Erich Kästner Der Gang vor die Hunde

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Inhaltsangabe zu „Der Gang vor die Hunde“ von Erich Kästner

Fabian ist Erich Kästners Meisterwerk. Doch der Roman wurde vor seinem Erscheinen verändert und gekürzt. Jetzt liegt er zum ersten Mal so vor, wie ihn Kästner geschrieben und gemeint hat – unter dem Titel, den Kästner ursprünglich vorgesehen hatte: Der Gang vor die Hunde. 1931 lieferte Erich Kästner seinem Verlag ein Manuskript mit dem Titel Der Gang vor die Hunde: die Geschichte des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian, der durch das überhitzte Berlin der späten zwanziger Jahre streift, eine Stadt, die sich politisch und erotisch im Ausnahmezustand befindet. Der junge Kästner, der freche Shootingstar der Berliner Literatur-Szene, hatte in seinem ersten Roman alle Register gezogen. Das machte seinen Roman für den Verlag zu einem Sprengsatz, den das Lektorat mit spitzen Fingern entschärfte und der dann – entgegen Kästners ursprünglicher Intention – unter dem Titel Fabian erschien. Noch in der verharmlosten Fassung galt das Buch vielen als dekadent und obszön. Kästner selbst sagte dazu: 'Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind.' Vom Kästner-Experten Sven Hanuschek Wort für Wort rekonstruiert und mit einem umfassenden Nachwort versehen, bietet Der Gang vor die Hunde nicht nur einen faszinierenden Einblick in die Werkstatt eines der größten deutschen Autoren, sondern auch ein Leseerlebnis, das seinesgleichen sucht.

Bissig, Satire. Sprachlich hervorragend. Klare Botschaft. Kästner! Pflichtlektüre!!!

— AnMich_09

Ein wunderbarer Roman, der auch heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.

— teufelsweiblein

Großartiger Sprachgenuss bei beunruhigender Atmosphäre ...

— ewigewelten

Ein Hauptwerk Kästners, das ihn viele Jahre beschäftigte. Ein Ausflug in das frühere Berlin. Eine Satire die verboten u. missdeutet wurde.

— princess_leia

ungewöhnlich, gesellschaftskritisch, zynisch. Hier lernt man Erich Kästner von einer anderen Seite kennen.

— AuroraBorealis

Gesellschaftskritik mit Durchblick und Scharfsinn; sehr pessimistisch.

— wandablue

Ein wahrhaft tolles Stück der Literaturgeschichte!

— 19angelika63

Schon allein durch den Humor unterhaltsam, vor allem aber für Leser mit historischen Kenntnissen und Interesse empfehlenswert

— LaLecture

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  • Der endlich verstandene »Fabian«

    Der Gang vor die Hunde

    ewigewelten

    02. February 2015 um 12:20

    Trotz Doktortitel macht Jakob Fabian Werbung für Zigaretten. Er hat keinen Plan für sein Leben, lässt sich treiben und beobachtet die Entgleisung der Moral in der Berliner Gesellschaft um 1930. Eine neue Offenheit ist plötzlich angesehen, ein legerer Umgang mit dem Taktgefühl, der die Scham in Spitze und Seide erstickt und nach nackter Haut greift, um nicht am eigenen Elend zu verzweifeln: »Er betrieb die gemischten Gefühle schon lange aus Liebhaberei. Wer sie untersuchen wollte, musste sie haben. Nur während man sie besaß, konnte man sie beobachten. Man war ein Chirurg, der die eigene Seele aufschnitt.« In der ursprünglich lange zensierten Fassung »Fabians«, des »Moralisten«, skizziert Erich Kästner die Gesellschaft seiner Zeit in kurzen Kapiteln und lädt den Leser am Vorabend der Machtergreifung in Clubs und Bordelle, zu Tanzpartys und einsamen Witwen. Sein spritziger Stil und seine scharfe Ironie erschaffen eine Situationskomik, die ein lachendes und ein weinendes Auge provoziert. Lästerlich, aber liebevoll betitelt Fabian die Wahrzeichen Berlins und genießt seine Freiheit, bis ihm nach und nach alles genommen wird. »Als ich vorhin sagte, ich verbrächte die Zeit damit, neugierig zuzusehen, ob die Welt zur Anständigkeit Talent habe, war das nur die halbe Wahrheit. Daß ich mich so herumtreibe, hat noch einen anderen Grund. Ich treibe mich herum, und ich warte wieder, wie damals im Krieg, als wir wußten: Nun werden wir eingezogen.« Kästners favorisierter Titel rückt die Gesellschaft in den Mittelpunkt und spricht eine Warnung aus, die seinerzeit nicht reichen konnte, um die Menschheit wachzurütteln. Sein größter Roman, der in seiner politischen Szenerie und erotischen Eskalation jahrzehntelang beschnitten wurde, enthält unter anderem das aus Angst vor Zensur gestrichene »Kapitel 3«, in dem der Direktor seine Blinddarmnarbe entblößt und mehrerer Affären mit seinen Schreibkräften beschuldigt wird. Angefügt sind auch die beiden Nachworte für die Sitten- und die Kunstrichter, die ursprünglich zur ersten Ausgabe gedacht waren, ebenso wie die kontrastierenden Vorworte zu den Ausgaben von 1946 und 1950 und eine ausführliche Notiz des Herausgebers. Eine detaillierte Auflistung zeigt jede Kürzung und Änderung, die an dem Manuskript damals vorgenommen wurde. Jeder Leser kann mit diesem Buch stärker nachempfinden, was für Kästner sein politisches Schreibverbot bedeutete – in einer Zeit, als er auf den Höhepunkt seiner Karriere zusteuerte. Josefine Gottwald für DRESDNER Kulturmagazin

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  • Am Vorabend des Untergangs

    Der Gang vor die Hunde

    Himmelfarb

    Seit ich das erste Mal ein Buch von Erich Kästner gelesen habe ("Emil und die Detektive"), liebte ich diesen Schriftsteller. Tausende anderer Kinder haben ihn wohl vor und nach mir geliebt. Woran das liegt? Ich denke, er hat Kinder ernst genommen, hat keine "Kinderbücher " geschrieben, sondern Geschichten, in denen Kinder im Mittelpunkt stehen. Liest man nun seinen Roman für Erwachsene, "Der Gang vor die Hunde", wird einem klar, dass Kästner gar nicht anders konnte, als zu schreiben, wie er nun mal empfand, sei es für Kinder oder Erwachsene. Die Ironie, der Humor, die Beobachtungsgabe, die feinen Sätze, die sind gleich. "Der Gang vor die Hunde" erzählt die Geschichte des Germanisten Jakob Fabian, der sich im Berlin der späten 1920er bzw. frühen 1930er Jahre als Werbetexter verdingt, dann arbeitslos wird, und der, als Kästners Alter Ego und Chronist der im Zusammenbruch begriffenen Weimarer Republik, durch das explosive Berlin zieht. Berlin erlebt damals einen Tanz auf dem Vulkan. Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nationalisten, Erotik, Sex und Enthemmung, Armut und Verschwendung, und immer Menschen,die sich und ihre Ideale verkaufen. Kein Wunder, dass der Roman, in dieser uns jetzt vorliegenden Form, damals nicht erscheinen konnte, gekürzt und verfälscht wurde. Kaum zwei Jahre nach seinem Erscheinen übergaben nationalsozialistisch aufgehetzte Studenten Kästners "Fabian" (so der alte Titel) den Flammen auf dem Bebelplatz in Berlin. Aber Kästners Werk hat überlebt, und so können wir es heute mit Gewinn lesen. Wissend, was 1933 geschah, staunen wir über die prophetische Gabe Kästners. Ja, er hat es kommen sehen... Mit messerscharfen Sätzen hält er der verderbten Gesellschaft den Spiegel vor:" Da vorn ist ein Lokal, wo parfümierte homosexuelle Burschen mit eleganten Schauspielern und smarten Engländern tanzen und ihre Fähigkeiten und den Preis bekanntgeben, und zum Schluß bezahlt das Ganze eine blondgefärbte Greisin, die dafür mitkommen darf." Fabian aber, der Moralist, läßt sich nur ab und zu auf solche Spielchen ein. Er verkauft sich nie, geht manchmal, aus Verzweiflung, mit einer Frau nach Hause und bereut es hinterher. Überhaupt scheint Fabian dem jungen Kästner sehr zu ähneln. Auch der hing an seiner Mutter, wie seine Romanfigur, die am Ende des Buches desillusioniert zurück zu den Eltern in seine Heimatstadt geht:" Den Untergang Europas konnte er auch dort abwarten, wo er geboren worden war. Das hatte er davon, dass er sich einbildete, der Globus drehe sich nur, solange er ihm zuschaue. Dieses lächerliche Bedürfnis, anwesend zu sein! Andere hatten einen Beruf, kamen vorwärts, heirateten, ließen ihre Frauen Kinder kriegen und glaubten, das gehöre zum Thema. Und er musste, noch dazu freiwillig, hinterm Zaune stehen, zusehen und ratenweise verzweifeln. Europa hatte große Pause. Die Lehrer waren fort. Der Stundenplan war verschwunden. Der alte Kontinent würde das Ziel der Klasse nicht erreichen." Dieses Zitat ist für mich ein Kernstück der Figur Jakob Fabian und des ganzen Romans. Kästner war demnach eine moralisch politische Instanz. Aber er wurde nicht gehört. Wir können heute, mit einem Abstand von mehr als 80 Jahren nach Erscheinen des Buches, nur davon lernen. Hören wir hin, deuten wir die Zeichen der Zeit, sie scheinen teilweise ähnlich. Die Lektüre von "Der Gang vor die Hunde" sei jedem interessierten Leser ans Herz gelegt!

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    dieFlo

    19. August 2014 um 15:13
  • Eine Geschichte, die auch Reich-Ranicki gefiel

    Der Gang vor die Hunde

    FreydisNeheleniaRainersdottir

    01. March 2014 um 16:27

    Von Erich Kästner´s "Gang vor die Hunde" habe ich in Marcel Reich-Ranicki´s Autobiographie "Mein Leben" gelesen, allerdings von der stark zensierten Variante "Fabian". Das Buch erzählt die Geschichte des Jakob Fabian, der 1928 in Berlin lebt und liebt,immer unterwegs in den Vergnügungsetablisments und sich rotzfrech durchs Leben propagiert.Ich kicherte mich durch die ersten Kapitel,doch bald schlägt das Buch einen ernsteren Ton an. Fabian verliebt sich das erste Mal in eine Frau,während sein Freund Labude gerade an seiner gescheiterten Liebesbeziehung verzweifelt.Dann wendet sich das Blatt und Fabian verliert seine Anstellung Propagandist.Fabians erste Liebe zieht ihm eine Rolle im Filmgeschäft vor und fängt ein Verhältnis mit ihrem (nennen wir ihn) Manager an,damit ihrer Karriere nichts mehr im Wege steht. Kurz darauf begeht Fabians Freund Labude Selbstmord,weil ein intriganter Neider ihm vorlügt,dass der Herr Geheimrat seine Habilitationsarbeit verrissen hat,an der er fünf Jahre gearbeitet hat und dies das letzte war,worin er noch Vertrauen hatte.Diese drei Schicksalsschläge lassen Fabian schließlich in seinen einstigen Heimatort flüchten und als er sich dann endlich fängt und neue Lebenspläne schmiedet,ertrinkt er bei der Rettung eines kleinen Jungen im Fluss. Anfangs hat man zwar das Gefühl,schwer in die Geschichte einsteigen zu können, was sich aber bei Zeiten wieder gibt.Kästner gelingt es,einen interessanten Einblick in den Berliner Alltag nach dem Schwarzen Freitag 1928 zu geben, in Nöte und Ängste der Berliner Bürger und dem Verlangen, die schlimmen Ereignisse mittels Vergnügungssucht zu vergessen.Ein wirklich lesenswertes Buch.Das hat im Übrigen auch Marcel Reich-Ranicki so gesehen.

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  • Der meist unterschätzte moderne Klassiker Deutschlands

    Der Gang vor die Hunde

    RalfderPreusse

    25. December 2013 um 18:34

    Ich gestehe: Ich kenne Kästner nicht nur als Kinderbuchautor. Ich habe auch alle seine Romane für das erwachsene Publikum und einen guten Teil seiner Lyrik gelesen. Schon vom bislang veröffentlichen Fabian war ich begeistert. Den habe ich allerdings zuletzt vor mehr als 15 Jahren gelesen. Nun also die Urfassung des seinerzeit vom Verlag "entschärften" Manuskriptes. Jakob Fabians Weg durch das Berlin der späten 1920er Jahre zwischen verzweifelt anmutendem Vergnügungen und existentiellen Sorgen der Arbeitslosigkeit ist auch in der Urfassung faszinierend. Und Kästner erweist sich schon 1931 als sehr weitsichtiger Zeitgenosse, der die Menschen beim Tanz auf dem Vulkan wenige Augenblicke vor Beginn der großen deutschen Katastrophe zeigt. Grandios. Werde bald wieder den veröffentlichen Fabian lesen. Denn bereits in der entschärften Fassung war das Buch für die Nazis "entartet". Kästner, der nicht emigrierte, wurde daher Augenzeuge der Bücherverbrennungen auch seiner Werke. Nun also gilt es zu untersuchen, ob die Streichungen tatsächlich im Sinne einer Entschärfung waren oder Ergebnis "normaler" Lektoratsarbeit. 1931 war Deutschland schließlich noch ein demokratischer Rechtstaat.

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  • Leserunde zu "Der Gang vor die Hunde" von Erich Kästner

    Der Gang vor die Hunde

    katja78

    Achtung exklusive Vorableserunde ! Der Gang vor die Hunde Fabian ist Erich Kästners Meisterwerk. Doch der Roman wurde vor seinem Erscheinen verändert und gekürzt. Jetzt liegt er zum ersten Mal so vor, wie ihn Kästner geschrieben und gemeint hat – unter dem Titel, den Kästner ursprünglich vorgesehen hatte: Der Gang vor die Hunde. 1931 lieferte Erich Kästner seinem Verlag ein Manuskript mit dem Titel Der Gang vor die Hunde: die Geschichte des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian, der durch das überhitzte Berlin der späten zwanziger Jahre streift, eine Stadt, die sich politisch und erotisch im Ausnahmezustand befindet. Der junge Kästner, der freche Shootingstar der Berliner Literatur-Szene, hatte in seinem ersten Roman alle Register gezogen. Das machte seinen Roman für den Verlag zu einem Sprengsatz, den das Lektorat mit spitzen Fingern entschärfte und der dann – entgegen Kästners ursprünglicher Intention – unter dem Titel Fabian erschien. Noch in der verharmlosten Fassung galt das Buch vielen als dekadent und obszön. Kästner selbst sagte dazu: »Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind.« Vom Kästner-Experten Sven Hanuschek Wort für Wort rekonstruiert und mit einem umfassenden Nachwort versehen, bietet Der Gang vor die Hunde nicht nur einen faszinierenden Einblick in die Werkstatt eines der größten deutschen Autoren, sondern auch ein Leseerlebnis, das seinesgleichen sucht. Zum Autor Erich Kästner (1899 - 1974) wurde in Dresden geboren. Nach Militärdienst und dem Ende des Ersten Weltkrieges studierte er Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft und promovierte. Er arbeitete als freier Journalist und Theaterkritiker für verschiedene Zeitungen und Magazine, u.a. für die berühmte "Weltbühne". 1928 veröffentlichte er sein erstes Buch, die zeitkritische Gedichtsammlung "Herz auf Taille", 1929 sein erstes Kinderbuch "Emil und die Detektive". Beide Werke begründeten bereits seinen späteren Weltruhm. Allein "Emil und die Detektive" wurde bisher in Deutschland millionenfach verkauft und in rund 60 Sprachen übersetzt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Erich Kästner aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen, seine Bücher wurden verbrannt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges widmete sich Erich Kästner vorwiegend dem literarischen Kabarett und der Kinderliteratur, für die er u.a. mit dem internationalen Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet wurde. Längst gehören seine Romane wie "Das doppelte Lottchen", "Pünktchen und Anton" oder "Der 35. Mai", um nur einige zu nennen, zu den Klassikern im Kinderzimmer und faszinieren unvermindert Leser und Publikum, im Buch, auf der Bühne und auf der Kinoleinwand. Wir suchen 20 Vorableser für diese Leserunde! Wer dieses Buch gerne in einer gemeinsamen Leserunde besprechen und anschließend rezensieren möchte , bewirbt sich bitte mit der Antwort auf folgende Frage: Ist ein ein Buch von Erich Kästner bekannt, und wenn ja, welches? Leserundenstart: 16.9.2013 Der Atrium Verlag hat viele interessante Neuerscheinungen zu bieten, schaut doch mal rein, ob für euch was dabei ist. Ich freue mich über zahlreiche Bewerbungen und Meinungen in der Leserunde!Eure Katja *** Wichtig *** Ihr solltet Minimum eine Rezension in eurem Profil haben, damit ich sehen kann wie ihr eure Rezensionen schreibt und wie aussagekräftig sie sind. Nehmt doch einfach eurer zuletzt gelesenes Buch und schreibt darüber. Ein Leitfaden, wie eine Rezension aufgebaut ist, findet ihr hier: http://www.lovelybooks.de/Leitfaden_Rezensionen.pdf oder auch hier in diesem Thread, wo alles Wissenswerte zusammengefasst ist: http://www.lovelybooks.de/thema/Leitfaden-f%C3%BCr-Rezensionen-und-Leserunden-1017409772/ .Bewerber mit Null Rezensionen werden nicht berücksichtigt!

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  • Literaturerlebnis Erich Kästner

    Der Gang vor die Hunde

    MelE

    20. November 2013 um 18:18

    "Der Gang vor die Hunde" ist ein Buch, welches mir Erich Kästner, den ich natürlich durch andere Bücher wie "Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen" oder auch "Das fliegende Klassenzimmer" zu schätzen weiß, nun in einem ganz anderen Licht erscheint. "Der Gang vor die Hunde" ist nämlich keinesfalls ein Kinderbuch, sondern ein wirklich dekadentes Buch, wo es nicht wundert, das es gekürzt werden musste, da es so wie es jetzt 80 Jahre später einfach besser in die Zeit passt. Erschienen sind nur Auszüge und das Buch verlor auch seinen Originaltitel und ist als "Fabian - Die Geschichte eines Moralisten" auf den deutschen Buchmarkt geworfen worden. Um herauszufinden, was letztendlich gekürzt wurde, lohnt es sich erstens "Fabian" zu lesen oder sich eben dem Anhang in "Der Gang vor die Hunde" zu lesen. Für mich war "Der Gang vor die Hunde" ein Einblick in das Leben nach dem ersten Weltkrieg. Politisch und wirtschaftlich muss sich Deutschland erst einmal wieder erholen. Fabian ist nur Beobachter und führt uns durch Berlin. Gewährt uns Einblicke, die uns tatsächlich erstaunen lassen. Personen werden teilweise oberflächlich betrachtet, teilweise ein klein wenig mehr. Manches Leben erscheint uns sinnlos und die Frage ist: "Was haben die jetzt im Buch zu suchen?" Wieder andere scheiden so schnell wieder aus der Handlung heraus, das sich die Frage lohnt: "Wie viel Wert hat ein Leben?" Moralisch könnte man das Buch natürlich verwerfen, obwohl es in unserer Zeit, wenn man die Sexualität betrachtet doch um einiges offener zugeht. In einer Zeit wie dieser in der "Der Gang vor die Hunde" spielt ist es eher verwerflich und verwunderlich wie offen Erich Kästner damit umgeht. "Der Gang vor die Hunde" ist definitiv kein Buch, was man so eben zwischendurch lesen könnte, dafür ist es wirklich zu prekär und  dekadent, das sich das zweite oder dritte mal Lesen zumindest für mich lohnen würde, um wirklich alles aufnehmen zu können und zu verstehen, was Erich Kästner eigentlich ausdrücken wollte. Natürlich gibt es eine Leseempfehlung, denn einen Erich Kästner mal von einer anderen Seite zu betrachten lohnt sich auf jeden Fall!

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  • Ein wertvolles Stück der Literaturgeschichte

    Der Gang vor die Hunde

    19angelika63

    05. November 2013 um 13:39

    Klappentext 1931 lieferte Erich Kästner seinem Verlag ein Manuskript mit dem Titel „Der Gang vor die Hunde“: die Geschichte des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian, der durch das überhitzte Berlin der späten Zwanzigerjahre streift, eine Stadt, die sich politisch und erotisch im Ausnahmezustand befindet. Der junge Kästner, der freche Shootingstar der Berliner Literatur-Szene, hatte alle Register gezogen. Das machte seinen Roman für den Verlag zu einem Sprengsatz, den das Lektorat mit spitzen Fingern entschärfte und der dann – entgegen Kästners ursprünglicher Intension – unter dem Titel „Fabian“ erschien. Noch in der verharmlosten Form galt das Buch vielen als dekadent und obszön. Kästner selbst sagt dazu: “Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind.“   Ich gestehe, ich hatte bis dato noch nie etwas von Kästner gelesen. Mir war er durch seine Kinderbücher bekannt und durch meinen Literaturunterricht für den Fernlehrgang lernte ich ihn etwas kennen. Ich lernte, dass Kästners  „Fabian“ ein sogenannter Großstadtroman mit biografischen Zügen war. Er zeigt ein Bild von Berlin am „Vorabend der Machtergreifung Adolf Hitlers“. Ehrlich gesagt habe ich dieses Buch verschlungen. Man merkt, dass Kästner, der von sich selber sagt er sei ein Moralist, die Geschichte rund um Fabian „überzieht“. Mit jeder Zeile spürt man die Ironie und den Sarkasmus, mit der Kästner jene Zeit aufzeigt. Eine Zeit, in der Homosexualität, Geldgier und Macht eine große Rolle spielen … eben eine Zeit, in der alles „vor die Hunde“ ging … am meisten doch die Moral. Stilistisch hervorragend geschrieben, auf das wichtigste beschränkt ohne große Schnörkeleien, aber immer mit einem erhobenen Zeigefinger. Was auch noch erwähnenswert ist, ist der umfangreiche und sehr informative Anhang, in dem detailliert erklärt und aufgezeigt wird, was alles 1931 gestrichen bzw. verändert wurde hinsichtlich des Originals. Dieses Buch ist ein absolutes Muss, da es ein wertvolles Stück Literaturgeschichte ist!!!  

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  • Humorvoll, gewagt, intelligent und politisch - Ein typischer Kästner

    Der Gang vor die Hunde

    LaLecture

    03. November 2013 um 16:11

    Inhalt "Der Gang vor die Hunde" erzählt die Geschichte von Jakob Fabian, einem jungen Mann Anfang 30, der in Berlin ein auf Vergnügen ausgelegtes Leben führt und in den Tag hineinlebt. Die vielen  Anspielungen auf die damaligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse lassen sich kaum in einer Inhaltsangabe wiedergeben, daher kann ich nur empfehlen, das Buch einfach zu lesen ;). Meinung Es fällt mir extrem schwer, zu diesem Buch eine Rezension zu schreiben. Das liegt zum einen daran, dass es mir sehr gut gefallen hat und ich bei Büchern, die ich sehr mag, oft Probleme damit habe, diese Vorliebe auch zu begründen und nicht einfach nur zu sagen: "Das ist toll!". Zum anderen liegt es daran, dass "Der Gang vor die Hunde" ja nun schon ein paar Jährchen alt ist und man beim Lesen und auch beim Rezensieren daher auch noch den historische Kontext und Informationen über den Autor beachten muss. In diesem Punkt hat mich das Nachwort ziemlich verunsichert, weil dessen Autor in dem Buch vieles sieht, auf das ich niemals gekommen wäre, weil mir das Wissen über die Stimmung im Deutschland der 30er-Jahre fehlt, aber kein einziges Mal den Zusammenhang zwischen Buch und unserem Leben (auch noch im 21. Jahrhundert) erwähnt hat, den ich persönlich gesehen habe. Ich werde versuchen, in dieser Rezension sowohl historische Fakten, als auch Bezüge, die ein historisch nicht unbedingt herausragend informierter Mensch zur Jetztzeit sehen könnte, einfließen zu lassen. Der erste Punkt, der mir erwähnenswert erscheint, ist ohnehin zeitlos, nämlich Erich Kästners genialer Schreibstil. Er schreibt auf eine lockere, leicht verständliche Weise, doch das beste daran sind die vielen ironischen Kommentare, die teilweise direkt von seinen Figuren kommen, sich aber auch teilweise in seiner Art zu schreiben und bestimmte Situationen auf die Spitze zu treiben widerspiegeln. So gelingt es ihm spielend leicht, ernste Themen und eine Moral unterhaltsam zu verpacken, sodass man als Leser nicht das Gefühl hat, belehrt, sondern einfach unterhalten zu werden. Und selbst, wenn man den tieferen Sinn der Geschichte nicht versteht (so wie es mir teilweise scheinbar ging), hat man eine Menge Spaß beim Lesen. Kommen wir also gleich zu besagten tieferen Sinn. Zum einen wäre da natürlich der historische Kontext. "Der Gang vor die Hunde" spielt im Berlin der 30er Jahre, noch vor der Machtergreifung Hitlers. Die Stimmung, die damals dort herrschte, kann Kästner wohl besser wiedergeben als jeder Historiker und die Mischung aus der Vergnügungssucht und den ernsthaften, politischen Gedanken und Plänen der Menschen wirkt teilweise wirklich faszinierend. Des Öfteren lässt Kästner seine Figuren den sich verschlimmernden Zustand Europas erwähnen und drückt damit wie auch im Nachwort seine eigene Meinung zur damaligen politischen Situation aus, ebenso wie an anderen Stellen seine Abneigung gegen Nationalsozialisten deutlich wird. Selbst die Industrialisierung wird indirekt durch das Auftauchen eines alten Erfinders, der es bereut, dass seine Maschinen so viele Arbeitsplätze wegnehmen, angeschnitten. Über viele Themen, beispielsweise die Zeitung, äußert Kästner sich auch äußerst zynisch und kritisiert damit ebenfalls seine Zeitgenossen. Wie bereits erwähnt konnte ich in dem Roman aber auch eine Moral für die weniger historisch interessierten Leser erkennen, denn die Hauptfigur Jakob Fabian bietet weit mehr als die Tatsache, dass er in den 30er Jahren lebt. Ein wichtiges Thema der Gespräche zwischen Fabian und seinem Freund Labude ist die Frage, was er aus seinem Leben machen will - eine Frage, die man sich schließlich nicht nur damals stellte. Während Labude politisch engagiert ist und einen Traum von einer besseren Welt hat, lebt Fabian in den Tag hinein und behauptet, die Menschen darauf zu überprüfen, ob sie vernünftig sein können, bevor er eine neue Gesellschaftsordnung plant. Dieser Kontrast zwischen totaler Passivität und dem Wunsch, in der Welt etwas zu bewegen, ist sehr interessant und wirft die Frage auf, was für Ziele man selbst eigentlich hat und wofür man eigentlich jeden Tag aufs neue aufsteht. Die Charaktere sind, wie auch viele der Situationen, oft überzeichnet, während Fabian eine relativ bodenständige, vernünftige und eher passive Figur ist. Die meiste Zeit tut er eigentlich nicht viel und der Leser lernt nur durch seine Erlebnisse viele andere schräge Figuren kennen. Diese Passivität, die Kästner, wie man am Ende sieht, offenbar auch nicht gutheißt, kann einem mitunter auf die Nerven gehen, doch im Grunde hat Fabian ein gutes Herz und vor allem Sinn für Humor und war mir sehr sympathisch. Was Kästner uns mit dieser Figur sagen will, habe ich ehrlich gesagt aber nicht verstanden, vielleicht auch, weil mich das Nachwort diesbezüglich sehr verwirrt hat. Womit wir auch schon beim Anhang wären, der irgendwie zu dieser Rezension dazugehört, weil er einen großen Teil meiner Ausgabe einnimmt. Die Nachworte des Autors sowie ein in der Erstausgabe hinzugefügtes Kapitel sind ja noch recht interessante Zusätze, doch mit literaturwissenschaftlichen Analysen kann ich allgemein nicht viel anfangen. Wie ich zu Beginn der Rezension schon geschrieben habe, hat mich das Nachwort zum historischen Kontext und Kästners Intention daher ziemlich erschlagen und ich habe mich danach ziemlich dumm gefühlt, weil ich nicht so viel beziehungsweise etwas anderes aus dem Buch herausgelesen hatte. Fazit "Der Gang vor die Hunde" ist ein, wie man es von Kästner gewöhnt ist, satirisch angehauchter Roman über die Lebensumstände und die politischen Entwicklungen in den 30er Jahren, der neben unterhaltsamen und auf die Spitze getriebenen Situationen auch einiges an Gesellschaftskritik, aber auch eine durchaus heute noch "brauchbare" Moral beinhaltet. Allerdings kann ich gerade diese Ausgabe mit dem ausführlichen Anhang vor allem historisch interessierten Lesern mit stückweitem Interesse an literaturwissenschaftlichen Analysen empfehlen, da das Nachwort einen doch sonst etwas überfordert. Ich persönlich war wohl doch noch etwas zu jung oder zu uninformiert für die Lektüre und kann daher nur 4 Sterne vergeben.

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  • Der Gang vor die Hunde

    Der Gang vor die Hunde

    kolokele

    25. October 2013 um 17:37

    Erich Kästners "Fabian" liegt nun in der ungekürzten und überarbeiteten Fassung als "Der Gang vor die Hunde vor", über 80 Jahre nach der Erstausgabe. Dass das Buch immer noch von Interesse ist und sicherlich auch erneut seine Leser finden wird, ist ein Zeichen dafür, wie aktuell das Buch immer war und immer noch ist. Auch wenn es eigentlich in den 30er Jahren spielt und auch sichtbar dort verortet ist, wie die tagespolitischen Elemente im Buch deutlich machen. Die Geschichte um Fabian, einem Akademiker, tätig in der Werbebranche und irgendwann arbeitslos, seinen Freund Labude, ihrer Generation und der Gesellschaft um sie herum wird schonungslos und satirisch überzeichnet, dargestellt. Sexualität wird offen thematisiert damals ein Skandal - heute normal. Auch politisch hält sich das Buch nicht zurück, auch wenn Fabian nicht eindeutig Position bezieht, so wird der damalige Zustand zwischen recht und links thematisiert. Kästner schreibt, in seiner gewohnten Sprache, klar und auf den Punkt, oft steckt in sehr einfachen Sätzen sehr viel drin. Mir hat die Lektüre erneut sehr gut gefallen, sogar besser als beim ersten Mal, ob das daran liegen mag, dass nun das Buch so ist, wie der Autor es einst erdacht hat und somit auf allen Ebenen vollständig, kann man spekulieren. Der Roman wird ergänzt durch einen umfangreichen Anhang, der nicht nur für Literaturwissenschaftler interessant ist. Verschiedene Nachworte Kästners, sowie ein Nachwort des Herausgebers und natürlich Details zu den zugefügten Stellen geben ein umfassendes Bild der Zeit in der das Buch spielt und der Entwicklung, die das Buch genommen hat, samt seiner Auswirkung auf Kästners Leben.

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  • Lust auf Literatur ?

    Der Gang vor die Hunde

    elisabethjulianefriederica

    25. October 2013 um 14:40

    Lust auf Literatur ? - Kästner für Erwachsene Dieser Roman hat als gesellschaftskritisches Werk bei mir einen sehr starken Eindruck hinterlassen . Episodenartig beschreibt er die Gesellschaft im Berlin der späten 20er Jahre mit den ganzen Nachwirkungen des 1.Weltkriegs und der Wirtschaftskrise. Man spürt regelrecht, wie die Welt auf eine neuerliche Krise zuschwebt, die Stimmung im dekadenten Berlin der 20erJahre , das sich „politisch und erotisch im Ausnahmezustand befindet“ (s.Klappentext) ist überhitzt. Der Roman beschreibt Erlebnisse des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian in einfacher Sprache mit ausführlichen Kapitelüberschriften, wie ich sie von seinen Kinderbüchern kenne und liebe, aber „dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich wie alt sie sind“ sagte Erich Kästner selbst zu seinem Werk. Interessant ist die Werkgeschichte, denn der Roman wurde sogleich vom Lektorat entschärft und erschien unter dem Titel „Fabian“. Im ausführlichen Anhang kann man sich davon ein Bild machen. Sehr lesenswertes literarisches Werk, auch für geschichtsinteressierte „Literaturmuffel“, aber wie gesagt „nichts für Konfirmanden“(Kästner).

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  • Eine Sammlung von Karikaturen in Worten

    Der Gang vor die Hunde

    allegra

    16. October 2013 um 17:23

    Der Gang vor die Hunde - Eine Sammlung von Karikaturen in Worten Kästner ist wohl jedem ein Begriff, der in einem deutschsprachigen Land zur Schule gegangen ist. „Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“, oder „Das fliegende Klassenzimmer“ sind sowohl als Lektüre als auch als Kinderfilm aus der deutschen Kinder- und Jugendkultur nicht mehr wegzudenken. Kästner als Autor für Erwachsene war mir völlig unbekannt, bevor ich „Der Gang vor die Hunde“ gelesen habe. In diesem Buch stellt Kästner aus der Sicht des Germanisten Jacob Fabian das Leben im n der Weimarer Republik auf stark übertriebene Weise dar. Das Buch, das eigentlich keine Handlung erzählt sondern vielmehr Momentaufnahmen in unterschiedlichen Milieus darstellt fühlt sich an, wie eine Sammlung von opulent überzeichneten Karikaturen, wie man sie aus der Weimarer Republik kennt. Es geht um Freundschaft, Liebe, Enttäuschung, Sinnlosigkeit und vieles mehr. Der Gang vor die Hunde ist stark gekürzt als „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ im Jahr 1931 erschienen. Bei der Lektüre wird einem sehr schnell klar, warum sehr viel gekürzt werden musste. Die Welt war einfach noch nicht reif für dieses Buch. Kästners trockene und oft stark verkürzte Ausdrucksweise lässt so manche Liebes- beziehungsweise Sexszene als recht derbe erscheinen. Das Buch muss als entartete Literatur so was von gebrannt haben, bei der Bücherverbrennung im Jahre 1933. Kästner wollte mit diesem Buch warnen. Er hat gespürt, dass sich die Welt um ihn herum nach dem ersten Weltkrieg nicht weiter erholt, sondern sich auf einen Abgrund zu bewegt. Mit dem heutigen Wissen stockt einem immer wieder der Atem aufgrund Kästners Weitblick. Dennoch meine ich zu spüren, dass sich die Geschichte noch weitaus brutaler entwickelt hat, als es Kästner befürchtet hat. Wie muss er sich rückblickend gefühlt haben, als alle seine Warnungen in den Wind geschlagen wurden und nach 1945 Deutschland in einem noch viel schlimmeren Trümmerland lag, als zu Zeiten des Fabian nach dem ersten Weltkrieg. „Der Gang vor die Hunde“ lässt sich aufgrund der einfachen, sachlichen Sprache sehr zügig lesen. Vom Inhalt her beschäftigte es mich sehr, obwohl keine spannende Handlung erzählt wird. Die einzelnen Kapitel, die für mich eher Bilder darstellen, können auch isoliert gelesen werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mir im Laufe der Jahre das eine oder andere Bild noch mal vergegenwärtigen werde. Im Anhang sind einige Nachworte von Kästner abgedruckt, die er zu den verschiedenen Fassungen und zu verschiedenen Zeiten verfasst hat. Ebenfalls sind detaillierte Informationen über die einzelnen Änderungen im Vergleich zu den früheren Ausgaben aufgeführt, so dass man mit der alten Fabian Ausgabe vergleichen kann. Mit „Der Gang vor die Hunde“ hat man das Werk so vor sich, wie Kästner seinen Fabian haben wollte. Literaturgeschichtlich ein sehr interessantes Werk. Und was kann man für das tägliche Leben im Jahre 2013 daraus lernen………..damit möchte ich mich im Moment lieber nicht ausführlicher befassen. Es macht mir angesichts der „Versexualisierung“ und Verrohung unserer Gesellschaft, die ungleich schlimmer ist, als es in der Weimarer Republik der Fall war, einfach nur Angst, was kommen könnte. Ich höre Kästners Warnung und mache vorerst die Augen zu.

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  • Literaturerlebnis Erich Kästner

    Der Gang vor die Hunde

    MelE

    14. October 2013 um 06:09

    "Der Gang vor die Hunde" ist ein Buch, welches mir Erich Kästner, den ich natürlich durch andere Bücher wie "Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen" oder auch "Das fliegende Klassenzimmer" zu schätzen weiß, nun in einem ganz anderen Licht erscheint. "Der Gang vor die Hunde" ist nämlich keinesfalls ein Kinderbuch, sondern ein wirklich dekadentes Buch, wo es nicht wundert, das es gekürzt werden musste, da es so wie es jetzt 80 Jahre später einfach besser in die Zeit passt. Erschienen sind nur Auszüge und das Buch verlor auch seinen Originaltitel und ist als "Fabian - Die Geschichte eines Moralisten" auf den deutschen Buchmarkt geworfen worden. Um herauszufinden, was letztendlich gekürzt wurde, lohnt es sich erstens "Fabian" zu lesen oder sich eben dem Anhang in "Der Gang vor die Hunde" zu lesen. Für mich war "Der Gang vor die Hunde" ein Einblick in das Leben nach dem ersten Weltkrieg. Politisch und wirtschaftlich muss sich Deutschland erst einmal wieder erholen. Fabian ist nur Beobachter und führt uns durch Berlin. Gewährt uns Einblicke, die uns tatsächlich erstaunen lassen. Personen werden teilweise oberflächlich betrachtet, teilweise ein klein wenig mehr. Manches Leben erscheint uns sinnlos und die Frage ist: "Was haben die jetzt im Buch zu suchen?" Wieder andere scheiden so schnell wieder aus der Handlung heraus, das sich die Frage lohnt: "Wie viel Wert hat ein Leben?" Moralisch könnte man das Buch natürlich verwerfen, obwohl es in unserer Zeit, wenn man die Sexualität betrachtet doch um einiges offener zugeht. In einer Zeit wie dieser in der "Der Gang vor die Hunde" spielt ist es eher verwerflich und verwunderlich wie offen Erich Kästner damit umgeht. "Der Gang vor die Hunde" ist definitiv kein Buch, was man so eben zwischendurch lesen könnte, dafür ist es wirklich zu prekär und  dekadent, das sich das zweite oder dritte mal Lesen zumindest für mich lohnen würde, um wirklich alles aufnehmen zu können und zu verstehen, was Erich Kästner eigentlich ausdrücken wollte. Natürlich gibt es eine Leseempfehlung, denn einen Erich Kästner mal von einer anderen Seite zu betrachten lohnt sich auf jeden Fall!

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  • wertvolle Literatur

    Der Gang vor die Hunde

    dieFlo

    09. October 2013 um 16:19

    Erich Kästner - ich liebte ihn schon als junges Mädchen und war überglücklich, dass es nun einen "echten Fabian" unter dem Titel gibt, wie Erich Kästner es sich gewünscht hatte. Frei jeglicher Zensur taucht der Leser ein in das Berlin und Deutschland Ende der 20ger. Man beginnt zu lesen und weiß: er ist es - es ist ein Original, ein echter Kästner und ich habe jede Zeile genossen. Mit versteckten Witz und Charme und harter Kritik reist der Leser zurück und erlebt Chaos in Deutschland. Mit Fabian bekommt der Leser einen Blick in das Geschehen von außen und sieht wie die Moral zerbröckelt, wie die Wirtschaftskreise seine Kreise zieht und die Menschen unter Arbeitslosigkeit und Armut leiden. Frauen trinken und prostituieren sich und der Protagonist sieht, bemäkelt dies und bringt es dem Leser vor Augen. Es gibt keine klare oder eine Handlung/Geschichte, doch der Roman macht einfach Freude zu lesen. Man nickt zustimmend bei bestimmten Passagen und kann sich nicht vorstellen, dass das Werk schon vor 80 Jahren geschrieben wurde, denn manches passt erschreckend auf unser Jetzt und Hier. Fazit: nicht nur für Kästnerkenner ein Buch ,-)

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  • Politisch-literarisches Lehrstück

    Der Gang vor die Hunde

    alasca

    Politisch-literarisches Lehrstück Kästners "Fabian - Die Geschichte eines Moralisten" ist nun endlich - nach über 80 Jahren - in der vom Autor ursprünglich beabsichtigten Form und unter seinem Wunschtitel, "Der Gang vor die Hunde" erschienen. Wer Kästner schon als Kind gelesen hat, erkennt sofort seinen typischen Stil wieder, der wirkt wie mühelos hingeworfen. Auch die pointierten Dialoge, den frechen Witz, das alles kennen wir bereits aus "Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" und haben die heiteren Illustrationen von Walter Trier vor Augen. Doch die Bilder, die Kästner im "Gang vor die Hunde" malt, erinnern an die Werke von George Grosz, der wie kein anderer die Dekadenz der Weimarer Republik verbildlicht hat, sein Erzählton erinnert manchmal an die melancholische Stimmung seiner Gedichte. Die Situation zur Zeit der Erstausgabe, gesellschaftlich wie politisch, ist prekär. Der erste Weltkrieg hat die alte Ordnung in einer blutigen Welle weggeschwemmt, die Philosophie des Humanismus scheint ad absurdum geführt, eine neue Ordnung hat sich noch nicht etabliert. Die deutsche Wirtschaft ist dabei, zusammenzubrechen, Arbeitslosigkeit und Armut steigen exponentiell. Eine verzweifelte Lebensgier greift um sich; Berlin tanzt auf dem Vulkan. Kästner lässt die Figur des Fabian als passiven Beobachter durch dieses Berlin flanieren. Es gibt im Grunde keine Handlung, doch der Text wäre nicht Kästner, läse er sich nicht trotzdem höchst unterhaltsam. Figuren treten umstandslos auf, verkörpern etwas (Opportunismus, Verzweiflung, Gier), zeigen etwas (das gewandelte Geschlechterverhältnis, den Verfall der Moral, den Wahnsinn des Kapitalismus) und treten ebenso umstandslos wieder ab. Manche sind nicht totzukriegen, andere kommen so sinnfrei ums Leben, dass man Einspruch erheben möchte. Der Protagonist hält sich aus allem heraus und versucht, seine Ideale hochzuhalten. Zwar gelangt er sukzessive zu einer realistischeren Lebenshaltung, aber da ist es schon zu spät. Wer Erfolg haben oder auch nur überleben will, muss sich prostituieren. Wer das nicht tut, geht unter, wie am Ende Fabian (und mit ihm die Moral), buchstäblich baden geht. Kästners Sprache spart sich literarische Schnörkel; sie ist frivol, sie ist direkt, sie nennt die Dinge beim Namen. Das wirkt auch nach 80 Jahren noch erfrischend provokant. Sein Roman verblüfft nicht nur durch ein zeitloses Menschenbild, sondern auch als Instrument der Propaganda: Etwas, das der Autor, ganz wie seine Figur Fabian, zwar meisterlich beherrscht, aber verachtet. Jedoch, wie Kästner selbst in seinem Nachwort von 1931 sagt: Der Roman "wollte mit angemessenen, das konnte in diesem Falle nur bedeuten, mit allen Mitteln, in letzter Minute Gehör und Besinnung erzwingen." Wir wissen, dass ihm das nicht gelungen ist. Das aber macht den Roman und seine Intention nicht kleiner. Der Anhang des Münchner Literaturprofessors und Kästnerbiographen Sven Hanuschek, gut ein Viertel des Textumfanges, setzt alles in Perspektive. Hier kann man im Detail die Textänderungen im Vergleich zur Erstausgabe nachlesen. Hier gibt es das Kapitel, das Kästner als Ersatz für das ursprüngliche, wegzensierte Kapitel 3 schreiben musste, alle Nachworte des Autors, und die sehr wechselvolle Rezeptionsgeschichte des Romans enthält es auch. Kann man den "Gang vor die Hunde" also auch heute noch mit Gewinn lesen? Vor allem: Mit mehr Gewinn als die Erstausgabe? Man kann nicht nur, man sollte! Aber Warnung: (Literatur-)Geschichte fügt Ihnen erhebliche Denkanstöße zu.

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  • Ein Stück Literaturgeschichte, auch heute noch mit Gewinn zu lesen

    Der Gang vor die Hunde

    PMelittaM

    08. October 2013 um 17:26

    Der Roman ist eine Neuauflage von Kästners „Fabian“ und zwar in der Form, wie Kästner ihn ursprünglich geschrieben hat. Bei der Erstauflage musste er einiges ändern und sogar ein ganzes Kapitel neu schreiben, spätere Auflagen erhielten nur marginale Änderungen. Hier ist der Roman erstmals mit dem Text und dem Titel veröffentlicht worden, wie ihn der Autor vorgesehen hatte, also sozusagen der „Directors Cut“. Der Roman erzählt von einigen Tagen im Leben Jakob Fabians und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das Berlin um 1930, lässt die Weltwirtschaftskrise, den aufkommenden Nationalsozialismus, aber auch das turbulente (Liebes)Leben der damaligen Zeit lebendig werden. Im Anhang finden sich außer den verschiedenen Vorworten, die der „Fabian“ im Laufe der Zeit von Kästner selbst erhalten hatte, auch eine Auflistung der verschiedenen Änderungen inkl. des Kapitels, das der Autor alsErsatz für das zunächst gestrichene geschrieben hatte. Außerdem findet sich dort ein umfassendes Nachwort des Herausgebers dieser Ausgabe, Sven Hanuschek, das den Roman perfekt abrundet und dem Leser nicht nur Einblicke in die Biografie Kästners und in die damalige Zeit vermittelt sondern z. B. auch die Umstände der Entstehung des Romans und der Änderungen. Der Roman ist auf jeden Fall lesenswert, nicht nur für Kästner-Fans, er ist ein Stück Literaturgeschichte und lässt sich auch heute noch mit Gewinn lesen.

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