Erich Mühsam Zur Psychologie Der Erbtante. Satirisches Lesebuch 1900 - 1933

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Inhaltsangabe zu „Zur Psychologie Der Erbtante. Satirisches Lesebuch 1900 - 1933“ von Erich Mühsam

Zur Psychologie Der Erbtante. Satirisches Lesebuch 1900 - 1933 von Mühsam, Erich
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    Zur Psychologie Der Erbtante. Satirisches Lesebuch 1900 - 1933

    parden

    DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT... Börsencrash und Bankenkrise haben manchen an den Rand des finanziellen Ruins gebracht. Oder war es doch die eigene Gier nach immer mehr? Davon angetrieben wurden auch die Nichten und Neffen, von denen Erich Mühsam hier berichtet. Ihre Gier richtet sich auf das zu erwartende Erbe. An Aktualität hat diese Geschichte nichts eingebüßt - erzählt sie doch von erträumtem Reichtum und bitterer Realität. Eine unorthodoxe Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft hat Erich Mühsam hier in einer scharfsinnigen Satire zusammengestellt in Form einer Auflistung alphabetisch geordneter Tanten - erstmals erschienen im Jahr 1905. Das Werk ist die Erinnerung an einen der markantesten und literarisch fruchtbarsten Vertreter des deutschen Anarchismus. 1934 im KZ ermordet, in der ehemaligen DDR als aufrechter Antifaschist anerkannt, in der 68er-Bewegung auch in der BRD wiederentdeckt - Erich Mühsam ist ein Mann, an den auch heute zurecht noch erinnert wird. Selbst schrieb er 'Zur Psychologie der Erbtante': "Kein Geringerer als Gotthold Ephraim Lessing war es, der in einem seiner tiefgründigen Epigramme einen bemerkenswerten Beitrag zum Nachweis der Unsterblichkeit lieferte. Er singt von einem Jungfernstifte: Denkt, wie gesund die Luft, wie rein Sie um dies Jungfernstift muss sein; Seit Menschen sich besinnen, Starb keine Jungfer drinnen. Aber weiß dieser Dichter nur den Insassen dieses einen Hauses die köstliche Eigenschaft der Unsterblichkeit nachzurühmen, so gehe ich einen gewaltigen Schritt weiter, indem ich im vorliegenden Buche den Nachweis liefere, dass es eine ganze Gattung von Menschen gibt, welche gefeit ist gegen Klappermanns Würgehand: die Erbtanten. Das Problem ist zu wichtig, seine Erörterung zu ernsthaft, als dass ich mich damit aufhalten könnte, in langstieliger Polemik meine Erforschung denen begreiflich zu machen, die in Skepsis und Nörgelsucht befangen ihre Ohren vor allem Ungewöhnlichen, Umwälzenden mit Watte zustopfen. Knapp und schlagend wie die Behauptung: Die Erbtante ist unsterblich! sei meine Beweisführung. An 25 Beispielen mag die Welt ermessen, ob meine Wahrnehmung bedeutungsvoll, ob meine Rückschlüsse berechtigt sind. Lang waren die Dispute, schwer die Erwägungen, in welcher Form und unter welcher Flagge meine epochemachende Entdeckung in die Welt hinaus sollte. Besonders der Titel des Buches bereitete mir viel Sorge und Kopfzerbrechen. Psychologie oder Physiologie? das war die Frage. Schon wollte ich mich für die letztere Bezeichnung entscheiden. Denn ist nicht das Sterben und noch viel mehr das Nichtsterben ein physiologischer Vorgang? Jedoch die Erwägung, dass sich gerade bei der Erbtante des Nichtsterben viel eher als eine Charaktereigenschaft, als ein seelischer Defekt darstellt, behielt endlich die Oberhand, und die Aufzählung der 25 Beispielstanten gibt mir das Recht, mein Buch "Die Psychologie der Erbtante" zu nennen. Eine weitere Schwierigkeit trat bei der Anordnung der Tanten in den Weg. Sicher wäre es gerecht gewesen, die Damen der Anciennität nach aufmarschieren zu lassen. Aber erstens war es mir trotz aller ungescheuten Bemühungen nicht möglich, das Alter der meisten derselben mit Sicherheit festzustellen, dann auch wäre es wenig höflich und nicht gerade rücksichtsvoll gewesen, alte, längst vergessene und begrabene Eifersüchteleien dadurch wieder aufzurühren, dass ich hier vor aller Öffentlichkeit den Mangel an Jugendlichkeit bei einer Tante noch mehr hervortreten lassen sollte als bei der andern. Die alphabetische Reihenfolge allein dürfte mich vor Anfeindungen von allen Seiten sichern und eine objektive Würdigung der 25 Tatbestände ermöglichen."  Ich fand die Lektüre in der Tat vergnüglich und auf intelligente Weise unterhaltsam. Ein schöner Zufallsfund, der einmal mehr zeigt, dass Humor nicht verjährt und menschliche Eigenschaften womöglich im Laufe der Zeit ein anderes Gewand erhalten, sich im Wesentlichen aber nicht wirklich ändern... Auch nach über 100 Jahren wahrlich empfehlenswert! © Parden

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    Cridilla

    26. July 2015 um 03:23
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