Erich Scheurmann Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea

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Inhaltsangabe zu „Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea“ von Erich Scheurmann

Ein sehr zum Nachdenken anregendes Buch

— Samtpfote
Samtpfote

Dieses Buch vermittelt behutsam und dadurch umso eindrücklicher, wie sich die heutige moderne Konsumgesellschaft von einem glücklichen, naturverbundenen Ausgangszustand entfremdet hat. Der Charme des Erzählers lässt niemanden kalt und veranlasst den Leser zu überdenken, ob er nicht einfach mal ohne kleine Kanus an den Füßen über den Rasen laufen sollte...

— Krinkelkroken
Krinkelkroken
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  • Und immer wieder Papalagi

    Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea
    bm_eleonora

    bm_eleonora

    05. September 2016 um 07:24

    Das Buch ist erstmals 1920 erschienen, und zwar "als geheime Mitteilung" wie Scheurmann seinem Leser erklärt, da er die Reden des Häuptlings Tuiavii "sicherlich gegen seinen Willen“ veröffentlichte. Das Buch ist in 11 Reden untergliedert, was das Lesen und vor allem das Wiederfinden von bestimmten Beschreibungen des Häuptlings leicht macht. Die naive Ausdrucksweise zur Darstellung der Weisheiten des Häuptlings wurde oft als rassistisch kritisiert, denn Scheurmann bedient sich des Klischees primitiver Kolonialvölker, in diesem Fall die Bewohner von Samoa. Es ist schnell kritisiert - v.a. wenn man immer wieder in die gleiche Kerbe schlägt. Warum sich nicht auf das konzentrieren, was das Buch heute lesenswert macht? Die Message ist Immer noch gültig - vielleicht mehr denn je. Die Weisheiten des Häuptlings regen zum Nachdenken über unsere Wertvorstellungen an. Mit einem Augenzwinkern und einer Art Ermahnung gibt er einige Gedanken auf den Weg - Gedanken, die mich seit vielen Jahren begleiten. Immer wieder (nach 30 Jahren ?) habe ich mich an den einen oder anderen Punkt erinnern müssen, musste lachen oder auch den Kopf schütteln. Das Buch ist in jedem Fall auch heute noch top-aktuell, oder gibt es etwa "das runde Metall" oder "das schwere Papier" nicht mehr? Ein Beispiel:"Solche Maschine, die sich leicht auf zwei flachen Fingern tragen läßt, sieht in ihrem Bauche aus wie die Maschinen im Bauche der großen Schiffe, die ihr ja alle kennt. Es gibt aber auch große und schwere Zeitmaschinen, die stehen im Innern der Hütten oder hängen auf den höchsten Hausgiebeln, damit sie weithin gesehen werden können. Wenn nun ein Teil der Zeit herum ist, zeigen kleine Finger auf der Außenseite der Maschine dies an, zugleich schreit sie auf, ein Geist schlägt gegen das Eisen in ihrem Herzen. Ja, es entsteht ein gewaltiges Tosen und Lärmen in einer europäischen Stadt, wenn ein Teil der Zeit herum ist." Ist das nicht einfach genial? Natürlich müsste Tuiavii heutzutage so Einiges hinzufügen, wie zum Beispiel: "Der Papalagi trägt eine Metallplatte vor sich her, wenn er durch die Straßen geht, wendet seinen Blick fast nie von deren bunt glänzenden Seite ab und streichelt sie immer wieder. Seine Augen leuchten und Speichel tritt auf seine Lippen, wenn er mit einem oder zwei Fingern die bunte Seite in schnellen Bewegungen flüchtig berührt. Sollte der Papalagi die Metallplatte doch einmal in seine Lendentücher gesteckt haben, so zögert er keinen Augenblick, sie beim Vernehmen eines besonderen Klanges wieder ans Tageslicht zu holen - um sie erneut zu streicheln, bei ihrem Anblick zu lächeln oder entsetzt dreinzuschauen. Manchmal hält er die Metallplatte wie eine Muschel an sein Ohr und redet sogar mit ihr, als ob sie ganz und gar lebendig sei."

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  • Rezension zu "Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea" von Erich Scheurmann

    Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea
    darkchylde

    darkchylde

    Nur wenige Jahre nach Hans Paasches Veröffentlichung seiner Briefe des Afrikaners Lukanga Mukara brachte Scheurmann 1920 seinen in der Tradition der exotischen Zivilisationskritik geschriebenen Bestseller „Der Papalagi“ heraus. Etwa 40.000 Exemplare wurden in den ersten Jahren verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es verschiedene Neuauflagen des Papalagi und billige Raubdrucke fanden ein großes Publikum. Besonders, als Mitte der 70er Jahre der Züricher Verlag Tanner + Staehelin das alleinige Publikationsrecht erlangte. Durch den Flair eines Underground-Produkts kam es zu einem regelrechten Verkaufsboom. Innerhalb weniger Jahre wurden so über eine halbe Million Exemplare vertrieben. Hauptsächlich in linken Studentenkreisen, Wohngemeinschaften und Kommunen erfreute sich dieses Buch großer Beliebtheit. Anlass zu kontroversen Diskussionen gab besonders das Vorwort des Papalagi-Buches. Scheurmann gibt darin an, über ein Jahr in der Dorfgemeinschaft des Häuptlings Tuiavii gelebt zu haben, welcher mit einer Völkerschaugruppe Europa bereist und anschließend die besagten Reden niedergeschrieben haben soll. Später habe er sie Scheurmann zur Übersetzung ins Deutsche überlassen, was jener dann zum Anlass nahm, sie ohne das Wissen Tuiaviis zu veröffentlichen. Das wäre nun nicht weiter schlimm, hätten die Leser des Buches diesen Sachverhalt nicht tatsächlich lange Jahre geglaubt. Wenngleich das Papalagi – Buch auch heute noch oftmals in der Ethnologieabteilung der Bibliotheken positioniert ist, ist doch zweifelsfrei bewiesen, dass Erich Scheurmann selbst der Autor der Tuiavii-Reden ist. Ob die „Täuschung“ nun bewusst aus verkaufsstrategischen Gründen heraus geschah, was angesichts der Versuche des Züricher Verlages, die Legende über die Echtheit aufrechtzuerhalten, möglich erscheint, oder ob sich Scheurmann lediglich eines Kunstgriffs bediente, da er nicht den Mut besaß, unter seinem Namen Zivilisationskritik zu üben, bleibt dahingestellt. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass der Autor eine fiktive aber real wirkende Figur konstruieren wollte, damit die Wahrnehmung und die Kritik überzeugen. Je fremder uns das Fremde ist, desto schärfer wird unserer Blick für eigene Lebens-, Denk- und Verhaltensweisen. Das Papalagi-Buch hätte wohl nicht „funktioniert“, wenn von Anfang an bekannt gewesen wäre, man lese die Weisheiten eines Erich Scheurmann aus Höri am Bodensee. ---------- Das Buch an sich ist gegliedert in elf Kapitel, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigen. Die Sprache mutet kindlich-naiv an und viele Dinge werden zum Teil etwas seltsam umschrieben, wenn Tuiavii scheinbar die richtigen Worte fehlen. Am Ende jeder Rede spricht der Südseehäuptling seine Untertanen und Brüder direkt an und vergleicht seine Erkenntnisse mit dem Leben auf Samoa selbst. So handelt zum Beispiel das erste Kapitel mit der Überschrift „Vom Fleischbedecken des Papalagi, von seinen vielen Lendentüchern und Matten“ von der für ihn sehr befremdlichen europäischen Kleidung und dem regelrechten Zwang des Europäers, seinen Körper zu verhüllen. Die Kultur des Tuiavii aus Tiavea wird in den Reden zum Ideal einer christlichen Lebensweise erhoben und nicht als ursprüngliche und vor allem unmissionierte Kultur dargestellt. Der Naturzustand als Gegenposition gegenüber der europäischen Zivilisation ist hier nicht gewünscht. Die Natur dient hier vielmehr als Bezugsobjekt der Wahrnehmung. Tuiavii übt Kritik am Kapitalismus, an rastloser Aktivität, Intellektualismus, dem Großstadtleben und anderen gesellschaftlichen Mängeln. Der Weg hinaus aus dieser Misere führt nur über Gott, weswegen ich die Reden als christliche und nicht als soziale Zivilisationskritik bezeichnen würde. --------- Fernab von dieser doch nun eher wissenschaftlichen Betrachtungsweise hat das Buch natürlich seinen Charme. Unbestreitbar veranlasst es den Leser, das heutige Leben einmal zu überdenken. Und wenn ein Buch so etwas schafft, empfehle ich es natürlich gerne weiter.

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  • Der Papalagi

    Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea
    Samtpfote

    Samtpfote

    22. September 2014 um 21:27

    Inhalt: Papalagi ist ein aus dem Samoanischen stammendes Wort, welches übersetzt etwa "der Himmelsdurchbrecher" oder auch "der Fremde" oder "der Weisse" bedeuten kann. "Himmelsdurchbrecher" soll davon kommen, dass die Weissen bei der Erforschung von Samoa mit einem Segelboot (wobei den Bewohnern das Segel direkt aus dem Himmel kommend erschien) auf Samoa zugerudert seien. Es habe also so ausgesehen, als hätten die Weissen den Himmel durchbrochen und wären dem Segel entlang auf die Erde geklettert. Die elf verschiedenen Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea richten sich an sein Volk und beschreiben das Leben und Verhalten der Europäer und üben dabei natürlich auch Kritik an deren Umgang mit der Natur und der Anbetung materieller Güter. Wie ich aber gelesen habe, ist der Häuptling eine fiktive Person und die Reden stammen allesamt vom Maler und Schriftsteller Erich Scheurmann. Scheurmann weist mit diesem kleinen Büchlein in kindlicher Sprache, welche die Sprachweise der Inselbewohner imitieren soll, auf verschiedenste Missstände in der europäischen Kultur hin. Die Anbetung des Geldes, das Bauen von Häusern, in die gar keine Sonne und keine frische Luft hinein gelangen kann und die "Unsitte" sich in mehrere "Lendentücher" zu hüllen, obwohl Körper doch so etwas Schönes seien sind nur einige Beispiele aus den Reden. Der Autor hat ein Jahr auf der Insel Samoa verbracht und weiss somit, wovon er spricht und erinnert uns Leser immer wieder ein wenig daran, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Meine Meinung: Das Buch regt sehr zum Nachdenken an, tut dies jedoch auf nicht immer ganz ernste Weise. Mit einem Augenzwinkern und einer sanften Ermahnung gibt es dem Leser einige Gedanken auf den Weg und darf sicher nicht als wortwörtliche Kritik verstanden werden. Ich habe mich beim Lesen sehr gut unterhalten und trotzdem ein wenig blossgestellt gefühlt, musste einige Male laut lachen, aber auch den Kopf schütteln. Alles in allem erscheinen mir die elf Reden nach wie vor als sehr aktuell und passend. Ausserdem halten sich dabei der erhobene Zeigefinger und das gutmütige Schulterklopfen angenehm die Waage. Zusätzliche Infos: Editor: Erich Scheurmann Kartonierter Einband: 117 Seiten Verlag: Let Me Print Sprache: Deutsch ISBN  978-5-87403-647-8

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  • Rezension zu "Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea" von Erich Scheurmann

    Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea
    WilderMajoran

    WilderMajoran

    01. February 2013 um 08:21

    Auch wenn das Buch in den 20er Jahren geschrieben wurde, ist es immer wieder ein Denkanstoß. Scheurmann verfasste die Reden des Südseehäuptlings aus seiner Sicht. Trotzdem erscheinen sie authentisch. Wie würden die Reden wohl heute aussehen?
    Ich denke, das Buch ist zeitlos und gibt Impulse zum Überdenken, was wirklich notwendig ist im Leben.

  • Rezension zu "Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea" von Erich Scheurmann

    Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea
    Lumina156

    Lumina156

    08. August 2007 um 00:23

    Wenn man sich der Sinnlosigkeit des heute geführten Lebens, dass dem wirklichen Leben so weit entfernt ist, bewußt werden möchte - DANN sollte man dieses Buch UNBEDINGT lesen!!! Es zeigt ganz deutlich, wie weit wir von einem friedevollen, befriedigendem, wahren Lebensinhalt entfernt sind. Und es motiviert, das Leben zu vereinfachen!