Zeit zu leben und Zeit zu sterben

von Erich M. Remarque 
4,4 Sterne bei36 Bewertungen
Zeit zu leben und Zeit zu sterben
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Inhaltsangabe zu "Zeit zu leben und Zeit zu sterben"

Nachw. Westphalen, Tilman. 420 S. Neu: 3652 033

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462019841
Sprache:
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:01.02.1998

Rezensionen und Bewertungen

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    Brian Brazzils avatar
    Brian Brazzilvor 7 Jahren
    Rezension zu "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" von Erich Maria Remarque

    Der junge Soldat Ernst Gräber hat keine wirkliche Hoffnung mehr, jemals seinen schon zweimal verschobenen Urlaub zu bekommen. Während er in einem russischen Dorf sitzt, Partisanen erschießen muss und tiefgründige Gespräche mit seinen Kameraden führt, die sich meistens um Leichen und Russen drehen, denkt er, obwohl betäubt vom Krieg, intensiv über seine Erlebnisse nach.
    Dann wird er abberufen, 3 Wochen Heimaturlaub.

    Er kommt mit großen Erwartungen, die schnell ernüchtert werden, in ein zerstörtes Werden, in eine Stadt mit Ruinen, voller Schutt, Dunkelheit und Angst. Die Suche nach seinen Eltern bleibt erfolglos, dafür lernt er Elisabeth kennen. Ihr Vater ist im KZ und sie wohnt mit einer Funktionärin der Nazis unter einem Dach. Aus einer zarten Annäherung wird schließlich eine Freundschaft, dann eine Zweckgemeinschaft. Die beiden heiraten, damit Elisabeth Geld vom Staat bekommt.
    Auch lernt Gräber einige weitere Personen und mit ihnen den Mikrokosmos der Schuttwelt kennen: Einen SS-Funktionär, der ihn mit Essen überhäuft, einen verrückter Luftschutzwart und einen Lehrer, der für der Untergrund arbeitet, um nur einige zu nennen.
    Sein Urlaub ist fast um, als Elisabeth und er sich plötzlich ineinander verlieben. Die beiden schaffen sich eine Idylle und finden Glück im Gegenüber. Doch Ernst muss wieder an die Front, die sich inzwischen der deutschen Grenze um 120 Kilometer genähert hat.

    Obwohl der größte Teil des Romans in der zerstörten Stadt Werden spielt, ist der Teil der an der Front spielt um einiges belebter, spannender und näher am Geschehen dran, was nicht heißt, dass der Rest schlecht ist, im Gegenteil. Er ist eben seicht, mit vielen Darstellungen des einfachen Glückes und mit vielen philosophischen Ausflügen, in die Herzen des Protagonisten und der anderen handelnden Figuren. Remarque zeichnet das Leben, welches in den Trümmern der Stadt weiter besteht, so genau, als hätte er es noch am selben Tag gesehen und sogleich niedergeschrieben. Einige Wiederholungen schmücken das Buch, als wären es spezielle remarquesche Stilmittel: Luftangriffe, das Trinken von Alkohol, das Reden über das Ende des Urlaubs, das Reden über die Liebe, das Leben und das Glück.

    In vielen Dialogen stellt Remarque die Beziehung zwischen Ernst und Elisabeth dar. Er schafft es dabei, das Thema Schuld ziemlich flach und unterschwellig zu halten und geht eher auf grundlegende Dinge ein. Die Dialoge sind teilweise wirkliche Meisterleistungen der Philosophie und des geschrieben Dialogs:

    “'Ich habe viel über sie nachgedacht Gräber. Und ich habe auch über das nachgedacht, was sie mir neulich gesagt haben. Es gibt keine Antwort darauf.' Pohlmann stockte und sagte dann leise: ' Nur eine. Man muss glauben. Glauben. Was bleibt uns sonst?'
    'Woran?'
    'An Gott. Und an das Gute im Menschen.'
    'Haben sie nie daran gezweifelt?' fragte Gräber.
    'Doch', erwiderte der alte Mann. 'Oft. Wie könnte ich sonst glauben?' „

    Insgesamt wirkt der der Roman trotz, oder gerade wegen dieser Fülle, seltsam langatmig, aber man kann immer wieder in ihm versinken. Ein bisschen eintönig sind auch die kunstvollen Metaphern und Beschreibungen der Umwelt, doch wenn man auf den Roman zurückblickt, spürt man, dass sie ein nachhaltiges Bild hinterlassen haben. Alles in allem, bleibt Remarque ein Mann, der über den Krieg und seine Welt schreiben kann, ohne allzu offensichtlich zu kritisieren und ein Mann der über die Liebe schreiben kann, ohne sie zu kitschig oder pompöse auszuschmücken. Gerade letzteres, macht ihn zu einem wirklich lesenswerten Schriftsteller.

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    Monsignores avatar
    Monsignorevor 8 Jahren
    Rezension zu "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" von Erich Maria Remarque

    14 Tage Urlaub vom Morden - Soldat Gruber kehrt von der barbarischen russischen Front in die "Heimat" auf "Fronturlaub" zurück. Er findet ein in jeder Hinsicht kaputtes Land vor. Doch Remarque wäre nicht Remarque, wäre da nicht eine zutiefst anrührende Liebesgeschichte. Schließlich liebte der Autor selbst in dieser menschenfeindlichen Zeit die großen mondänen Frauen dieser Welt. Der Soldat auf Fronturlaub schwankt gefährlich zwischen den extremen Polen des Menschseins: der Liebe und der Aggression. 1954 erschienen, begeisterte dieses Buch vor allem im englischsprachigen Raum, in Deutschland war die Zeit noch nicht
    reif für ein solches Buch. Und heute ist der auflagenstärkste deutsche Autor kaum noch bekannt.

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    Susievor 9 Jahren
    Rezension zu "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" von Erich Maria Remarque

    Mein Lieblingsbuch, mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

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    Jens65s avatar
    Jens65vor 10 Jahren
    Rezension zu "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" von Erich Maria Remarque

    Dieses tragisch gestimmte Buch gehört zweifellos zu einem der gelungensten Werke Erich Maria Remarques. Mit schonungsloser Offenheit berichtet der Autor über die Kriegserlebnisse der deutschen Ostfrontsoldaten während des 2.Weltkriegs.

    "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" ist ein ergreifender und zugleich desillusionierender Roman, der ein Stück weit die Hoffnung auf Menschlichkeit nährt. Remarque ist es in beeindruckender Weise gelungen, zwei verschiedene Genres miteinander zu verbinden. Wie kaum einem anderen Autor gelang ihm der schriftstellerische Spagat zwischen hohem Anspruch und fesselnder Unterhaltung.

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    Nightfallvor 11 Jahren
    Rezension zu "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" von Erich Maria Remarque

    In diesem Roman arbeitet Remarque mit der zentralen Frage, inwieweit der einzelne Soldat eine Mitschuld trägt, am Kriegsvoranschreiten, am Kampf gegen vielleicht unschuldige Menschen bzw. den Tod Unschuldiger. Der Protagonist Ernst Gruber stellt sich diese Frage während eines dreiwöchigen Heimaturlaubes, bei dem er feststellen muss, dass auch seine Heimat nicht durch den Krieg verschont worden ist, schlimmer noch scheint der Krieg "sich in den Hirnen und Herzen festzusetzen". Er suchte nach einer Insel der Hoffnung, nach Ruhe um seine innere Zerrissenheit, die den langsamen Bruch mit der nationalsozialistischen Ideologie bedeutet, wegzubekommen und findet nur Zerstörung, Tod und Verlust vor. Auch er sucht, nämlich nach seinen Eltern, die entweder tot, vermisst oder abtransportiert worden sind. Auf der Suche nach ihnen trifft er alte Bekannte, darunter seinen ehemaligen Religionslehrer Pohlmann, der still und vom Regime unterdrückt in einer heruntergekommenen Wohnung lebt und Widerstand leistet, in dem er einen jüdischen Flüchtling versteckt.
    Auch trifft er auf ehemalige Schulkameraden und man findet zwei Klassen: Die der Verlierer, der Kriegsteilnehmer, die ohne Arme oder Beine bzw. ohne Familien in Deutschland ausharren, ob sie nicht als Kanonenfutter noch an die Front geschickt werden, oder aber die Aufsteiger, die Gewinner in diesem Regime; dazu gehört Alfons, der Gruber selbstlos mit Lebensmitteln und Alkohol versorgt und dafür nichts anderes erwartet, als eine gewisse Aufmerksamkeit. Und doch ist dieser Alfons eine der hässlichsten Figuren; befreundet mit allen, die ihn einen Vorteil verschaffen, darunter Gestapo-Angehörige, Leute von SS und SD, die von Gräueltaten in Polen und Russland berichten, nebenher beim Kaffee und was diese Figur nicht im mindesten berührt, mehr noch stimmt er diesem leid zu indem er sagt: "Das sind doch Untermenschen!"

    Die Atmosphäre dieses Buches ist melancholisch-düster; es ist keine offensichtliche Düsternis wie "In westen nichts Neues", wo das ganze noch mit Erklärungen der Kriegsgräuel untermauert wird, aber beim Lesen schleicht sich langsam das Gefühl ein, dass dies nicht positiv enden kann, auch wenn Gruber in Elizabeth eine neue Liebe findet; er heiratet sie, verlebt eine kurze, von Hoffnungen und Träumen getränkte Zeit, die je zerstört wird, als er wieder an die Front muss. Nicht erst da packen ihn die Selbstzweifel, ob sein Handeln richtig ist. Ob er nicht genauso Mörder ist. Und schließlich handelt er...

    Dieses Buch ist mit "Im Westen nichts Neues" nur teilweise zu vergleichen. Die Kriegsgräuel werden nur anfangs erläutert bzw. zum Ende und das eigentliche Thema ist die psychische Entwicklung von Gruber, vom befehlstreuen Soldaten zum nachdenklichen, kritischen Menschen. Er findet in Elizabeth eine Liebe, auch wenn diese nur auf Einsamkeit aufbaut, so weiß Remarque, wie er das gemeinsame Verhältnis beschreiben muss. Er entblößt die beiden Figuren nicht, es wirkt auch in keinster Weise kitschig, wenn er sie kuscheln und träumen lässt. Remarque hat hier einen sehr schönen Gegensatz gebaut; auf der einen Seite die unmenschliche Seite des Krieges mit Ruinen, Flüchtlingen usw. und auf der anderen Seite die zarten Bande der Liebe, die Gruber Halt geben.

    Es ist schwierig dieses Werk irgendwie einzuordnen, weil ich ein Werk so nicht als "gut" oder "schlecht" bezeichnen kann. Ich würde einmal so sagen, wer sich hier einen groß-aufgemachten Soldaten-Kriegs-Roman erwartet, wird enttäuscht werden. Das Buch ist eher still, zum Großteil, und hat eher seine Stärke in der Analyse von Situationen. Und doch gibt es aktionsgeladene Szenen, wenn Gruber auf der Suche nach seiner Elizabeth durch die noch soeben bombardierte Stadt läuft und sich in einem Bombenkrater verstecken muss, um nicht getroffen zu werden.

    Mir hat dieses Remarque-Werk gefallen; es zeigt eine ganz andere Seite von ihm. Auf der einen Seite ist der Anti-Kriegsroman und natürlich sind auch in "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" solche Elemente enthalten, aber auf der anderen Seite ist es diese Liebesgeschichte, die einen in Bann hält. Ein sehr schöner Roman, mit vielen Aspekten und auch einer sehr schönen Sprache.

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    LesenLebenvor 4 Monaten

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