Fabian

von Erich Kästner 
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Fabian
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Neue Kurzmeinungen

musicamericangirls avatar

Großartiges Buch! So schön satirisch, dass einem oft das Lachen im Hals stecken bleibt.

ulrikerabes avatar

Kästner kann nicht nur Emil. Die Karikatur als Stilmittel unübertroffen. Erschreckend aktuell in den Ansichten.

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Inhaltsangabe zu "Fabian"

Dr. Jakob Fabian, Germanist und Reklametexter, lässt sich durch das Berlin der »Goldenen Zwanziger« treiben. Er wirft sich in erotische Abenteuer, trinkt mit Journalisten um die Wette und versucht, im Labyrinth der Großstadt seine Integrität und seine Ideale zu behaupten. Doch die Stadt windet sich wie in einem Fiebertraum; die junge Demokratie der Weimarer Republik wird mehr und mehr in ihren Grundfesten erschüttert. Dann lernt Fabian im Atelier einer Bildhauerin, wo sich leichte Mädchen und Todeskandidaten ein Stelldichein geben, die junge Juristin Cornelia kennen. Die beiden verlieben sich – doch die Liebe hat keine Konjunktur.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783038820086
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Atrium Zürich
Erscheinungsdatum:05.05.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.09.2005 bei Grosser & Stein erschienen.

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    WHElementss avatar
    WHElementsvor 3 Monaten
    Ein satirischer Großstadtroman aus den frühen 1930er Jahren

    "Doch das Schicksal schritt, so schnell es konnte ... und da erwachte sein Schmerz aus der Narkose." Erich Kästners Großstadtsatire "Fabian" aus den frühen 1930er Jahren hatte den ursprünglichen Titel "Der Gang vor die Hunde". Dieser und verschiedene krasse Kapitel wurden jedoch vom Erstverleger abgelehnt. Das tat dem nunmehr seit knapp 80 Jahren viel gelesenen Zündstoff und immer wieder neu aufgelegten Buchthema jedoch keinen Abriss.

     

    Erich Kästner, den man hauptsächlich als Kinderbuchautoren kennt ("Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen", "Pünktchen und Anton") wendet sich mit "Fabian" an Erwachsene. Bitterböse, jedoch leicht lesbar, schildert er die Zustände Berlins während der großen Weltwirtschaftskrise um 1930: "Hier ist das Monte Carlo der armen Luder." Sittenverfall und Zwielichtiges stehen dem ohnmächtigen Wunsch des Protagonisten, "die Menschen anständig und vernünftig zu machen" gegenüber.

     

    Die Hauptperson des Romans ist Dr. Jakob Fabian, ein 32-jähriger Germanist, der sich zunächst als Werber für eine Tabakfabrik durchschlägt, dann jedoch arbeitslos wird. Wirtschaftlicher Erfolg interessiert ihn wenig. Seine humanistischen Absichten versteht er nicht in die Tat umzusetzen, so dass er ein passiver Beobachter bleibt ("Du hast Angst, das Glas zwischen dir und den anderen könnte zerbrechen. Du hältst die Welt für eine Schaufensterauslage."). So streift Herr Fabian durch seine Stadt und studiert das Großstadtleben. Der Leser folgt ihm in Bars, möblierte Zimmer und zu queeren Figuren, denen das Leben oft bis zum Hals steht.

     

    Glänzend versteht Erich Kästner es, die Abgründe einer Krisenzeit wie der um 1930  darzustellen. So glänzend, dass er damit gleich die letzte Krise der Nullerjahre mit verhandeln könnte. Provokant hält der Autor auf jeder Seite einen Zerrspiegel der Gesellschaft vor und trifft gerade durch seine Übertreibungen mitten ins Herz des Elends und der Unmoral. "Fabian" ist Kästners autobiographischstes Buch und vielleicht deshalb so brillant geschrieben. Bei den Nationalsozialisten wurde das Buch als "entartet" eingestuft, Erich Kästner bis 1945 verboten.

     

    Die Kapitelaufteilung von "Fabian" ist ebenso hervorzuheben, weil sie einmalig ist. Sie besteht jeweils aus drei nicht zueinander passenden Wortgruppen, wie zum Beispiel: "Ein Kellner als Orakel · Der andere geht trotzdem hin · Ein Institut für geistige Annäherung" oder "Das Kaufhaus und Arthur Schopenhauer · Das reziproke Bordell · Die zwei Zwanzigmarkscheine". Diese Aufteilung unterstützt den frischen Charakter des Buches und dient gleichzeitig als Cliffhanger, so dass man immer weiterlesen muss bis zur letzten Seite, die leider schon viel zu früh kommt.

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    winter-chillvor einem Jahr
    Wenn man sich in der Welt nicht mehr zurechtfindet

    Was passiert, wenn die Welt und die ganze Gesellschaft sich gegensätzlich zu den eigenen Idealvorstellungen entwickelt? Entweder man versucht in dieser Welt zu überleben oder man geht daran zu Grunde. In diese seelische Zwickmühle gerät der promovierte Germanist Jakob Fabian. Gestrandet im Berlin der 1930er Jahre verdingt er sich als Werbetexter in einer Zigarettenfabrik. Kein Traumjob, aber er kommt über die Runden und lernt bald auch eine junge Frau kennen und lieben. Doch dann verliert er seine Arbeit und plötzlich beginnt sein ganzes Leben vor die Hunde zu gehen.

    Erich Kästners „Fabian“ ist eine, vor allem für die damalige Zeit, sehr provokante Großstadtsatire. Am Beispiel seines Protagonisten schildert Kästner sehr treffend den seelischen Niedergang der Berliner kurz vor Hitlers Machtergreifung: Arbeitslosigkeit, Hunger, Verzweiflung und politischer Fanatismus kennzeichnen den Zustand der in Auflösung begriffenen Gesellschaft. Während draußen der gesellschaftliche Verfall droht, treiben sich die deutschen Großstädter aber lieber in illegalen Kneipen, extravaganten Künstlerateliers oder Bordellen herum – leben in ständigem Rausch, als ob es kein Morgen gäbe. Kein Wunder, dass sich ein Moralist wie Fabian in so einer Welt nicht mehr zurechtfindet.

    „Fabian“ ist ein brillantes Werk – spritzig und mit sehr viel Witz erzählt, bisweilen sehr bissig, an manchen Stellen aber auch gedankenschwer und voller Weltschmerz. Erstaunlich ist aber, wie aktuell der Roman noch heute ist. So äußert sich Fabian über die Ängste seiner Generation, eine Familie zu gründen, weil die Arbeitsverhältnisse doch so unsicher seien. Diese Gedanken könnten auch von einem Dreißigjährigen aus unserer Zeit stammen. Und Labudes Hoffnung auf eine anti-kapitalistisch gesonnene Jugend Europas erinnert an die heutige Occupy-Bewegung.

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    Rabentochtervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: wundervolle Satire, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat!
    Umwerfende Großstadtsatire

    Nicht nur mancher Germanistikstudent kann sich mit Jakob Franke identifizieren – zumindest stellenweise, denn, seien wir ehrlich: Fabian ist ein Moralist, wie wir ihn in der Realität wohl nur schwerlich finden werden. Ob Fabian ein erstrebenswertes Ideal darstellt, bleibt allerdings auch fraglich, nachdem man dieses Buch gelesen hat, auch wenn bei dieser Satire so einiges überzeichnet ist.


    Kästner erzählt mit viel Witz aber auch Tragik eine Geschichte zu Zeiten der Weimarer Republik in Berlin. Zwischen erotischen Angeboten, zweifelhaften Gestalten, Prostitution, Beziehungsproblemen, politischen Fragen, Geldsorgen und Arbeitssuche versucht Fabian sein Leben nach seinen Maximen zu meistern.

    Die angesprochenen Themen sind, egal ob es sich um Beziehungs-/Liebesfragen oder verschiedene Arbeitsangebote und politische Ansichten geht, leicht, mit nur wenigen Änderungen auf die heutige Zeit übertragen. Das Werk zeugt also immer noch von Aktualität, der man sich stellen sollte.


    Mir kommt es zudem so vor, als erkenne man schnell, wie das Buch ausgeht, sogar enden muss, besonders wenn man Fabian einmal durchschaut hat und seine Handlungsweisen und Art zu denken verstanden hat. Das ist allerdings nicht weiter störend, denn Fabians Werdegang berührt und nimmt mit. Und doch kann man nicht anders als diesen Menschen auch zu bewundern.


    Fazit: Ein wundervolles Buch, dass es in die Reihe meiner Lieblingsbücher geschafft hat – und das zu Recht!


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    rkuehnevor 3 Jahren
    Das uns stets begleitende Risiko

    2016 eine Satire auf die Zustände im Jahr 1931 zu lesen ist unterhaltsam, aber nicht eben einfach. Zwar weiß man, dass Kästner übertreibt, aber ohne genaue Kenntnis der Zustände in den „goldenen“ 20ern, ist mit knapp 90 Jahren Abstand schwer zu beurteilen, was Übertreibung ist und was nicht. Dennoch ist „Fabian“, die Geschichte des 32 Jahre alten (so alt war Kästner auch, als er den Fabian schrieb) arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian, der ziellos und nicht kostverachtend durch das Leben und die Frauen wandelt (überraschend erotisch, dieser Kästner) unterhaltsam und macht deutlich, wie nah, egal wie sicher wir uns fühlen, stets ein gesellschaftlicher Abstieg ist. Eine Krise, wie sie erst vor wenigen Jahren ihren Anfang nahm, Job weg und schon ist man nicht nur beruflich aus dem Rennen, sondern auch schnell insgesamt kaum noch was für die Gesellschaft wert. Ein tragisches Risiko, dass uns stets begleiten wird, denn wenn wir nichts leisten (dürfen), will man sich alsbald auch uns nicht mehr leisten. Lesenswert.

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    WilmaFeuersteins avatar
    WilmaFeuersteinvor 3 Jahren
    Fabian du armes Ding...

    Fabian ist begabt, loyal und moralisch integer. Doch sein Leben läuft nicht. Er verliert seine Arbeit, seinen besten Freund und seine Freundin. Die Geschichte spielt im Berlin der 30er Jahre und die gute, alte Zeit war wohl doch nicht so gut. :-) Die Geschichte ist traurig, aber mit Witz und locker geschrieben. Herr Kästner versteht sein Handwerk.

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    juni_monds avatar
    juni_mondvor 3 Jahren
    Der Moralist auf verlorenem Posten

    Der Moralist pflegt seiner Epoche keinen Spiegel, sonder einen Zerrspiegel vorzuhalten. Die Karikatur, ein legitimes Kunstmittel, ist das äußerste was er vermag. Wenn auch das nicht hilft, dann hilft überhaupt nichts mehr. Das überhaupt nichts hilft (...) ist keine Seltenheit. Eine Seltenheit wäre es allerdings, wenn das den Moralisten entmutigte. Sein angestammter Platz ist und bleibt der verlorene Posten. Ihn füllt er, so gut er kann, aus. Sein Wahlspruch hieß und heißt auch jetzt: Dennoch!
     
    Dies ist ein Auszug der Worte, mit welchen Erich Kästner in seinen Roman "Fabian" einleitet, der erstmals 1931 in der deutschen Verlagsanstalt erschienen ist und ein Gesellschaftsbild Berlins am „Vorabend“ der Machtergreifung Adolf Hitlers zeichnet. Der Roman enthält autobiografische Züge und wurde von der Deutschen Verlagsanstalt in der ersten Fassung gekürzt veröffentlicht, aus Angst vor politischer Zensur, denn es werden viele damalige Tabus angesprochen.
    Das Werk schildert deutlich den moralischen Verfall und die Entwicklung des Protagonisten Dr. phil. Jakob Fabian, der sich von einem Mann, der ironisch auf alles um sich blickt und nichts wahrhaft ernst zu nehmen scheint, zu einem Realisten entwickelt, der sich nicht mehr zurecht findet in der Welt - zumindest nicht in den Umständen, zu denen sich die Lage, Ende der 1920er Jahre entwickelt hat. 
    Der Germanist Fabian arbeitet als Propagandist (heute: Werbetexter) in einer Zigarettenfabrik - als sein Leben eine Wendung nimmt und er fast das Gefühl hat, angekommen zu sein, verliert er seine Arbeit und auch die positiven Wendungen in seinem Leben vergehen.
     
    "Er hatte durstig ein Gefäß in der Hand gehalten und es nicht tragen mögen, weil es leer war. Da, als er es kaum noch hoffte, war das Schicksal gnädig gewesen und hatte das Gefäß gefüllt. Er hatte sich darüber geneigt und endlich trinken wollen. 'Nein', hatte das Schicksal gesagt, 'nein, du hieltest ja den Becher nicht gern', und das Gefäß war ihm aus den Händen geschlagen worden, und das Wasser war über seine Hände zur Erde geflossen."
     
    Fabian betrachtet sich selbst die ganze Zeit über als Moralisten. Das heißt für ihn  - und für Erich Kästner - dass die Handlungen der Menschen auf ethischen Prinzipien beruhen sollten und die ihrerseits auf bürgerlichen Freiheitsrechten und zwischenmenschlicher Solidarität gegründet sind. Dies wird von den Menschen der Gesellschaft um Fabian jedoch missachtet.
     
    Aber was tut man, wenn die ganze Gesellschaft konträr zu den eigenen Idealvorstellungen lebt? Kann man in so einer - für sich selbst als unpassend identifizierten Welt (über)leben?
    Ob und wie Fabian es kann erfährt man nur, wenn man bis zum Ende des Buches liest.

    In meiner Ausgabe waren am Ende noch die ursprünglich herausgekürzten Kapitel abgedruckt. Im Nationalsozialismus als entartet deklariert und 1933 schließlich der Bücherverbrennung zum Opfer gefallen verlegte erstmals der Atrium Verlag 2013 die eine ungekürzte Fassung.
     
    "Wollte er die Besserung der Zustände? Er wollte die Besserung der Menschen. Was war ihm jenes Ziel ohne den Weg dahin? Er wünschte jedem Menschen pro Tag zehn Hühner in den Topf, er wünschte jedem ein Wasserklosett mit Lautsprechern, er wünschte jedem zehn Automobile, für jeden Tag der Woche eines. Aber was war damit erreicht, wenn damit nichts anderes erreicht wurde? Wollte man ihm etwa weismachen, der Mensch würde gut, wenn es ihm gut ginge? Dann mussten ja die Beherrscher der Ölfelder und der Kohlengruben wahre Engel sein!"

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    "Fabian saß in einem Café namens Spalteholz und las die Schlagzeilen der Abendblätter."

    Äußere Gestaltung
    Das Cover ist schlicht, langweilig, nichtssagend und nahezu hässlich; ehrlich gesagt finde ich da sogar die Erstausgabe hübscher. Die Seiten sind nicht dünn und gelblich, was nicht nur mit dem Alter meiner Ausgabe zusammen hängt. Die Formatierung wiederum scheint mir übersichtlich und angemessen.

    Schreibstil
    Sarkastische und teils zynische Kommentare treffen auf nüchterne Beschreibungen von völlig absurden Situationen - das ist Erich Kästner. Sein mit Wortspielen, Situationskomik und Zeitkritik gefüllter Roman ist trotz seines Erscheinens in den 30ern auch heutzutage noch flüssig zu lesen. Sofern man denn mit Sarkasmus und Ironie zurecht kommt.

    Inhalt
    Wer den Namen Erich Kästner hört, denkt vermutlich zunächst an "Das doppelte Lottchen" und "Das fliegende Klassenzimmer". Dass er ein äußerst zeitkritischer Mensch, großer Lyriker und Verfasser von für Erwachsene geschriebenen Romanen war, wissen die Fans seiner Kinderbücher meistens nicht. Dies ist unheimlich schade, denn "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" beweist einmal mehr Kästners brillante schriftstellerischen Fähigkeiten.
    An manchen Stellen des Romans hatte ich tatsächlich den Eindruck, Kästner müsse ein Wahrsager gewesen sein. Nahezu prophetisch lässt er Andeutungen auf die bevorstehende Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten miteinfließen - und das in einem Roman, welcher 2 Jahre vor der Machtergreifung Hitlers veröffentlicht wurde.
    Auch werden das aktuelle Zeitgeschehen, sowohl auf politischer als auch auf kleinbürgerlicher Ebene, durch den Kakao gezogen, und mitten im unmoralischen, abstrusen, ungerechten und teilweise nahezu perversen Berliner Alltag steht der studierte Germanist Dr. Fabian, ein Moralist, und weiß sich nicht zu helfen.
    Als Leser tut einem der Protagonist unheimlich leid, denn er wird geradezu vom Pech verfolgt. Dass seine persönlichen Erlebnisse teils repräsentativ für die damaligen Ereignisse stehen, macht das Ganze nicht besser.

    Fazit
    Gibt es etwas am Inhalt oder am Schreibstil von "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" auszusetzen? Nein. Kritik gibt es leider für das grauenhafte Cover.

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    Monsignorevor 7 Jahren
    Rezension zu "Fabian" von Erich Kästner

    "Dieses Buch ist nichts für Konfirmanden, ganz gleich, wie alt sie sind." sagte der Autor in einem Kommentar zu seinem Buch, in dem er sein Alter Ego durch das Berlin der späten 20er Jahre schickt. Fabian ist genauso wie Kästner ein nutzlos promovierter Literaturhistoriker, ein Moralist, der an seiner Zeit verzweifelt. "Der Globus hat die Krätze" ist einer meiner Lieblingssätze in diesem satirischen, warnend-visionären Buch. Zum Zustand dieser Zeit findet man den deprimierenden Satz: "Es starben und es lebten die Verkehrten." - Wer verlässlich erfahren will, was eigentlich ein "Moralist" ist (denn zeitlos ist dieser Zustand), dem sei der "Fabian" ans Herz gelegt, er erfährt es garantiert. Und viel lachen wird er, denn Kästner beherrschte in trüber Zeit das Stilmittel der Satire wie kaum ein anderer. Vielleicht muss man ein Moralist sein, um unabhängig von seiner Zeit und ihren Beschwernissen souverän schreiben zu können.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Fabian" von Erich Kästner

    Fabian ist Moralist, und ein Moralist in einer Zeit zu sein, in der die Moral gerade den Bach herunter geht, ist schwer. Deshalb ist ein Moralist auch zum Scheitern verurteilt - entweder muss er von der Moral lassen (was zutiefst unmoralisch wäre) oder an ihr zu Grunde gehen. Die Umstände, seit Erscheinen des Kästner-Klassikers, mögen sich nach außen hin enorm geändert haben - tief drinnen aber ist die Gesellschaft der 1920er und 1930er Jahre gar nicht so weit entfernt von der heutigen. Ändern wir im Fabian nur die Beschreibungen der technischen Errungenschaften und die Namen der Eliten - Fabian würde wohl auch heute scheitern.

    Ein zeitloses Buch, stark für seine damalige Zeit, aber auch heute aktuell.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Fabian" von Erich Kästner

    Fabian ist ein Moralist, der in den 30er Jahren durch das Berlin zwischen zwei Kriegen irrt. Sein Freund Labude irrt mit ihm - hat aber noch Ziele und will die Welt ändern. Fabian möchte die Menschen ändern und verliert zusehends den Mut für dieses Ziel.
    Schließlich stirbt sein Freund wegen eines dämlichen Witzes und Fabian verzweifelt nahezu (!) vollständig. Der Schluss des Buchs ist der bemerkenswerteste Schluss eine Buches den ich je gelesen habe - allein der ist Grund genug für die relativ kurze Geschichte.
    Und Erich Kästner? Kann man den lesen? Aber ja! Er hat natürlich eine Sprache, die ihm manchmal zu sehr durch geht und er leidet unter einer milden Form von Forumlierungs-Sucht. Aber er verwendet ungewöhnliche und immer passende Bilder, nimmt den Leser in jedes Stadtteil und jedes Hinterzimmer und beleuchtet das Innenleben Fabians mit großer Erzählkunst.
    Kann man nur empfehlen, den Fabian...

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