Erich Mühsam

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Autor von Tagebücher 1910-1924, Schüttelreime und weiteren Büchern.

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 (3)
Erschienen am 19.03.2011
Erich MühsamTrotz allem Mensch sein
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 (1)
Erschienen am 01.01.1998
Erich MühsamHandzeichnungen und Gedichte
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Erschienen am 01.03.2012
Erich MühsamDie Freivermählten. Polemisches Schauspiel in drei Aufzügen
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Die Freivermählten. Polemisches Schauspiel in drei Aufzügen

Neue Rezensionen zu Erich Mühsam

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Rezension zu "Zur Psychologie Der Erbtante. Satirisches Lesebuch 1900 - 1933" von Erich Mühsam

Die Hoffnung stirbt zuletzt...
pardenvor 3 Jahren

DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT...

Börsencrash und Bankenkrise haben manchen an den Rand des finanziellen Ruins gebracht. Oder war es doch die eigene Gier nach immer mehr? Davon angetrieben wurden auch die Nichten und Neffen, von denen Erich Mühsam hier berichtet. Ihre Gier richtet sich auf das zu erwartende Erbe. An Aktualität hat diese Geschichte nichts eingebüßt - erzählt sie doch von erträumtem Reichtum und bitterer Realität.

Eine unorthodoxe Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft hat Erich Mühsam hier in einer scharfsinnigen Satire zusammengestellt in Form einer Auflistung alphabetisch geordneter Tanten - erstmals erschienen im Jahr 1905. Das Werk ist die Erinnerung an einen der markantesten und literarisch fruchtbarsten Vertreter des deutschen Anarchismus. 1934 im KZ ermordet, in der ehemaligen DDR als aufrechter Antifaschist anerkannt, in der 68er-Bewegung auch in der BRD wiederentdeckt - Erich Mühsam ist ein Mann, an den auch heute zurecht noch erinnert wird.

Selbst schrieb er 'Zur Psychologie der Erbtante':

"Kein Geringerer als Gotthold Ephraim Lessing war es, der in einem seiner tiefgründigen Epigramme einen bemerkenswerten Beitrag zum Nachweis der Unsterblichkeit lieferte. Er singt von einem Jungfernstifte:

Denkt, wie gesund die Luft, wie rein
Sie um dies Jungfernstift muss sein;
Seit Menschen sich besinnen,
Starb keine Jungfer drinnen.

Aber weiß dieser Dichter nur den Insassen dieses einen Hauses die köstliche Eigenschaft der Unsterblichkeit nachzurühmen, so gehe ich einen gewaltigen Schritt weiter, indem ich im vorliegenden Buche den Nachweis liefere, dass es eine ganze Gattung von Menschen gibt, welche gefeit ist gegen Klappermanns Würgehand: die Erbtanten. Das Problem ist zu wichtig, seine Erörterung zu ernsthaft, als dass ich mich damit aufhalten könnte, in langstieliger Polemik meine Erforschung denen begreiflich zu machen, die in Skepsis und Nörgelsucht befangen ihre Ohren vor allem Ungewöhnlichen, Umwälzenden mit Watte zustopfen. Knapp und schlagend wie die Behauptung: Die Erbtante ist unsterblich! sei meine Beweisführung.

An 25 Beispielen mag die Welt ermessen, ob meine Wahrnehmung bedeutungsvoll, ob meine Rückschlüsse berechtigt sind. Lang waren die Dispute, schwer die Erwägungen, in welcher Form und unter welcher Flagge meine epochemachende Entdeckung in die Welt hinaus sollte. Besonders der Titel des Buches bereitete mir viel Sorge und Kopfzerbrechen.
Psychologie oder Physiologie? das war die Frage. Schon wollte ich mich für die letztere Bezeichnung entscheiden.
Denn ist nicht das Sterben und noch viel mehr das Nichtsterben ein physiologischer Vorgang? Jedoch die Erwägung, dass sich gerade bei der Erbtante des Nichtsterben viel eher als eine Charaktereigenschaft, als ein seelischer Defekt darstellt, behielt endlich die Oberhand, und die Aufzählung der 25 Beispielstanten gibt mir das Recht, mein Buch "Die Psychologie der Erbtante" zu nennen. Eine weitere Schwierigkeit trat bei der Anordnung der Tanten in den Weg. Sicher wäre es gerecht gewesen, die Damen der Anciennität nach aufmarschieren zu lassen. Aber erstens war es mir trotz aller ungescheuten Bemühungen nicht möglich, das Alter der meisten derselben mit Sicherheit festzustellen, dann auch wäre es wenig höflich und nicht gerade rücksichtsvoll gewesen, alte, längst vergessene und begrabene Eifersüchteleien dadurch wieder aufzurühren, dass ich hier vor aller Öffentlichkeit den Mangel an Jugendlichkeit bei einer Tante noch mehr hervortreten lassen sollte als bei der andern. Die alphabetische Reihenfolge allein dürfte mich vor Anfeindungen von allen Seiten sichern und eine objektive Würdigung der 25 Tatbestände ermöglichen."

 Ich fand die Lektüre in der Tat vergnüglich und auf intelligente Weise unterhaltsam. Ein schöner Zufallsfund, der einmal mehr zeigt, dass Humor nicht verjährt und menschliche Eigenschaften womöglich im Laufe der Zeit ein anderes Gewand erhalten, sich im Wesentlichen aber nicht wirklich ändern...

Auch nach über 100 Jahren wahrlich empfehlenswert!


© Parden

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Sokratess avatar

Rezension zu "Ascona" von Erich Mühsam

Vom Aussteigen
Sokratesvor 3 Jahren

Erich Mühsam, Autor in den 1920er Jahren, setzt sich in dieser - wie er es selbst nennt - "Broschüre" mit der Lebensgemeinschaft in Ascona (Italien) auf dem Monte Verità auseinander. Angetrieben von dem Wunsch, sich aus der Gesellschaft der 1920er Jahre auszuklinken und ein "einfaches" Leben leben zu wollen, gründet eine Hand voll junger, frustrierter Menschen auf dem Berg Monte Verità eine vegetarische Lebensgemeinschaft. Im Laufe ihres Bestehens wird sie von den namhaftesten Intellektuellen jener Jahre als "Fluchtpunkt" aus dem hastigen Europa besucht: u.a. C. G. Jung, Gross, Hermann Hesse, oder aber auch Erich Mühsam, dem Anarchisten. Wer denkt, das Heft schwingt ein Loblied auf die Lebensgemeinschaft, die nun nach anarchistischen Gesichtspunkten herrschaftslos und frei jeder Verpflichtungen miteinander lebt, der irrt sich. Ich war nicht wenig überrascht, als mir Mühsams bissig-ironische Kritik an der intellektuell-ideologischen Unzulänglichkeit der Monte Verità-Mitstreiter immer wieder entgegensprang. Ein bisschen erinnert das Buch an Erfahrungen aus den 1968er-Jahren: hoch ideologisierte Idealisten versuchen die Welt zu retten, stellen enorme Anforderungen an sich und ihre Umwelt, in Realo schaffen sie es dann jedoch nicht, diese Anforderungen einzuhalten. Mühsam kritisiert an unzähligen Stellen das fehlerhafte, in sich unschlüssige Lebenskonzept der Aussteiger. Ein Punkt bspw. beschäftigt ihn länger: die Einstellung der Vegetarier gegenüber den Nicht-Vegetariern, die letzteren seien "Leichenfresser" - zu Recht bemerkt Mühsam, dass auch das Obst- und Gemüse-Essen "Leichenfrass" ist, denn auch hier handele es sich doch einstmals um Lebenwesen, die nun durch den Menschen des Lebens beraubt, also gegessen würden. -- Wer sich für alternative Lebensformen, insbesondere die Lebensreform-Bewegung, die Jugendbewegung, den Anarchismus in den 1920er Jahren interessiert, dem wird dieses schmale, rare Heft mit Sicherheit eine Bereicherung sein.

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Sokratess avatar

Rezension zu "Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat: Was ist kommunistischer Anarchismus?" von Erich Mühsam

Grundgedanken des politischen Anarchismus
Sokratesvor 4 Jahren

Auch wenn Erich Mühsam eigentlich Romanautor war, so schrieb er dennoch einige politik-philosophische Abhandlungen, zu denen auch dieses schmale, bei Books-on-Demand erschienene Heft gehört. Gegenstand des Textes ist die Erörterung der nach Mühsam wichtigsten Grundüberzeugungen anarchistischer Überzeugung. Die Schrift stammt aus den 1920er Jahren, wurde hier jedoch mit biographischen Informationen und einen Schriftenverzeichnis weiterer anarchistischer Texte neu veröffentlicht. Entgegen der allgemeinen Meinung, bei "Anarchie" handele es sich um einen "chaotischen", gewaltvollen Zustand, unterstreicht es auch Mühsam wieder, dass Anarchie an sich nur "gewalt- bzw. herrschaftslos" heißt. Herrschaft wird in dieser freiheitlichen Gesellschaftsordnung durch die Individuen ausgeübt, die sich hierfür aber keiner staatlichen oder gewaltvollen Mittel bedienen, sondern der Kooperation und Verständigung. Damit ist "Anarchie" genau das Gegenteil zu dem, was offiziell unter ihr verstanden wird. -- Mühsam erörtert sämtliche Grundüberzeugungen der anarchistischen Philosophie. Er schreibt verständlich, anregend, überzeugend. Seine Schrift vermittelt meiner Meinung nach einen gelungen knappen Einblick in die wesentlichen Thesen des Anarchismus.

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