch-gesellschaftliche Situation, für das Menschliche im Menschen, im guten wie im schlechten Sinn. Ein Buch, das in seiner sachlichen, unpathetischen Darstellung einen persönlichen Einblick gewährt und zum Nachdenken anregt. Viel Spaß beim lesen!

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  • Rezension zu "Abschied von Sidonie" von Erich Hackl

    Abschied von Sidonie
    AdeleKunz

    AdeleKunz

    26. August 2010 um 13:49

    "Das ist die Stelle, an der sich der Chronist nicht länger hinter Fakten und Mutmaßungen verbergen kann. An der er seine ohnmächtige Wut hinausschreien möchte." So leitet Erich Hackl die tragische Trennung des Zigeunermädchens Sidonie von ihrer Pflegefamilie ein. Das Mädchen wird ein spätes Opfer dessen, was der Autor treffend die "Bestialität des Anstands" nennt, die zur Zeit des zweiten Weltkriegs so weit verbreitet war. Alle haben ihr Scherflein dazu beigetragen, haben sich selbst eingeredet, zum Besten des Kindes zu handeln, als es zu ihrer leiblichen Mutter und der Zigeunerfamilie abgeschoben wurde. Dabei haben alle gewusst, wie es um die Überlebenschancen von Zigeunern im Jahr 1943 bestellt war. Das ist eines der wichtigsten und besten Bücher, das die österreichische Literatur je hervorgebracht hat. Mit knappen, oft atemlos kurzen Sätzen erzählt Hackl diese unfassbare Tragödie so, dass man einerseits den journalistischen Wahrheitsgehalt des "Chronisten", wie er sich nennt, erkennt, andererseits aber der Erzählung mit Spannung folgt, so atemberaubend schmerzlich, schnörkellos und direkt ist sie gestaltet. Das ist ganz große Kunst. Es ist ein Buch, das betroffen macht, weil es die Unmittelbarkeit eines Zeitungsartikels mit der sprachlichen Kunstfertigkeit des literarischen Textes verbindet. Dafür, sowie für die uneingeschränkte Glaubwürdigkeit und tiefe Liebe zur Menschlichkeit, die den Autor Erich Hackl auszeichnen, möchte man das Büchlein fest umarmen und wie Josefa Breirather zum Schicksal der kleinen Sidonie sagen: "Das ist so ein Herzweh. So ein Herzweh ist das."

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  • Rezension zu "Abschied von Sidonie" von Erich Hackl

    Abschied von Sidonie
    variety

    variety

    02. January 2008 um 07:38

    Für mich ein wunderschönes, kleines Werk voller Gefühle. Brilliant geschrieben. Aufgerundete 5 Sterne.