Erich Mühsam Ascona

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Inhaltsangabe zu „Ascona“ von Erich Mühsam

3 Abb. 110 S. (Quelle:'Sonstige Formate/01.07.1984')
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    Ascona
    Sokrates

    Sokrates

    22. April 2015 um 09:29

    Erich Mühsam, Autor in den 1920er Jahren, setzt sich in dieser - wie er es selbst nennt - "Broschüre" mit der Lebensgemeinschaft in Ascona (Italien) auf dem Monte Verità auseinander. Angetrieben von dem Wunsch, sich aus der Gesellschaft der 1920er Jahre auszuklinken und ein "einfaches" Leben leben zu wollen, gründet eine Hand voll junger, frustrierter Menschen auf dem Berg Monte Verità eine vegetarische Lebensgemeinschaft. Im Laufe ihres Bestehens wird sie von den namhaftesten Intellektuellen jener Jahre als "Fluchtpunkt" aus dem hastigen Europa besucht: u.a. C. G. Jung, Gross, Hermann Hesse, oder aber auch Erich Mühsam, dem Anarchisten. Wer denkt, das Heft schwingt ein Loblied auf die Lebensgemeinschaft, die nun nach anarchistischen Gesichtspunkten herrschaftslos und frei jeder Verpflichtungen miteinander lebt, der irrt sich. Ich war nicht wenig überrascht, als mir Mühsams bissig-ironische Kritik an der intellektuell-ideologischen Unzulänglichkeit der Monte Verità-Mitstreiter immer wieder entgegensprang. Ein bisschen erinnert das Buch an Erfahrungen aus den 1968er-Jahren: hoch ideologisierte Idealisten versuchen die Welt zu retten, stellen enorme Anforderungen an sich und ihre Umwelt, in Realo schaffen sie es dann jedoch nicht, diese Anforderungen einzuhalten. Mühsam kritisiert an unzähligen Stellen das fehlerhafte, in sich unschlüssige Lebenskonzept der Aussteiger. Ein Punkt bspw. beschäftigt ihn länger: die Einstellung der Vegetarier gegenüber den Nicht-Vegetariern, die letzteren seien "Leichenfresser" - zu Recht bemerkt Mühsam, dass auch das Obst- und Gemüse-Essen "Leichenfrass" ist, denn auch hier handele es sich doch einstmals um Lebenwesen, die nun durch den Menschen des Lebens beraubt, also gegessen würden. -- Wer sich für alternative Lebensformen, insbesondere die Lebensreform-Bewegung, die Jugendbewegung, den Anarchismus in den 1920er Jahren interessiert, dem wird dieses schmale, rare Heft mit Sicherheit eine Bereicherung sein.

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