Erich Kuby Gespräche mit dem Henker

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Inhaltsangabe zu „Gespräche mit dem Henker“ von Erich Kuby

Mit Beitr. v. Szczypiorski, Andrzey ; Kuby, Erich Mit Abb. 440 S.
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  • Rezension zu "Gespräche mit dem Henker" von Erich Kuby

    Gespräche mit dem Henker
    Jens65

    Jens65

    26. September 2008 um 18:30

    Für den Autor sicher ein Dilemma, das sich nach dem zweiten Weltkrieg infolge des sich abzeichnenden eisernen Vorhangs ergibt, für den Leser seiner Aufzeichnungen allerdings ein Glücksfall: Der Autor, Angehöriger der AK (polnische Heimatarmee), kommt als Gefangener des stalinistisch regierten Nachkriegs-Polens zusammen in eine Gefängniszelle mit dem SS-Brigadeführer Josef Stroop und einem unbedeutenden Angehörigen des SD, der als Archivar zwar relativ guten Einblick in das Zeitgeschehen hatte, jedoch keinerlei Machtbefugnis. Die Ironie des Schicksals für den Autor liegt in der völlig willkürlichen und undifferenzierten "Freund-Feind"-Betrachtung der stalinistische Machthaber, die polnisch-nationale Nichtkommunisten vollkommen geschichtsfremd Erznazis gleichsetzen und sie wie im konkreten Fall sogar mit diesen zusammen internieren. Der Glücksfall für den Leser liegt in der Bereitschaft des Massenmörders Stroop, sich in der Gefängniszelle seinen Zellengefährten, die er nicht zu fürchten braucht, hemmungs- und schamlos zu offenbaren. Schilderungen seiner "soldatischen" Heldentaten werden von dem mitgefangenen SD- Angehörigen auf ironische Weise sofort darauf reduziert, was sie wirklich waren: Simple Massenmordaktionen bei der "Liquidierung" des Warschauer Ghettos ohne jegliches persönliches Risiko. Das Buch zeigt auf eindrucksvolle Weise die intellektuelle Schlichtheit und emotionale Leere dieses bis zu seiner Hinrichtung unverbesserlichen Nazis und Kriegsverbrechers Josef Stroop. Das Postulat einer von seinem Reichsführer so oft beschworenen Elite erfüllt auch dieser hinterhältige armselige Mensch in keiner Weise.

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