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CulturalNoise

vor 9 Monaten

(16)

Love Story – eine der größten Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts. Und doch hatte ich mich bisher weder mit dem Buch, noch dem Film beschäftigt. Da kam mir die Hörrunde zur ungekürzten Lesung von Mark Waschke gerade recht. Es wurde ja auch endlich einmal Zeit, sich der Geschichte von Jennifer und Oliver zu widmen.

Was kann ich nun also zur "Love Story" von Erich Segal sagen? Zuerst einmal, dass sie ganz anders ist, als ich erwartet hatte. Anstelle von Schmetterlingen im Bauch und Emotionalität bekommen wir ... Humor. Das ist kein Scherz! Ich habe enorm viel gelacht und geschmunzelt, mich an den sarkastischen und schlagfertigen Worten erfreut. Doch ich habe die große Liebe nicht gespürt. Kein bisschen. Bis zum bitteren Ende – dort änderte sich alles.

Mit der Dramatik ist es auch nicht weit her. Sicher, das Paar hat es nicht leicht, als sich Olivers Eltern gegen die Verbindung stellen und die jung Verliebten plötzlich ohne das Geld der Barretts auskommen müssen. Jennys Vater kann ihnen in finanzieller Hinsicht auch nicht unter die Arme greifen. Er ist selber arm. Doch auch die Not ist nicht zu spüren. Der Ich-Erzähler Oliver wirkt distanziert, umreißt die Geschehnisse nur. Er hat jede Menge spitze Bemerkungen parat und auch Jenny ist enorm schlagfertig und teils sehr bissig. Ihre Unterhaltungen sind köstlich und haben mich wirklich amüsiert. Nichts da mit Drama, es bleibt seichte Unterhaltung.

Erst im letzten Hörabschnitt – er umfasst die Tracks 40 bis 53 – ändert sich die Stimmung grundlegend. Jennifers Erkrankung wird durch Zufall entdeckt und alle Leichtigkeit ist plötzlich verschwunden. Auf einmal sind da auch tiefere Gefühle, die sich bis zum Ende hin immer weiter steigern. Zum Schluss habe ich sogar Tränen in den Augen, weil alles so traurig ist. Und schön. Und so anders als der fröhliche, distanzierte Rest des Hörbuchs.

Nun verstehe ich, weshalb der Autor die heitere Stimmung gewählt hat. Oliver berichtet nach Jennifers Tod von ihrer Beziehung. Er musste ihr versprechen, ein "lustiger Witwer"zu sein und das versucht er verbissen. Er überdeckt seine Trauer mit Sarkasmus. Das gelingt ihm so gut, dass ich – wie gesagt – sehr viel lachen musste und ihre Geschichte kaum ernst nehmen konnte, obwohl sie eigentlich als "tragische Liebe" bekannt ist. Kein Wunder auch, dass Oliver so distanziert klingt. Versucht er doch mit allen Mitteln, eben nicht zu fühlen, um für Jenny stark zu sein.

Mark Waschke macht einen großartigen Job und greift die Stimmung Olivers perfekt auf. Das Ende hat meine ganze Sicht auf die Geschichte und das Hörbuch verändert. Auf einmal finde ich das großartig, was mich bis dahin gestört hat. Auf einmal ergibt alles Sinn. Bis zum Schluss konnte ich nicht verstehen, warum die "Love Story" ein so gefeiertes Buch ist. Inzwischen denke ich anders darüber.

Weil aber erst ganz zum Schluss alles stimmig erscheint, kann und will ich nicht die volle Punktzahl vergeben. Wenn 4/5 der Geschichte nur "ganz nett" sind, ist lediglich eine 4-Punkte-Wertung angebracht. Ein weiterer Grund ist das Tempo der Erzählung – ich meine nicht die Lesung, sondern das gelesene Buch. Ich kann kaum glauben, dass es sich bei der Hörbuch-Produktion des Argon Verlages tatsächlich um eine ungekürzte Version handelt. Alles geht sehr, sehr schnell. Es gibt viele Zeitsprünge und selbst wichtige Themen werden nur kurz angerissen. Aber das Ende versöhnt.

Fazit:
Die große "Love Story" ist gar keine so große Liebesgeschichte. Zumindest fühlt es sich so an. Erst zum Schluss wird aus einer distanzierten, humorvollen Erzählung etwas Dramatisches, etwas Echtes. Wer mitfühlen will beim Verlieben, wer Schmetterlinge im Bauch sucht, der wird hier nicht fündig werden. Wer sich aber für sarkastische Schilderungen und schlagfertige Erwiderungen begeistern kann, sollte zugreifen. Und das Ende lässt alles in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Wertung: 4 Punkte

(Diese Rezension ist erschienen auf www.cultural-noise.de)

Autor: Erich Segal
Buch: Love Story
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