Erich Kästner Der Gang vor die Hunde

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Inhaltsangabe zu „Der Gang vor die Hunde“ von Erich Kästner

»Fabian« ist Erich Kästners Meisterwerk. Doch das Buch wurde vor seinem Erscheinen 1931 verändert und gekürzt, denn der junge Kästner hatte in seinem ersten Roman alle Register gezogen. Das machte das Manuskript für den Verlag zu einem Sprengsatz, den das Lektorat mit spitzen Fingern entschärfte. Das Buch erschien schließlich entgegen Kästners ursprünglicher Intention unter dem Titel »Fabian«. Jetzt liegt der Roman zum ersten Mal so vor, wie ihn Kästner geschrieben und gemeint hat – unter dem Titel, den Kästner ursprünglich vorgesehen hatte: »Der Gang vor die Hunde«. Vom Kästner-Experten Sven Hanuschek herausgegeben und Wort für Wort rekonstruiert.

Wenn es so etwas wie den "Zeitgeist" gibt, so hat dieser Roman ihn abgebildet

— Matzbach

Wortgewaltig. Ein Leseerlebnis.

— gretavox

Ein Meisterwerk

— Mika2003

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  • "Fabian" in der Urfassung

    Der Gang vor die Hunde

    Matzbach

    09. July 2017 um 16:55

    Es ist nun über 30 Jahre her, dass ich als junger Germanistikstudent Erich Kästners "Fabian" zu einem meiner Lieblingsbücher erklärt habe. Nun ist die Urfassung erschienen, die damals einer verlagsinternen Zensur zum Opfer fiel. Doch zunächst zur Handlung. Kästner beschreibt einige Tage aus dem Leben des Germanisten und Werbefachmannes Jakob Fabian, Kästners alter Ego, wie einige Parallelen zu seinem Lebenslauf aufzeigen. Beide haben als Folge des Krieges ein Herzleiden, beide haben die Ausbildung zum Lehrer abgebrochen. Fabian ist ein Beobachter und ein "Moralist", der nicht wertet, aber dokumentiert. Das Nachtleben des Berlins der Weltwirtschaftskrise, die auf der Straße ausgekämpften politischen Auseinandersetzungen, Eifersüchteleien im Universitätsbetrieb und generelle Zeitbetrachtungen sind nur einige der Themen, derer sich dieser Roman annimmt. Gerade zu Mitleid erregend ist die Tatsache, dass Fabian gerade dann arbeitslos wird, als er Hoffnung auf ein wenig Glück im Privaten entwickelt. Doch seine Freundin verlässt ihn, um Karriere (über die Besetzungscouch) zu machen, wie überhaupt der Eindruck entsteht, dass sich irgendwie jeder auf seine Art prostituiert, ausgenommen der Moralist Fabian. Beruflich ohne Perspektive erfährt Fabian vom Selbstmord seines Freundes und verlässt daraufhin Berlin Richtung Heimat, wo er auf bezeichnende Art und Weise ums Leben kommt. Er stirbt beim unüberlegten Versuch, ein Kind aus einem Fluss zu retten, weil er nicht schwimmen kann. Schon die bisher bekannte Ausgabe des "Fabian" überzeugt durch glasklare Beschreibung der Endphase der Weimarer Republik. Ohne sich politisch eindeutig zu positionieren kritisiert Kästner totalitäre Ideologien, Militarismus und Spießbürgertum, was letztlich wohl dazu beitrug, dass seine Werke der Bücherverbrennung zum Opfer fielen und er selbst zeitweise einem Schreibverbot unterlag. "Der Gang vor die Hunde", so der Titel der Urfassung, ist durchaus doppeldeutig zu verstehen, so, wie es mit Fabian bergab geht, geht es auch mit der Gesellschaft. Die Unterschiede zwischen den beiden Fassungen sind nicht unbedingt gravierend, eher nuanciert. Dabei meine ich weniger die Stellen, die dem Vorwurf der Pornographie zum Opfer fielen, was aus heutiger Sicht eher läppisch wirkt, als solche, die die Zustandsbeschreibung der Gesellschaft verdeutlichen. Eingestreute Zeitungsmeldungen etwa machen den moralischen Verfall der Gesellschaft noch ein wenig deutlicher als es die bisher veröffentlichte Fassung tut. Andererseits scheint ein mir wichtiges Kapitel, die Beschreibung einer Redaktionssitzung, später hinzugekommen zu sein, welches für den Roman durchaus funktional ist. Am besten, man liest beide Fassungen, um den Roman vollends zu erfassen. "Der Gang vor die Hunde" liefert neben der Urfassung einen editorischen Anhang, sowie ein aufschlussreiches Nachwort des Herausgebers, insofern sei auch diese Fassung wärmstens empfohlen.  

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    • 2
  • Abgesang auf die Weimarer Republik

    Der Gang vor die Hunde

    gretavox

    21. May 2017 um 17:39

    1931 unter dem Titel „Fabian“ herausgebracht, aber vom Verlag wegen seiner freizügigen erotischen Schilderungen und der gesellschaftlichen Kritik entschärft, ist der Roman nun unter Kästners Wunschtitel „Der Gang vor die Hunde“ in der vom Autor ursprünglich intendierten Originalfassung erschienen, zusammen mit einem textkritischen Anhang.Auch noch in der entschärften Version galt das Buch als dekadent und obszön und wurde 1933 von den Nazis bei der Bücherverbrennung unter dem Vorwurf der Pornografie ins Feuer geworfen.Der Roman hat im Grunde keine richtige Handlung. Kästner lässt seine Hauptfigur, den promovierten Germanisten Jakob Fabian, meist nur bei seinem Nachnamen genannt, wie zufällig durch das Berlin der frühen Dreißigerjahre streifen und beleuchtet dabei schlaglichtartig den Zustand der Gesellschaft. Das Buch enthält einige politische Anspielungen, die sich meist aus Fabians Zeitungslektüre speisen, so wird z.B. der Mord an Walther Rathenau erwähnt. (S. 189). Aber auch ohne allzu konkret zu werden, gelingt Kästner ein ungeschöntes Sittenbild der Großstadt in der Endphase der Weimarer Republik: die allgegenwärtige Arbeitslosigkeit, die galoppierende Inflation, die Vergnügungssucht und Dekadenz – kurz, eine Gesellschaft, die ungebremst auf die Katastrophe zusteuert. Fabians Orientierungslosigkeit und Rastlosigkeit, zwei letztendlich völlig sinnlose Todesfälle sowie der verstörende Schluss sind dabei nur konsequent. Kästner schreibt mit einer unangestrengten Leichtigkeit, gleichzeitig frech und pointiert. Ein schönes Beispiel: „Mir wuchs der Unterleib meiner Frau sozusagen über den Kopf.“ (S. 18)In den erotischen Passagen ist er direkt, auch wenn seine Sprache aus heutiger Sicht weniger frivol und provokant ist als vor 80 Jahren.„Da lehnten sich zwei Trikotengel über die Brüstung. Die eine Frau war dick und blond, und ihre Brust lag auf dem Plüsch, als sei serviert. Die andere Person war mager, und ihr Gesicht sah aus, als hätte sie krumme Beine.“ (S. 47)Nicht nur die sexuelle Freizügigkeit des „Fabian“ rief seinerzeit Empörung hervor. Mehrere Episoden, die der Zensur zum Opfer fielen, sind im „Gang vor die Hunde“ nun wieder zu finden, so z.B. das Kapitel um die Blinddarm-Operationswunde des Direktors Breitkopf (Kapitel 3) und die wunderbar spöttische Fahrt im Empörten Autobus (Kapitel 4), in der Fabian und sein Freund Labude sich über die nationalen Heiligtümer in Berlin, wie z.B. den Berliner Dom und das Brandenburger Tor, lustig machen. (S. 41) Fast das gesamte Kapitel 14 ist die Schilderung eines scheinbar wirren Albtraums Fabians. Hinter der grotesken Überzeichnung, die in ihrer Ästhetik bisweilen an Fritz Langs „Metropolis“ erinnert, blitzt die Realität hervor: das Leben im überhitzten Berlin, wo es moralisch wie erotisch drunter und drüber geht. Dabei ist Kästner nie belehrend, und er bietet auch keine Lösungen an. Seine inhärente Kritik an denjenigen, die die politischen Verhältnisse durchschauen, sich aber abwartend passiv verhalten, hat jedoch bis heute nichts an Aktualität verloren. Kästner ist eben viel mehr als ein bekannter Kinder- und Jugendbuchautor.

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    • 2
  • Ein Meisterwerk

    Der Gang vor die Hunde

    Mika2003

    31. January 2017 um 14:13

    Als Dresdner ist einem Erich Kästner ein Begriff – seine Jugendbücher kennt jeder und ich hatte auch schon gehört, dass seine Werke der Bücherverbrennung der Nazis zum Opfer fielen. Ein „Erwachsenenbuch“ von ihm zu lesen, war ein besonderer Reiz für mich. Als ich in einer Berliner Buchhandlung den Klappentext von „Der Gang vor die Hunde“ gelesen hatte, wusste ich, dass ich dieses Buch lesen wollte. Zum Glück habe ich es dann von Karin (ebenso Rezensentin bei Katjas Bücher und Rezepte) geschenkt bekommen. Nach einigen Seiten fing ich auf einmal an, mir Notizen zu machen, sehr viele Notizen. Inhalt, Sprache und Form haben mich fasziniert und so ist diesmal nicht nur eine Rezension, sondern irgendwie eine Buchanalyse entstanden. Die Kurzfassung vorab, da die Analyse zahlreiche Spoiler enthalten wird: Die gelungene Darstellung einer Epoche und der Protagonisten die in einer Zeit von Unsicherheit, Wandel, Verzweiflung und moralischem Verfall ihren Weg suchen, ist schlicht fesselnd. Dr. Jacob Fabian („Fabian“ war der Titel des ursprünglich erschienenen, zensierten Buches) wohnt in Berlin, arbeitet als Propagandist – heute würde man irgendwas Werbetexter sagen – hat interessante Freunde, trifft absurde Leute und kreist am Randes eines Molochs. Das Berlin der späten 20er Jahre ist ein modernes Sodom und Gomorrha, vom den Entbehrungen seit Ende des (ersten) Weltkrieges gezeichnet, bildeten sich Elend, Kriminalität und Perversionen heraus, die Kästner mit den gleichmütigen Augen Fabians sehen lässt. Mit einer Mischung aus Faszination und Gleichgültigkeit nimmt Fabian dies alles hin und behält immer eine gewisse Distanz. Durch sie taucht er nie wirklich ein, kann überlegen die Dinge mit Abstand, vor allem aber mit Ironie beobachten. Doch die Geschichte beginnt zu Wanken und dieses Wanken lässt dem Moralisten keine Wahl – er muss in dieses Leben eintauchen. Man erlebt die Wandlung vom gleichgültigen Pessimisten zum verletzbaren Optimisten. Die brillante Schreibweise von Kästner sagt in wenigen Worten mehr, als viele es in dutzenden Seiten ausdrücken können. Gekonnt fängt er dein Zeitgeist ein, die Gesellschaftlichen Nöte, Zwänge und Probleme. Er beschreibt das Vakuum, welches einige Jahre vor Machtergreifung der Nazis herrschte, ebenso wie den Verfall der Sitten in einer Gesellschaft, die die Moral dem Geld unterordnet, weil Arbeitslosigkeit und Machtmissbrauch sie zerreißen. Er ahnte mit diesem Werk den Aufstieg einer radikalen Macht voraus, benannte sie und musste doch stummer Zuschauer bleiben. Man kann sagen, dass er dem Buch teils autobiografischen Charakter gab. Kurz gesagt handelt dieses Buch vom gesellschaftlichen Nährboden dessen, was das Dritte Reich zur Folge hatte. Die Fülle an Symbolen, an Beschreibungen und Fakten packt Kästner in weniger als 250 Seiten. Anhänge, wie z.B. das originale Nachwort, vervollständigen ein Werk, dessen Tiefe mich begeistert und doch erschrocken hat. Wenn man Kästners Blick auf die Gesellschaft 1931 kennt, dann weiß man wie unausweichlich der folgende Untergang der Weimarer Republik war. Wohl gemerkt aber, weil die Vernünftigen nicht eingegriffen haben. Ich kann diesem Buch nicht weniger als volle 5 Punkte geben. Alles andere wäre diesem Meisterwerk nicht gerecht.

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